Bégaudeau | 8 erotische LeXuS-Geschichten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 213 Seiten

Reihe: LUST

Bégaudeau 8 erotische LeXuS-Geschichten


1. Auflage 2021
ISBN: 978-87-28-04311-0
Verlag: LUST
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 213 Seiten

Reihe: LUST

ISBN: 978-87-28-04311-0
Verlag: LUST
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Lust und Unterdrückung im fiktiven Belgrame... In Belgrame leben alle nach den strikten Regeln des LeXuS. Pold wächst zusammen mit Don auf. Beide tauschen sich ständig über den LeXuS und dessen Regeln aus, die ihrer Ansicht nach dem rechtsstaatlichen Prinzip von Belgrame widersprechen. Dies gilt besonders für die Regulation von Sexualität. Denn Lust kann man nicht verbieten... Die Kurzgeschichten-Sammlung enthält: LeXuS: Pold, der Abtrünnige - Eine erotische Dystopie LeXuS: Lucrèce, die Verdammte - Eine erotische Dystopie LeXuS: Lazarus, der Enteignete - Eine erotische Dystopie LeXuS: Ild & Legassov, die Partner - Eine erotische Dystopie LeXuS: Don, der Betreiber - Eine erotische Dystopie LeXuS: Die Gründer - Eine erotische Dystopie LeXuS: Azad, der Wächter der Gerechtigkeit - Eine erotische Dystopie LeXuS: Axis, der Arbeiter - Eine erotische Dystopie

Virginie Bégaudeau ist eine französische Schriftstellerin und Chronistin, die sich leidenschaftlich für historische Fresken und erotische Texte interessiert. Ihre Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt.Ihr neuester Roman 'Copenhagen Baby' markierte einen Wendepunkt in ihrer Karriere.
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Weitere Infos & Material


LeXuS: Pold, der Abtrünnige


Artikel M-792 - Code 19

Alle Bürger Belgrames, die gegen die Autorität der Rechtsstaatlichkeit

verstoßen, oder diese anfechten, werden strafrechtlichen Sanktionen unterzogen.

Alle Bürger Belgrames, deren Sexualität oder Ideologien gegen die Dogmen des

LeXuS verstoßen, werden im Distrikt X inhaftiert.

Registrationsnummer: -
Alias: Pold Vandertch
Geschlecht: männlich (bestimmt)
Ort: Abtrünniger

Seinen eigenen Tod vorzutäuschen ist, wie lautlos zum Orgasmus zu kommen. Es ist spannend und man fühlt sich schuldig zugleich.

Für Belgrame bin ich seit Jahren tot. Ich kann nicht sagen, dass ich für meine Freunde und Familie auch gestorben bin, denn ich habe niemanden jenseits der Grenze. Ich hielt mich für einen Freund, vielleicht sogar für einen Liebhaber. Ich war einfach ein naiver Mann. Zumindest dachten sie das immer noch von mir. Und das ist gut so. Es ist nicht Hass oder Verbitterung, die mein Handeln motivieren, sondern eher der Wunsch nach Gerechtigkeit. Außerdem bin ich jetzt zu alt, um sentimental zu werden. Ich genieße unsere Siege und träume davon, denen, die meine Hilfe brauchen, die Hand zu reichen und sie zu begleiten. Wir nähern uns einem Wendepunkt unserer Gesellschaft. Wir können nicht zurück, und ein Schritt nach vorn könnte uns das Leben kosten. Doch das ist es, was wir beschlossen haben, um die letzten Freiheitsträumer dieser Stadt zu retten.

Ich bin kein Held. Ich habe nie geglaubt, dass ich meinen Kameraden, meinen Nachbarn, denen, die wir aus Belgrame befreit haben, besonders nahe stehe. Wenn ich die Wahl gehabt hätte, hätte ich mich wahrscheinlich nicht so sehr darum bemüht, Freiheit zu schaffen. Es waren die Umstände, die mich zum Handeln angetrieben haben. Sie kamen nach und nach, nach der Krise, die ich durchlaufen habe.

Aber es gibt Worte und Gesten, die wir nicht vergessen. Träume, die uns nie wirklich verlassen. Darüber denke ich nach, als ich die letzten für den Bau der Bombe benötigten Teile erhalte. Weiter. Ich bin mir der zerstörerischen Kraft und des enormen Risikos, dessen wir ausgesetzt sind, durchaus bewusst. Diese Waffe der Zerstörung hat Jahre meines Lebens in Anspruch genommen, ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie perfekt funktionieren wird, aber in einem Monat wird sie ihren Dienst tun. Beim Praegressus werden wir, die Abtrünnigen, Belgrame aufwecken. Der Widerstand neigt sich dem Ende zu. Wir haben alle unsere Möglichkeiten ausgeschöpft. Es ist an der Zeit, das Schicksal zu wenden.

***

Ich hatte immer großen Respekt vor den Partnern, die mich großgezogen haben. Ich verstand schnell ihre Rolle innerhalb Belgrames, ihre Erwartungen und die Opfer, die sie brachten. Seltsamerweise beeinflusste meine künstliche Geburt meine Suche nach einer Identität nicht. Ich glaube, ich habe sie schon in sehr jungen Jahren verloren. In Belgrame gibt es keine biologischen Eltern, nur das Zusammenführen von Geschlechtszellen, die der leistungsfähigste Algorithmus der Welt für einander auswählt. Ich war von diesem Vorgang fasziniert, er überstieg mein Verständnis, und zwar noch mehr als unsere Zuordnung durch den LeXuS. Für mich war die Entscheidung, in welchem Distrikt wir dienen würden, keine Wissenschaft, sondern eine Übung, die die Betreiber täglich in ihren gigantischen Türmen durchführten. Sie sagen, dass der LeXuS alles bestimmt, aber der LeXuS ist nichts weiter als ein Buch voller Gesetze. Er kann keine Nummern zuweisen. Eine unfehlbare Software, die von Top-Spezialisten entwickelt wurde, übermittelt uns ein STRAP, ein E-Mail-Vorgang, der mit unserer vorübergehenden Registrationsnummer verbunden ist und für offizielle Benachrichtigungen verwendet wird. Es wird uns persönlich und in Rekordzeit zugestellt und ist zum sofortigen Lesen gedacht. Auch in diesem Fall erkenne ich die Zuverlässigkeit der Maschinerie und die außergewöhnliche Organisation dieses Staates an.

Eine Leidenschaft für Belgrame und sein ganzes System, die wir beide teilten, brachte Don und mich als Paidi, die letzten Kinder unserer Partner, einander näher. Wir lebten unter demselben Dach und genossen dieselbe Erziehung wie Hunderte von Belgramer Paidi. Streng und nahe am LeXuS. Wir lernten die meisten Gesetze kennen und konzentrierten uns darauf, wie wir uns unsere Zukunft vorstellten. Don war sich sicher, dass er ein Betreiber werden würde. Er würde an seinem 18. Geburtstag in Distrikt O geschickt werden und seine Karriere dort ohne jegliches Bedauern beginnen. Ich hingehen hatte Angst vor dem Vorgang, vor den Protokollen. Ich war nicht gerade der geborene Anführer, geschweige denn ein guter Vorgesetzter. Ich strebte nach etwas anderem, ich wusste nur nicht, wonach.

Aber wir hatten das Vergnügen, Belgrame gemeinsam zu studieren. Ich musste die Protokolle analysieren, genauer gesagt, die Organisation und Arbeitsweise derjenigen, die uns anführten. Don war besonders an Strategien interessiert. Zusammen verfügten wir über ein unglaubliches Wissen und würden das von Don so sehr geschätzte System ausbauen und es später verbessern oder es sogar abschaffen können. Wir verstanden seine Erfolge und Niederlagen. Unsere Partner, Margot und Hector sagten nie etwas Widersprüchliches zu uns. Aus Angst davor, in Distrikt X, den Distrikt der Unglücklichen, geschickt zu werden, aus dem es kein Entkommen gab? Oder schlimmer noch, aus Angst, über Nacht spurlos zu verschwinden? Denn in Belgrame wurden Autorität und Gleichgewicht durch Gewalt erzielt. Ein bewaffneter Einsatztrupp, der zu allem bereit ist, um die Stadt zu erhalten, die Wächter der Gerechtigkeit, agiert im Schatten, bleibt aber immer in Sichtweite der Bürger, damit diese ihn nicht vergessen.

Don und ich verbrachten ganze Abende damit, über den Aufbau von Belgrame zu debattieren und hatten eine unglaubliche Leidenschaft für seine Gründer. Leider wurde unsere Neugier aber nur selten befriedigt. Der LeXuS war das ultimative Lehrwerk und die, die ihn erschaffen hatten, wurden in den Hintergrund gedrängt. In Belgrame wurden sie nicht verehrt und nur selten erwähnt. Wir wussten kaum, wer sie überhaupt waren: drei schlaue Köpfe, die der Gesellschaft, in der sie lebten, neues Leben einhauchen wollten. Lestad, Xuang und Salazar, seltsamerweise prägte ich mir ihre Namen ein. Sie waren wichtig, um das verstehen zu können, was sie erschaffen hatten. Ich vermutete, dass Don davon träumte, eines Tages so wie sie zu sein. Er war ambitioniert und hatte ein klares Bild davon, wie man einen Staat zu führen hatte. Er drängte mich dazu, mir Katastrophenszenarien auszudenken, die die Sicherheit Belgrames gefährden könnten. Und immer war er der große Retter. Er kannte die Namen aller amtierenden Betreiber, ihre Aufgaben und Stellung.

Ganz offensichtlich hatte er eine besonders interessante Perspektive auf Sexualität. Also auf die Grundlagen Belgrames. Man wollte Sexualität der Einzelnen gesetzlich regeln, um sie zu kontrollieren und Verbrechen zu eliminieren. Studien belegten, dass dies die beste Lösung war. Don hatte auch zu diesem Thema seine eigenen Ansichten. Seiner Meinung nach, wussten nur die Mächtigsten mit ihrer Sexualität umzugehen. Sie ließen sich nicht durch ihre fleischliche Lust ablenken und konnten vernünftig denken, solange ihre sexuellen Impulse reguliert wurden. Und alle anderen? Sie verfügten über keinerlei Urteilsvermögen. Sie waren nicht in der Lage, ihre Libido unter Kontrolle zu halten. Sie hatten keine verantwortungsvollen Positionen, geschweige denn Vergnügungen, verdient. Wir standen am Anfang unseres Erwachsenenlebens, unsere Unreife hing uns noch ein wenig nach, aber ich teilte seine Meinung nicht. Im Gegenteil. Mir wurde schnell klar, dass Belgrame einen Riss hatte. Das Regime würde nicht andauern können, davon war ich überzeugt.

„Du konntest zum Enteigneten werden“, sagte ich ihm.

„Mit Sicherheit nicht!“

„Aber sie sind der Stolz Belgrames, sie sind die Denker und Hüter der Vernunft. Wäre das nicht eine Ehre?“

Aber nein. Don war ein Anführer. Er wollte unbedingt an die Macht, selbst damals schon mit seinen 16 Jahren. Für unsere Partner war auch klar, dass er Betreiber werden würde. Sie waren schon im Vorfeld stolz darauf, ein Kind aufgezogen zu haben, das es zu einer so hohen Position in der Gesellschaft gebracht hatte. Sie wären prestigeträchtige Partner. Sie verdrängten die Vorstellung, dass er ebenso gut ein Enteigneter oder Verbraucher werden könnte, beide Gruppen waren in den Augen von Don und unseren Partnern, die Verlierer Belgrames. Allerdings unterlagen die Enteigneten einer gewissen Moral und verfügten über einen besonderen Status, über den man uns nicht viel lehrte. Aber wir hatten selbst entdeckt, was es mit ihnen auf sich hatte.

Don war davon überzeugt, dass Sex niemals sein Leben beeinflussen würde. Eines abends, am Tag nach seinem 18. Geburtstag, erklärte er es mir in wütendem Tonfall erneut....



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