E-Book, Deutsch, Band 35, 122 Seiten
Reihe: Erotika-Reihe
Billian Die Filmemacher II
1. Auflage 2019
ISBN: 978-87-11-71726-4
Verlag: LUST
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 35, 122 Seiten
Reihe: Erotika-Reihe
ISBN: 978-87-11-71726-4
Verlag: LUST
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
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Autoren/Hrsg.
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Zunächst einmal möchte ich mich all’ jenen vorstellen, die mich noch nicht kennen. Mein Name ist Hans Billian und ich bin von Beruf Filmregisseur. Ich drehe keine Krimis oder langatmige Fernsehspiele, nein, ich beschäftige mich mit einem weitaus interessanteren Thema: dem Porno! Mein Beruf bringt es mit sich, daß in meinem Leben viel Buntes und Ungewöhnliches passiert – die Arbeit mit oft unberechenbaren Schauspielern, zahlreiche Pannen und unliebsame Überraschungen. Ich entschloß mich dazu, all’ meine Erlebnisse in dieser schillernden und knisternden Filmwelt einmal zu Papier zu bringen. Auch im zweiten Band meiner „Memoiren“ möchte ich wieder so richtig aus dem Nähkästchen plaudern ...
Viele Leute sind der Ansicht, daß ich nur wegen des Geldes Pornoregisseur geworden sei. Das stimmt aber nicht, oder doch nur zum Teil. Im Laufe meiner „Karriere“ ist mir immer bewußter geworden, daß mir meine Arbeit wirklich Spaß macht, weil sie kreativ ist und eine echte Herausforderung für mich darstellt.
Allerdings trifft es natürlich zu, daß so manche Darstellerin und so mancher Darsteller allein aufgrund der guten Bezahlung in einem Film mitwirken. So mancher freut sich auf eine ausgefallene oder heikle Szene, weil er dann einen Hunderter mehr herausschlagen kann.
Hierzu gleich ein recht erheiterndes Beispiel:
In meinen Porno-Kinofilm „Heiße Löcher, geile Stecher“, von dem noch die Rede sein wird, gab es die Rolle einer ,grünen Witwe?, die einerseits schüchtern ist, andererseits von zwar unterdrückter, aber vehementer Lüsternheit geplagt wird. Ständig hängt sie mit dem Ohr an der Wand zur Nachbarwohnung, wo ein bildhübsches, vielgefragtes Callgirl seinem Geschäft nachgeht. Als dieses einmal zwei Kunden gleichzeitig zu Besuch hat, bezieht es die einsame Nachbarin in das Liebesspiel ein. Eigentlich sollte nun eine ganz normale Vierernummer folgen, in der die Männer zuletzt wie üblich abschießen. Als ich der für diese Rolle Vorgesehenen – eine junge Mutter aus meinem Bekanntenkreis – die Rolle zu lesen gab, meine sie, man könnte die Entwicklung von der Schüchternheit zur Gier doch dadurch unterstreichen, daß die Frau am Ende den Samen der Männer aufleckt. Aha, dachte ich, ein heimliches Hobby meiner Auserwählten und arrangierte begeistert die Szene um, damit sie zu ihrem Genuß kommen konnte. Als wir aber beim Drehen bei dieser Passage angekommen waren, reagierte sie zu meiner Verblüffung total entgegengesetzt: nein, das ginge denn doch zu weit, das könne man doch nicht von ihr verlangen! Ja gewiß, man habe damals vage von dieser Situation gesprochen, jedoch stehe das nicht in ihrem Vertrag. Da müsse schon eine Zulage rausspringen! Sie lächelte mich durchtrieben an und wir verstanden uns ohne weitere Worte. Kurz und gut: für weitere hundert Mark überwand sie ihren ,Abscheu?.
Ähnlich mißglückt wie der „Spießer“ war das Lustspiel „Ein fleißiger Pinsel“. Wir hatten dazu ein Original-Maleratelier gemietet und über eine Agentur in Paris einen der besten Stars aus Frankreich gebucht: eine gewisse Martine, die später in meinen „Fick Angels“ die Hauptrolle spielte.
Diesmal kam jedoch eine ganz andere, mit der nie nachzuprüfenden Begründung, Martine sei erkrankt. Unhübsch, mit der dusseligen Tätowierung eines Teufels auf dem Po, die wir mit einem großen roten Herzen überkleben mußten – denn vornehme Ladies, wie sie eine spielen sollte, tragen wohl kaum solche Konterfeis auf dem Hintern. Außerdem hatte sie Schwangerschaftsstreifen, die sich kaum überschminken ließen. Streng genommen hätte man sie postwendend zurückschicken müssen. Aber auch hier ergab sich die Situation, daß uns bindende Verträge mit Vermieter und anderen Darstellern im Genick saßen. Peinlich: jeder der beiden männlichen Partner verzog das Gesicht, wenn er sich mit dem deplazierten Import einlassen mußte, was die Potenz nicht gerade jubeln ließ. Ein bezauberndes zweites weibliches Wesen, eine achtzehnjährige Schwesternhelferin aus einer Münchner Klinik, mit der es die Männer am liebsten ununterbrochen getan hätten, konnte den Karren nicht aus dem Dreck ziehen, obwohl ich ihre Rolle so weit wie möglich vergrößerte.
Ebenso schwach fiel „Bonifatius Kiesewetter“ aus, der als Kostümfilm – man schreibt das Jahr 1912 — ausgerechnet noch teuer war. Unglücklich die Hälfte der Besetzung – darunter eine Darstellerin, die bei jedem Stoß jammerte, wie weh es ihr täte. Auf sie war ich besonders sauer; als Verkäuferin in einem Supermarkt waren wir mal ins Gespräch gekommen und sie hatte mir monatelang in den Ohren gelegen, ich möge sie doch etwas zuverdienen lassen, sie würde ,zu allem? bereit sein! Aber als sie den Vertrag in der Tasche hatte, fing sie an, Zicken zu machen. Es hat für einen Regisseur – jedenfalls für den eines Pornos – in so einem Fall keinen Sinn, großen Stunk zu machen und sie etwa zusammenzustauchen. Das bringt die allgemeine Stimmung nur endgültig auf den Nullpunkt und besonders das sensible Männervolk gerät leicht auf die Straße des Versagens.
Nicht immer muß es böser Wille sein, wenn ein Mädchen plötzlich durchdreht und sich eingestehen muß, daß sie ihren Mut, mit mehreren Partnern zu bumsen, überschätzt hat. In meinem Film „Das Lustschloß der Josefine Mutzenbacher“, den wir in einem Schloß in Tirol drehten, erschien ein Mädchen, das den ersten Drehtag korrekt hinter sich gebracht hatte, am nächsten nicht mehr zur Aufnahme. Vom Hotel, in dem sie einquartiert worden war, erfuhren wir, sie sei abgereist. Ganz offensichtlich hatte sie Bammel vor dem bevorstehenden Drehkomplex gehabt, in dem sie eine etwas komplizierte Nummer mit drei Männern gleichzeitig absolvieren sollte. Sie verzichtete lieber auf die Gage, die leider jedoch nicht soviel ausmachte, wie uns das Nachdrehen des Pensums mit einer neuen Darstellerin kostete.
Das zweite Mädchen in „Bonifatius Kiesewetter“ war auch eine Notlösung, weil wir die ursprüngliche Besetzung feuern mußten. Ihr Freund – leichtsinnigerweise hatte ich ihm erlaubt, zuzusehen – fing mit einemmal an, ihr Regieanweisungen zu erteilen. Als ich mir das verbat, ergriff sie überraschend seine Partei und als ich ihn zum Verlassen des Drehortes aufforderte, ging sie gleich mit. Vielleicht spekulierte sie darauf, daß ich einlenken würde, um sie nicht zu verlieren, aber auf so eine Erpressung darf man sich nicht einlassen, sonst fordert man Wiederholungen geradezu heraus.
Die gelungenste Szene dieses an sich dürftigen Films: wie die junge Baronesse dem Studenten Kieseweter während des Mittagessens in Gegenwart ihrer Mutter mit den Fußsohlen einen Orgasmus beschert! Über dem Tisch: gepflegter Small-Talk, darunter: raffinierte Bein-Arbeit mit Abschußgarantie.
Nach diesen drei danebengegangenen Arbeiten kamen Gottseidank wieder drei, die Volltreffer wurden: „Wie rettet man eine Ehe“, „Die Wirtin von der Lahn“ und „Die Bühne“ – alle mit Patricia Rhomberg, meiner Herzdame, die Furore zu machen begann.
„Wie rettet man eine Ehe?“ gehört zu den wenigen ernsten Pornos, die ich gedreht habe. Es ist bedauerlich, daß die Auftraggeber – jedenfalls war es bei meinen so – der Überzeugung sind, man müsse dem Publikum ausreichend Grund zum Lachen geben, sonst langweile es sich. Ich finde diese Ansicht unsinnig; manchmal ging es mir verdammt gegen den Strich, eine sichtbare, packende Leidenschaft mit Jux zu kombinieren. Tatsache ist, daß die animierende Sinnlichkeit, die diese Filme auf den Betrachter ausstrahlen sollen und deretwegen sie produziert werden, sich meiner Meinung nach nicht entwicklen kann, wenn ständig Dialogwitze und komische Situationen den sexuellen Ablauf stören.
Allerdings mußte man mit dem Aufkommen von Video zwei verschiedene Maßstäbe anlegen. Filme, die fürs Kino hergestellt wurden, waren nicht schlecht bedient, wenn sie neben dem Sex auch einen Schuß Humor aufwiesen, denn was hat man im Kino davon, wenn man geil wird? Weder kann man seine Begleiterin vernaschen noch – oder nur unter größten Vorsichtsmaßnahmen – sich selbst die Freude machen. Als jedoch Ende der siebziger Jahre die Videowelle hochzuschwappen begann, sah die Sache anders aus. Jetzt nahm man die Filme mit nach Hause und sie dienten dazu, die ehelichen oder außerehelichen Aktivitäten anzuheizen und neue Beischlafperspektiven zu eröffnen – da waren Witze et cetera absolut fehl am Platze. Dasselbe galt von Anfang an für Super-8-Filme, die ja nur für den Hausgebrauch bestimmt waren. Doch, wie gesagt: mein Wunsch nach dramatischen Pornos, wie zum Beispiel echte Eifersuchts- oder Nymphomanie-Themen, stieß immer auf taube Ohren.
Ich habe in meinen späteren Werken „Intimes Lustgeflüster“ und „Im Liebesnest der Hippiemädchen“ einige ernstere Komplexe hineinschmuggeln können, aber nur, weil ich selbst der Produzent war. Von den übrigen Filmen behandelt nur „Wie rettet man eine Ehe?“ ein seriöses partnerschaftliches Problem und ich halte ihn nach wie vor für einen meiner besten. Die Situation: eine Ehe ist festgefahren. Die Frau, gespielt von Patricia Rhomberg, hat keine Freude mehr an der fantasielosen Weise, mit der ihr Mann in immer derselben Position seine ,Pflichten? erfüllt. Sie ist frustriert, weil es stets nur samstags geschieht, da man ja am Sonntag ausschlafen kann. Der Besuch eines befreundeten Pärchens bringt sie auf eine Idee, wie sie sich mit List und Konzentration die Höhepunkte abringen könnte, die ihr seit einiger Zeit im ehelichen Verkehr vorenthalten werden.
Als das junge Paar, das ungeniert zugibt, es zu allen...




