Berthold | Inferno. Die ersten Blitzsiege - Tatsachenroman | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 248 Seiten

Reihe: Inferno

Berthold Inferno. Die ersten Blitzsiege - Tatsachenroman


1. Auflage 2020
ISBN: 978-87-26-44469-8
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 248 Seiten

Reihe: Inferno

ISBN: 978-87-26-44469-8
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der erste Teil der 'Inferno'-Reihe schildert auf sehr eindrückliche Weise den Kriegsalltag zu Zeiten der Blitzkriege von 1939 bis Sommer 1940: Beginnend mit dem kriegsauslösenden Polenfeldzug spannt der Zeitzeuge Will Berthold den Bogen vom Angriff des U-Boots U 49 unter Kapitänleutnant Prien auf eine britische Flotte über die verlustreiche Besetzung des norwegischen Narvik bis hin zur Maas-Überquerung bei Dinant unter Rommel.In seiner aus drei Bänden bestehenden 'Inferno'-Serie beschreibt Will Berthold sehr eindringlich aus eigener Erfahrung als ehemaliger Soldat die Gräuel des Zweiten Weltkriegs. Er hatte sich bei Kriegsende geschworen, einen Beitrag zu leisten, dass solch ein Krieg nie wieder geschehen würde und entschied sich dabei für die Schriftstellerei, mit der er viele Menschen erreichte.

Der gebürtige Bamberger Will Berthold (1924-2000) wurde mit 18 Jahren als Soldat eingezogen. Nach seiner Kriegsgefangenschaft war er Volontär und Redakteur bei der 'Süddeutschen Zeitung' und schrieb u.a. über die Nürnberger Prozesse. Seine über 50 Romane und Sachbücher, in denen er sich hauptsächlich mit dem Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg sowie Kriminalität und Spionage beschäftigte, machten ihn zu einem der kommerziell erfolgreichsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit.
Berthold Inferno. Die ersten Blitzsiege - Tatsachenroman jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Sonderunternehmen P


Ganze Schwärme schriller Möwen kreisen um den schlanken Stahlfisch. Der Kommandant von U 47 ist schon wieder bei Kommodore Dönitz, dem Führer der Unterseeboote, an Bord der im Kieler Hafen liegenden »Weichsel«. Dauerkonferenz in der Messe, die zweite schon innerhalb von zwei Tagen. Dabei kann sich die ganze Crew vorstellen, daß sich der mittelgroße, stämmige Kapitänleutnant Günther Prien – er kann wie ein Junge lachen und wie ein Roßkutscher fluchen – vor dem Auslaufen viel lieber bei seiner hübschen Frau und seiner niedlichen Tochter in der Marinesiedlung Kiel-Wik aufhalten würde.

»Möcht’ nur wissen, was die da ausbaldowern«, sagt der Funkobergefreite Steinhagen.

»Da ist was Besonderes los, verlaßt euch drauf, Kumpels«, entgegnet der Gefreite Thewes von den Mechanikern. »Der Alte«, setzt er hinzu und markiert mit der flachen Hand den Halsausschnitt, wo das Ritterkreuz sitzt, so man es hat, »der will sich wohl die Blechkrawatte verdienen.«

»Warum auch nicht«, versetzt der Maschinengefreite Hötzer. »Da fällt sicher auch was für uns ab.«

»Mindestens das EK II«, erwidert Thewes. »Und vielleicht noch ‘n Heimaturlaub dazu.«

»Damit du dann anständig angeben kannst«, sagt Steinhagen und zahnt mit den Mundecken fast bis zu seinen Ohren. »Als Held der sieben Meere.«

Die Umstehenden lachen, und dann beginnt wieder das Ratespiel, ob es diesmal in die Nordsee geht, in den Atlantik oder wieder in die Bucht von Biskaya. Weisheiten werden verzapft. Einer erzählt dem anderen, was er nicht weiß, bis sich der junge Oberleutnant Varendorff in das Palaver einmischt. »Was gibt’s denn hier zu quasseln, Leute?« fragt er. »Ist ein Hellseher unter euch?«

»Nein, Herr Oberleutnant«, antwortet Werder, der Maschinen-Maat. »Kein Spökenkieker.«

»Also, dann haltet auch gefälligst die Klappe«, entgegnet der II WO.

»Dazu ist noch im Einsatz genug Gelegenheit«, mault Hötzer. »Wo geht’s denn diesmal hin, Herr Oberleutnant?«

»Was weiß ich«, läßt Varendorff die unziemliche Frage durchgehen. »Aber wenn ich’s wüßte, würde ich es Ihnen auch nicht auf die Nase binden. Ihr seid ja neugierig wie alte Weiber.«

»Kameradenschwein«, murmelt einer aus dem Hintergrund, sicherheitshalber so leise, daß es der II WO nicht hören kann.

U 47 ist nach seiner ersten, bereits erfolgreichen Feindfahrt längst aus der Werft zurück, überholt und bereits für den nächsten Einsatz ausgerüstet. Alle Besatzungsmitglieder haben sich zurückgemeldet, die Mannschaft ist vollzählig, das Boot aufgebunkert und bis in den letzten Winkel mit Proviant vollgepfropft. Nun lungert die Besatzung im Hafen herum, zuerst auf dem Wohnschiff »Hamburg« und jetzt an Bord von U 47, mit den Augen in den Matrosenkaschemmen, mit beiden Beinen aber auf dem einsatzklaren Tauchboot.

Ausgehverbot, dabei haben sie Geld wie Heu. Nachts träumen sie von versenkten Bruttoregistertonnen und Sonderurlaub, der dem Einsatz folgen wird; Milchgesichter, in denen bei der Heimfahrt Seemannsbärte sprießen werden – so es eine Rückreise gibt.

In der sechsten Kriegswoche haben alle Boote bis auf drei ihre Stützpunkte längst wieder erreicht. U 35 operiert noch im Ärmelkanal, aber zu zwei weiteren Tauchbooten war der Funkkontakt abgerissen, was das Schlimmste befürchten ließ. Kurz darauf bestätigt sich ihr Untergang, als die Briten bekanntgeben, daß sie U 39 nach einem Angriff auf die »Arc Royal« am 14. September versenkt haben und von ihnen sechs Tage später – nach einem kombinierten Zerstörer- und Bomberangriff im Butt of Lewis – auch U 27 gestellt und vernichtet worden ist. Die Besatzungen dieser ersten beiden U-Boote, die eine endlose Verlustliste anführen werden, waren bis zum letzten Mann von den Tommies aufgefischt worden.

An Bord von U 47 ist das Debakel seit Tagen bekannt. Kaum ein Grund zur Unruhe. Mehr Bedauern für die abgesoffenen Kumpels, die in diesem Krieg auf Lametta und Orden, Sonderverpflegung und Sonderurlaub und auf die U-Boot-Zulage verzichten müssen.

Die Männer von U 47 dreschen Skat, erzählen einander Witze oder zum hundertsten Mal, was sie im Urlaub mit den Mädchen alles angestellt haben. Die Gespielinnen der Phantasie werden immer schöner und üppiger, richtige Tittenfees mit Prachtärschen, und jeder läßt den anderen mal an sie heran und ermuntert ihn noch zum Kameradendiebstahl.

Mitten in der verbalen Matratzenschlacht unterbricht Oberleutnant Endraß, der I WO, die Freizeitbeschäftigung.

Seine Befehle wirbeln die Crew auseinander; sie sind knapp und klar und doch unverständlich, weil es ein Blödsinn ist oder eine Schikane, den Kahn zuerst bis zum letzten Winkel vollzustopfen und dann die Hälfte des Proviants wieder an Land zu schaffen. Sie führen die Befehle aus, schweigend und gespannt, aber beim Essen merken sie, daß ihnen der Teufel in den Labskaus gespuckt hat.

Zuerst die Sache mit den Torpedos: Die Todesaale mit Preßluftantrieb werden ausnahmslos gegen elektrische ausgetauscht. Das läßt sich noch halbwegs erklären, denn die Kompressorgeschosse haben 180 Kilo Sprengkraft weniger als die jetzt an Bord genommenen und ziehen eine verräterische Blasenbahn. Vielleicht will der Alte diesmal nur ganz dicke Pötte knacken.

Aber dann kommt’s erst richtig toll: Der Brennstoff, der auf jeder Feindfahrt knapp ist, wird auf einmal zur Hälfte aus den Tanks gepumpt. Das rare Trinkwasser ist ebenfalls teilweise abzulassen, und die wasserdichten Proviantsäcke verkehren in falscher Richtung. Die geschätzte Sonderverpflegung, die sonst in Form von Hartwürsten und Schinken malerisch von der Decke baumelt – ein Stück Schlaraffenland inmitten der Seehölle –, wird wieder von Bord geschafft. Dabei ist klar: Ein Seemann dieser Waffengattung ißt häufig im Stehen oder gebückt oder im Liegen und oft mit dreckigen Händen, doch stets nur das Feinste. Er hat die Taschen voller Zigaretten, wenn auch bei ständigem Rauchverbot. Sonst heißt es: 40 Mann und ein Klosett, aber jetzt verfolgt der Maschinengefreite Biermann verblüfft, wie sogar der zweite Schiffsgarten, sonst – Zweck geht vor Notdurft und Delikatesse – bis obenhin mit Verpflegung vollgepfropft, jetzt geräumt wird. »Mensch«, sagt er, »zwei Scheißhäuser; das wird die reinste Luxusreise!«

»Schön wär’s«, entgegnet Werder. »Entweder setzen die uns auf halbe Ration, oder wir sind in drei Wochen schon wieder in Kiel.«

»Oder im Herbst bei der Kartoffelernte in Schottland«, unkt Thewes.

»Schnauze!« versetzt Werder gereizt.

Keiner will sich an der Schwarzmalerei beteiligen, und eine Stunde später unterbricht der zurückkehrende Kommandant ohnedies alle Debatten. Die Besatzung tritt zu seinem Empfang am Oberdeck an. Kapitänleutnant Prien steigt aus dem Verkehrsboot, schon von weitem erkennbar an seiner weißen Mütze; auf seiner Uniformjacke leuchtet das brandneue Band zum EK II wie ein frischer blutiger Schnitt. Der Alte ist erst 31 – für einen U-Boot-Kommandanten bald ein Methusalem-Alter. In Lübeck geboren und in Leipzig aufgewachsen, diente er als Offizier der Handelsmarine, mit einem »Kapitän auf großer Fahrt«-Patent.

Der Kapitänleutnant nickt seinen Männern zu, spricht ein paar Sätze, aber die Erklärung, auf die sie brennen, gibt er nicht. Sie verhehlen ihre Enttäuschung, so gut es geht. Die Besatzung von U 47 – im Durchschnitt 20 Jahre alt – weiß, daß ihr Kommandant ein Mann mit Hirn und Mumm ist, ein gelernter Mariner, der sich auf See fast sicherer bewegt als an Land. Das ist schon die halbe Lebensversicherung, und den Rest müssen sie sich dazudenken.

Bevor der Kapitänleutnant den Befehl »Leinen los!« gibt, kommt es zu einer Zufallsbegegnung, die ihm einen Moment lang mehr Gänsehaut verschafft als explodierende Wasserbomben: U 40, von der Torpedoübernahme vom Arsenal Kiel-Gaarden zurückkehrend, läuft in die Förde ein. Beim Vorbeifahren kommt es zu dem üblichen Plausch von Brücke zu Brücke. »Na, Günther«, ruft Leutnant Barten durch die Flüstertüte, »hast du was Besonderes vor?«

»Wir laufen aus«, antwortet Prien.

»Na, der Alte wird ja nicht so verrückt sein und dich in die Höhle des Löwen schicken«, entgegnet Barten lachend, und der Kommandant von U 47 erstarrt einen Moment.

Kommodore Dönitz ist so verrückt, und Prien ist noch verrückter, den ihm freigestellten Wahnsinns-Raid zu wagen. Nur Oberleutnant Endraß und Obersteuermann Spahr, beide auf Geheimhaltung vergattert, kennen das Ziel des Sonderunternehmens P, das der US-Konteradmiral Dan Gallery später mit den Worten »Die größte individuelle Kriegstat zur See, die noch lange Jahre gelten wird« würdigt.

Der Kommandant von U 40 hat, ins Blaue schießend, zufällig ins Schwarze getroffen. Prien und Barten, zwei Freunde, winken sich noch einmal zu; sie wissen nicht, daß sie sich nie mehr wiedersehen werden, denn am gleichen Tag, an dem Prien in die Basis der Home Fleet eindringen wird, explodiert, auf eine Mine gelaufen, U 40 im Kanal und sinkt sofort. Keine Überlebenden.

E-Motoren ziehen das 66,5 Meter lange Schiff von der Pier weg. U 47 wendet ins Fahrwasser. Die Diesel-Motoren werden angeworfen. Das Unterwasserboot mit vier Offizieren und 36 Mann Besatzung tuckert durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal zur Nordsee, die so kurz nach Kriegsbeginn bei den deutschen Matrosen noch nicht Mordsee...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.