E-Book, Deutsch, 456 Seiten
Blake Magnifico!
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-85445-720-6
Verlag: Hannibal Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Freddie Mercury und QUEEN von A-Z
E-Book, Deutsch, 456 Seiten
ISBN: 978-3-85445-720-6
Verlag: Hannibal Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mark Blake arbeitet seit 1989 als Musikjournalist, unter anderem für die britischen Magazine 'Mojo' und 'Q'. Nach zahlreichen Interviews mit Brian May und Roger Taylor wurde er von der Band beauftragt, Tourprogramme und Covertexte zu erstellen, 2011 war er an der Ausstellung zum 40-jährigen Queen-Jubiläum beteiligt und ist der Band inzwischen eng verbunden. Im Hannibal Verlag erschienen von ihm bisher 'Pink Floyd - Die definitive Biografie' sowie 'Peter Grant - Ein Leben für Led Zeppelin'.
Weitere Infos & Material
A
Alternative Bandnamen
Denn Queen hätten sich beinahe nicht Queen genannt
Es war Freddie Mercurys Idee, die Band „Queen“ zu nennen. Nicht alle fanden das gut. „Ursprünglich gefiel mir der Name nicht; Brian ebenfalls nicht, aber wir haben uns daran gewöhnt“, sagte Roger Taylor.
Das war auch gut so, denn unter den weiteren Namens-Kandidaten befanden sich die folgenden:
•Build Your Own Boat
Nach einem Buch, das Brian May bei einem Freund von Roger Taylor zu Hause bei ihm in Cornwall gesehen hatte. Im Jahr 2011 fand Taylor seine Tagebücher aus dem Sommer 1970 wieder: „Fast hätten wir uns ‚Build Your Own Boat‘ genannt. Ich hatte sogar schon ein Logo dafür gezeichnet. Meine Güte …“
•Great Dance
Nach einem Begriff aus dem Science-Fiction-Roman Perelandra des Autors C. S. Lewis aus dem Jahr 1943, dem zweiten Teil seiner Perelandra-Trilogie. Sowohl May als auch Taylor waren eifrige Leser seiner Bücher. „Ich war ständig am Lesen“, sagte Taylor. „Herr der Ringe natürlich, dann Heinlein, Asimov und C. S. Lewis’ Science-Fiction.“ Diesen damals in der Diskussion stehenden Bandnamen hatten einige Zeitzeugen als „Grand Dance“ in Erinnerung.
•Rich Kids
Unbekannten Ursprungs, doch der Name dürfte Ausdruck von Freddie Mercurys Wunschdenken gewesen sein. Glen Matlock, der ehemalige Bassist der Sex Pistols, benutzte den Namen später für seine 1977 gegründete kurzlebige neue Band.
* * *
„Another One Bites the Dust“
Queens Boogie-Night
Die „Disco sucks“-Kampagne ist eine der unschöneren Episoden der amerikanischen Musikgeschichte. Im Jahr 1978 war DJ Steve Dahl vom Chicagoer Radiosender WDAI entlassen worden, nachdem dieser seine Programmausrichtung von Rock- auf Discomusik verlagert hatte. (Der vom Saturday Night Fever inspirierte Tanzboom hatte in den ganzen USA tief greifende Veränderungen bei den Sendern zur Folge gehabt.) Dahl wurde später bei einem Konkurrenzsender angestellt und begann, im Rundfunk Stimmung gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber und dessen neues Format zu machen.
Was als Aktivitäten eines gekränkten DJs begonnen hatte, entwickelte sich bald zu einer Kampagne gegen ein gesamtes Musikgenre. Dahls Feldzug gipfelte im Juli 1979 in der „Disco Demolition Night“. 50 000 Zuschauer trafen im Comiskey Park-Baseballstadion in Chicago mit Discoplatten ein, die während der Halbzeitpause eines Spiels der Chicago White Sox feierlich in die Luft gesprengt wurden. Auf vielen Schallplatten war nicht einmal Discomusik, sondern Musik von schwarzen Künstlern, was der Protestaktion eine unschöne, rassistische Note verlieh. Es war eine extreme Reaktion, die jedoch sinnbildlich für das Stammeszugehörigkeitsgefühl der Fangemeinden stand. Eine Zeit lang tauchten sogar im UK „Disco sucks“-Anstecker auf, die Underground-, Punk- und Heavy-Metal-Fans sich an die Lederjacken steckten.
Ein Jahr später veröffentlichten Queen in diese polarisierte Welt hinein ihre Single „Another One Bites the Dust“, die eine neue Zuhörerschaft anzog, so manchen alten Fan verprellte und über die auch innerhalb der Band die Meinungen auseinandergingen.
Zu den ersten Opfern von Dahls Kampagne zählte die amerikanische R&B-Band Chic. Die Erfolgsserie der von Gitarrist Nile Rodgers angeführten Band endete im Sommer 1979 mit „Good Times“. „Unsere Karriere wurde durch die Gegenbewegung drastisch abgekürzt“, sagte Rodgers. „Chic hatten nie wieder einen Hit.“
In Queens überraschendem Ausflug in die Gefilde des Dancefloor spielte Chic jedoch eine Rolle. Im selben Sommer besuchte John Deacon die Power Station Studios in New York, wo Chic gerade „Good Times“ aufnahmen. Er kehrte mit einer auffallend ähnlichen Basslinie und der Idee zu einem Song, der sich von allem anderen im Songkatalog von Queen unterschied, in die Musicland Studios in München zurück.
„Wir hatten keine Ahnung, auf was Deaky aus war, als er mit ‚Another One Bites the Dust‘ anfing“, sagte Brian May. Da Deacon seine Meinung gern für sich behielt, war das jedoch nichts Ungewöhnliches. Wegen seiner Fähigkeit, so lange Stillschweigen zu bewahren, bis er ein „perfektes Ei“ legen konnte, bekam er von Produzent Reinhold Mack sogar den Spitznamen „Vogel Strauß“ verpasst.
Seine Bandkollegen waren noch immer so klug wie zuvor, als Deacon Roger Tayler darum bat, seine Drums zu dämpfen, bevor sie die Rhythmusspur aufnahmen. Dies stand im Widerspruch dazu, wie Taylor den Klang seines Instrumentes gern haben mochte, doch Deacon wollte, dass es so trocken klang wie auf der Platte von Chic. „Ich weiß noch, dass Roger keine Lust hatte, das Schlagzeug auf diese Art und Weise zu spielen“, sagte May. „Aber er steckte Decken hinein und spielte das Pattern, das John von ihm hören wollte, und er schaffte es, seine Drums sehr nach R&B oder Discomusik klingen zu lassen. Er spielte einen genialen Drumloop.“ Zu diesem Loop fügte Deacon noch Rhythmusgitarre, Klavier und Händeklatschen hinzu, während May die „schmutzigen Riffs“ in der Songmitte beisteuerte.
„Wir wurden da in eine Richtung gedrängt, in die Roger und ich von allein nie gegangen wären“, gab der Gitarrist zu. Doch Deacon hatte in Freddie Mercury, der ebenfalls Fan von Dancefloor-Musik war, einen Verbündeten. Deacon war kein Sänger, also fungierte Mercury als sein Interpret und sang die Vocals mit einer solchen Vehemenz, dass ihm die Kehle blutete. Mercurys Stimme war es, durch die Queens Song sich von anderen Discoscheiben unterschied. An seiner Darbietung ist nichts von der Geschmeidigkeit von Chics „Good Times“, er speit den Songtext aus wie abgebrochene Zähne.
Der Song war ein gewagter Schritt für Queen, insbesondere in dem damaligen musikalischen Klima. „Roger hasste ihn“, sagte May 2008. „Er wollte nicht, dass Queen funky wurde.“
„Ich habe den Song nicht gehasst“, beharrte Taylor. „Ich war nie dagegen; ich glaubte einfach nur nicht, dass er ein Hit werden könne.“
Im Juli 1980, als Queen vier ausverkaufte Konzerte im LA Forum gaben, kamen Michael Jackson und seine Brüder hinter die Bühne, um die Band zu treffen. „Sie waren in der Garderobe und redeten ununterbrochen von ‚Another One Bites the Dust‘“, erinnerte sich Taylor. Queen beteuern, dass es die Jackson 5 waren, die sie davon überzeugten, den Song als Single herauszubringen, während die Leute von Queens Roadcrew darauf bestehen, dass sie es waren. „Aber man wies uns an, noch mehr Cocktails zu mixen“, scherzte einer von ihnen.
So oder so, Queen gaben nach, und schon bald wurde eine Vorabauflage der Single von schwarzen Radiosendern gespielt, darunter WBLS in New York. Obwohl sich Queen zum kommerziell gesehen schlechtesten Zeitpunkt in Richtung Discomusik orientierten, hatten sie einen Hit. Der Song erreichte Platz sieben in den heimischen Charts und den zweiten in den Billboard Soul and Disco-Charts – was unerwartete Folgen hatte. „Viele Leute, die sich die Single kauften und dann zu unseren Gigs kamen, glaubten, wir wären schwarze Musiker“, sagte May, „und stellten dann plötzlich fest, dass das nicht der Fall war.“
Chics Bassist Bernard Edwards starb im Jahr 1996. Er hatte immer betont, dass er kein Problem damit hatte, dass Queen seine Basslinie für sich vereinnahmt hatten. Sein Groll gebührte eher den Kritikern, die in Unkenntnis der Chronologie der Ereignisse Chic beschuldigten, Queen kopiert zu haben. „Es war undenkbar für diese Leute, dass schwarze Musiker innovativ sein konnten“, ärgerte er sich. „Sie waren doch einfach nur blöde Discotypen, die einen Rock-’n’-Roll-Song ausschlachteten.“
Der Song wurde außerdem beinahe in einem Hollywood-Blockbuster verwendet. Im Jahr 1982 trat der Schauspieler und Regisseur Sylvester Stallone an Queens Management heran und fragte an, ob er den Song für Rocky III verwenden könne. In einem frühen Schnitt des Films war „Another One Bites the Dust“ sogar enthalten, aber der Deal kam nicht zustande. Stattdessen wurden die unbekannten amerikanischen Softrocker Survivor gebeten, ersatzweise einen Titel beizusteuern, und so schrieben sie „Eye of the Tiger“. „Danke, Queen!“, sagte Mitkomponist Jim Peterik, nachdem der Song in neunzehn Ländern zu einem Top-Ten-Hit wurde.
In den USA blieb „Another One Bites the Dust“ für mehr als ein Jahrzehnt Queens letzter Hit. Queen wurden in Amerika noch immer als reine Rockband wahrgenommen. Zusammen mit Mercurys kurz geschnittenem Haar und gerade erst gezüchtetem Schnauzbart verwirrte der Song all jene, die erwarteten, dass Rockbands so aussahen und klangen wie Van Halen oder eine Variation davon.
Im Jahr 2012 offenbarten medizinische Fachkräfte, dass sie „Another One Bites the Dust“ zum Trainieren von kardiopulmonalen Wiederbelebungsmaßnahmen nutzten. Offenkundig sind die 120 Schläge pro Minute, die der Songs aufweist, ideal dafür, Herzdruckmassage zu timen.
„Es überrascht mich noch immer, dass es ein Hit wurde“, sagte ein ratloser Roger Taylor. „Aber da kann man mal wieder sehen, wie man sich irren kann.“
* * *
Austin, Mary
Die...




