E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Blair Holistic Wealth
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-95803-637-6
Verlag: Scorpio Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
36 Lebenslektionen für ganzheitlichen Wohlstand
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
ISBN: 978-3-95803-637-6
Verlag: Scorpio Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Keisha Blair ist eine preisgekrönte Bestsellerautorin, in Harvard ausgebildete Wirtschaftswissenschaftlerin und äußerst erfolgreiche Finanzexpertin. Sie ist Gründerin mehrerer gemeinnütziger Initiativen und Gastgeberin des 'Holistic Wealth-Segments' in der mehrfach ausgezeichneten, international ausgestrahlten 'Daily Flash'-TV-Show. Mit ihrem ganzheitlichen Ansatz wurde sie in der New York Times, Forbes, der Harvard Business Review, Essence Magazine und vielen anderen Publikationen vorgestellt. Sie lebt mit ihrer Familie in Ottawa, Ontario. www.keishablair.com
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1
GUT LEBEN
Ein gut gelebtes Leben ist lang genug.
»In meiner ganzen medizinischen Praxis habe ich noch nie bei einem so jungen Menschen einen so großen Tumor gesehen«, sagte mir der Pathologe am Telefon.
Dr. Gordon Watt war mit dem Fall meines Mannes betraut. Man hatte gerade die Autopsie abgeschlossen, war aber noch zu keinem endgültigen Ergebnis gekommen. Man wusste, dass es ein Tumor war, und auch, dass er die Größe einer Grapefruit hatte, aber man konnte nicht sagen, um welche Art es sich handelte oder was der Ursprung war.
Eine eingehendere Untersuchung wurde angeordnet. Das Material musste dazu in die USA geschickt werden, und der Fall sollte von einem regionalen und internationalen Team von Ärzten und Pathologen begutachtet werden. Es sollte ein ganzes Jahr dauern, bis die Ergebnisse der Autopsie endlich vorlagen. Mein Mann Garfield hat an einer Krankheit gelitten, die nur einer von einer Million Menschen pro Jahr bekommen. Sie ist so selten, dass die meisten Ärzte sie nur aus Lehrbüchern kennen. Jahre später gestand mir Dr. Watt: »Es ist eine dieser Krankheiten, von deren Existenz man während des Studiums hört – aber den meisten Ärzten begegnet sie in ihrer Praxis nie.«
Mein Mann wusste nicht, dass er diese Krankheit hatte. Wir waren damals erst seit sieben Jahren verheiratet. Matthew Ricardo war drei, und Alexander Benjamin gerade einmal acht Wochen alt, als sein Vater starb.
Garfield wusste nicht, dass sein letzter Tag auf Erden angebrochen war, als er am Morgen des 8. April aufstand. Er hatte keine Ahnung, dass er an einer lebensbedrohlichen Krankheit litt. Er ging in die Klinik, um eine Diagnose zu bekommen, denn er fühlte sich nicht wohl. Er konnte jedoch nicht ahnen, dass zwischen dem Moment, in dem er in der Notaufnahme eintraf, bis zu dem Augenblick, der auf dem Totenschein als offizieller Todeszeitpunkt angegeben werden sollte, nur drei Stunden liegen würden. Und er ahnte auch nicht, dass die Ärzte in diesen drei Stunden keine Chance hatten, die Ursache seines Zusammenbruchs, den Tumor, zu finden, geschweige denn, sein Wachstum zu stoppen. Ihm war nicht klar, dass er an einer Krankheit litt, die die meisten Ärzte nicht auf dem Schirm hatten und darum nicht danach suchten, eine Krankheit, die selbst in Autopsien nur in siebzig Prozent der Fälle entdeckt wird. Er wusste nicht, dass er trotz aller medizinischen und technologischen Fortschritte keine Chance gegen diesen tödlichen Feind hatte.
Ich hatte keine Ahnung, dass dies die letzten drei Stunden waren, die ich mit ihm verbringen würde, während die Ärzte irritiert und verunsichert danebenstanden und resigniert die Hände hoben.
Die meisten von uns sind sich nicht bewusst, wie wenig Zeit wir zum Leben haben. Wir meinen, dass uns noch endlos viele Tage oder Jahre bleiben, um dieses oder jenes zu verändern. Wir glauben, wir seien jung und unbesiegbar, und gehen davon aus, dass unser Lebenszyklus einer bestimmten Melodie und einem Rhythmus folgen wird – ihm also ein vorgegebener Satz an Regeln und Mustern zugrunde liegt, in dessen Rahmen wir eine Familie planen und gründen können. Wir sind abhängig von dieser rhythmischen Struktur, die dem Lebenszyklus seinen Sinn verleiht – abhängig von der fein abgestimmten Balance von betonten und unbetonten Takten, wie wir sie aus Orchesterkonzerten kennen. Wir werden in diesen Rhythmen erzogen.
Kinder werden von zwei liebevollen Eltern ins Leben gesetzt, die sie großziehen und zu verträglichen Erwachsenen machen, die ihrerseits Eltern und dann Großeltern werden und so weiter. Wir sind an ein System der Fortpflanzung und Abstammung gewöhnt, das unsere Geschichte, Kultur und Erinnerung bewahrt – an jenes Konglomerat von verschmolzenen Elementen, in denen die in unserer Familie vererbten Grundmuster gespeichert sind, wie unser genetisches Erbe oder unsere Stimme und die Art unserer Haare.
Es hat schon immer Klassifikationssysteme gegeben, die auf Linearität und der Einhaltung einer Richtung basieren. Der Lauf der Zeit und der Jahreszeiten ist linear. Wir haben gelernt, ein Muster zu erwarten – im Kontext von Wetterverläufen, Kultur, Geschichte und der Bewahrung unseres Erbes.
Dies trifft auch für Lebenszyklen und Familien zu. Es gibt Leute, die ihre Wurzeln bis zu den schottischen oder britischen Highlandern zurückverfolgen können. Manche von uns haben eine Ahnenreihe, die in die Sklaverei zurückreicht. Wir können den Weg nachverfolgen, der unsere Vorfahren aus der Vergangenheit in die Moderne führte. So wie sich das bescheidene indische Brettspiel im Laufe der Zeit zum Schachspiel mauserte, genauso können wir die Entwicklungsgeschichte unserer Familie nachzeichnen. Unsere gesamte Evolution und Geschichte sind mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ereignissen verknüpft. Wird der Lebenszyklus durchbrochen, brechen all diese Elemente in sich zusammen, und es kommt zu generationenübergreifenden Verlusten.
Meist verschwenden wir keinen Gedanken darauf, dass uns vielleicht nur eine Woche, ein Monat, ein Jahr zum Leben bleibt. Selbst wenn man bei uns eine Krankheit diagnostiziert, meinen wir, noch Gelegenheit zu haben, um »etwas mehr Zeit herauszuholen« und »tapfer zu kämpfen«. Wie schnell, brutal und tödlich das Geschehen in unserem Körper sein kann, erfassen wir nicht. Wir erwarten nicht, dass unsere Seele – die Ur-Essenz unseres Seins – derart schnell aus unserem irdischen Körper entweichen kann und unserer Familie nichts bleibt als eine hohle Kiste zum Anstarren.
Als Garfield offiziell für tot erklärt wurde, stand ich in einem Heer von Ärzten in blauen Kitteln und schaute auf den im Dauerton piependen Herzmonitor. Ich wusste, dass seine Seele noch da war. Ich streichelte seine Finger, und sie waren weich und warm. Er konnte mich zu dem Zeitpunkt noch hören. Aber als sie mir die weiße Plastiktüte mit seinen persönlichen Dingen brachten und ihm das weiße Laken über den Körper zogen, war seine Seele schon fort. Die Essenz meines Mannes war weg und sein Körper nicht mehr als eine leere Hülle. Vor mir lag ein Gefäß, das beizusetzen war. Der Tod stand ihm ins Gesicht geschrieben. Mir wurde augenblicklich bewusst, dass wir ihn für immer verloren hatten.
Die alten Ägypter waren überzeugt, dass , der grundlegendste Aspekt der Seele, einem Menschen bei der Geburt von den Göttinnen Heket oder Meshkenet geschenkt würde. Nach ihrem Glauben hauchten sie diese »Lebensenergie« dem Neugeborenen mit dem ersten Atemzug in die Lunge ein. Im Moment des Todes verließ den Körper, um ins Jenseits einzutreten und die Trennung zwischen den Lebenden und den Toten zu vollziehen. Wie man es auch nennen mag, ob Seele oder – die Essenz meines Mannes war weg.
Der Legende nach war Henry Ford überzeugt, dass die Seele eines Menschen in seinem letzten Atemzug enthalten sei, was ihn dazu veranlasste, den letzten Ausatem seines besten Freundes und Vorbilds Thomas Edison in einem Reagenzglas einzufangen. Ich hatte nicht die Möglichkeit, Garfields Stimme einzufangen, damit meine Söhne sie irgendwann einmal hören könnten. Alexander, der seinen Vater acht Wochen nach seiner Geburt verlor, fragte mich Jahre später, ob ich mich erinnern könne, wie Garfields Stimme klang. In dem Moment wurde mir bewusst, welche Verbindungen bei einer Unterbrechung des linearen Lebenszyklus für immer verloren gehen. Ich selbst kann Garfields Stimme immer noch hören und habe mir ihren Klang im Kopf und im Herzen in heiligen Gefäßen bewahrt, aber für Alexander ist sie für immer verschwunden. So furchtbar der Tod meines Mannes für mich war – für Alexander und Matthew starb ein Teil ihrer Geschichte, den man nie ersetzen kann.
Die Lektion ist offensichtlich, und wir sprechen sie oft aus, aber die meisten von uns haben sie nie wirklich verinnerlicht: .
Als ich mit einunddreißig Jahren Witwe wurde, wenige Wochen nachdem ich zum zweiten Mal Mutter geworden war, dachte ich: »Das kann nicht dein Ernst sein! Wir sollten doch unser zwei Monate altes Baby aufwachsen sehen.« Doch es kam anders.
Ich stand stattdessen am Grab meines Mannes. Noch Monate später hatte ich das Gefühl, in einem Traum zu leben. In diesem Zustand fing ich an, alles zu hinterfragen.
Hatte ich mein Leben wirklich in vollen Zügen gelebt? Nein, hatte ich nicht. Ich war nicht authentisch gewesen – war nicht die gewesen, die ich gern gewesen wäre. Ich war jung und mit meiner Rolle als Mutter überfordert und versuchte, meinen Beruf und zwei kleine Kinder unter einen Hut zu bringen. Mir blieb kaum Zeit, um mich mit Freunden zu treffen. Von Überforderung zu sprechen, ist noch untertrieben. Meine Hobbys und was mir sonst Freude gemacht hätte, gab ich auf, weil ich meinte, dass mir nichts anderes übrig blieb. Ich sah einfach keine andere Möglichkeit, wie es sonst hätte...




