Berthold | Pinien sind stumme Zeugen | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 351 Seiten

Berthold Pinien sind stumme Zeugen


1. Auflage 2018
ISBN: 978-87-11-72700-3
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 351 Seiten

ISBN: 978-87-11-72700-3
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges tauchen in der Schweiz Dollar-Blüten auf. Ein Wirtschaftszusammenbruch droht, denn weitere Blüten werden auch in den USA entdeckt. CIA, FBI und die US-Notenbank ermitteln auf Hochtouren, allen voran Captain Steel, den man aufgrund seiner Kenntnisse aus dem Zweiten Weltkrieg zum Sonderbeauftragten ernennt. Denn schon damals wurden seines Wissens nach Dollarscheine in Millionenhöhe gedruckt, von denen seither jedoch jede Spur fehlt. Steel nimmt die Suche nach den Druckplatten also erneut auf, und eine erste Spur führt ihn nach Italien, und zwar direkt zur Cosa Nostra, dem Zentrum des organisierten Verbrechens, und ihrem Anführer, dem skrupellosen 'Il Calabrese'.

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»Nicht bevor diese GM-Sache erledigt ist«, behauptet Gipsy. »Weißt du, wir legen den Entwurf eines Werbefeldzugs für die neuen Automodelle vor. Man hat in Detroit nicht auf uns gewartet. Es geht um einen sehr, sehr hohen Werbeetat und …«

»Dich habe ich gern«, sagt Steel, »aber deine Firma fängt an, mich zu nerven. Also, wir sehen uns vor deinem Abflug?«

»Abgemacht«, erwidert Gipsy. »Love, Bob.«

»Love, Gipsy«, antwortet er und legt auf.

Steel sieht einen Moment lang ins Leere und kommt nur in Raten von Mary Sandler in die Gegenwart zurück. Er steht am Fenster und starrt auf den Innenhof. Frauen waren für Steel immer das Zweitwichtigste im Leben, wenn er einen Fall zu klären hatte. Das Bedauern um das ausgefallene Rendezvous klingt langsam ab. Er spürt zugleich Zorn und Befriedigung. Jedenfalls hat sich die US-Army, als sie seinerzeit vorzeitig und dilettantisch die Fahndung einstellte, bis auf die Knochen blamiert – freilich auf Kosten des amerikanischen Steuerzahlers. Wenn ein selbstherrlicher Haudegen wie Partaker einen unbotmäßigen Draufgänger wie ihn um Hilfe angehen muß, dann ist er mit seiner Weisheit ziemlich am Ende.

»Na, was hälst du von ihm, James?« fragt Ginty nebenan.

»Er ist exzellent«, erwidert Partaker. »Steel hat Verstand, Instinkt, Erfahrung, Zivilcourage – und genügend gesundes Mißtrauen. Fraglos Extraklasse. Er wird uns über den Kopf wachsen, aber wir könnten keinen Besseren finden. Jetzt müssen wir nur sehen, daß wir es schaffen, ihn einzuspannen und festzunageln.«

Robert S. Steel schüttelt sich Gipsy Sandler endgültig aus dem Bewußtsein und stellt sich ganz auf die Realität ein: Es brennt, und er ist womöglich der einzige Feuerwehrmann, der die Flammen ersticken kann, sagt er sich mit gewissem Stolz.

Er spürt etwas in sich aufsteigen, das er von früher her kennt: Spannung, Hellsichtigkeit, Ungeduld; und er weiß, daß es Jagdfieber sein muß.

»Erledigt?« fragt der CIA-Vice den Eintretenden, der in seinem Vorzimmer telefoniert hat.

»Leider«, antwortet Steel. »Sie wissen ja gar nicht, was Sie mir verdorben haben.«

»Setzen Sie es mir auf die Rechnung …«

»Das«, antwortet der Gast gedehnt, »können Sie mir nicht bezahlen.«

Partaker nickt zustimmend und lächelt, wie einer, der es besser weiß. »Sorry, Bob. Sie wissen doch am besten, was auf dem Spiel steht und daß ich da keine Rücksicht auf Ihr Privatleben nehmen kann. Die Engländer hatten fast drei Jahre Zeit, neues Papiergeld herauszubringen, und wir wissen erst seit einer Woche, was uns droht. Sie sind in unserer Situation …« Der Mann mit dem zerklüfteten Gesicht ist es nicht gewohnt, Gesprächspartnern Honig um den Mund zu schmieren, auch wenn er etwas von ihnen will – und so wirkt er leicht verärgert als er eingesteht: » … wirklich unersetzlich.«

»Bob«, sagt Craig Ginty eindringlich, »ich habe vom ersten Moment an gewußt, daß wir dich dringend brauchen, und darauf bestanden, dich heranzuziehen und in die Fahndung einzuschalten. Bis wir einen Mann deiner Qualität einarbeiten könnten, würden wir ein halbes Jahr benötigen – genau so viel Zeit, wie die US-Notenbank für die Herausgabe neuer Not-Banknoten veranschlagt.«

»Bob«, knetet ihn Partaker wieder, »Sie sind doch auch privat ein Mann mit Geld, Sie wissen auch auf dieser Ebene genau, was uns allen bevorsteht, wenn …«

»Woher wissen Sie, daß ich Geld habe, James?« unterbricht ihn der Besucher.

»Ich habe Sie mir genau angesehen, Bob. Sehr genau.«

»Und mich auch ansehen lassen?« fragt Steel spöttisch.

»Es wurde nichts versäumt«, versucht ihm Partaker auszuweichen.

»Wenn zu Ihren Ermittlern zum Beispiel in New York ein Mann mit einer Knollennase und Sommersprossen oder ein anderer mit einer Stirnglatze in einer braunen Lederjacke gehörten, dann setzen Sie diese Burschen gefälligst gleich an die Luft, James. Sie sind mir aufgefallen, obwohl ich wirklich nicht darauf gefaßt war, daß mich der Geheimdienst beschatten läßt.«

Ein Drahtzieher des Untergrunds zeigt, auch wenn er ertappt wird, ein Pokerface, aber ganz schafft es der CIA-Gewaltige nicht, den Ärger auf seine Leute zu unterdrükken. Einen kurzen Moment lang verrät sein hautiges Gesicht einen Anflug von Unmut. Dann zerlegt er sein furchtbares Lächeln in ein Verwirrspiel von Falten. »Hör mal weg, Craig!« sagt er dann. »Ich spreche jetzt natürlich off the record: Wir sind noch ein sehr junger Laden, und ich mußte eine ziemliche Flaschensammlung übernehmen. Aber«, setzt er drohend hinzu und zeigt die Schneidezähne wie der Wolf im Märchen den sieben Geißlein, »Flaschen sind zerbrechlich.«

Partaker merkt, daß sein Geständnis bei den beiden Zuhörern mehr Schadenfreude als Bedauern auslöst. »Außerdem«, flüchtet er in die Notlüge, »wollte ich auch prüfen, wie weit Major Steel noch auf Draht ist. Ich gratuliere. Sie haben bestanden. Es war Ihre letzte Hürde, Bob.«

»Was heißt hier Hürde?« fragt der Besucher ungeniert. »Vor meiner Beförderung zum Major? Haben Sie die vielleicht auch veranlaßt?«

Partaker schüttelt den Kopf.

»Ja oder nein?« stellt ihn der Besucher.

»Als ich mir auf Betreiben Craigs Ihr Dossier angesehen hatte, machte ich das Verteidigungsministerium darauf aufmerksam, daß Sie eine besondere Ehrung verdient hätten …«

Der Besucher erfaßt erstmals, wie weit er schon ungefragt in die Affäre hineingezogen worden ist. Sein Instinkt hat sich rechtzeitig gemeldet, und einen Moment lang überlegt Steel, ob an dieser Verschwörung nicht auch Mrs. Gipsy Sandler beteiligt sein könne. Das gleiche Flugzeug? Reisebekanntschaften schließt er häufig. Das gleiche Hotel? Ist auch schon vorgekommen, bei zwei anderen Gelegenheiten. Die offenen Arme? Ein Mann wie er erntet meistens mehr Frauengunst als Ablehnung. Und in anderen Fällen hatte er sich auch nicht gefragt, ob seine Partnerin eine erstklassige Schauspielerin und er ein ganz gewöhnlicher Trottel sein könnte.

»Nun hören Sie mir einmal bitte eine Minute zu, ohne mich zu unterbrechen«, reißt ihn sein Gastgeber aus solcherlei Überlegungen. »Craig und ich haben die Absicht, Sie zum Sonderbeauftragten einer gemischten CIA-FBI-Fahndungskommission in Europa mit unbeschränkten Vollmachten zu ernennen. Sie unterstehen niemandem. Sie sind der alleinige Chef dieser Task Force, Sie haben keinerlei Schwierigkeiten mit Geld oder mit Diensträngen zu erwarten, die Ihnen formell übergeordnet sind. Sämtliche Auslandsvertretungen stehen Ihnen zur Verfügung mit Rat, Geld, Helfern, Autos oder Flugzeugen. Sie können ohne Rückfrage darüber verfügen, aber Sie müssen es nicht. Ich nenne Ihnen unter der Hand die Namen unserer Leute, die ich für tüchtig und zuverlässig halte. Sie erhalten einen Diplomatenstatus. Sämtliche Botschafter und Militärbefehlshaber werden angewiesen, Sie in jeder Weise zu unterstützen, ohne irgendwelche Fragen zu stellen. Alle Geheimakten – auch die der Polizei – werden Ihnen auf Wunsch zugänglich gemacht. Vereinbarungen, die Sie treffen, werden von uns eingehalten. Sie sind an keinerlei Dienstvorschriften gebunden.« Partaker unterbricht sich kurz. »Haben Sie mich verstanden, Bob, oder soll ich es noch einmal wiederholen?« Er stellt fest, daß der Besucher doch noch immer ungläubig ist. »Sie sagten ja selbst, Bob, daß Sie sich als Jurist und Kriminalist nicht mit Stümperei abfinden können. Fein – hiermit eröffne ich Ihnen alle Möglichkeiten, die Ihnen die US-Army idiotischerweise verschlossen hat. Was meinen Sie dazu, Bob?«

»Lassen Sie mich doch erst einmal nachdenken, James«, erwidert der Anzuheuernde. »Völlig freie Hand kann es doch gar nicht geben.«

»Richtig«, bestätigt Ginty. »Die Selbstherrlichkeit würde nur durch die Bitte eingeschränkt, James oder mich von dem Fortgang deiner Ermittlungen zu unterrichten. Umgekehrt erhälst du von uns alle eingehenden Informationen. Ich möchte ausdrücklich feststellen, daß der US-Präsident uns beide persönlich ermächtigt hat, dich mit diesen Vollmachten auszustatten. Du weißt ja, höchste Gefahr in Verzug und …«

»Welcher Präsident?« fällt ihm Steel ins Wort.

»Der amtierende.«

»Und was tut ihr, wenn ihn übermorgen Dewey ablösen wird?«

»Dann lassen wir uns von Dewey diese Vollmachten bestätigen.«

»Wenn er es nicht tut?«

»Baloney«, schaltet sich Partaker ein. »Er muß es. Als früherer Generalstaatsanwalt ist er vom Fach.«

»Vielleicht verweigert er die Zustimmung gerade deswegen«, entgegnet Steel feixend.

»Lassen Sie das bitte meine Sorge sein«, antwortet der CIA-Vice, und seine Lippen werfen Triangel. »Sie handeln wie besprochen. Gesetze sind für Sie dabei nicht unbedingt verbindlich. Wenn Sie sie brechen müßten – und wenn Sie über Leichen gehen sollten –, hätten Sie von uns jede, aber auch jede Rückendeckung.«

»Und das geben Sie mir schriftlich, James?« provoziert ihn Steel.

»Nein«, entgegnet sein Gesprächspartner hart. »Aber ich wiederhole es ausdrücklich vor Ihrem alten Freund Craig.« Er grinst breit. »Ich nehme an, daß Sie mich für einen alten Fuchs halten, der höchstens aus Versehen mal die Wahrheit sagt. Aber Craig würden Sie doch trauen, oder?«

»Schon eher«, schränkt der Mann ein, dem man eine so fantastische Offerte unterbreitet.

»Also: ja oder nein?«

»Sie überreden mich nicht, Sie bestechen mich.«

»Well – dann lassen Sie uns Nägel mit Köpfen machen.«

»Gut«, sagt Robert S. Steel. »Einverstanden, aber nur und ausdrücklich unter den aufgezeigten Bedingungen.«

»Für die Dauer Ihrer...



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