Bischoff | Das letzte Opfer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 326 Seiten

Reihe: Peter Förster's Fälle

Bischoff Das letzte Opfer

Peter Försters dritter Fall
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7557-5595-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Peter Försters dritter Fall

E-Book, Deutsch, Band 3, 326 Seiten

Reihe: Peter Förster's Fälle

ISBN: 978-3-7557-5595-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als Peter Förster vom nächtlichem Unfall seiner Enkelin Jasmin van Damme erfährt, ahnt er noch nicht, in welch unfassbare Mordserie er geraten würde. Während der Ermittlungen der Kripo stößt Förster auf ein Handy mit Videos von live inszenierten Morden mehrerer Frauen durch einen maskierten Maler. Eine davon ist das Unfallopfer. Durch sie gerät ein weltweit operierendes Online-Netzwerk in den Fokus der Ermittler. Dabei überschlagen sich die Ereignisse und bringen alle Beteiligten an ihre Grenzen. Und der Maler bereitet sein größtes Meisterwerk vor. Die Uhr bis zum Event tickt gnadenlos herunter. »Das letzte Opfer« ist der dritte Band mit und um Peter Förster.

Der Autor Hans Bischoff lebt mit seiner Frau in Überlingen am Bodensee. Er wurde im Mai 1949 in Stuttgart geboren, wo er auch aufwuchs. Nach einem Werbestudium arbeitete er rund 40 Jahre lang erfolgreich in der Werbung: 8 Jahre in leitender Position in der Industrie, 2 Jahre als Agenturgeschäftsführer in Stuttgart, dann führte er 27 Jahre lang von 1987 bis 2014 seine eigene Werbeagentur mit internationalen Kunden. Nach dem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft begann Hans Bischoff 2015 seinen ersten Kriminalroman zu schreiben: »Die smarte Rache«. Ein Jahr später folgte mit »Das tödliche Bild« der zweite Roman einer Serie um seinen Protagonisten. Beide Krimis sind im Selfpublishing veröffentlicht. Das 2019 publizierte dritte Werk »Der Jemen Deal« verbindet das Genre des internationalen Politthrillers mit dem des klassischen Polizeikrimis. Hierbei führte die politische Situation und der Krieg im Jemen zur Romanidee. Aktuell im Juli 2020 erschien der dritte Band der Peter-Förster-Reihe: "Das letzte Opfer". Präzise Recherche, das Entdecken interessanter Schauplätze und eine ungekünstelte klare Sprache zeichnen Hans Bischoff aus. Neben dem Schreiben von Kriminalromanen ist er als Fotograf und Videofilmer unterwegs. Bleibt dann noch Zeit übrig, beschäftigt er sich mit Grafik und Malerei und frönt der italienischen Küche. Mehr zu Hans Bischoff finden Sie auf seiner Website: www.hans-bischoff.de
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17. März 2017. Der 3.Tag 


Nacht.

Der Regen klatschte schwer auf die Erde. Ungewöhnlich für die eher trockenen, regenarmen Frühlingsmonate auf Curaçao, aber in diesem Jahr war vieles anders.

Als Jasmin van Damme den dunklen Körper erfasste, der die verwaschene weiße Mittellinie der Straße unterbrach, war es zu spät. Zu spät für eine Reaktion, die den Aufprall noch hätte verhindern können. Der Kleinwagen wurde abrupt abgehoben, presste den Körper auf den regennass glänzenden Asphalt und knallte ächzend auf die Fahrbahn zurück. Jasmin zerriss die Lenkung, stand voll auf der Bremse, der Wagen schleuderte nach rechts, zurück nach links, bevor er quer zur Fahrbahn grässlich quietschend zum Stehen kam. Die Scheinwerfer erfassten plötzlich die schwarzen Bäume seitlich der Straße. Wie böse Geister standen sie da, senkrechte Streifen hinter einem Vorhang aus Wasser. Jasmin starrte sie an. Der stete Rhythmus der Scheibenwischer unterbrach die Wasserfluten, die die Bäume immer wieder verschwimmen ließen. Nur das Brummen des leistungsschwachen Fahrzeugs, das gleichförmige Trommeln des Regens auf dem Wagendach und das schwere Atmen der Fahrerin waren zu hören. Sonst Stille. Keine Schreie. Nichts. Fast friedlich, kam ihr in den Sinn, bevor die nächtliche Realität sie einholte. 

Jasmin fing sich schnell. Sie war auf der Rückfahrt von ihrer Dessous-Boutique in Punda, dem angesagtesten Viertel von Willemstad, der Hauptstadt der Karibikinsel Curaçao. Normalerweise schloss sie das Geschäft gegen neunzehn Uhr, heute waren jedoch zwei sehr betuchte Touristinnen aus Jordanien angesagt. Es hatte sich gelohnt, die zwei Stunden länger geöffnet zu haben, die beiden waren im Kaufrausch. Als Jasmin später über den Unfall berichtete, war sie selbst überrascht, wie klar sie nach dem ersten Schock denken konnte, was ihr alles in den Sinn kam. Jetzt blickte sie durch die Wasserschlieren auf der Seitenscheibe des Wagens in die Dunkelheit. 

Der Körper. 

Wo? 

Sie öffnete vorsichtig die Fahrertür, der starke Regen schlug ihr ins Gesicht, die Wassertropfen platzten auf der Haut. Sie stieg aus, drehte sich jedoch noch einmal zurück und fingerte nach ihrem Handy in der Türbox. Die Taschenlampen-App. Der kaltweiße Lichtstrahl durchbrach die Fluten des nächtlichen Tropenregens. Sie lief los. Sie zwang sich, die wenigen Schritte zu machen, dann stand sie vor dem verdreht, quer zur weißen Linie liegenden Körper. Eine Frau. Blond. In roten Dessous aus ihrer Boutique. Jasmin kannte die Unterwäsche genau. Teuer, sehr sexy. Aus ihrer eigenen Kollektion. Selten gekauft.

»Hallo!« 

Jasmin beugte sich vorsichtig über die Frau. Durch den Anprall wurde sie auf die Seite gedreht, als liege sie zum Einschlafen bereit im Bett. Das Gesicht wurde zum Teil durch einen Arm verdeckt. Sie blutete nicht.

»Hallo! Können Sie mich verstehen?« Jasmin fragte stockend, ganz zaghaft, bis sie erkennen musste, es ist zu spät. Die Augen waren tot. Die Frau vor ihr lebte nicht mehr.

Jasmin van Damme war eine starke junge Frau, gerade mal sechsundzwanzig. Tough, erfolgreich, emanzipiert. Sie war es gewohnt, selbstbewusst zu handeln und reagierte auch in dieser Situation sehr rational. Sie ging zurück zum Wagen. Der Regenschauer nahm an Intensität zu, inzwischen war sie völlig durchnässt. Sie zitterte trotz der fast 30 Grad, die auch jetzt an diesem späten Abend im März für Saunaklima sorgten und schaltete den noch laufenden Motor aus und die Warnblinkanlage ein, falls unerwartet doch mal ein anderes Fahrzeug hier vorbei kommen sollte. Die kleine Straße war zwar öffentlich, allerdings wurde sie fast nur von den Anwohnern der kleinen Bucht, gut vier Kilometer von der Inselhauptstadt Willemstad, nahe des Papagayo Beach Resorts im Süden der Insel gelegen, genutzt. Jasmin van Damme wohnte dort seit Juni 2015 zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Allgäuer Jan Heller, »in einem kleinen, aber feinen Strandhaus«, wie sie es augenzwinkernd nannte. Es verfügte über rund einhundertfünfzig Quadratmeter Wohnfläche, einen wunderschön eingewachsenen Garten mit eigenem Strand.

Jasmin tippte Jans Kurzwahl in die Handytastatur.

»Ja, was gibt’s«, meldete sich eine verschlafen wirkende Stimme. »Wo …«

»Jan, komm schnell hier her«, sie stockte kurz. »Ich habe eine Frau totgefahren. Ich hab sie einfach nicht …«

»Schatz, was redest Du da? Wo bist Du genau?« Jan war plötzlich hellwach.

»Kurz vor dem Golfplatz. Komm bitte gleich und rufe die Polizei an!«

Jasmin drückte das Gespräch weg und lehnte sich an die immer noch offen stehende Fahrertür. Der Regen rann ihr über das Gesicht, zog feine Linien in das sonst perfekte Make-up, lief in die Augen. Die langen, derzeit dunkelblonden Haare klebten am Kopf, einzelne Strähnen pappten unangenehm an Nase und Kinn. Schon nach wenigen Minuten, die ihr allerdings wie eine Ewigkeit vorkamen, hörte sie einen Wagen kommen. Jan. Er ließ die Wagentür offen stehen, rannte auf sie zu, nahm sie in die Arme, und erst da klappte sie schluchzend zusammen. 

»Oh Jan, wie konnte …?«

»Ganz ruhig, Liebste! Wir schaffen das. Bist Du sicher, dass sie tot ist?«

Jan strich Jasmin die nassen Haarsträhnen aus dem Gesicht und drückte sie an sich. Plötzlich straffte sich Jasmins Körper, sie war wie umgewandelt.

»Jan, die Frau lag schon quer auf der Straße. Die ist mir nicht ins Auto gelaufen. Nein, die lag bereits dort. Mitten auf der weißen Linie, direkt vor mir. Ich hab das wieder ganz deutlich vor Augen. Ich weiß es genau!«

»Mein Gott, was sagst Du da? Sie lag schon da?«

Jasmin nickte, Jan starrte sie an. »War die schon tot? Vielleicht schon von jemand anderem überfahren? Oder ist sie vielleicht eine Selbstmörderin?«

Jasmin schüttelte den Kopf.

»Weiß ich doch nicht. Aber eines weiß ich, ich habe die Frau schon mal gesehen und mit ihr gesprochen.«

Jan schaute reichlich verwirrt auf seine Freundin.

»Wie bitte? Du kennst sie?«

»Kennen nicht direkt, sie war in meinem Laden. Zusammen mit einem Mann. Sie haben richtig teure Sachen aus meiner »Butterfly«-Kollektion gekauft. Ziemlich sexy.«

»Wahnsinn!«, konnte Jan nur sagen und schaute auf die Tote.

»Und jetzt liegt sie hier«, flüsterte Jasmin.

Schon zehn Minuten später traf ein Streifenwagen der Verkehrspolizei ein, die beiden Beamten übernahmen konzentriert vorgehend das Kommando. Nur gut eine Minute verging, bis auch der Sani eintraf. Kurz darauf lag der Unfallort im gleißend gelben Licht zweier mobiler Scheinwerfer, die den Körper der toten Frau durch den Regenschleier hindurch anstrahlten und fast wie ein Kunstwerk auf einer Bühne wirken ließen. Ein surrealer Anblick. 

»Du machst hier keine Aussage in Deinem Zustand!«, machte Jan klar. 

Jasmin reagierte nicht. 

»Hast Du mich verstanden? Keine Aussage!« 

Jasmin nickte. »Ist ok.«

Im selben Moment sprach der ältere der beiden Polizisten Jasmin direkt an, während sein Kollege den Wagen inspizierte. 

»Sie sind die Fahrerin?«

Jasmin nickte.

»Ihre Papiere bitte!«

Jan drehte sich um, zog Jasmins Handtasche aus dem Wagen, kramte kurz darin und reichte dem Beamten die gewünschten Dokumente. Der schaute nur kurz auf den Ausweis und musterte Jasmin mit einem durchdringenden Blick.

»Deutsche? Sie leben hier?«

Er wartete keine Antwort ab, sondern schob die beiden Papiere kommentarlos in seine Uniformtasche und wandte sich an Jan. Vielleicht hielt er ihn für den Erziehungsberechtigten oder traute ihm zumindest eine rationalere Betrachtungsweise des ganzen Vorfalls als der Unfallverursacherin zu.

»Die Papiere sind beschlagnahmt. Sie kann die Insel nicht verlassen. Und sie fährt jetzt mit uns zurück ins Präsidium zur Vernehmung.«

»Sie können gerne direkt mit mir sprechen, ich bin in der Lage, selber zu antworten«, forderte Jasmin den Beamten auf, was diesen sichtlich irritierte, bevor er sich erneut an Jan wandte. »Waren Sie auch im Wagen? Wer sind Sie?«

»Ich war zuhause, Jan Heller, ich bin Frau van Dammes Lebensgefährte. Sie hat mich angerufen, hier steht mein Wagen.« Jan fuchtelte mit dem ausgestreckten Zeigefinger vor den Augen des Beamten hin und her. »Sie steht unter Schock, das sieht man doch, und ist nicht vernehmungsfähig. Warten Sie bitte bis morgen, und dann nur mit Anwalt.«

Der Polizist trat einen Schritt zurück und blieb konsequent bei seiner Entscheidung.

»Sie halten sich da raus!«

Er unterstrich die Aussage mit einem Fingerzeig auf Jan. Der hob entschuldigend beide Hände hoch.

»Die Vernehmung muss jetzt erfolgen. Kommen Sie bitte mit!« Der Beamte wandte sich an Jasmin. Sie nickte und drehte sich zu Jan.

»Das geht schon in Ordnung, ich bin soweit ok. Du kannst ja auf jeden Fall den Anwalt anrufen und mich dann abholen.«

Jan schüttelte nur den Kopf, machte jedoch gute Miene zum bösen Spiel.

»Wenn Du meinst, dann mach das gleich. Aber wenn es Probleme geben sollte, berufe Dich auf den Anwalt. Hast Du gehört?«

Jasmin nickte nur kurz, nahm Jan ihre Handtasche ab und folgte dem Beamten zum Streifenwagen. Der jüngere Polizist machte noch ein paar Fotos von der Toten und dem direkten Umfeld des Unfallortes, klappte die Scheinwerfer zusammen und ging dann auch zum Wagen. Dort bekam er Anweisungen seines Kollegen, die er murrend zur Kenntnis nahm. Er sollte vor Ort warten, bis der Unfallwagen abgeschleppt werden könnte, um ihn in der Polizeistation zu untersuchen. 

Die drei Sanitäter bargen nach einer oberflächlichen Untersuchung den...



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