E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Black Absturz in den Himmel
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-96122-007-6
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mein himmlisches Erlebnis zwischen Leben und Tod.
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-96122-007-6
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dale Black war über 30 Jahre als Missionspilot tätig. Inzwischen ist er im Ruhestand. Er ist verheiratet, Vater zweier erwachsener Kinder und lebt in Kalifornien.
Autoren/Hrsg.
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1. Flug in den Himmel
Dienstag, 22. Mai – 1:16 Uhr – 12.500 km
Irgendwo über Sambia, Afrika
Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder der Maschine werden in 27 Minuten tot sein, es sei denn, es geschieht etwas Einschneidendes.
Und ich werde dafür verantwortlich sein.
Mit dem bisschen Treibstoff, der sich noch in unseren Tanks befindet, habe ich keine Möglichkeiten und keine Zeit mehr. Und es gibt allerhand Dinge, die einfach keinen Sinn ergeben.
Die Hand meines Kopiloten zittert, als er das Mikrofon an sein aschfahles Gesicht zieht. „Lusaka Anflug, Lusaka Tower, Sambia Zentrum. Irgendjemand? Learjet Vier-Alpha-Echo. Mayday, Mayday, Mayday.“
Immer noch keine Antwort.
Der 38-jährige, erfahrene Kopilot Steve Holmes späht vom rechten Sitz aus durch die Windschutzscheibe des Jets und kann es nicht fassen. „Wo ist die Stadt? Was geht hier vor sich?“ Er schüttelt langsam und ungläubig den Kopf, denn auch er hat unsere Möglichkeiten abgewogen und sie schwinden schnell dahin.
Unser Luxusjet ist mit der neuesten und modernsten Bordelektronik ausgestattet, einschließlich dualer Navigationssysteme, aber beide wurden vor mehr als einer Stunde INOP („inoperative“, das heißt funktionsuntüchtig). Wir haben keine Ahnung warum. Auch antwortet niemand auf unsere Funksprüche und in meinen 16 Jahren als Berufspilot hat mich niemand auf das vorbereitet, was jetzt geschieht. Das wäre auch nicht möglich gewesen. Ich fühle, wie sich mein Brustkorb zusammenzieht, während ich hinter mich greife und die Tür des Cockpits schließe.
Wir funken auf 121,5 MHz, der Notruffrequenz, die auf allen Kontrollgeräten angezeigt wird, und versuchen es erneut.
„Mayday, Mayday, Mayday, Mayday. Learjet November-Vier-Zwei-Vier-Alpha-Echo. Kann mich irgendjemand empfangen? Over.“
Wieder nichts. Nur das Rauschen atmosphärischer Störungen.
Während ich versuche, ruhiger zu atmen und meine Gedanken zu ordnen, lehne ich mich nach vorn und sehe durch die aus mehreren Lagen Plexiglas bestehende Windschutzscheibe des Jets.
„Ich habe schon Lagerfeuer aus dieser Höhe gesehen, Steve. Ich möchte unseren Sinkflug nicht beginnen, bevor wir die Lichter der Stadt erkennen können. Irgendetwas sollte doch zu sehen sein! Such weiter.“
Mein Herz schlägt wie wild. Schuldgefühle nagen an mir. Wie konnte ich zulassen, dass es so weit kommt? Wie können so viele Dinge gleichzeitig schief gehen?
Als vorübergehend beurlaubter Pilot der Trans World Airlines (TWA) hatte ich in Südkalifornien ein Unternehmen gegründet. Ich stellte unentgeltlich Flugzeuge, Piloten und Wartungspersonal zur Verfügung, um gut ausgebildete Menschen an Orte zu bringen, wo sie Bedürftige mit Nahrung und Medizin versorgten – und sie mit Gott in Verbindung brachten.
Der Flug, auf dem wir uns gerade befinden, ist einer von Hunderten, die ich in den letzten Jahren durchgeführt habe, weil ich in einer leidenden Welt Gottes überwältigende Liebe mit anderen teilen wollte. In diesem Monat verschlug es uns nach Europa, den Mittleren Osten und Afrika.
Bis jetzt hat Gott immer für die nötigen Mittel und für Bewahrung bei der Erfüllung unserer Mission gesorgt, aber auf diesem Flug beginnt alles auseinanderzubrechen. Die Ereignisse geraten außer Kontrolle.
Steve und ich haben wie immer diesen Flug sorgfältig vorbereitet. Drei Vollzeitbeschäftigte haben drei volle Tage lang intensive Flugplanung betrieben. Wir griffen auf internationale Flugdatenquellen zurück und trafen Vorkehrungen für alle möglichen Eventualitäten. Wir waren bis aufs i-Tüpfelchen vorbereitet – dachten wir zumindest.
Die neueste Wettervorhersage versprach uneingeschränkte Sicht im Umkreis von Hunderten von Kilometern um die Hauptstadt von Sambia herum, wo wir unsere Tanks auffüllen wollten. Dieser Flug sollte reine Routine sein, auch wenn wir auf Verlangen der Flugsicherheitskontrolle im Sudan zuvor eine längere Verzögerung beim Zwischenstopp hinnehmen mussten.
Ich bete leise. Steve reißt sich frustriert sein Headset herunter und schleudert es auf das Armaturenbrett.
Während ich versuche, mich zusammenzureißen, spreche ich langsam, aber mit fester Stimme. „Steve, wir müssen jetzt funktionieren. Lass uns einfach daran glauben, dass Gott uns helfen wird, dieses Flugzeug bei unserem ersten und einzigen Versuch sicher zu landen. Bist du bei mir?“
Steve wirft mir einen ärgerlichen Blick zu. „Klar.“ Dann rammt er die dicke Checkliste in das Seitenfach des Learjets. „Checkliste für den Anflug abgeschlossen.“ Als selbsternannter Agnostiker kann Steve mit meinem Gottvertrauen nicht viel anfangen. Zumindest noch nicht.
„Ich werde auf der erstbesten Landemöglichkeit aufsetzen, die ich sehe, Steve. Wir könnten uns innerhalb dünner Wolken befinden oder über einer Schicht Hochnebel. Die Lichter der gesamten Stadt könnten aus irgendeinem Grund ausgegangen sein. Das habe ich zwar noch nie gesehen und ich muss zugeben, dass es nicht sehr logisch klingt und nicht erklärt, warum wir keine Lichter von einem Auto oder irgendetwas anderem sehen. Aber, Steve, ich werde dieses Flugzeug in wenigen Minuten landen, das versichere ich dir.“
Er nickt nur grimmig.
„Landeklappen zehn Grad“, ordne ich an. Ich höre das vertraute Geräusch der Klappenmotoren.
Beide NAV1-Nadeln bewegen sich stetig auf das Zentrum des HSI2 zu und bestätigen auf diese Weise, dass wir auf Kurs sind. Aber wohin? Lusaka, nicht wahr?
Ja, Lusaka, unser geplantes Flugziel. Es muss Lusaka sein, rede ich mir ein.
„Gleitpfad aktiv“, fahre ich fort. „Fahr das Fahrwerk aus, Landeklappen zwanzig, und gib mir die Checkliste für den Landeanflug.“
„Roger, Fahrwerk fährt aus, Landeklappen zwanzig, und die Checkliste für den Landeanflug.“
Sekunden später. „Landeklappen vierzig, bitte.“
Ich höre das Zittern in Steves Stimme. „Landeklappen vierzig ausgewählt, vierzig angezeigt, die Checkliste für den Landeanflug ist abgeschlossen.“
Der schnittige Jet ist für die Landung vorbereitet. Kein Schalter muss mehr bewegt werden, bevor wir auf dem Boden sind – wenn wir eine Landebahn finden. Mit Hilfe geringfügiger Korrekturen an den Schubhebeln und am Steuerhorn halte ich die Geschwindigkeit auf exakt 235 Stundenkilometern, während ich Steuerkurs und Flugweg anpasse, um auf Kurs und Gleitpfad zu bleiben. Ich fliege ausschließlich nach Instrumenten, während Steve in die Dunkelheit hinausstarrt, verzweifelt nach irgendeinem Anzeichen für einen Flughafen Ausschau hält und jede meiner Bewegungen überwacht.
Die Muskeln in Steves Gesicht spannen sich sichtbar an, als er spricht. „Dreihundert Meter über Minimum.“ Minimum bedeutet 60 Meter über der Landebahn und ist die geringste Höhe, die wir gefahrlos mit Hilfe der Instrumente fliegen können. Wenn wir keine Landebahn erkennen können, gibt es keine Möglichkeit, unter das Minimum zu sinken … und damit Punkt.
Mit einer federleichten Berührung der Schubhebel verringere ich ein bisschen die Geschwindigkeit und ziehe ein Grad nach rechts, um auf Kurs, in der Geschwindigkeit und im Gleitpfad zu bleiben.
Wir werden diese Landebahn finden, und das beim ersten Anflug, versichere ich mir selbst.
„Hundertfünfzig Meter über Minimum.“
„Hast du Sichtkontakt?“ Ich spüre, wie sich mein Magen verkrampft.
Steve schüttelt langsam den Kopf. „Negativ. Kein Sichtkontakt. Dreißig Meter über Minimum.“
„Sieh weiter nach draußen, Steve, aber sag mir beim Minimum Bescheid.“
Ein paar Sekunden vergehen, dann fährt Steve zusammen und ruft: „Minimum! Minimum, kein Kontakt.“
Für den Bruchteil einer Sekunde reiße ich meinen Blick von den Instrumenten des Cockpits los und sehe über die lange, schlanke Nase des Flugzeugs hinweg nach draußen. Direkt vor uns sollte die Landebahn zu sehen sein – aber nur tiefste Dunkelheit starrt zu uns zurück. Mein Herz setzt ein paar Schläge aus.
Äußerlich wirke ich ruhig und gefasst, aber das ist nur Fassade. Ich zwinge meinen Verstand, die Kontrolle zu behalten, schiebe die Gashebel nach vorn, um wieder durchzustarten und ziehe die Nase auf 15 Grad über den Horizont. Mein Magen fährt Achterbahn, denn mir ist klar, dass die beiden Triebwerke des Jets in diesem Moment unsere begrenzten Treibstoffreserven nur so wegschlucken. In dieser Höhe, bei diesem hohen Luftwiderstand, verbrennen wir den Rest Treibstoff viermal schneller als bei normaler Reisegeschwindigkeit. Der Lebenssaft unseres Flugzeuges wird rasant schnell aufgebraucht.
Während ich verzweifelt darum kämpfe, Herr meiner Gedanken zu bleiben, gehen Steve und ich die Lage nüchtern durch. Es gibt keine Wolken, keinen Nebel oder andere Sichtbehinderungen. Das Licht der Mondsichel bestätigt dies. Es spiegelt sich an den glänzenden Tragflächen unseres Jets – und erreicht uns auch noch auf einer Höhe von 60 Metern. Trotz einer Einwohnerzahl von mehr als einer Million Menschen scheint die Stadt Lusaka verschwunden zu sein. Nicht mal das Licht eines Autos oder Lasters ist zu sehen. Es gibt keine Straßenlaternen oder Feuer. Wir haben bald keinen Treibstoff mehr in unseren Tanks und wir sehen in 60 Metern Höhe keine Landebahn, keinen Flughafen, nicht die geringste Spur des Bodens.
Es ist nicht nur Angst, die mir die Luft abschnürt. Es ist vollkommene...




