E-Book, Deutsch, Band 5
Reihe: The Mallorens-Reihe
Beverley Das Verhängnis des Marquis
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98637-691-8
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 5
Reihe: The Mallorens-Reihe
ISBN: 978-3-98637-691-8
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Eine Countess, die ihren Titel nicht verlieren will und ein Marquis mit düsterem Geheimnis…
Die historische Liebesroman-Reihe geht prickelnd weiter!
Als der König höchstpersönlich dem Marquis von Rothgar aufträgt, Diana Westmount, die Countess of Arradale, nach London zu begleiten, treffen zwei der willensstärksten Persönlichkeiten Englands aufeinander. Beide leben schon lange in selbstgewählter Einsamkeit. Die unabhängige Lady Diana fürchtet durch eine Heirat ihren Titel und ihre Freiheit zu verlieren und Rothgar hütet ein düsteres Geheimnis aus seiner Vergangenheit. Kann ein Moment der Gefahr – und eine Nacht der Leidenschaft – ihre eisige Selbstbeherrschung ins Wanken bringen?
Weitere Titel dieser Reihe
(ISBN: 9783986377120)
(ISBN: 9783986373122)
(ISBN: 9783986377083)
(ISBN: 9783986376116)
Erste Leser:innenstimmen
„Ich kann die historische Liebesroman-Reihe rund um die Mallorens nur empfehlen und freue mich schon auf den nächsten Teil!“
„Mitreißend und gefühlvoll geschriebene Liebesgeschichte, die ans Herz geht.“
„Zeichnet sich durch viel Leidenschaft, Spannung und Gefühl aus – alles was ich von einer historical Romance erwarte!“
„Mein bisher liebster Teil der Regency Romance-Reihe.“
Jo Beverley war eine der Top-Autorinnen historischer Liebesromane und eines von nur zwölf Mitgliedern der Romance Writers of America Hall of Fame. Sie wurde in England geboren und wuchs dort auf. Sie hatte einen Abschluss in englischer Geschichte von der Keele University in Staffordshire. Sie wanderte mit ihrem Mann nach Kanada aus, kehrte aber nach England zurück, wo sie blieb, bis sie am 23. Mai 2016 verstarb. Sie hinterlässt ihren Ehemann, zwei Söhne und eine Enkelin. Jo schrieb über vierzig Romane, die in ihrer Heimat England spielen, und sie gewann zahlreiche Auszeichnungen, darunter fünf RITA Awards.
Weitere Infos & Material
1
London, Juni 1763
Als sich die Türen des öffneten, fiel ein breiter Lichtstrahl auf die mitternächtliche Straße und versetzte die herumlungernden Dienstboten unmittelbar in Bewegung. Männer mit tropfenden Fackeln in den Händen eilten herbei, um den Gentlemen, die aus dem Club traten, Licht für den Heimweg anzubieten. Einer der wartenden Lakaien stieß nun einen schrillen Pfiff aus und erhielt Antwort von einer der Kutschen, die sich auf der Straße hintereinander aufreihten. Die Laternen der Kutsche leuchteten auf, und in ihrem Licht wurde ein Pferdeknecht erkennbar, der den beiden Pferden die Futterbeutel abnahm.
Der livrierte Lakai kehrte nun zur Tür zurück, um sicherzustellen, dass die aufdringlichen Fackelträger seinen Herrn, den berühmten Marquis von Rothgar, und Lord Bryght Malloren, seinen Halbbruder, nicht belästigten. Mit ein paar frechen Bemerkungen zogen sich die jungen Burschen zurück, um ihr unterbrochenes Würfelspiel irgendwo in der Dunkelheit fortzusetzen.
Der Marquis und sein Bruder trugen funkelnde Edelsteine, und an Hals und Handgelenken blitzte kostbare Spitze auf, doch sie waren nicht auf eine Leibwache angewiesen. Die kleinen Degen, die beide trugen, hatten zwar vergoldete Scheiden und kostbare Zierleisten, doch das ließ sie nicht minder gefährlich aussehen - schon gar nicht in den Händen dieser Männer.
Während sie darauf warteten, dass ihre Kutsche vorfuhr, plauderten sie ein wenig miteinander. Da öffneten sich die Türen des beliebten Clubs erneut, und eine Gruppe von Personen kam lachend heraus, wobei einer der Männer völlig falsch vor sich hin grölte.
Auf einmal sang er ein ganz anderes Lied:
Denn Keuschheit ist 'ne feine Sache,
Doch kleiden kann sie leider nicht.
Die Lady spricht zu viel von Takt,
Ihr Gentleman war schließlich nackt!
Die beiden Brüder drehten sich blitzschnell um, zischend fuhren ihre Degen aus den Scheiden.
„Ich denke“, sagte der Marquis in sanftem Tonfall zu dem Sänger, „dieses Lied ist schon vor ungefähr zwei Jahren aus der Mode gekommen. Ihr werdet Euch natürlich für die Geschmacklosigkeit entschuldigen, nicht wahr, Sir?“
Das Lied gehörte zu den Zoten, die sich in der Stadt verbreitet hatten, als Lady Chastity Ware mit einem nackten Mann im Bett erwischt worden war. Die junge Dame hatte ihre Unschuld beteuert, aber nur der Einfluss der Mallorens hatte es möglich gemacht, dies auch zu beweisen und den guten Ruf der jungen Adeligen in der Gesellschaft wiederherzustellen. Chastity war jetzt die Frau des jüngsten Halbbruders des Marquis, Lord Cynric, der nun Lord Raymore hieß.
Der Sänger, ein blonder, vermutlich betrunkener Mann, grinste höhnisch beim Anblick der Männer mit ihren schmucken Degen. „Eher will ich verflucht sein. Es wird einem Mann doch wohl erlaubt sein, ein Lied zu singen.“
„Nicht dieses!“, fuhr Lord Bryght ihn an und richtete seine Degenspitze auf den Hals des Mannes. Der Sänger zuckte nicht mit der Wimper, doch seine Begleiter wichen erschrocken zurück.
Der Marquis schob die Klinge seines Bruders mit der Spitze seines eigenen Degens beiseite. „Wir werden hier auf der Straße keine Raufereien und kein Gemetzel veranstalten, Bryght.“ Er musterte den unverschämten Sänger. „Euer Name, Sir?“
Die meisten Männer in London hätten bei dem eisigen Tonfall des Mannes, den viele den ‚Finsteren Marquis‘ nannten, vor Angst gezittert, aber dieser hier grinste einfach weiter. „Curry, Mylord. Sir Andrew Curry.“
„Dann, Sir Andrew, werdet Ihr Euch dafür entschuldigen, dass Ihr so falsch gesungen habt.“
Die Nasenflügel des Sängers bebten leicht, aber das Grinsen verschwand nicht aus seinem Gesicht. „Versucht Ihr immer noch, Parfüm über den Misthaufen zu kippen, mein lieber Herr Marquis? Mit Reichtum und Macht kann man nicht alles erreichen, und Gestank vergeht nicht.“
„Schon gar nicht bei einer Leiche“, bemerkte der Marquis. „Ich fürchte, wir müssen uns verabreden. Euer Sekundant?“
Anstatt beunruhigt zu sein, lächelte Curry. „Giller?“
Einer seiner Anhänger, der viel zu vornehm angezogen war und ein Mopsgesicht hatte, schien zu schlucken, sagte aber: „Natürlich, Curry. Stets zu Diensten.“
„Mich wird Lord Bryght vertreten“, sagte der Marquis, „aber die Details können wir sicher noch klären. Welche Waffen?“
„Degen.“
„Mit Degen also, um neun am Teich im St. James's Park. Sehr beliebt bei Selbstmördern.“ Er schob seinen Degen zurück in die Scheide und bestieg seine wappenverzierte Karosse.
Lord Bryght steckte seinen Degen ebenfalls in die Scheide zurück. Currys gute Laune gefiel ihm nicht. „Giller? Tretet mit mir zur Seite, wenn es Euch beliebt.“
„Warum?“, fragte der untersetzte Mann ängstlich.
„Weil du mein Sekundant bist, du Trottel“, sagte Curry. „Lord Bryght ist in solchen Dingen offenbar peinlich genau. Geh und versichere ihm, dass ich mich nicht entschuldigen werde.“
Giller, der aussah, als befürchtete er, aufgespießt zu werden, stolperte auf seinen hohen Absätzen hinüber.
Bryght sagte: „Es ist unsere Pflicht, Mr. Giller ...“
„Sir Parkwood Giller, Mylord.“
„Ich bitte um Verzeihung, Sir Parkwood. Es ist unsere Pflicht zu versuchen, eine Versöhnung herbeizuführen. Sprecht mit Sir Andrew, und wenn er seine Meinung ändert, kontaktiert mich im Malloren House, Marlborough Square.“
„Seine Meinung ändert!“, rief Giller. „Curry! Das kann ich mir nicht vorstellen. Versucht stattdessen lieber, den Marquis vom Selbstmord abzubringen.“ Erhobenen Hauptes drehte er sich um und stolperte zu seinen Freunden zurück.
Es war also genau so, wie Bryght vermutet hatte. Curry war ein professioneller Duellant.
Bryght stieg in die Kutsche, die sofort abfuhr. Hinter ihnen setzte der Gesang gleich wieder ein. Bryght fluchte, aber sein Bruder legte ihm die Hand auf den Arm. „Morgen wird die Sache angemessen geregelt, Bryght.“
„Angemessen? Warum zum Teufel kämpfst du mit einem solchen Mann? Du hättest ihm die Peitsche dafür geben können, dass er dieses Lied gesungen hat, und keiner hätte Einspruch erhoben.“
„Meinst du? Wir sind hier nicht im autokratischen Frankreich, und außerdem schien er es auf ein Duell abgesehen zu haben.“
„Normalerweise bist du Leuten gegenüber, die es auf etwas abgesehen haben, nicht so entgegenkommend“, gab Bryght barsch zurück, denn das erinnerte ihn an das Anliegen, weswegen er nach London gekommen war. Doch jetzt war sicher nicht der richtige Zeitpunkt, das Thema anzusprechen. Wenn das hier schief ging, hatte sich der Grund seines Anliegens ohnehin erledigt.
Im flackernden Licht der Kutschenlampe war Rothgars Lächeln zu sehen. „Es wäre schwierig gewesen, das Duell zu verhindern, Bryght, und ich wollte gerne wissen, wer es auf meinen Tod abgesehen hat.“
Bryght sah seinen Bruder an. „Du weißt also, welchen Ruf dieser Mann hat?“
„Ein Maulheld und ein Betrüger, der ungestraft davonkommt, weil die Leute seine Degenkünste fürchten. Ihm muss eine Lektion erteilt werden.“
„Aber warum ausgerechnet von dir?“ Rothgar war ein guter Fechter, ein verdammt guter, aber es gab immer jemanden, der noch besser war. Das war genau das, was Rothgar seinen jüngeren Halbbrüdern eingepaukt hatte, als er sie aufs Leben vorbereitete.
Rothgar gab keine Antwort. Bryght fiel nun wieder ein, was sein Bruder soeben gesagt hatte. „Du glaubst, er ist ein bezahlter Mörder? Zum Teufel, Bey, wer sollte deinen Tod wollen?“
Rothgar warf ihm einen seiner typisch sanften Blicke zu. „Du glaubst, ich bin Hass und Furcht nicht wert?“
Bryght lachte - Rothgar brachte ihn oft zum Lachen -, sagte dann aber: „Er wird dich nicht umbringen. Heutzutage kann ein Mann für ein Duell mit tödlichem Ausgang ins Gefängnis geworfen werden.“
„Was sollte er sonst vorhaben? Er ist doch gerade so ein typischer heimatloser Schurke, der unbekümmert nach Frankreich flieht, besonders wenn er einen großen Beutel Blutgeld als Belohnung bekommt.“
„Wessen Geld?“
„Das ist eben die Frage. Mir fallen keine Feinde ein, die so weit gehen würden. Wirklich ziemlich beunruhigend. Der Hass deiner Feinde bemisst sich wohl an der Größe deiner Erfolge.“
„Wahrscheinlich hast du Feinde, von denen du nicht einmal weißt.“ Rothgars beinah fröhliche Stimmung machte Bryght wütend. „Weil du der ‚Finstere Marquis‘ und die ‚Schwarze Eminenz‘ von England bist, meint jeder, er könne dir ganz einfach sein persönliches Unglück in die Schuhe schieben.“
Die beiden Beinamen trug der Marquis nicht ohne Grund: Strenge, Arroganz, aber auch Düsterkeit umgaben ihn; und die undurchsichtige Rolle des dunkelhaarigen Aristokraten in der Regierung, wo er als einflussreicher Berater des Königs und graue Eminenz im Hintergrund die Fäden in der Hand hielt, hatte ihm in Kombination mit seinem dunklen Erscheinungsbild die leicht abgewandelte Bezeichnung ‚Schwarze Eminenz‘ eingebracht.
Rothgar lachte aber bloß. „Meinst du wie bei einem warzigen alten Dorfweib? So eine, der die einfachen Leute die Schuld für ein missgebildetes Kind oder plötzlich verendete Schafe geben?“
Bryght musste nun auch lachen, denn ein unpassenderes Bild für seinen eleganten, kultivierten Bruder konnte man sich kaum denken. Als die Kutsche im Vorhof von Malloren House hielt, verflog seine gute Laune jedoch schnell. Wünschte jemand seinem Bruder den Tod?
Diese Frage hielt ihn die Nacht über wach. Und er grübelte immer noch darüber,...




