Bischoff | Das Patt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 308 Seiten

Reihe: Marc Möller

Bischoff Das Patt

Marc Möller. Sein zweiter Job.
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-0798-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Marc Möller. Sein zweiter Job.

E-Book, Deutsch, Band 2, 308 Seiten

Reihe: Marc Möller

ISBN: 978-3-6951-0798-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein dunkles Geheimnis. Eine brutale Erpressung. Und ein Ex-Kommissar, der zwischen alle Fronten gerät. Sommer 1976: Vier Internatsschüler geraten in Panik und begehen ein folgenschweres Verbrechen, das nie aufgeklärt wird. Jahrzehnte später schlägt die Vergangenheit erbarmungslos zurück: Mikael Rantala, Unternehmer und einer der vier, wird von einem anonymen Erpresser ins Visier genommen. Zeitgleich wird sein Sohn Samu, ein weltbekannter Rockstar, bedroht. Der ehemalige LKA-Ermittler Marc Möller soll ihn schützen, doch der Auftrag eskaliert. Eine undurchsichtige Kette von Anschlägen, Einschüchterung und Gewalt reißt Möller tief in einen Fall hinein, der nicht nur alte Wunden aufreißt, sondern ihn in direkten Konflikt mit seinem früheren Chef beim LKA, Alexander Becker, bringt. Was als Bodyguard-Job beginnt, wird zu einem gnadenlosen Wettlauf gegen einen Gegner, der genau weiß, wie er seine Opfer brechen kann. Und der längst keinen Plan B mehr braucht. Ein hochspannender Thriller über Schuld, Macht und ein Verbrechen, das nicht vergessen wurde, sondern nur auf seinen Moment gewartet hat.

Der Autor Hans Bischoff wurde im Mai 1949 in Stuttgart geboren, wo er auch aufwuchs. Nach einem Werbestudium arbeitete er rund 40 Jahre lang erfolgreich in der Werbung: 8 Jahre in leitender Position in der Industrie, 2 Jahre als Agenturgeschäftsführer in Stuttgart, dann führte er 27 Jahre lang von 1987 bis 2014 seine eigene Werbeagentur in Pfullendorf mit international vertretenen Kunden. Nach dem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft begann Hans Bischoff 2015 seinen ersten Kriminalroman zu schreiben, den ersten Band einer Serie um seinen Protagonisten Peter Förster. Seine inzwischen sieben Kriminalromane sind im Selbstverlag veröffentlicht. Präzise Recherche, das Entdecken interessanter Schauplätze und eine ungekünstelte klare Sprache zeichnen Hans Bischoff aus. Neben dem Schreiben von Kriminalromanen ist er als Fotograf und Videofilmer unterwegs. Bleibt dann noch Zeit übrig, beschäftigt er sich mit Grafik und Malerei und frönt der italienischen Küche. Er lebt mit seiner Frau in Überlingen am Bodensee.
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Lübeck, Juni 1976


Er zitterte. Der mühsam gedrehte Joint entglitt seiner Hand als er über den Körper stolperte. »Voi paskaa – oh, Scheiße«, stammelte er und stierte mit weit aufgerissenen Augen den Toten an. Bergmann, Walter Bergmann, sein Klassenlehrer. Was tut der hier und warum steckt dieser Grillspieß in seiner Brust? Wobei eigenartigerweise nur wenig Blut zu sehen war. Mikael Rantala, kurz vor dem Abitur stehender finnischer Internatsschüler begriff nichts und starrte reglos auf dieses verhasste Arschloch, das jetzt als Leiche im Gras vor ihm lag. Im selben Moment kam der Schock, die Panik. Er sprang hektisch zwei Schritte zurück, stolperte über eine vom Boden abstehende Wurzel und knallte mit dem Rücken auf den steinigen Pfad, der durch das kleine Wäldchen zu diesem inoffiziellen Grillplatz hier führte.

»Der ist tot«, murmelte er leise wimmernd vor sich hin. »Tot! Wahnsinn!«

Ein leises Rascheln wenige Meter hinter ihm schreckte ihn auf, ließ ihn hochfahren und wieder in die Realität zurückkehren. Sein Blick irrte suchend zwischen den kleinen Tannen, die den Platz umgaben umher, aber da war nichts. Rantala machte zögernd einen Schritt auf den Leichnam zu. Der Mann war tot, das war offensichtlich zu erkennen. Selbst für einen 19-jährigen Gymnasiasten mit wenig Ahnung in Biologie. Mikael Rantala war alles andere als ein Musterschüler, aber er war clever. Ihm wurde urplötzlich bewusst, was dieser Tote und der mögliche Mord für ihn und die Clique bedeuten könnte. Sie hatten Bergmann gemobbt und mit den falschen Verdächtigungen ihrer letzten Aktion unter Druck gesetzt und in eine ganz üble, existenziell gefährliche Situation gebracht.

»Jetzt ist er tot und die verdächtigen sofort uns«, war ihm klar. Wer hatte den Typ umgebracht? Einer von ihnen? Er betrachtete grübelnd den toten Lehrer. Er musste mit der Clique reden. Was würde dieser Verdacht für ihr Abi bedeuten? Da dürfte doch jetzt, so kurz vor dem Abitur nichts passieren, sonst wären sie draußen. Scheiße, wir wären geliefert, dachte er. Rantala schaute noch einmal in die Runde, klaubte seinen Joint vom Boden auf und verließ auf dem selben Weg, auf dem er gekommen war, den Tatort. Die Stelle war so abgelegen, hier verirrten sich höchstens einmal ein paar Schüler zum Kiffen oder um an den Mädels rum zu schrauben. Die meisten waren jetzt jedoch im Nachmittagsunterricht, nur er hatte sich wegen einer Erkältung entschuldigt. Zehn Minuten später war er in seinem Zimmer zurück, er hatte es ungesehen geschafft. Rantala ließ sich auf sein Bett fallen und wartete auf die Clique. Nicht einmal die Bettdecke, die er sich um die Schultern legte, konnte die Schüttelfrostattacke, die ihn durchzog verhindern.

Der Junge war Rantala unbemerkt gefolgt, seit dieser durch die schmale, von Efeu umrankte Pforte in der alten Parkmauer geschlüpft war. Er wusste, wie man sich unsichtbar machte. Sie ließen ihn nicht in die Clique rein, »Assi« nannten sie ihn nur. Für die Clique war er so etwas wie der Fußabtreter. Je heftiger sie ihn mobbten, desto mehr wurde er zu ihrem Schatten. Die vier waren so auf sich selbst fixiert, wenn sie sich zum Kiffen trafen, dass sie ihn nie entdeckten. Der Rest der Mitschüler ließ ihn in Ruhe, inzwischen hatte sich jedoch der Spitzname in der ganzen Abiturklasse durchgesetzt.

Das Zimmer teilte er sich mit einem Jungen aus Frankfurt, Jürgen, sie gingen sich weitgehend aus dem Weg. Für ihn war das ok. Er wusste, dass es für ihn ohnehin nichts mit dem Abitur werden würde. Sein Vater war pleite, seit fünf Monaten hatte er das Schulgeld nicht mehr überwiesen und die Verwaltung des Internats war nicht mehr bereit mitzuspielen. Für ihn war Schluss, zwei Monate vor dem Abitur. Heute war Dienstag, am Freitag würde ihn sein Vater abholen. Dessen Versuche, das Schulgeld noch aufzutreiben, waren erfolglos geblieben.

»Frage bitte bei Mikaels Vater nach, der ist Millionär«, hatte der Junge den Vater gebeten. Der alte Rantala, schwerreicher finnischer Unternehmer in der Stahlbaubranche ließ durch seine Sekretärin mitteilen, dass der Junge besser einen ordentlichen Beruf lernen solle. »Nicht jeder braucht Abitur und Studium!«

Der Junge selbst hatte Mikael angebettelt. »Kannst du nicht mit deinem Vater reden? Bitte Mika!«

Umsonst. »Mein Alter ist doch keine Bank, Assi!«, war die Antwort. »Such dir einen Job!« Dann drehte sich Mikael Rantala grinsend um. »Assi!«

Er folgte im Abstand von etwa fünfzig Metern seinem finnischen Mitschüler durch den Wald zwischen den niedrigen Tannenbäumen durch. Wenn der weiterläuft wird er den Toten finden, durchzuckte es ihn. Er blieb kurz unschlüssig stehen, Mikael verschwand aus seinem Blickfeld, Sekunden später folgte er ihm jedoch wieder.

So was Ähnliches wie ›Voipasa‹ stieß der Verfolgte plötzlich hervor. Der Junge konnte beobachten, wie er auf den Leichnam starrte. Er hielt den Atem an. Was würde jetzt passieren? Mikael zuckte zurück, stürzte auf den Weg, war jedoch sofort wieder oben. Der Junge trat kurz auf einen trockenen Ast, Mikael fuhr herum, entdeckte ihn jedoch nicht. Ein, zwei Minuten blieb Mikael noch vor Bergmanns Leiche stehen, dann wandte er sich um und rannte den Weg durchs Wäldchen zurück.

»Warum reagiert der so panisch?«, grübelte Assi. »Hat der Angst?« Im selben Moment verstand er, die Clique musste Angst haben wegen der Sache in den letzten Tagen. »Klar, die wären verdächtig, das läuft großartig!«, murmelte er und kauerte noch kurz in seinem Versteck. Er würde heute Abend auf dem Posten sein, wie so oft, wenn er die Clique unbemerkt beim Kiffen beobachtete. Vorsichtig stand er auf und betrachtete von seinem Standort aus, vielleicht zehn Meter entfernt, den toten Lehrer. Bergmann war streng, aber ok. Er hatte nie Probleme mit ihm gehabt. Bis vor drei Tagen. Da hatte er sie gesehen, Arm in Arm mit Bergmann, den sie küsste. Er war geschockt. Seine heimliche Liebe, nur für die es sich zu leben lohnte. Er würde es ihr nie sagen können. Frau von Ronnstädt. Seine Französischlehrerin. Frieda. Sie gehörte ihm. Nur ihm, nicht Bergmann.

»Du hast es verdient!«, flüsterte er triumphierend in Richtung des Toten. »Und der Clique kann man es vielleicht anhängen.« Er drehte sich um und schlich unbemerkt in sein Zimmer zurück. Dort schlug er den Einband seines Französischbuches zurück, zog das kleine Foto heraus und küsste es. Frieda. Er hatte sie heimlich beim letzten Schulfest fotografiert. Er legte das Bildchen auf die Bettdecke, öffnete die Hose und holte sich einen runter.

»Jetzt gehörst du wieder zu mir«, stöhnte er.

»Hey Alter, was hängst du hier so belämmert rum?«

Alex knallte die Tür hinter sich zu und warf mehrere Bücher auf sein Bett. Alexander Becker war Mikael Rantalas Zimmergenosse und schlug sich so recht und schlecht durch den Lehrplan der Oberstufe im stockkonservativen ›Privaten Internatsgymnasium Schloss Schönberg‹, nahe Lübeck gelegen. Dem in knapp zwei Monaten fälligen Abitur sah er dennoch einigermaßen gelassen entgegen. Alex, wie ihn alle nannten, hatte für die drei Jahre im Internat ein Stipendium bekommen. Aus welchen Gründen war ihm bis heute nie klar geworden. Sein Vater war ein hohes Tier bei der Hamburger Polizei, aber das konnte nicht der Grund dafür gewesen sein. Mit den Worten »vielleicht bin ich eben doch ein Genie«, hatte er das Stipendium gegenüber der Clique begründet.

Alex war der Jüngste der Clique, im Dezember achtzehn geworden. Als sie alle im April 1973, vor genau drei Jahren, hier im Internat angekommen waren, hatten sich Mikael und Alex inmitten der rund 320 Mitschülerinnen und Mitschüler sofort als Kumpels gefunden. Der Millionärssohn und das »Bullenkind«. Zu den beiden stießen schon nach kurzer Zeit Simon Franke, ebenfalls aufgrund eines Stipendiums, und Maren Sommer.

»Eine geile Tussi«, meinte Mikael damals sofort.

Maren, einzige Tochter eines Hoteliersehepaars, war der Typ »Lolita«, der vor allem auf ältere Männer recht scharf wirkte. Sie war sich dessen wohl bewusst. Für die drei Jungs war sie der Kumpel. Von Anfang an war klar, wir drei lassen die Finger von ihr, auch wenn’s schwerfällt. Nur Simon, dessen familiärer Hintergrund etwas schwammig war – es gab nur einen Vater, der ihn nie besuchte – hatte es beim Start der Clique mal kurz versucht, allerdings gab es dafür von Maren eine Ohrfeige und von den beiden anderen Jungs Dresche. Ab dann funktionierte die Clique als in sich geschlossene Gemeinschaft, die sich zunehmend dem »Establishment der Diktatur dieser alten konservativen Kaderschmiede« entgegen stemmte, wie sich Maren auszudrücken pflegte.

»Die einfach immer wieder Scheiße baut«, nannte es Simon ganz einfach.

Rein schulisch betrachtet waren Maren und Simon den beiden anderen zwar etwas voraus. So kurz vor dem Abitur hatten jedoch alle vier unterschiedlich große Wissensdefizite. Was die schwierige Situation nicht...



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