Berthold / Mohr | Vögel füttern, aber richtig | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

Berthold / Mohr Vögel füttern, aber richtig

Das ganze Jahr füttern, schützen und sicher bestimmen
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-440-50426-0
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das ganze Jahr füttern, schützen und sicher bestimmen

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

ISBN: 978-3-440-50426-0
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ganzjährig füttern – ganzjährig helfen. Professor Peter Berthold und Gabriele Mohr von der Vogelwarte Radolfzell haben in vielen Jahren erforscht: Wer den gefiederten Gästen ganzjährig gutes Futter anbietet, schadet ihnen nicht, sondern leistet einen wichtigen Beitrag zum Vogelschutz! Die Autoren stellen die wichtigsten Arten, die Futterstellen besuchen, vor und informieren über die Zufütterung für Wildvögel, die Anlage von Futterstellen zur Winter- oder Ganzjahresfütterung, gesunde Futtermischungen und den Umgang mit kranken Vögeln. Die zahlreichen Tipps und konkreten Angaben zur individuellen Fütterung je nach Art machen dieses Buch zum wertvollen Ratgeber für alle, die unsere heimischen Vögel beobachten und schützen möchten

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Weitere Infos & Material


DIE GESCHICHTE DER FÜTTERUNG

HILFREICHE KUMPANEI

Futterbezogene Kumpanei zwischen Menschen und Vögeln hat sicher seit Urzeiten große Bedeutung gehabt. So wie heute noch Häher in nordischen Wäldern Lagerfeuer aufsuchen, um zu stibitzen, Kolkraben auch bei uns nach Schüssen von Jägern herbeieilen, um Aufbruch zu ergattern, haben Raben- und andere Vögel sicher urzeitliche Siedlungen und Jagden besucht, um Futter zu beziehen, aber auch unseren Vorfahren lästige Konkurrenten wie Bären und Wölfe angezeigt. Wann daraus systematisches Füttern wurde, wissen wir nicht, sicher jedoch schon vor vielen Jahrhunderten, und zwar zunächst vor allem zum Fang und Verzehr von Vögeln, wie viele Anleitungen zeigen1. So wie die Futterstelle als Anlocke zum Beutemachen startete, dienten auch die heutigen Nist-„Hilfen“ zunächst als „Startopf“, „Starmeste“ (von mästen) zur Fleischbeschaffung für „Starensuppe“ usw.77 Wann und wo erste Futterstellen zur uneigennützigen Zufütterung von Wildvögeln entstanden, lässt sich nicht mehr ermitteln. In Großbritannien wurden mindestens seit dem 16. Jahrhundert Essensreste in Gärten gestellt, damit sie von Vögeln genutzt werden konnten90. Bei uns mag es ähnlich gewesen sein: Gutherzige Bäuerinnen duldeten sicher zumindest bei strengem Winterwetter nicht nur da und dort Spatzen, Ammern u. a. im Hühnerfang, sondern warfen ihnen auch mal eine extra Handvoll Körner zu, Metzger hängten Schweinenäbel und Jäger abgehäutete Fuchskerne in Bäume (die von Meisen u. a. bis auf das Skelett abgepickt wurden106). So mag sich das Zufüttern von Wildvögeln allmählich eingebürgert haben.

Früher wohlbekannt – heute fast vergessen: Fuchskerne, Sauschwarten usw. locken Vögel an wie die Fliegen, bis alle Fett- und Fleischreste verzehrt sind.
© Fredrik Widemo

ERSTE VOLKSBEWEGUNG ZUM VOGELSCHUTZ

Regelmäßiges Vögelfüttern zu Schutzzwecken entwickelte sich erst im 20. Jahrhundert. Für Deutschland schreibt Liebe 1894133, dass „die Winterfütterung in den letzten 20 Jahren da und dort mehr volkstümlich“ geworden sei, aber noch „in ganzen Gauen“ fehle. Mit dem Gewahrwerden erheblicher Bestandsrückgänge bei Vögeln, der Gründung von Tierschutzverbänden und der Entwicklung einer Naturschutzideologie begann im frühen 20. Jahrhundert auch eine Volksbewegung hin zu intensivem Vögelfüttern, das im Hinblick auf Futtermittel und -geräte „eine ganz neue Industrie“ ins Leben rief, wie Hennicke 1912105 in einem „Handbuch des Vogelschutzes“ beschreibt, in dem er auch formuliert: Aufgabe des Vogelschutzes sei es, „den Vögeln das zu ersetzen, was ihnen durch unsere Kultur genommen worden ist“.

Ein ägyptisches Taubenhaus, dargestellt auf einem römischen Mosaik, in dem neben Tauben auch Spatzen und andere Vögel Futter fanden
© Daniel Haag-Wackernagel

WELTWEIT: ENTWICKLUNG ZUR GANZJAHRESFÜTTERUNG

In Deutschland hat das euphorisch auflebende Vögelfüttern bald einen Dämpfer erfahren: durch die beiden Weltkriege und die danach folgenden Zeiten von Arbeitslosigkeit, bitterer Not und vor allem Nahrungsmangel. In dieser Zeit entwickelte sich von Neuseeland über Asien, Südafrika und die USA, in denen Vögel zu füttern z. T. erst viel später als bei uns populär wurde, das Zufüttern ganz selbstverständlich zur Ganzjahresfütterung, wie z. B. das Handbuch „Feeding Wild Birds in America“ von Baicich u. a. 201510 beschreibt. In Großbritannien – dem im Vogelschutz führenden Land Europas – hat sich die Ganzjahresfütterung trotz aller Kriegswirren ebenfalls schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg flächendeckend etabliert. Das regte Wissenschaftler an, die Fütterung durch umfangreiche systematische, nunmehr fast 50-jährige methodische, biologisch-ökologische sowie tierhygienische Untersuchungen zu begleiten, vor allem:

den GBFS – „Garden Bird Feeding Survey“ des BTO (British Trust for Ornithology), der seit 1970/1971 die an Fütterungen auftauchenden Arten, ihre Populationsdynamik, den Futterverzehr und dessen Auswirkungen mit fast 20 000 Beobachtern untersucht87, 217

den GWB – „BTO/CJ Garden BirdWatch“, ein Gemeinschaftsprojekt des BTO mit dem Futtermittel-Anbieter „CJ WildBirds Foods“, der v. a. das Verhalten der Vögel, aber auch Hygiene- und Gesundheitsprobleme verfolgt48

das WFFB – „Winter Food for Birds“-Programm des BTO, das den Einfluss der Zufütterung von Vögeln in der offenen Landschaft erforscht209

das „BirdAid Project“ der RSPB (Royal Society for the Protection of Birds), das sich ähnlichen Aufgaben wie das WFFB-Programm widmet209

die GBHi – „Garden Bird Health Initiative“ der UFAW (Universities Federation for Animal Welfare), die mit rund 1000 Beobachtern Fragen der Hygiene von Futterstellen und eventuelle Krankheitsprobleme untersucht.48

Dazu kommen Hunderte von Studien, die sich mehr mit einzelnen Fragen beschäftigen; siehe unten.

IN DEUTSCHLAND: ABSURDE DIFFAMIERUNG

Auch in Deutschland setzte mit dem Populärwerden des Vögelfütterns eine Fülle von Untersuchungen ein, die zunächst vor allem Futterhäuser und -mittel betraf, auch das Fernhalten unerwünschter Arten („Antispatz“-Kampagne) und später besonders die Ansiedlung „nützlicher“ Vogelarten durch Zufütterung zur „Schädlings“-Bekämpfung im Forst, Obst- und Weinbau106, 156. Leider hat dann ab den 1940er-Jahren die beschriebene kriegsbedingte „Delle“ im Vögelfüttern deren Weiterentwicklung bei uns stark beeinträchtigt. Als Vogelschutz in Deutschland in den 1960er-/1970er-Jahren wieder auflebte, geschah Seltsames. Um wissenschaftliche Positionen zu sichern, distanzierten sich viele namhafte Ornithologen bis hin zu Vorstandsmitgliedern der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft und selbst Vertreter von Vogelschutzwarten von der Anbringung von Nistkästen und dem Vogelfüttern als „unnützer Piepmatzologie“ und proklamierten dafür den „wertvollen“ Vogelschutz auf wissenschaftlicher Basis140. Als Entschuldigung für diese ablehnende Haltung mag in gewissem Umfang gelten, dass es damals noch etliche „Allerweltsarten“ gab, die noch als „Schädlinge“ bekämpft wurden (Stare) und von Fütterungen in unerwünschter Weise profitierten. Dennoch: Im Ausland blieb diese negative Haltung völlig unverständlich und erst recht die schauerlichen Blüten, die sie trieb. Extremisten vom NABU formulierten nämlich (noch 1999!): „Die Erkenntnis ist hart, aber klar: Vogelfütterung ist kein Vogelschutz … Wenn wir füttern, tun wir das also für uns! Vogelschutz ist Menschenschutz“229, und vom BUND (noch 2002!): „Es wird … vermutet, dass … mehr Vögel an unsachgemäßer Fütterung sterben als mit Hilfe der Fütterung vor dem Tod bewahrt werden … es überleben Vögel, die zufällig nicht das falsche Futter gefressen haben“79.

Derartiger nicht zu überbietender Unsinn – übrigens für uns Anlass, 2006 die erste Auflage dieses Buches zu veröffentlichen – wurde in keinem anderen Land der Erde zusammenschwadroniert und hat natürlich seine Gründe. Von den Wissenschaftlern, wie beschrieben, fallengelassen, fiel bei uns im Gegensatz zum Rest der Welt der „primitive“ Vogelschutz wie vor allem das Füttern in die Hände von Laien, die sich in zwei Lager spalteten. Die Linientreuen des guten alten „Deutschen Bundes für Vogelschutz“ mit ihrer „Vogelmutter“-Begründerin Lina Hähnle versorgten natürlich nach wie vor ihre Vögel liebend gern und erfolgreich mit Futter und Nisthilfen. „Moderne Gummistiefel-Ökologen“ hingegen, motiviert, aber leider oft ohne fundierte Kenntnisse, die sich zu „Höherem“ berufen fühlten wie Einflussnahme auf die Politik und vielerlei Aktionismus, empfanden das Füttern bald als Ballast und Gefahr. Ballast, weil sie gar nicht mitbekamen, welch hohen Stellenwert das Füttern wildlebender Vögel inzwischen für den Artenschutz weltweit erreicht hat, und Gefahr, weil Konkurrenz für den Eigenbedarf an Mitteln. Längst verbrauchen die einst rein ehrenamtlich tätigen Vogelschützer heutzutage Unsummen an Mitteln für den Unterhalt ihrer zahlreichen Naturschutzzentren, den Druck von Informations- und Werbematerial usw. und sehen es deshalb oft gar nicht gern, wenn Spender ihrer Meinung nach sinnlos Geld fürs Vögelfüttern ausgeben. In Aufrufen wie z. B. „Mehr spenden – weniger füttern“ (www.luxnatur, 30.11.2005) entlarven sie sich als direkte Konkurrenten, die inzwischen sozusagen unseren Rotkehlchen das Futter wegfressen möchten.

Blaumeise mit Räupchen vorm Nistkasten: Wenn irgend möglich, füttern Vogeleltern das richtige Futter an ihre Jungen.
© Frank Hecker

Und dann gibt es außer den „Konkurrenten“ für zu fütternde Vögel zwei weitere Gruppen von Fütterungsgegnern – die „hehren Puristen“ sowie die „weltfremden Utopisten“, darunter nicht wenige Wissenschaftler. Von ihnen hört man etwa, die „Natur“ habe es so eingerichtet, dass wildlebende Vögel immer ihr Auskommen finden, wenn man ihnen ihre Lebensräume belässt (und wo – bitte – ist das noch der Fall?) oder auch („Naturschutz heute“ 2007): „Die Natur sei kein Freiluft-Zoo“ (gemeint ist wohl „Freiland“-Zoo), und deshalb sei Zufüttern fehl am Platz. Dabei haben wir...



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