E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Bischoff Frauen für die Krone
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-903217-61-4
Verlag: Amalthea Signum
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine neue Generation auf den Thronen Europas
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
ISBN: 978-3-903217-61-4
Verlag: Amalthea Signum
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lisbeth Bischoff, geboren in Vorarlberg, ist Gesellschaftsjournalistin und anerkannte Adelsexpertin. Sie führte Interviews mit Stars von Hollywood bis Wien und berichtet regelmäßig von den Königshäusern dieser Welt. Autorin von 'Adel inside. Hinter den Kulissen der Herrscherhäuser' und 'Udo Jürgens: ?Merci?. Die Biografie'.
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Das Ende der Grüßonkel
»Die europäischen Monarchien werden nach Adelsprotokoll gereiht. Für die allgemeine Rangordnung von Staatsoberhäuptern gilt das Prinzip der Anciennität* gleichrangiger Funktionsträger«, weiß Karl Urschitz, Protokollchef des Landes Steiermark von 1992 bis 2003. Abweichend davon gilt nach Adelsprotokoll als Rangordnung der Monarchien das Alter der Krone beziehungsweise der zur Krone gelangten Dynastie (unabhängig von Anciennität und Lebensalter des Monarchen). Die Betonung liegt auf Dynastie, nicht auf Haus, denn durch ein neues Haus wird die Dynastie nicht unterbrochen.
Der Begriff »Dynastie« beschreibt ein Herrschergeschlecht, das über einen längeren Zeitraum durch Macht-, Wirtschaftsund Heiratspolitik und eine gelungene Erbfolge eine kontinuierliche Besetzung der höchsten Fürstenwürde seines Landes garantiert. Unter einem »Haus« versteht man lediglich eine Familie des Herrschergeschlechts. Gute Beispiele dafür sind Maria Theresia oder Englands Queen Victoria. Der Tod Victorias beendete die Herrschaft des Hauses Hannover, die mit der Thronübernahme ihres ältesten Sohnes Edward VII. auf das Haus Sachsen-Coburg und Gotha überging, das 1917 in Haus Windsor umbenannt wurde.
Heute spielt die Frage eines neuen Hauses bei der Heirat einer Monarchin durch das offenbare Fallenlassen des Salischen Gesetzes, das Frauen von der Thronfolge ausschloss und durch Jahrhunderte strikt angewendet wurde, keine Rolle mehr. Das zeigt die große Zahl der Kronprinzessinnen in Europa.
Voraussetzung für die Erstellung der Reihenfolge ist erstens das Vorliegen eines souveränen Staates und zweitens der Zeitpunkt des Regierungsbeginns der aktuellen Dynastie. Das zweite Kriterium gilt als Grundlage für den Rang der Monarchie. Königreiche stehen dabei höher als Großherzogtümer und diese wiederum vor Herzogtümern und Fürstentümern.
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| Großbritannien | 871 |
| (zählte auch zu den Großmächten, siehe unten) |
| Dänemark | 1448 |
| Spanien | 1700 |
| (mit drei Restaurationen, die letzte 1975, als König Juan Carlos den Thron bestieg) |
| Niederlande | 1815 |
| Schweden | 1818 |
| Belgien | 1831 |
| Norwegen | 1905 |
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| Luxemburg | 1890 |
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| Liechtenstein | 1719 |
| Monaco | 1949/1633 |
Im Fall von Monaco erhebt sich die Frage, ob der Sohn aus der geschiedenen Ehe einer legitimierten unehelichen Tochter eines Monarchen nicht nur ein neues Haus, sondern auch eine neue Dynastie begründet. Wird eine neue Dynastie bejaht, gilt das Jahr 1949, wird ein neues Haus bejaht, das Jahr 1633.
Louis II. von Monaco (1870–1949) hatte als einziges Kind seine uneheliche Tochter Charlotte, die er 1919 legitimierte und zur Prinzessin erhob. Sie heiratete 1920 Graf Pierre Xavier de Polignac aus französischem Uradel. Aus dieser 1933 geschiedenen Ehe stammt Fürst Rainier III., der ab 1949 regierte und das Haus Polignac-Grimaldi begründete.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es über den Königshäusern noch eine weitere Rangkategorie: die Großmächte, zu denen Deutschland, Österreich-Ungarn, Großbritannien, Italien, Frankreich, Russland und die Türkei zählten. Für sie galt bei protokollarischen Anlässen nicht das Alter der Dynastie, sondern das Alternat*. Eine protokollarische Besserstellung von Kaisern gegenüber Königen gab es nicht.
Die Königinnen von morgen haben die besseren Voraussetzungen, ihr Königreich zu repräsentieren, »die Königinnen der Zukunft haben es echt gut«, meint Motivforscherin Helene Karmasin. »Sie können ihre Rolle viel besser ausführen, als es ein König könnte. Sie sind genau für dieses Gebiet da – für das Schöne. Sie müssen charmant auftreten, stilvoll eröffnen können, grüßen, Gastgeberinnen sein und dürfen karitativ wirken. Sie haben einfach lieb und schön zu sein und vielleicht etwas majestätisch. Da tut sich ein König mit seiner Uniform und den Orden, mit der dahinterstehenden militärischen Macht, die es ja nicht mehr gibt, als Grüßonkel gewissermaßen, schwerer.«
Monaco
Noch sind nicht überall an den Königs- und Fürstenhäusern weibliche Thronerben erwünscht. Monaco verfährt in puncto Thronfolge nach der patrilinearen Primogenitur. So ist es in Artikel 10 der monegassischen Verfassung geregelt. Thronfolger ist demnach der erste direkte und legitime Nachkomme des Fürsten mit Priorisierung der männlichen Sprösslinge im gleichen Verwandtschaftsverhältnis. In Monaco wurde das Thronfolgeproblem im Jahr 2002 mit einer Verfassungsänderung gelöst. Seit diesem Zeitpunkt darf auch ein Sohn der Schwestern von Albert II. von Monaco den Thron besteigen. Das war notwendig, denn würde ein Thronfolger fehlen, fiele Monaco an Frankreich zurück.
Die beiden unehelichen Kinder von Fürst Albert II. sind von der Thronfolge ausgeschlossen: Die 1992 geborene Tochter Jazmin Grace Rotolo ebenso wie der 2003 geborene Sohn Alexandre Coste. Thronerben müssen in einer aufrechten Ehe gezeugt werden und katholisch sein.
Der Druck, der auf Fürstin Charlène lastete, endlich ein Kind bekommen zu müssen, hatte sich mit der Verfassungsänderung aufgelöst. Diese musste allerdings doch nicht in Anspruch genommen werden, denn am 10. Dezember 2014 brachte die Fürstin auf der Entbindungsstation des Princess Grace Hospital in Monaco Zwillinge zur Welt: Gabriella Theresa Marie, geboren um 17.04 Uhr, und Jacques Honoré Rainier um 17.06 Uhr. Das änderte die Thronfolge im Fürstenhaus. Prinz Jacques wurde der neue Erbprinz von Monaco. Laut Palast erhielt er nach dem Vertrag von Péronne von 1641 den Titel Marquis von Baux. Prinzessin Gabriella wurde als Nummer zwei der Thronfolge Herzogin von Carladès.
Fürst Albert II. und Fürstin Charlène von Monaco: Sie möchten das Märchen auf dem Grimaldifelsen fortsetzen.
Der Fortbestand des Fürstentums ist mit den Zwillingen, Prinz Jacques und Prinzessin Gabriella, gesichert.
Das Fürstenhaus ist sehr traditionsbewusst und daher darauf bedacht, die Herrschaft der männlichen Grimaldis zu sichern. Für Prinzessin Gabriella stand also bereits vor der Geburt fest, dass sie ein Leben lang die Nummer zwei sein würde. Zeugt ihr Bruder Jacques eines Tages Kinder, verliert sie im Fürstentum weiter an Bedeutung. Da ereilt sie das gleiche Schicksal wie ihre Tante Caroline, die durch die Zwillingsgeburt in der dynastischen Hierarchie erneut zurückgefallen ist und ab da nur mehr an vierter Stelle der Erbfolge stand. Bei ihrer Geburt 1957 war sie als erstes Kind von Fürst Rainier III. und Fürstin Gracia Patricia noch Thronfolgerin. Doch das Prinzip der patrilinearen Primogenitur brachte ihren 1958 geborenen Bruder Albert an die Macht. Da spielte es auch keine Rolle, dass sie durch die Ehe mit Ernst August von Hannover zur Königlichen Hoheit avancierte, während ihr Bruder, der Fürst, nur Durchlaucht ist.
Großbritannien
Thronfolger der Monarchien Europas warten unterschiedlich lange auf die Krone. Während die einen noch die Schulbank drücken, ist einer schon im Rentenalter: Englands ewiger Thronfolger Charles (72). Kein royaler Azubi war jemals besser auf...




