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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 384 Seiten

Reihe: Jean Maurice Knöpfle ermittelt am Bodensee

Bischoff Zündstoff

Jean Maurice Knöpfle ermittelt am Bodensee
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-9280-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Jean Maurice Knöpfle ermittelt am Bodensee

E-Book, Deutsch, Band 1, 384 Seiten

Reihe: Jean Maurice Knöpfle ermittelt am Bodensee

ISBN: 978-3-7534-9280-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein Bodenseekrimi voller Spannung, schwarzem Humor und überraschender Wendungen. Am Bodensee tickt eine Bombe und ausgerechnet Jean Maurice Knöpfle stolpert hinein. Der chronisch unpünktliche Anwalt mit Hang zur Selbstüberschätzung gerät eher zufällig in die Ermittlungen rund um eine Serie rätselhafter Bombenanschläge. Während Kommissarin Dagmar Meister professionell vorgeht, folgt Knöpfle seiner eigenen höchst unkonventionellen Spürnase. Was zunächst wie ein absurdes Hobby wirkt, bringt ihn schon bald auf eine brisante Spur: Die regionale Baubranche scheint tiefer verstrickt, als irgendjemand zugeben will. Je näher Knöpfle dem Täter kommt, desto gefährlicher wird das Spiel. Und plötzlich ist nicht nur sein Ruf, sondern auch sein Leben in akuter Gefahr. Ein scharfsinniger, atmosphärischer Regionalkrimi mit einem Ermittler, der keiner sein will und dabei mehr entdeckt, als gut für ihn ist.

Hans Bischoff lebt mit seiner Frau in Überlingen am Bodensee. Er wurde im Mai 1949 in Stuttgart geboren, wo er auch aufwuchs. Nach einem Werbestudium arbeitete er rund 40 Jahre lang erfolgreich in der Werbung: 8 Jahre in leitender Position in der Industrie, 2 Jahre als Agenturgeschäftsführer in Stuttgart, dann führte er 27 Jahre lang von 1987 bis 2014 seine eigene Werbeagentur mit international vertretenen Kunden. Nach dem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft begann Hans Bischoff 2015 seinen ersten Kriminalroman zu schreiben: »Die smarte Rache«. Ein Jahr später folgte mit »Das tödliche Bild« der zweite Roman einer Serie um seinen Protagonisten. Beide Krimis sind im Selfpublishing veröffentlicht. Das 2019 publizierte dritte Werk »Der Jemen Deal« verbindet das Genre des internationalen Politthrillers mit dem des klassischen Polizeikrimis. Hierbei führte die politische Situation und der Krieg im Jemen zur Romanidee. Im Juli 2020 erschien der dritte Band der Peter-Förster-Reihe: "Das letzte Opfer«. Sein fünfter Krimi »Zündstoff« erscheint im Mai 2021. Präzise Recherche, das Entdecken interessanter Schauplätze und eine ungekünstelte klare Sprache zeichnen Hans Bischoff aus. Neben dem Schreiben von Kriminalromanen ist er als Fotograf und Videofilmer unterwegs. Bleibt dann noch Zeit übrig, beschäftigt er sich mit Grafik und Malerei und frönt der italienischen Küche. Mehr zu Hans Bischoff auf seiner Website: www.hans-bischoff.de
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2


Mittwoch, 25. Oktober 2017


»Wo wollen die denn schon wieder hin«, maulte Jean Maurice Knöpfle, als ihn der Streifenwagen mit Sirene und Blaulicht von der Straße zwang. Wahrscheinlich muss der Leberkäse noch warm auf die Wache, dachte er kichernd und zog den Jaguar wieder auf die übliche Fahrspur zurück.

Er würde heute ausnahmsweise fast pünktlich, das hieß bei ihm höchstens eine Viertelstunde zu spät, zu seinem Mandantengespräch mit Frau Obermüller, der erfolgreichen Architektin in ihrer Villa oberhalb Nußdorf eintreffen. Jean Maurice Knöpfle war zwar wegen seiner Erfolge als Scheidungsanwalt, jedoch nicht wegen seiner Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit geschätzt. Nun ja, damit konnte er leben. Besser unpünktlich, als erfolglos. Diese eigene Einschätzung gefiel ihm. Ein gutes Image für einen Mann wie ihn, wie er fand, als er durch Nußdorf, einem der Überlinger Stadtteile fuhr. »Unpünktlich, aber erfolgreich, meine Damen!«, hörte er sich selbstbewusst sagen. Man könnte das auch als arrogant auslegen, kam ihm in den Sinn. Warum eigentlich nicht?

Fünfhundert Meter weiter, kurz nach der Abzweigung von der Hauptstraße in die am Sonnenhang liegende Wohnstraße, fiel sein Blick abrupt auf ein völlig irreales Bild und riss ihn aus seinen Gedanken. Er starrte auf zwei Feuerwehrfahrzeuge, einen Notarztwagen, die Polizeistreife, die ihn soeben überholt hatte und auf einen rauchenden Berg eingestürzter Mauerteile, zerrissener Fensterrahmen und zerlegter Möbelstücke, die anklagend in die Luft ragten.

Der Anwalt stieg im letzten Moment viel zu hart in die Eisen und stoppte das schwere, in die Jahre gekommene Cabrio. Den Jaguar XK, sein ›Kätzchen‹, das er seit sechs Jahren fuhr. Er blieb wie angewurzelt hinter dem Lenkrad sitzen, unfähig, sich zu bewegen, bis einer der Feuerwehrleute mit den Armen ruderte und ihn energisch anwies, zu verschwinden. »Du bisch em Weg!«, hörte er ihn rufen, was ihn wieder in die Realität zurückbrachte.

Die Realität. Das waren die Reste des Südflügels der Obermüllerschen Villa. Der große Raum mit der einzigartigen Panoramaaussicht über den Bodensee. »Sie wohnen hier schon begnadet, Frau Obermüller«, hatte er bei seinem ersten Besuch begeistert gesagt, während er den Blick über den Überlinger See in Richtung Südosten schweifen ließ. Unteruhldingen, die Mainau und dahinter das schweizerische Ufer mit dem Säntis, der alles überragte. Jetzt lag der Seeblick in Schutt und Asche. Zerborsten, verbrannt, tot.

Tot? Mein Gott, er hatte vor lauter Zerstörung überhaupt nicht mehr an seine Mandantin gedacht. War sie …? Knöpfle schnallte sich hektisch los, schob sich etwas ungelenk aus dem niedrigen Sitz und stieg aus. Er machte vorsichtig ein paar Schritte über den Rasen, bis er wieder angehalten wurde. Diesmal stand ihm einer der Polizeibeamten im Weg.

»Sie können hier nicht weiter! Wer sind Sie überhaupt und was suchen Sie hier?« Dabei stellte sich der Polizist mit ausgebreiteten Armen vor den Anwalt, der einen Schritt zurückwich und im Matsch stand. Einer der Feuerwehrwagen musste über den perfekt geschnittenen Rasen gefahren sein und Knöpfle hatte genau die verschlammte Fahrspur erwischt.

»Scheiße, meine Schuhe! Das sind Budapester. Die Hose ist auch verspritzt. Schauen Sie sich das mal an!«, motzte er den völlig unschuldigen Beamten an.

»Dann ziehen Sie halt Gummistiefel an, aber was gehen mich Ihre Schuhe an? Sie haben hier nichts zu suchen, also hui, verschwinden Sie! Abflug!«

Jean Maurice Knöpfle hatte im Grunde genommen nichts gegen staatliche Organe wie Staatsanwälte, Richter und Polizisten. Aber von so einem jungen Rotzlöffel, wie er sein Gegenüber nach oberflächlicher Musterung im Geiste bezeichnete, ließ er sich nicht vorschreiben, was er zu tun hatte. Da kam unweigerlich der alte Revoluzzer zum Vorschein.

»Jetzt hören Sie mal gut zu. Ich bin der Anwalt von Frau Obermüller, der Architektin und Eigentümerin dieser Ruine, die vorgestern noch eine traumhaft schöne Villa war. Und ich hätte mit ihr jetzt einen Besprechungstermin gehabt. Also …«

»Das ist mir egal«, versuchte der Beamte, ihn zu unterbrechen, was ihm jedoch nicht gelang.

»Was ist mit Frau Obermüller? Ich will sofort zu ihr. Ist sie in Ordnung? Ich will das jetzt wissen!« Jean Maurice wurde laut, der junge Polizist wurde leise und winkte hilflos einem weiteren Beamten in Uniform. »Komm mal rüber!«

»Was ist hier los? Sie behindern unsere Arbeiten. Wer sind Sie und warum wird es hier laut?« Der ältere Kollege kam mit finsterem Blick auf die beiden Streithähne zu.

»Mein Name ist Jean Maurice Knöpfle und ich bin der Anwalt von Frau Obermüller, der Eigentümerin des Hauses.«

Der Beamte starrte ihn mit einem leichten Grinsen im Gesicht an. Blödmann, dachte Knöpfle, der diese Reaktion auf seinen Namen allzu oft miterleben musste und sie nicht mehr als lustig empfand.

»Wer hat Sie denn schon gerufen und warum eigentlich?«, fragte der Polizist.

»Ich habe es bereits versucht, Ihrem jungen Kollegen hier nahezubringen. Ich hatte einen gestern vereinbarten Termin mit meiner Mandantin. Und stehe hier jetzt vor einem Schutthaufen. Und da ich nicht von einem Erdbeben ausgehe, muss ja was anderes passiert sein. Und vor allem, was ist mit der Architektin? Die war ja sicher im Haus und hat auf mich gewartet.«

Knöpfle schaute auf seine Rolex. Ein bisschen Luxus muss sein, war sein Credo. Geld bei der Bank zu bunkern, machte wirklich keinen Spaß. Er musste für den Blick auf die Uhr stets die Hemdmanschette hochschieben. »Obwohl ich fast pünktlich gewesen wäre«, meinte er entschuldigend zu dem Beamten.

Der Polizeibeamte schüttelte den Kopf. »Das ist ja alles recht und schön, aber ich darf Ihnen im Rahmen unserer Ermittlungen im Moment …, es war ja auch erst gerade.«

»Mein Gott! Was heißt, erst gerade? Das bedeutet ja – wann war die Explosion? Da wäre ich mit …?«

Sein Gegenüber atmete laut und vernehmlich aus. »Das war vor gut fünfzehn Minuten erst, laut Zeugen.«

Knöpfle starrte ins Leere. »Da wäre ich angekommen! Wenn ich pünktlich gewesen wäre.« Mehr sagte er nicht dazu. Die Erkenntnis reichte, um seinen Blutdruck in die Höhe zu treiben und den Kreislauf in Wallung zu versetzen.

Der Polizist hob die Schultern und verzog mitfühlend das Gesicht. »Glück gehabt, Herr Anwalt! Ich schlage jetzt vor, Sie warten hier, bis die Frau Meister eintrifft, die Kommissarin aus Konstanz. Sie wird hier ermitteln und Sie vielleicht gleich vernehmen. Aber fahren Sie das Auto da vorne auf die Seite.« Er warf einen interessierten Blick auf den Jaguar. »Sechszylinder?«

»Acht!«

»Teuer, oder? Aber als Anwalt, na ja! Also, Sie warten hier!«

Knöpfle war noch immer so geschockt, dass er ausnahmsweise nicht wie gewohnt auf Befehle der Staatsgewalt reagierte, sondern nickte und sich wieder ins Auto schwang.

»Scheiße!«, war sein einziger Kommentar. Er betrachtete gedankenverloren die Szenerie vor seinem Wagen.

Er schreckte auf, als plötzlich jemand an die Seitenscheibe klopfte. Er schaute von seinem iPad hoch, auf dem er in der letzten halben Stunde versucht hatte, einige Notizen zu schreiben, um sich abzulenken. Allerdings war er immer wieder dabei hängen geblieben. Der Schock wegen der Explosion und der Unsicherheit, was seine Mandantin betraf, saß zu tief. Vielleicht hat mir meine Unpünktlichkeit tatsächlich das Leben gerettet, führte er sich ständig wieder vor Augen.

»Herr Knöpfle?«

Die Stimme von außen riss ihn abrupt aus seinen Gedanken. Er ließ die Scheibe herunter fahren und schaute langsam von unten nach oben an der Frau entlang, die neben dem Wagen stand. Sie trug eine gelbe Regenjacke und hatte die Kapuze über den Kopf gezogen. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass es angefangen hatte, stärker zu regnen.

»Ja, äh … hallo.« Er stieg aus. »Hallo, Sie sind …?«

»Dagmar Meister, Hauptkommissarin aus Konstanz. Ich übernehme hier die Ermittlung.«

»Jean Maurice Knöpfle, angenehm. Aber woher kennen Sie meinen Namen?«

Die Kommissarin lachte. »Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, Sie bei der Einweihung des neuen Amtsgerichts zu erleben.«

Knöpfle hielt sich die Hand vor die Augen. »Oh, verdammt. Vergessen Sie es bitte schnell! War keine Sternstunde anwaltlichen Auftretens.« Genauer gesagt, war er nach den diversen Drinks, die er sich mit Staatsanwalt Müller geteilt hatte, so besoffen, dass ihn sein Kompagnon Erwin Schrott geschnappt und an die frische Luft gesetzt hatte.

»So, jetzt aber zu Ihnen.« Dagmar Meister schaute ihn durchdringend an. »Was haben Sie hier zu...



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