Blackburn | Es stirbt mit dir | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Blackburn Es stirbt mit dir

Kriminalroman
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-910918-09-2
Verlag: Polar Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-910918-09-2
Verlag: Polar Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Fast ein Jahrzehnt lang verdient der 29-jährige Hudson Miller seinen Lebensunterhalt im Boxring, doch eine Schlägerei nach einem Kampf droht seine Karriere zunichte zu machen. Hudson ist verzweifelt auf der Suche nach Geld und nimmt einen Job als Türsteher in einer Kneipe an. Dann liefert ihm das Leben einen weiteren Kinnhaken: Sein ihm fremder Vater Leland wurde bei einem scheinbar misslungenen Raubüberfall auf seinem Schrottplatz Miller's Pull-a-Part ermordet. Kurz nach der Beerdigung seines Vaters erfährt Hudson, dass er den Schrottplatz geerbt hat, und kehrt in seine Heimatstadt im Bibelgürtel Flint Creek, North Carolina, zurück, um das Unternehmen zu leiten. Aber das Geschäft umfasst weit mehr als Schrottautos und Altmetall. Hier befand sich ein illegaler Waffenring. Und die Geheimnisse enden hier noch nicht. Auf dem Hof wird eine grausige Entdeckung gemacht, die Hudson in den Kampf seines Lebens stürzt. Auf der Suche nach Antworten schließt sich Hudson mit dem ehemaligen Angestellten seines Vaters, dem 71-jährigen, biersaufenden Vietnam-Veteranen Charlie Shoaf, und einer temperamentvollen Teenagerin, Lucy Reyes, zusammen, die verzweifelt nach Gerechtigkeit für ihre eigene Familientragödie sucht. Da ein Mörder auf freiem Fuß ist und die örtlichen Polizisten keine Antworten geben, leitet das Trio aus Verstoßenen eine Untersuchung ein. Die schockierende Wahrheit, die sie ans Licht bringen, wird Flint Creek bis ins Mark erschüttern.

Scott Blackburn ist Englischlehrer und Absolvent des Mountainview MFA-Programms 2017. Sein Debütroman ES STIRBT MIT DIR erschien am 7. Juni 2022. Scott hat auch Beiträge für Publikationen wie Crime Reads, Criminal Element, Mystery Tribune und Shotgun Honey verfasst. Er war Hauptredner bei Konferenzen, in Universitäten und Camps für junge Autoren. Wenn er nicht gerade schreibt oder unterrichtet, trainiert Scott gerne Kampfsportarten wie Boxen, Muay Thai und Jujitsu, in dem er einen schwarzen Gürtel besitzt. Scott Blackburn lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in High Point, North Carolina.
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Kapitel Eins


Ich jobbte als Rausschmeißer im Red Door Taproom, und weil es ein Freitagabend im Januar war, würde ich mir garantiert jeden einzelnen Cent meines Lohns verdienen müssen. Mein Chef Brent Thompson hatte diese »geniale« Idee gehabt, wie sich das Wintergeschäft ankurbeln ließ: Freitags kostete das Bier zwei Dollar. Es war sein wöchentlicher Gegenschlag zum Shooters Pub direkt gegenüber, der größere Fernseher und die beste Live-Musik der Stadt zu bieten hatte. Meistens funktionierte die Sache mit dem billigen Bier. Für mich bedeutete es jedoch normalerweise jede Menge Stress in der einen oder anderen Form.

An diesem speziellen Abend arbeitete ich unten in der Bar, ein Raum, in dem sich laut Feuerpolizei gefahrlos hundertzwanzig Personen aufhalten konnten. Allerdings kam es mir eher wie dreihundert eng zusammengepferchte Leiber vor, die lediglich durch Kleidung und Schweiß voneinander getrennt waren. Trotz des Gedränges war meine Schicht größtenteils ziemlich ruhig verlaufen, und wenn’s nach mir ginge, sollte es auch so bleiben. Ich hatte den Job noch nicht lange, bildete mir aber etwas darauf ein, potenziellen Ärger erkennen und einschreiten zu können, bevor eine größere Sache daraus wurde. Manchmal sah ich es in den Augen der Leute oder erkannte es an ihrer Körpersprache.

So gegen zehn Uhr kam eine Gruppe durch die Tür, die bei mir alle Alarmglocken läuten ließ. Vier sturzbesoffene Schwachköpfe mit verschiedenen Arschloch-Visitenkarten: knallenge T-Shirts trotz der Kälte, beschissene Tribal-Tattoos und aufgepumpte Rückenmuskeln wie bei Silberrücken. Sie drängten sich rücksichtslos durch eine immer größer werdende Horde, und als sie an mir vorbeikamen, nickte ich zwei von ihnen freundlich zu. Ich hoffte, so ein zwanglos gutes Verhältnis herstellen zu können, aber keiner von beiden erwiderte mein Nicken. Einer von ihnen checkte mich sogar von Kopf bis Fuß ab. Aber an so was hatte ich mich inzwischen gewöhnt. Mit meiner Größe von eins dreiundachtzig und den fünfundsiebzig Kilo ähnelte ich eher einem Tennisspieler als einem Boxer, der bereits fünfzehn Profikämpfe auf dem Buckel hatte. Nicht mal der Bart, den ich mir neuerdings stehen ließ, schien mir Einschüchterungspunkte zu verschaffen.

Ich behielt die Silberrücken-Truppe im Auge und registrierte ihre endlose Abfolge von Faustchecks und Fireball-Shots, als Sabrina, eine unserer Barfrauen, mit einem Eiskübel voll Miller-Lite-Flaschen vorbeikam. Ihren Gesichtsausdruck kannte ich nur zu gut.

»Alles klar bei dir?«, fragte ich.

»So ein Penner hat mir gerade an den Arsch gepackt.«

»Welcher?«

Nachdem ein ausgelassener Junggesellinnenabschied in einer Polonaise vorbeigetaumelt war, zeigte Sabrina auf einen Glatzkopf in Jeans und blau-weißem Flanellhemd. Er war ein gutes Stück größer als ich und brachte als einer dieser mit Mais gemästeten Landburschen locker fünfundzwanzig Kilo mehr auf die Waage.

»Der Typ, der aussieht, als wollte er zu einem Hoedown

Sie nickte.

Ich blieb cool. Ich manövrierte mich durch eine Gruppe Betrunkener und als ich den Kerl erreichte, legte ich ihm leicht meine Hand auf den Ellbogen und beugte mich zu ihm. »Ich denke, es ist Zeit, den Deckel zu bezahlen und für heute Feierabend zu machen, Sir.«

Er riss seinen fleischigen Arm weg und trat einen Schritt zurück, wobei er fast einen Typ der Sorte pubertierendes Jüngelchen umstieß, der viel zu besoffen war, um irgendwas mitzubekommen. »Scheiße, was laberst du? Ich bin gerade erst reingekommen.«

Seine leicht verschliffenen Worte bestätigten mir, dass das Red Door nicht sein erster Stopp an diesem Abend gewesen war. »Sie können nicht unsere Mitarbeiter betatschen«, sagte ich. »Sonst sind Sie schneller wieder draußen, als Sie reingekommen sind. Und jetzt bezahlen Sie bitte Ihren Deckel und dann ab nach Hause.«

»Deine Mitarbeiter, ja?« Er lachte. »Du meinst die Schlampen, die sich ihre Shorts bis rauf in die Arschritze ziehen und im Vorbeigehen wie zufällig ihre Titten an einem reiben? Komm, Bro, mach’n Abgang.«

»Wenn Sie’s so wollen – mir solls recht sein. Sie hatten Ihre Chance.« Ich stieß einen Pfiff aus, um einen Türsteher auf mich aufmerksam zu machen. Als er zu mir herüberschaute, machte ich ein Handzeichen: kleiner Finger und Zeigefinger zu Stierhörnern geformt. Zeit, ein Arschloch vor die Tür zu setzen!

Greg war auf eine Art groß und kräftig, als wäre er schon als Rausschmeißer auf die Welt gekommen. So groß und kräftig wie ich und der Arschgrabscher zusammen. Wie ein Monstertruck bahnte er sich seinen Weg durch die Menge zu uns.

»Macht der Gentleman dir Scherereien, Hud?«

»Er möchte gehen. Kann anscheinend seine Finger nicht bei sich behalten.«

»Ist ja goldig«, sagte der Mann. »Musst du deinen Freund rufen, weil du’s allein nicht packst? Scheiße, dachte schon, vielleicht vögelst du ja Daisy Hotpants da drüben. Schätze, da hab ich mich wohl geirrt.«

Greg zwinkerte mir zu. »Ich kümmere mich drum.« Er packte den Arm des Mannes, drehte ihn recht unsanft in die Richtung des nächstgelegenen Ausgangs und begleitete ihn hinaus. Der Typ versuchte mehrmals, sich aus Gregs Griff zu befreien, wie ein nervendes Gör, das aus der Spielzeugabteilung im Walmart geschleift wird, doch alle Versuche blieben erfolglos.

Er riss seinen Kopf in meine Richtung. »Lass mich wenigstens meinen Deckel bezahlen, Arschloch. Meine Karte ist an der Theke!«

»Die Chance hatten Sie schon. Zweimal. Sie können Ihre Karte morgen abholen, wenn Sie sich wieder beruhigt haben.«

Greg erreichte mit ihm die Tür und beförderte ihn mit einem energischen Schubs hinaus auf den Bürgersteig.

Der Mann drehte sich um und war stinksauer. Er zeigte uns immer wieder den Mittelfinger und überschüttete uns mit Beschimpfungen und Beleidigungen. Ich fand, »Twiggy« und »Biggie« waren schon verdammt clever.

Greg baute sich mit verschränkten Armen in der Tür auf und grinste spöttisch über diesen Tobsuchtsanfall. Kein guter Schachzug seinerseits, eine Idee zu lässig – und eine Schwachstelle, die der Mann umgehend mit einem blitzschnellen Tritt in Gregs Eier ausnutzte. Greg sackte auf die Knie. Sofort schirmte ich ihn gegen einen weiteren Tritt ab, dessen volle Wucht mein Brustkorb auf der linken Seite abbekam. Ich ergriff den Türrahmen und zog mich hoch. Der Mann ging ein paar Schritte rückwärts auf den Bürgersteig und ging in Kampfstellung. Seine Füße standen sehr eng zusammen, die Knie gesperrt, die Hände viel zu tief.

»Komm her, du Wichser!« Er winkte mir mit seiner Linken. »Dein Freund kann dir deinen Arsch nicht mehr retten.«

Und mir nichts, dir nichts wurden wir zu einem Spektakel. Ein halbes Dutzend baff aus der Wäsche glotzender Betrunkener steckte im Eingang hinter Muskelpaket Greg fest, der immer noch gekrümmt nach Luft japste, woran sich auch die nächsten paar Minuten sicher nichts ändern würde. Kids im College-Alter, die mit Pizzastücken und riesigen To-go-Bechern bewaffnet auf dem Bürgersteig unterwegs waren, blieben stehen und gafften. Eine Gruppe, die vor dem Shooter Pub auf Einlass wartete, drängelte sich vor, um besser sehen zu können. Zumindest ein paar Leute hatten ihre Handys auf uns gerichtet.

»Ich warne Sie jetzt zum allerletzten Mal«, sagte ich zu dem Mann. »Besser, Sie verschwinden, solange Sie noch können.« Während ich sprach, hatte ich meine Hände in gespielter Unterordnung erhoben und schob den rechten Fuß für einen solideren Stand ein Stück zurück.

Der Mann zog sein Hemd aus und warf es auf die Kühlerhaube eines in der Nähe parkenden Pick-ups. Er machte eine ziemliche Show daraus, seinen Nacken und seine Knöchel knacken zu lassen, und nahm eine etwas unbeholfene Kampfstellung ein. Ich hatte schon sehr früh am Anfang meiner Boxerkarriere gelernt, dass selbst gute Kämpfer es unbeabsichtigt signalisieren, wenn sie kurz davorstehen, einen Schlag abzufeuern. Ein Zucken der Schulter, ein leichtes Drehen der Hüfte. Dieser Typ hätte genauso gut ein Schild hochhalten können: »Und jetzt kommt ein Schwinger!« Seine Augen weiteten sich, er machte einen schwerfälligen Schritt und zog den Arm zu einem rechten Haken zurück, der wie ein Telefonmast kam. Ich duckte mich darunter weg, stieß ihn zurück, um etwas Abstand zu bekommen. Als er das Gleichgewicht wiederfand, baute er sich erneut auf und holte zu einer weiten Linken aus, der ich genauso mühelos auswich wie dem ersten Haken.

»War das schon alles?«, fragte ich. »Es wird langsam...



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