Bianchin | In der Bucht der Liebe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1821, 144 Seiten

Reihe: Romana

Bianchin In der Bucht der Liebe


1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-86295-107-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1821, 144 Seiten

Reihe: Romana

ISBN: 978-3-86295-107-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Taylors Herz klopft zum Zerspringen, als sie das Herrenhaus an der malerischen Bucht bei Sydney betritt. Hier wird sie von nun an leben. Zusammen mit dem kleinen elternlosen Ben - und dem italienischen Millionär Dante d'Alessandri, mit dem sie sich das Sorgerecht für ihren Neffen teilt. Bisher ist sie Dante möglichst aus dem Weg gegangen. Viel zu stark ist seine Anziehungskraft, zu verwirrend sind die Gefühle, die er in ihr auslöst. Doch nun wohnt sie unter einem Dach mit ihm in dieser traumhaften Villa am Ozean, und Dante ist ihr Tag und Nacht gefährlich nahe ...



Helen Bianchin wurde in Neuseeland geboren und wuchs dort als Einzelkind auf. Sie hatte eine äußerst lebhafte Fantasie und liebte schon damals Bücher über alles. Als Teenager begann sie zu schreiben, doch sie vernachlässigte ihr Hobby, als sie als Sekretärin in einer kleinen Kanzlei arbeitete. Als sie 21 war, setzten sie und eine Freundin von Auckland nach Melbourne, Australien über, wo sie jobben und sich das Land anschauen wollten. Wenn Helen Bianchin auf eine Romanze an Bord gehofft hatte, wurde sie enttäuscht: Sie musste wegen Seekrankheit vier Tage in ihrer Kabine bleiben! Fünfzehn Monate blieben sie in Melbourne, um dort zu arbeiten, dann kauften sie sich ein Auto und durchquerten Australien drei Monate lang von Nord nach Süd und von Ost nach West. In Cairns blieben sie schließlich längere Zeit, um sich Geld für ihre Reise nach Sydney zu verdienen. Dort passierte es: Helen traf ihren zukünftigen Ehemann Danilo Bianchin. Danilo war kürzlich aus Treviso, Italien, eingewandert und versuchte sich als Tabakfarmer. Sein Englisch war schrecklich, und sie sprach kein Wort Italienisch. Sechs Monate später heirateten sie, und Helen fand sich in einer ihr völlig fremden Welt wieder: Sie musste für neun Tabakfarmer kochen, Tabak bündeln und täglich 200 Hühner, etliche Enten und einige Puten versorgen! Helen Bianchins Italienischkenntnisse verbesserten sich rapide, und im Nachhinein betrachtet, gab es in ihrem neuen Leben oft schreiendkomische Momente. Aber oft war es auch schwer: Sie musste auf einem Holz befeuerten Herd kochen, heißes Wasser gab es erst, wenn sie es sich zubereitet hatte, die Dusche und Toilette waren primitiv, und während der Fußballsaison musste sie für zwei Fußballteams die Uniformen waschen. Dazu kamen Überflutungen, Hagelstürme, die die Ernte gefährdeten, harte Arbeit und die Totgeburt ihres ersten Kindes. Dann wurde zu ihrer großen Freude ihre Tochter Lucia geboren. Drei Jahre später kehrte die Familie nach Neuseeland zurück, wo sie die nächsten sechzehn Jahre wohnte. In diesen Jahren erblickten die Söhne Angelo und Peter das Licht der Welt, und irgendwann kam Helen Bianchin der Gedanke, über ihre Erlebnisse auf der Farm ein Buch zu schreiben: eine Romance mit einem Helden, der aus Italien stammte. Allerdings war der Held in ihrem ersten Roman reich, und ihm gehörte die Farm - schriftstellerische Freiheit! Es dauerte ein Jahr, bis sie auf der alten Reiseschreibmaschine am Esszimmertisch ein halbwegs passables Manuskript fertig ...
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1. KAPITEL

„Muss ich heute in den Kindergarten?“

Taylor umarmte den kleinen dunkelhaarigen Jungen liebevoll, der ihr seine Ärmchen so fest um den Nacken legte, dass es ihr beinah das Herz zerriss. Egal, was kommt, ich werde ihn behüten und beschützen, schwor sie sich.

Mit seinen dreieinhalb Jahren hatte er vor gar nicht langer Zeit einen schweren Schicksalsschlag erlitten, der sein Leben völlig veränderte. Seine Eltern waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Praktisch von dem Augenblick an, als meine Schwester Casey verkündet hat, sie sei schwanger, gehört Ben d’Alessandri zu meinem Leben, dachte Taylor wehmütig. Gemeinsam hatten sie das Kinderzimmer eingerichtet, die Spielsachen und die Babyausstattung ausgesucht, und Caseys Mann Leon hatte die Schwestern stillschweigend und schmunzelnd gewähren lassen.

Bei der Geburt hatte Taylor ihrer Schwester zusammen mit Leon Mut zugesprochen, und anschließend hatte sie zu Tränen gerührt beobachtet, wie glücklich die beiden über ihren neugeborenen Sohn waren.

Der tragische Tod der Eltern, den Taylor und Casey als Teenager hatten verkraften müssen, hatte sie zusammengeschweißt. Sie unterstützten sich gegenseitig in ihren Berufswünschen und freuten sich gemeinsam über die Erfolge, die sie erzielten. Casey hatte Jura studiert, und Taylor war eine erfolgreiche Autorin geworden. Ein Jahr vor Bens Geburt war ihr erster Thriller erschienen.

„Warum kann ich nicht mir dir zu Dante fahren?“, fragte der Junge weiter.

Allein bei der Erwähnung des Namens von Leons Bruder verkrampfte sich Taylor der Magen.

„Du kannst ihn später sehen“, erwiderte sie sanft und betrachtete sein ernstes Gesichtchen.

„Versprochen?“

„Ja“, bekräftigte sie.

„Heute noch?“

„Wahrscheinlich.“ Sie wollte nicht zu viel versprechen. „Aber wir dürfen nicht vergessen, dass er einen langen Flug hinter sich hat. Du weißt doch, er kommt aus Italien und muss gleich nach seiner Ankunft an einer wichtigen Besprechung teilnehmen.“

Ben nickte. „Mit dir, stimmt’s?“

„Ja.“

„Ihr redet über mich“, stellte er fest.

Sie war immer wieder von Neuem erstaunt darüber, wie viel der aufgeweckte Junge schon verstand und wie gut er die Zusammenhänge durchschaute. Außerdem konnte er sich für sein Alter außergewöhnlich gut ausdrücken. Ihn zu belügen wäre sinnlos.

„Klar. Du bist doch für uns der wichtigste Mensch auf der Welt. Für dich würde ich sogar mit Drachen kämpfen“, fügte sie scherzhaft hinzu.

„Und mit Löwen.“

Sie küsste ihn auf die Stirn. „Wenn es sein müsste, mit dem ganzen Königreich der Tiere“, versicherte sie ihm feierlich, ehe sie beide in fröhliches Lachen ausbrachen.

„Macht Dante das auch für mich?“

Sich seinen Onkel als Helden vorzustellen fiel ihr überhaupt nicht schwer. Mit seiner imposanten Gestalt und den breiten Schultern wirkte er absolut perfekt. Doch es waren vor allem seine strengen und markanten Gesichtszüge, die Aufmerksamkeit erregten. Seine sündhaft faszinierenden dunklen Augen schienen unendlich viel zu versprechen, sein prüfender, forschender Blick hingegen verursachte ihr ein seltsames Unbehagen.

Kennengelernt hatte sie ihn auf der Verlobungsfeier ihrer Schwester, zu der er extra aus New York eingeflogen war. Ein einziger Blick hatte genügt, um Wünsche in ihr zu wecken, die sich niemals erfüllen würden. Sie hatte Mühe gehabt, die außer Kontrolle geratenen Emotionen zu beherrschen und sich seiner starken Ausstrahlung zu entziehen, die ihr buchstäblich die Sprache verschlug und den Atem raubte.

Dieser Mann beflügelte ihre Fantasie wie kein anderer, und sie konnte sich gut vorstellen, in seinen Armen schwach zu werden. Und genau deshalb war sie auf der Hut und machte lieber einen Bogen um ihn. Sie befürchtete jedoch, dass er wusste, was in ihr vorging. Darauf deutete jedenfalls sein spöttischer Gesichtausdruck hin, als er sie am Ende des Abends zum Abschied federleicht auf die Lippen küsste. Ihr Herz hatte angefangen zu rasen, und verräterische Wärme hatte sich in ihrem Körper ausgebreitet.

„Taylor?“, unterbrach Ben ihre Gedanken.

Rasch nahm sie sich zusammen, imitierte einen Schwerthieb und setzte eine entschlossene Miene auf. „Dante schlägt alle mit seinem mächtigen Schwert in die Flucht.“

Bens Augen wurden immer größer. „Hat er wirklich ein echtes Schwert?“

„Nein, aber das weiß ja niemand.“ Mit Ben auf dem Arm stand sie auf. „So, mein Liebling, es ist Zeit, in die Kita zu fahren. Es macht dir doch Spaß, mit anderen Kindern zu spielen, oder?“

„Ja, es ist ganz okay.“

Sie griff nach ihrer Tasche, schloss die Tür ihrer Dreizimmerwohnung ab und fuhr mit dem Jungen im Aufzug in die Tiefgarage im Untergeschoss, wo ihr kleiner Wagen stand.

Während der kurzen Autofahrt plauderte sie mit dem Jungen über alles Mögliche, um ihn abzulenken. Doch er wirkte beunruhigend in sich gekehrt, als sie ihn in die Obhut der Kindergärtnerin gab. Seine Stimmung hellte sich aber beim Anblick seiner beiden besten Freunde, die auf ihn zuliefen, schlagartig auf. Er strahlte über das ganze Gesicht. Alles, was ihn zuvor bedrückt hatte, schien vergessen, und er winkte ihr lachend nach.

Es brach ihr fast das Herz, ihn hier zurückzulassen. Es war jedoch wichtig für ihn, dass sein Leben nach dem tragischen Verlust seiner Eltern so normal wie möglich weiterging.

Taylor hatte dem Kleinen nach dem Tod seiner Mutter und seines Vaters nach besten Kräften geholfen und dafür gesorgt, dass er sich in den ersten Wochen danach sicher und geborgen fühlte. Allerdings war es für ihn nicht leicht gewesen, mit seinem Kummer und Schmerz zurechtzukommen.

Immer wieder hatte Ben bitterlich geweint, und sie hatte ihn getröstet, so gut sie konnte. Sie selbst hingegen hatte niemanden, der sie in die Arme nahm, wenn sie in der Nacht voller Verzweiflung den Tränen freien Lauf ließ.

Keiner hatte damit gerechnet, dass der schlimmste Fall jemals eintreten würde, für den ihre Schwester und ihr Schwager Vorsorge getroffen hatten. Die beiden hatten bestimmt, dass sie und Dante das Sorgerecht für Ben gemeinsam ausüben sollten, falls ihnen einmal etwas zustoßen würde. Während Taylor den kleinen Wagen durch die Stadt lenkte, fragte sie sich, ob das überhaupt funktionieren könnte, denn Dante lebte in Italien und sie in Australien. Mit anderen Worten, sie waren viel zu weit voneinander entfernt, um ihren Neffen gemeinsam großzuziehen.

Nächtelang hatte sie gegrübelt und sich alle möglichen Lösungen ausgedacht, von denen ihr jedoch keine einzige Erfolg versprechend erschien.

Da Ben ein d’Alessandri war, befürchtete sie allerdings, dass Dante sie unter Druck setzen und ihr etwas vorschlagen würde, womit sie nicht einverstanden sein konnte. Und das machte sie ganz krank. Doch sie war fest entschlossen, sich mit allen verfügbaren Mitteln zu wehren, falls Dante versuchte, ihr den Kleinen wegzunehmen.

Nachdem Dante d’Alessandri aus dem Flieger gestiegen war, ging er durch die Passkontrolle und durchquerte die Ankunftshalle. Wenige Meter vom Eingang entfernt stand die schwarze Limousine für ihn bereit. Er begrüßte seinen Chauffeur freundlich, ehe er sich auf den Rücksitz sinken ließ und sich entspannt zurücklehnte.

Innerhalb weniger Minuten hatten sie den Flughafen von Sydney hinter sich gelassen und fuhren im heftigen Regen, der auf die Windschutzscheibe prasselte, in Richtung Innenstadt.

Nach den Ereignissen der letzten Wochen passte das Wetter zu seiner Stimmung. Er hatte sich mit dem plötzlichen Tod seines Bruders und seiner Schwägerin auseinandersetzen und seine verwitwete Mutter, die in Florenz lebte, trösten müssen. Natürlich hatte er sie nach Sydney zur Beerdigung begleitet und war mit ihr nach Italien zurückgeflogen.

Sein einige Jahre jüngerer Bruder und er hatten sich sehr nahegestanden. Nach dem Studium hatten sie sich dem Wunsch ihres Vaters gefügt und sich in dem Familienunternehmen hochgearbeitet. Ihm selbst war es vorbehalten gewesen, in dem Stammhaus in Italien zu arbeiten, während Leon nach Australien geschickt wurde, um die Niederlassung in Sydney zu leiten.

Obwohl sie sich nicht mehr so oft hatten sehen können, waren sie in ständigem Kontakt geblieben, hatten miteinander telefoniert und regelmäßig E-Mails ausgetauscht.

Jetzt war er nach Sydney gekommen, um Leons Nachlass zu regeln und die erforderlichen Schritte im Zusammenhang mit dem Sorgerecht für den Sohn seines Bruders zu unternehmen. Glücklicherweise war der Kleine an dem Tag, als seine Eltern bei dem schrecklichen Unfall ums Leben kamen, nicht zu Hause, sondern im Kindergarten gewesen.

Dante hatte versprochen, Ben im Falle eines Falles großzuziehen, und das würde er selbstverständlich jetzt tun, so wie es Leon und Casey in ihrem Testament bestimmt hatten.

Bei der Hochzeit seines Bruders mit Casey Adamson vor fünf Jahren war er Trauzeuge gewesen, und er und Caseys Schwester Taylor waren Bens Taufpaten. Damit hatten Taylor und er sich verpflichtet, für den Jungen zu sorgen, wenn es einmal erforderlich sein würde.

Das war natürlich als reine Vorsichtsmaßnahme gedacht gewesen, denn niemand hatte ernsthaft damit gerechnet, dass ein solches Szenario jemals eintreten und der Junge seine Eltern verlieren würde. Taylors Bild stieg vor ihm auf, und Dante kniff die Augen zusammen. Sie war...



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