Bischoff | Der Jemen Deal | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 404 Seiten

Reihe: tredition GmbH

Bischoff Der Jemen Deal

Ein Mord, ein Waffendeal, ein Terroranschlag: Der Politthriller vor dem Hintergrund des Jemenkrieges
2. Auflage 2023
ISBN: 978-3-347-86794-9
Verlag: tredition GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Mord, ein Waffendeal, ein Terroranschlag: Der Politthriller vor dem Hintergrund des Jemenkrieges

E-Book, Deutsch, 404 Seiten

Reihe: tredition GmbH

ISBN: 978-3-347-86794-9
Verlag: tredition GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Fulminante Thriller-Spannung vor dem aktuellen Hintergrund des Krieges im Jemen Mit der »Operation Decisive Storm«, der Militärintervention einer von Saudi-Arabien geführten Militärallianz begann im März 2015 der aktuelle Krieg im Jemen. Vor diesem realistischen Hintergrund handelt der Politthriller »Der Jemen Deal«. Ein Toter in Lappland löst Ermittlungen aus, die den geheimen Waffendeal einer Gruppe innerhalb deutscher Behörden mit einem jemenitischen Warlord stören, in den auch BND und CIA verwickelt sind. Skrupellose Partner, die vor nichts zurückschrecken. Auch nicht davor, ihr Ziel mit Terror zu erreichen. Marc Möller, Kriminalkommissar beim LKA Hamburg, verfolgt von den Dämonen einer persönlichen Schuld, trifft dabei auf deren Grund: Einen eiskalten Mörder und Terroristen. Möller gerät mit den Ermittlungen immer tiefer zwischen die tödlichen Fronten des Deals bis er sich zwischen seiner Liebe und der persönlichen Rache entscheiden muss, die ihn vom dunkelsten Ort seiner Karriere an die eigenen Grenzen stoßen lässt ...

Hans Bischoff wurde im Mai 1949 in Stuttgart geboren, wo er auch aufwuchs. Nach einem Werbestudium arbeitete er rund 40 Jahre lang erfolgreich in der Werbung: 8 Jahre in leitender Position in der Industrie, 2 Jahre als Agenturgeschäftsführer in Stuttgart, dann führte er 27 Jahre lang von 1987 bis 2014 seine eigene Werbeagentur in Pfullendorf mit international vertretenen Kunden. Nach dem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft begann Hans Bischoff 2015 seinen ersten Kriminalroman zu schreiben, den ersten Band einer Serie um seinen Protagonisten Peter Förster. Seine drei klassischen Kriminalromane, ein Bodenseekrimi sowie der Politthriller »Der Jemen Deal« sind im Selbstverlag veröffentlicht. Das neu aufgelegte, überarbeitete Werk »Im Bann der Rache« erschien im Dezember 2021. Dabei bezieht er sich auf die oft undurchschaubaren Aktivitäten der Finanzbranche und mannigfaltiger Steuerschlupflöcher. Präzise Recherche, das Entdecken interessanter Schauplätze und eine ungekünstelte klare Sprache zeichnen Hans Bischoff aus. Der Autor greift gerne Themen aus dem aktuellen Zeitgeschehen auf. Beim jetzt neu aufgelegten, überarbeiteten Politthriller »Der Jemen Deal« führten die politische Situation und der langjährige Krieg im Jemen zur Romanidee. Der Autor verbindet gerne reine Fiktion und reale Begebenheiten. Neben dem Schreiben von Kriminalromanen ist er als Fotograf und Videofilmer unterwegs. Bleibt dann noch Zeit übrig, beschäftigt er sich mit Grafik und Malerei und frönt der italienischen Küche. Er lebt mit seiner Frau in Überlingen am Bodensee. www.hans-bischoff.de mail@hans-bischoff.de
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Tornio, Finnland. 16. März 2016

»Mika«, ruft die junge Frau dem kleinen Jungen zu, der einige Meter vor ihr her hüpft. »Mika, nimm Joki an die Leine!«

Aber Joki, ein bulliger Golden Retriever, denkt überhaupt nicht daran, angeleint zu werden und rast bellend auf den Fußgängersteg zur Flussinsel Pikisaari zu. Dort bleibt er schwanzwedelnd stehen und hört nicht mehr auf, zu kläffen.

»Joki, hier«, ruft die Frau jetzt missmutig, ohne Erfolg. Dann erreicht sie zusammen mit Mika den Hund und erstarrt. Was da im niedrigen Buschwerk am Ufer des Tornionjoki, dem Fluss an dem die Kleinstadt Tornio liegt, herausragt, gehört da nicht hin.

Die aufgedunsene und völlig zerschrammte Leiche zwischen den grauen Schneeresten ist nackt.

Die Frau reißt den Hund an sich, bindet ihn an die Leine, schnappt sich das Kind und rennt panisch einige Meter weg. Dort bleibt sie zitternd stehen und hält sich die Hand vor den Mund. Ihr Gesicht wirkt kalkweiß. Sie blickt mit weit aufgerissenen Augen zurück zum Fluss, auf dem die letzten Eisschollen des Winters gemächlich südwärts treiben.

Es ist der 16. März und der Fluss ist hier, kurz vor seiner Mündung in die Ostsee, weitgehend eisfrei. Jetzt sieht die Frau ein älteres Paar aus der Gegenrichtung kommen und ruft und winkt.

»Hey, holen Sie die Polizei! Schnell, hier liegt ein Toter!«

»Was sagen Sie? Was soll hier liegen?«, fragt der Mann überrascht zurück.

»Ein Toter! Rufen Sie doch endlich an!«

Das Kind weint, der Hund zerrt an der Leine und bellt noch immer, als nur wenige Minuten nach dem Anruf des älteren Mannes die Polizeistreife eintrifft. Erst da erholt sich die junge Frau langsam von ihrem Schock.

Tornio ist eine ruhige Kleinstadt im nördlichen Finnland, unmittelbar am Grenzfluss zu Schweden am Bottnischen Meerbusen gelegen. Nur wenige Kilometer weiter mündet der über 400 Kilometer lange, frei fließende Fluss in einem Delta in das Nordende der Ostsee. Tornio gilt als älteste Stadt Lapplands und ist durch Industrie geprägt.

Die Polizeistation in Tornio ist momentan unterbesetzt. Zwei Beamte sind aufgrund falscher Planung gleichzeitig auf einem Lehrgang, einer feiert krank. Deshalb ruft der Diensthabende das Revier in der Nachbarstadt Kemi an und bittet dort die Kripo um Übernahme des Falles und Amtshilfe.

Sara Virtanen hat vor vier Tagen ihren neunundzwanzigsten Geburtstag gefeiert und ist erst seit kurzem Kommissarin. Sie kümmert sich gerade um die Klärung einer Kette von Ladendiebstählen, als ihr Chef sie aus seinem Glaskasten zu sich her winkt. »Sara, bist du noch an den Diebstählen?«

Sie nickt. »Ja!«

»Ok, dann leg die Geschichte weg und mach dich auf die Socken nach Tornio. Dort ist eine Leiche angeschwemmt worden und die haben mal wieder keine Leute. Oder keine Lust«, fügt er hinzu.

Sara versucht, dazwischen zu fragen, doch der Chef winkt ab. »Du nimmst den Dienstwagen, schaust die Sache mal an und übernimmst. Es sieht so aus, als ob der Tote schon länger unterwegs war, sagt zumindest der Kollege in Tornio. Es gibt eine Zeugin, die ihn gefunden hat. Also los, und mach‘s gut! Und bereite Dich darauf vor, dass es kein schöner Anblick wird!«

Damit ist sie entlassen. Sie schließt ganz zaghaft hinter sich die Glastür zum Chefbüro und geht langsam über den Flur. Sie übersieht sogar den Kollegen, der ihr entgegen kommt.

»Hey Sara!«

»Äh, … sorry!«

An ihrem Schreibtisch lässt sie sich auf den harten Bürostuhl fallen, wird sich aber im gleichen Moment bewusst, dass Matti Nurminen, ihr Boss, sie durch die Glaswände beobachtet. Sie fühlt sich ertappt.

Es ist ihr erster richtiger Fall, sieht man mal davon ab, dass sie bei einem Tötungsdelikt vor einem Vierteljahr als Assistentin eingesetzt war. Jetzt hat sie ihren ersten eigenen Toten. Ihre Nerven flattern nach wie vor, als sie in den warmen Parka mit der Pelzkapuze schlüpft, ihre Tasche umhängt und mit einer fahrigen Bewegung den Schlüssel des Dienstvolvos vom Haken neben der Tür zerrt. Dass Nurminen hinter ihr her grinst, bemerkt sie nicht mehr.

Sara ist eine hübsche junge Frau, keine makellose Modelschönheit. Sie pflegt ihre sportlich schlanke Figur, die langen blonden Haare trägt sie meist locker zusammengeknotet als Pferdeschwanz oder hochgesteckt. Aus hellblauen Augen strahlt Offenheit, Freundlichkeit. Sie lächelt gern, ist ein bisschen schüchtern.

»Du musst dein Selbstbewusstsein stärken!«, meckert Nurminen öfter mal. »Du kannst es doch! Du bist gut.«

Dreißig Minuten später erreicht sie den Fundort der Leiche am Fluss. Die beiden Kollegen aus Tornio sind froh, dass sie den Fall los sind. Sie informieren Sara kurz über die Umstände des Funds und über die in einem nur wenige hundert Meter entfernten Café wartenden Zeugen. Dann bremsen sie die Schaulust der inzwischen mit den Smartphones filmenden Gaffer. Beim Wegfahren hatte Sara bereits die Spurensicherung angerufen, die jetzt auch aus Kemi eintrifft und den Fundort samt dem Toten in Augenschein nimmt.

Es ist gut, dass die Kollegen die Zeugen nicht in der Kälte warten ließen, denkt Sara Virtanen und betritt das kleine Café in der Pitkäkatu, einer schmalen Straße, die am Park entlang führt.

Das ältere Paar und die junge Frau sitzen abwartend an einem runden Tisch, das Kind spielt mit dem Hund auf dem Fußboden.

»Hey, ich bin Sara Virtanen, die ermittelnde Kommissarin. Würden Sie mir bitte Ihre Namen sagen, oder besser, die Ausweise zeigen.«

Der Mann schaut sie fragend und etwas abschätzend an. So, als traue er dieser jungen Frau keine erfolgversprechende Polizeiarbeit zu.

»Sie sind nicht von hier, ich kenne die Polizei in Tornio.«

Sara schüttelt den Kopf. »Nein, ich komme aus Kemi und unterstütze die Kollegen hier. Aber nun zu Ihnen.«

Sie ärgert sich über den Alten und seinen Blick, dann wendet sie sich an die junge Frau, dreht ihren Ausweis in der Hand und liest.

»Elsa Häkinen. Elsa, Sie haben den Toten gefunden? Schildern Sie mir bitte kurz die Umstände.«

»Da gibt es nicht viel zu sagen. Ich war mit Mika und dem Hund im Park am Fluss spazieren, wissen Sie, der muss halt raus, auch wenn das Wetter nicht dazu reizt.«

Sara nickt verstehend, die Frau zieht das Kind am Jackenärmel vom nassen Fußboden hoch.

»Und dann lief Joki«, dabei deutet sie auf den Hund, »plötzlich auf den Steg zu und hörte nicht mehr auf mich. Ich bin dann hingelaufen, da sah ich ihn liegen. Es war furchtbar.« Dabei verzieht sie angeekelt den Mund. »Und dann kamen Gott sei dank die Saaronens und haben die Polizei gerufen. Das ist alles.«

Sara bedankt sich, dann fällt ihr noch etwas ein. »Sie haben nichts angefasst?«

»Um Himmels Willen! Nein, nein! Ich bin gar nicht näher hingelaufen«

Die junge Frau leidet noch immer unter dem Schrecken, Sara beruhigt sie und ist sich im Klaren darüber, dass eine weitere Befragung nichts bringen wird. Sie wendet sich an das Paar.

«Sie sind dazu gekommen? Habe ich das richtig verstanden? Ihr Name ist Saaronen?«

Die Frau schaut teilnahmslos, der Mann nickt. »Ja, aber wir haben die Leiche gar nicht angeschaut, nicht mal von Weitem. Wir haben uns gleich um Elsa hier gekümmert und die Polizei geru…«

»Ich danke Ihnen für Ihre Aussagen und ihr Verständnis, dass es etwas gedauert hat. Ich übernehme die Rechnung hier.«

»Das lasse ich mir gefallen, vielleicht finde ich mal wieder eine Leiche«, ruft der ältere Mann, merkt dann aber sofort, dass er daneben gegriffen hat. »Sollte ein Witz sein.«

»Schon gut! Können Sie noch etwas Sinnvolles dazu ergänzen?«

Der Alte schüttelt den Kopf. Sara denkt Blödmann, dämlicher Witz, bezahlt an der Theke drei Kaffee und verlässt das Café.

Die Spurensicherer sind inzwischen mit ihrer Arbeit fertig, ebenso der Gerichtsmediziner, der Leichenwagen wartet bereits.

»Habt ihr was gefunden oder etwas Besonderes an dem Leichnam entdeckt?«

Der ältere der beiden in Schutzanzüge gehüllten Kollegen verneint. »Der wurde ganz einfach hier angeschwemmt und ist an dem niedrigen Buschwerk hängen geblieben. Rund um den Fundort nur ein paar Spuren von dem Hund, sonst nichts. Und an dem Typ selber ist nicht mehr viel heil geblieben, wir denken, der kommt von weit oben her den Fluss runter. Gefühlt ist der schon über viele Klippen gegangen. Also geschwommen.«

Der jüngere lacht. »Mit ein wenig Glück wäre er an uns vorbei getrieben. Dann hätten wir ihn los.«

Virtanen verdreht die Augen.

Der Gerichtsmediziner, Sara schätzt ihn auf etwa sechzig, hat eine erste...



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