E-Book, Deutsch, 363 Seiten
Reihe: tredition GmbH
Bischoff Im Bann der Rache
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-347-48423-8
Verlag: tredition GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Im Bann der Rache" ist der erste Band der Peter-Förster-Reihe.
E-Book, Deutsch, 363 Seiten
Reihe: tredition GmbH
ISBN: 978-3-347-48423-8
Verlag: tredition GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hans Bischoff wurde im Mai 1949 in Stuttgart geboren, wo er auch aufwuchs. Nach einem Werbestudium arbeitete er rund 40 Jahre lang erfolgreich in der Werbung: 8 Jahre in leitender Position in der Industrie, 2 Jahre als Agenturgeschäftsführer in Stuttgart, dann führte er 27 Jahre lang von 1987 bis 2014 seine eigene Werbeagentur in Pfullendorf mit international vertretenen Kunden. Nach dem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft begann Hans Bischoff 2015 seinen ersten Kriminalroman zu schreiben, den ersten Band einer Serie um seinen Protagonisten Peter Förster. Seine drei klassischen Kriminalromane, ein Bodenseekrimi sowie der Politthriller »Der Jemen Deal« sind im Selbstverlag veröffentlicht. Das jetzt neu aufgelegte, überarbeitete Werk »Im Bann der Rache« erscheint im Dezember 2021. Präzise Recherche, das Entdecken interessanter Schauplätze und eine ungekünstelte klare Sprache zeichnen Hans Bischoff aus. Der Autor greift gerne Themen aus dem aktuellen Zeitgeschehen auf. Beim Politthriller »Der Jemen Deal« führten die politische Situation und der langjährige Krieg im Jemen zur Romanidee. Im aktuellen Buch »Im Bann der Rache« bezieht er sich auf die oft undurchschaubaren Aktivitäten der Finanzbranche und mannigfaltiger Steuerschlupflöcher. Er verbindet gerne reine Fiktion und reale Begebenheiten. Neben dem Schreiben von Kriminalromanen ist er als Fotograf und Videofilmer unterwegs. Bleibt dann noch Zeit übrig, beschäftigt er sich mit Grafik und Malerei und frönt der italienischen Küche. Er lebt mit seiner Frau in Überlingen am Bodensee. www.hans-bischoff.de mail@hans-bischoff.de
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Freitag, 19. September 2014, Stuttgart
Ich hatte nicht gehört, wie der andere hereingekommen war. Es interessierte mich auch nicht. Es war klar, wer und was kommen würde. Und warum. Deshalb drehte ich mich erst von meinem riesigen 27-Zoll Bildschirm weg, als der Lichtschalter ein leichtes Klicken von sich gab und mich die plötzliche gleißende Helle der Deckenstrahler blendete.
»Hallo mein Lieber, immer noch am Tüfteln?«
Ich drehte mich langsam ein Stück weit um. Edgar lehnte grinsend am silbrig glänzenden Metallrahmen der Bürotür, der mir Lichtblitze in die Augen spiegelte. Ich musste blinzeln.
»Was interessiert denn Dich das noch, Edgar van Damme, Du verlogenes Finanzgenie?«
Van Damme verzog das Gesicht zu einer Grimasse. »Du hast Dich eben verzockt, Du Computerfreak. Hättest eben doch besser bei Deinen Apps bleiben sollen. Aber man ist halt so gierig.« Edgar drückte sich aufreizend langsam um den Schreibtisch herum. »Und jetzt sind die teuren Spielzeuge weg, dumm gelaufen.«
Ich war innerlich am Platzen, versuchte aber, ruhig zu bleiben. »Du weißt ganz genau, wem ich das zu verdanken habe, Du Arschloch. Du hast mir die Anlagen mundgerecht serviert, alles easy, kann überhaupt nichts schiefgehen. Und ich Blödmann habe Dir vertraut. So vertraut, dass Du auch noch meine Firma ausbluten konntest«, sagte ich eher zu mir als zu ihm. »Nur damit Du Deinen Hass ausleben kannst.«
Edgar setzte seinen gewohnt überlegenen Gesichtsausdruck auf. Die Augen nach oben verdreht zeigte dies, und so gut kannte ich ihn, dass er seinen Gesprächspartner für einen Idioten hielt. »Du redest Scheiße, wenn Du Dein Maul aufmachst. Aber jetzt ist hier Schluss, morgen bist du draußen. Und übrigens, Deine Beschuldigungen wirst Du nie beweisen können, ich war nämlich schon immer schlauer als Du. Ich wusste das damals schon, vor dreizehn Jahren, weißt Du noch? Als Du meintest, mich gegen Brigitte ausspielen zu können und mich sitzen ließest, als ich Dich gebraucht hätte. Ich hab's Dir damals gesagt und jetzt habe ich‘s Dir gezeigt.«
Edgar beugte sich über meinen Bildschirm und deutete mit dem Zeigefinger auf die verschiedenen Ordner auf dem Desktop.
»Finger weg!«
»Und denke nicht einmal dran, von hier irgendwelche Daten abzugreifen und einzupacken, die ganze Chose hier gehört mir. Ich habe alles aus der Konkursmasse aufgekauft, das Zeugs hier ist alles meins, merk Dir das! Jetzt haue ich wieder ab.«
Mit diesen salbungsvollen Worten drehte er sich auf dem Absatz herum, stolzierte aus dem Büro raus und reckte den Mittelfinger der rechten Hand nach oben. Ich saß da wie versteinert. Ich wusste ja, dass es genau so kommen würde. Seit Tagen schon war klar, er würde hier alles übernehmen, Inventar, Technik, Daten. Auch das Büro, das ich ebenfalls von ihm gemietet hatte. Drei kleinere Räume sowie eine Toilette. Weiß gestrichen, mit dunklem Parkettboden und jeweils mit einem fast raumhohen Fenster versehen. Eines der Zimmer war mit einem großen Glastisch, sechs bequemen schwarzen Lederstühlen, einer Glasvitrine und einem 55-Zoll-Bildschirm für Präsentationen ausgestattet, sogar mit der neuesten Ultra-HD-Technik. In einem weiteren Raum waren eine kleine Küche sowie Einbauschränke für Akten und Büromaterial untergebracht. Im dritten Zimmer arbeitete ich. Nur mein großer Schreibtisch, eine Ablage, meine kleine Nespresso-Kaffeemaschine und zwei Rechner standen hier. Und nichts davon gehörte noch mir.
Edgar hatte es geschafft. Er war gezielt vorgegangen, seit ich ihm im Sommer 2001 die Unterstützung bei seiner Veruntreuung verweigert und Brigitte in seine diversen Affären eingeweiht hatte. Ich konnte es zu der Zeit nicht mehr mit ansehen, wie er meine Tochter hinterging. Das Verhältnis zwischen Edgar und mir war seitdem nur noch nach außen herzlich. Wir arrangierten uns jedoch und die Sache geriet in den folgenden Jahren in Vergessenheit. Jetzt wusste ich, es schien nur so. Zuerst hatte er mich mit hochriskanten Anlagen über den Tisch gezogen und dann trieb er mich auch noch dadurch in den Ruin, dass ich ihn vertrauensvoll meine gesamten Finanzen machen ließ. Dass er dazu noch betrügerisch einige meiner Apps auf seinen Namen registrieren ließ, schlug dem Fass den Boden aus. Ich hatte nichts mehr, niente, nada, rien ne va plus! Das Schlimmste an allem war jedoch, dass ich mir selber sagen musste, »Du warst und bist ein absoluter Idiot!«
Wenn ich ehrlich war, völlig selber schuld. Wie blöd konnte man denn eigentlich sein? Ich hatte ihm total vertraut, nun ja, Familie eben. Und selber war ich ein absoluter Träumer, naiv, unfassbar naiv. Ich hing nur Tag für Tag über meinen digitalen Meisterwerken, konzentrierte mich ausschließlich auf meine Arbeit und war froh, mich um nichts anderes kümmern zu müssen. Die große Chance dabei über den Tisch gezogen zu werden, wäre für Menschen mit normaler Intelligenz vorhersehbar gewesen, anscheinend nicht für mich. Sollte mir zu denken geben. Blödmann. Trotzdem war diese »Verabschiedung« ein harter Schlag in die Magengrube und er tat verdammt weh. So abserviert zu werden, war fast nicht zu ertragen. Ich war am Ende. Privat und geschäftlich pleite, ruiniert. Mein Büro war weg, meine Technik, mein Konto war leer, nur die Schulden waren da. Von der Bank gabs nichts mehr, der Gang zum Amtsgericht vor drei Tagen war der logische letzte Schlag. Knockout! Fünf Schritte zum Versager, vielleicht sollte ich ein Buch schreiben, den Titel hätte ich schon.
Nach dem Studium arbeitete ich bei mehreren großen IT-Unternehmen, war Freelancer und machte mich 1993 als Softwareentwickler selbstständig. 2000 wurde daraus die Peter Förster IT GmbH mit Sitz in Stuttgart. Nina und ich hatten 1969 sehr früh geheiratet, unsere Tochter Brigitte kam im selben Jahr zur Welt. 1986, mit nicht mal ganz achtzehn, sie hatte gerade das Abitur bestanden, wurde sie von Edgar geschwängert. Jasmin, mein Enkelkind wurde 1987 geboren. Edgar und Brigitte heirateten dann erst drei Jahre später. Vor gut sieben Jahren verstarb meine Frau Nina, der Krebs hatte sie bereits mit knapp vierundfünfzig eingeholt. Sie kämpfte noch eine ganze Weile, aber sie verlor. Es war eine schlimme Zeit, für uns beide. Ich musste hilflos zusehen, wie sie Tag für Tag langsam starb.
In der Zeit danach konzentrierte ich mich ausschließlich auf meine Arbeit, ich stürzte mich praktisch rein. Vierzehn Stunden und mehr brütete ich vor dem Rechner an meinen digitalen Computerspielen sowie an speziellen Softwarelösungen, meist für die Anbieter dieser Spiele. Ich war gut im Geschäft und verdiente gutes Geld. Kontakte zur Außenwelt beschränkten sich weitgehend auf Kundengespräche und einzelne Treffen mit der Familie, vor allem mit Brigitte und den Kindern. Edgar war selten dabei. Dazwischen war ich oft auf Geschäftsreise unterwegs zu Kundenterminen. All dies half mir einigermaßen mit der Situation fertig zu werden, mir fehlte die Zeit, um über den Schicksalsschlag nachzudenken, der Ninas frühen Tod herbeigeführt hatte. In dieser Phase kümmerte ich mich praktisch nicht mehr um meine eigenen Finanzen, um Buchhaltung und Finanzamt. Die Mahnungen wurden ständig mehr. Ich war nicht nur organisatorisch überfordert. Ich war Entwickler, ein Spielefreak, aber kein Unternehmer. Als meine Probleme immer sichtbarer wurden, bot mir Edgar großzügig an, sich um diesen Bereich zu kümmern. Er war seit einigen Jahren als Anlageberater erfolgreich selbstständig und war sich sicher, dass er diese Aufgabe als Nebenjob für mich übernehmen könnte. Ich war begeistert, hatte ich diesen Scheiß endlich weg und in guten Händen. Er war das Finanzgenie und kannte sich auch mit Steuern aus. So wurde Edgar im Sommer 2009 ganz offiziell zu meinem persönlichen Finanzchef. Ich überließ ihm praktisch alles, bis hin zur Kontovollmacht. Schließlich musste er ja Überweisungen machen und Zahlungen vornehmen können. Persönlich hatten wir zu diesem Zeitpunkt einen guten und engen Draht zueinander. Eitel Freude Sonnenschein, so sah es zumindest aus. Das Ganze gab mir wieder etwas Halt nach dem Verlust meiner Frau, es ging mit mir bergauf. Auch mit meinen geschäftlichen Erfolgen. Umsatz und Gewinn waren im Steigflug begriffen, ich hatte bei ein paar hoffnungsvollen Rennern die Finger drin.
Eines Tages, im März 2010 stand dann plötzlich Edgar im Büro.
»Hey Alter, wir müssen reden, hast Du kurz Zeit für mich?«
»Kein Problem, leg los, was hast Du auf dem Herzen?«
»Wir sollten uns langsam damit beschäftigen, darüber nachzudenken, was wir mit Deiner Kohle anstellen. Du hast die drei letzten Jahre richtig gut verdient und wir haben das meiste in der Firma drin gelassen. Das wird jetzt zu viel und muss raus. Du hast keinen Ertrag aus den flüssigen Mitteln, die momentan nur faul rumliegen, statt zu arbeiten« erläuterte Edgar.
»Was sollen wir Deiner Meinung nach tun?«, fragte ich.
Edgar lachte anzüglich. »Du weißt, dass ich ein paar richtig gute Pferdchen am Laufen habe, also ausnahmsweise keine Mädels in der Altstadt, was ja auch nicht schlecht wäre, sondern echt starke Fonds. Geschlossene Immobilienfonds, die ich selber aufgelegt habe und die ich selber und ausschließlich in der Hand habe.«
»Was bedeutet das dann? Was bringt mir das und wie funktionieren diese Fonds?« Ich hatte keine Ahnung von Geldanlagen, von geschlossenen oder offenen Immobilienfonds schon gar nicht, und nie mit Edgar darüber gesprochen. Es hatte mich nie interessiert. Ich konnte mich ja erfolgreich hinter meinem Mac und finanziell hinter Edgar verkriechen.
»Ich erkläre es Dir kurz, aber nur ganz kurz. Ich gründe eine Fondsgesellschaft, lege einen Fonds auf, sammle Geld von Investoren ein und investiere es...




