Bischof / Steinfeldt | Gute Karten, schlechte Karten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 560 Seiten

Bischof / Steinfeldt Gute Karten, schlechte Karten

Roman lesen - Tarot lernen - Karten legen
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-3163-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman lesen - Tarot lernen - Karten legen

E-Book, Deutsch, 560 Seiten

ISBN: 978-3-7526-3163-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Unterhaltsamer Roman? Fundiertes Tarotwissen? Beides in einem! Dieses spannende Buch, in dessen Mittelpunkt eine junge Frau und ihre Entwicklung über viele Jahre stehen, ist mehr als nur ein Roman: Es ist auch ein innovatives Tarotlehrwerk, das Stoff direkt aus der Praxis bietet. Liebe, Sex, Leidenschaft, aber auch Rückschläge, Kummer und Herausforderungen - das alles begegnet der Protagonistin Melissa auf ihrem turbulenten Weg. Wie die Karten ihr dabei helfen und ein Leben zum Positiven verändern können, davon handelt dieses Buch, das mal witzig, mal frech, mal nachdenklich daherkommt. Ob Anfänger oder Fortgeschrittene - hier werden Grundlagen der Tarotkarten ebenso vermittelt wie neue, interessante Aspekte. Das ist Tarotlernen auf die entspannte Art - eine absolute Weltneuheit!

Geboren 1971 in Stade, seit 2008 freiberufliche Übersetzerin und Autorin der Romane "Der Enklavenmann" und "Nicht genug" sowie der Erzählungsbände "Wendepunkte" und "Kein Sex kann's auch nicht sein". Lebt in den Niederlanden und lernt Tarot.
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Kapitel 1


Teufel – Turm – Neun der Schwerter – „Große Lüge, große Erschütterung, großer Kummer“

Mascha. Meine verflixte beste Freundin Mascha. Nur der habe ich es zu verdanken, dass ich jetzt hier vor diesem Hexenhaus stehe.

Komm ich mir albern vor. Am liebsten würde ich auf dem Absatz kehrtmachen. Was soll ich bloß hier?

Geh doch mal zu der Frau Jessen, hat Mascha gesagt. Die ist gut, wirklich. Nein, das ist kein Hokuspokus. Echt nicht. Die macht das seriös. Mir hat sie sehr geholfen bei meiner Scheidung damals. Du bist so was von fertig, was hast du denn zu verlieren?

Ich muss ihr Fragen stellen, hat Mascha erklärt. Und sie legt dann Karten. Tarotkarten. Die beantworten meine Fragen. Alles, was ich wissen will. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. So läuft das.

In einem der Bond-Filme kommen auch Tarotkarten vor, daran erinnere ich mich noch so vage. Die im Dienst des Superschurken stehende Superkartenlegerin sagt jeden Schritt des Superagenten supergenau voraus. Und legt natürlich im entscheidenden Moment die Karte mit dem nackten, engumschlungenen Liebespaar aus, damit auch der Dümmste kapiert, dass sie mit dem smarten James im Bett landen wird. Und wenig später im Sarg, denn einer der Killer des Superschurken zieht die Todeskarte für sie. In einem Märchen für Erwachsene ja ein ganz amüsanter Gag. Aber jetzt mal im Ernst?

Frau Jessen macht auch noch andere Sachen, habe ich auf ihrer Website gelesen. Bachblüten. Runen. Aura- und Hausreinigung, Engelarbeit. Sagt mir alles überhaupt nichts. Lauter so esoterischer Spinnkram. Wo bin ich hier bloß hingeraten.

Das Foto auf der Website sieht aber sehr nett aus. Eine freundlich lächelnde Frau mit kurzem dunklem Haar und Brille, so Mitte vierzig, schätze ich. Gar nicht spinnerig. Sondern eigentlich ganz normal. Na ja, was hab ich auch erwartet. Eine schrumpelige, alte Kirmeszigeunerin mit Kopftuch, haariger Warze auf der Nase und einäugiger schwarzer Katze auf der Schulter?

Jetzt reiß dich mal zusammen, denke ich. Das Haus ist überhaupt nicht hexig. Und wenn es mir zu bunt wird, kann ich ja jederzeit gehen.

Fertig bin ich, da hat Mascha allerdings Recht.

Wer wäre das auch nicht, wenn sich der Freund nach elf Jahren von einem trennt. Eine Sandkastenliebe so Knall auf Fall endet. Und das, obwohl wir uns doch einig waren.

Und zwar auch im Punkt Kinder.

Nein, ich werde nicht fragen, ob er es sich doch noch anders überlegt und zurückkommt. So tief werde ich nicht sinken. Aber ich will wissen, warum er jetzt, wo dieses Projekt konkret wurde, die Flatter gemacht hat. Schließlich hat er immer genickt und jaja gesagt, wenn davon die Rede war. Ich meine, er hätte doch gleich deutlich sagen können, nö, will ich nicht, jedenfalls nicht in den nächsten zehn Jahren.

Wir wollten es doch beide. Es war doch alles so gut. Oder etwa nicht?

Und dann drücke ich entschlossen auf den Klingelknopf.

Drinnen nähern sich Schritte. Ich drücke die Schultern durch und setze mein strahlendstes, selbstsicheres Hollywood-Lächeln auf. Von dem ich weiß, dass es die Leute über jede Unsicherheit hinwegtäuscht. Die normalen zumindest.

Die Tür wird geöffnet. Nun steht sie vor mir, die Frau von der Website, und sie lächelt genauso freundlich wie auf dem Bild. Sie hat etwas von einer weisen Eule, denke ich. Und bin irgendwie erleichtert.

„Frau Wieland? Wie schön, dass Sie da sind“, sagt sie und gibt mir die Hand. Ich mag ihren Händedruck, er passt zu ihr. Warm, herzlich und nicht zu kräftig. „Kommen Sie doch bitte herein.“

Im Flur ziehe ich die Schuhe aus und sie fragt mich, ob ich ein Paar Pantoffeln haben möchte. Ich schaue mich verstohlen um. Bücherregale an den Wänden; ein Tischchen, auf dem irgendwelche geheimnisvollen Steine ausgelegt sind; eine Vitrine mit Räucherstäbchen und Fläschchen. Ich fühle mich spontan wohl. Gute Aura hier, schießt es mir durch den Kopf. Aber wenn nicht hier, wo dann. Das ist schließlich eine ihrer Serviceleistungen.

Frau Jessen ist groß, schmal und schlank, trägt eine schwarze, weite Hose und einen knallorangen Rollkragenpullover. Orange scheint sie überhaupt zu mögen. In dem Zimmer, in das sie mich bittet, strahlt es einem nur so entgegen von Orange und Gelb in allen Tönen. Als ob die Sonne aufginge. An der Wand hängt ein riesiges Poster, auf dem die Tarotkarten abgebildet sind. Ganz schön viele sind es. Und dann steht da noch eine Liege, so eine wie beim Arzt.

„Darauf behandelt mein Mann seine Massageklienten“, erklärt Frau Jessen, die meinen Blick bemerkt hat.

„Ah, er ist also Masseur?“, frage ich, einfältigerweise.

„Unter anderem – aber er macht auch ganz viel Besprechen, Handauflegen, Energieübertragung, also geistige Heilweisen. Aber massieren tut er schon sehr gut.“

„Ich dachte schon – ob die für Leute ist, die in Ohnmacht fallen, weil die Karten so schlimm sind. Oder auf die Couch müssen.“ Mannomann. Auch nicht gerade der allergeistreichste Spruch.

„Nein, nein“, sagt sie lachend. Sie hat ein sehr jung und fröhlich klingendes Lachen. „Bisher hat es noch keinen niedergestreckt. Und bisher wollten auch alle immer lieber aufrecht sitzen.“

Wir nehmen an einem Tisch in der Ecke beim Fenster Platz, sie mir gegenüber.

„Möchten Sie ein Glas Wasser?“

Ich nicke. „Gerne.“

Sie gießt mir ein Glas Wasser aus einer Karaffe ein, auf deren Boden mehrere Edelsteine liegen. Sicher auch so ein freakiger Schnickschnack. Ich nehme einen Schluck und räuspere mich. Mir ist ein bisschen mulmig zumute. Ich habe so was noch nie gemacht. Und wie immer, wenn ich etwas noch nie gemacht habe, habe ich Angst, mich dumm anzustellen.

„Und jetzt?“, frage ich. „Ich sollte vielleicht dazu sagen … Ich bin eigentlich viel zu rational für solche Sachen. Ich glaube auch nicht daran. Aber meine beste Freundin – Mascha, sie ist auch Kundin bei Ihnen – meinte …“

Frau Jessen lächelt. „Wir schauen einfach mal, wie Sie sich damit fühlen werden.“

Ich stelle Kunden keine Fragen, neuen erst recht nicht, und ich gebe mir auch die größte Mühe, sie nicht nach Äußerlichkeiten zu beurteilen. Aber natürlich ordnet man Menschen, denen man zum ersten Mal begegnet, irgendwie ein.

Frau Wieland ist genau um drei Uhr da, keine Minute zu früh oder zu spät. Sie ist wohl Mitte zwanzig; ihrer Stimme am Telefon nach, die ein wenig rau und recht dunkel ist, hätte ich sie älter geschätzt. Sie hat schulterlanges, stark gewelltes, hellbraunes Haar und auffällig dunkelgrüne Augen. Ihr Gesicht ist hübsch, aber nicht auf die puppige Art, eher burschikos und lebhaft, und sorgfältig geschminkt, vielleicht einen Tick zu sichtbar für meinen Geschmack. Da steht sie, in Jeansrock, Kapuzenshirt, Leggings und silbern glitzernden Schnürsneakern, ein großes, stattliches Mädchen, und lächelt. Ich mag ihr Lächeln, es ist offen, aber auch zurückhaltend.

„Ich bin eigentlich viel zu rational für solche Sachen“, sagt sie mir gleich, als wir uns gesetzt haben. Wie oft ich das schon gehört habe. Es klingt trotzig, wie eine Rechtfertigung. Sehr schade, dass ein Mensch meint, sich für etwas so Menschliches wie Irrationalität rechtfertigen zu müssen.

Manche Kunden erzählen gerne ihre Geschichte. Diese nicht. Das ist eine Kundin, die mir von sich aus nichts erzählen wird. Eine Skeptikerin. Die am Ende einen hieb- und stichfesten Beweis will.

Es stört mich nicht. Während Frau Wieland die Karten mischt, konzentriere ich mich ganz auf meine Aufgabe. Bevor ich für jemanden Karten lege, ganz gleich, wer es ist, bitte ich die universelle Quelle und alle Engel, dass das Beste für diesen Menschen geschehen möge und ich die richtigen Worte finde.

„Sollen wir vielleicht mit einem allgemeinen Überblick beginnen?“, frage ich. „Das ist von allem so ein bisschen, Arbeit, Liebe, Gesundheit ... Daran können wir dann anknüpfen und speziellere Fragen an die Karten stellen, je nachdem, was Sie interessiert.“

Frau Wieland nickt. „Ich überlasse mich ganz dem fachkundigen Profi“, sagt sie, und ihr Ton ist ein wenig ironisch. Aber ihr Blick zeigt Anspannung und eine gewisse Ängstlichkeit. Kein Zweifel, sie steht unter erheblichem Leidensdruck.

Ich beginne die Karten auszulegen. Den Überblick habe ich damals, als ich anfing, mit Tarot zu arbeiten, selbst entwickelt. Er zählt dreizehn Karten, die über jeden Lebensbereich eine Aussage in einem Kartenbild machen und auch innere Prozesse, Hilfen und Hindernisse aufzeigen. Der erste Platz dieses Überblicks und die zwei Karten daneben repräsentieren das aktuell intensivste Thema, egal, ob es der betreffenden Person nun bewusst ist oder nicht.

Bei Frau Wieland taucht gleich an erster Stelle der König der Kelche auf – der geliebte...



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