Bleyhl | Viere Meerestiere und ein Ping | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 312 Seiten

Bleyhl Viere Meerestiere und ein Ping


2. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7583-5967-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 312 Seiten

ISBN: 978-3-7583-5967-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Hammerhai Professor Doktor Haiko Hammer hat das Waterworld-Wide-Web erfunden und lebt als Einsiedler in einer Unterwasserhöhle der Kanareninsel La Palma. Aber das soll sich ändern. Die äußerst attraktive Meeresschildkröte Torti Boba paddelt aus der Karibik daher. Der junge Delfin Yo Iruka entkommt dem Massaker von Taiji und landet ebenfalls bei Haiko. Ebenso wie Killerwal Men Orca, der eigentlich nur auf der Suche nach dem nächsten Submarin-Festival ist. Zu ihnen stößt Ping, ein Kaiserpinguin-Kind vom Südpol mit Talent zum Pop-Star. Unterwegs haben zwei der Meerestiere böse Erfahrungen mit dem Plastikmüll in den Ozeanen gemacht. Deshalb schmieden sie zusammen mit ihren menschlichen Freunden einen Plan, um die Kunststoff-Pest zu beseitigen. Aber sie haben mit dem Erdöl-Milliardär Frank Ruthless einen mächtigen Gegner. Wer wird dieses so wichtige Spiel gewinnen? Dieser tierische Science-Fiction-Roman für Kinder ab zehn Jahren und Junggebliebene enthält mehr als Visionen zur Rettung der Meere. Die Autorin streut wie nebenbei viele Informationen über die Ozeane und ihre Bewohner sowie über die Kanareninsel La Palma in den Text. Mal ernst und mal humorvoll verpackt. Die Botschaft ist, in unserer chaotischen Welt mit Kreativität und Zusammenhalt neue Wege zu gehen.

Gudrun Bleyhl wurde 1958 in Süddeutschland geboren und lebt seit dem Jahr 2000 mit ihrem Mann auf der Kanareninsel La Palma. Die Journalistin hat den Vulkanausbruch im September 2021 hautnah miterlebt, denn sie wohnt nur drei Kilometer vom Feuerberg entfernt in Tajuya. Um sich von dem Dauer-Horror abzulenken, hat sie das Buch Lavasteinzeit geschrieben. Neben der Schriftstellerei arbeitet Gudrun an ihrem Lavastein-Blog. Hier veröffentlicht sie täglich Nachrichten und Geschichten von der Isla Bonita und den Kanarischen Inseln. Abends sitzt Gudrun gerne auf der Terrasse ihres Hauses und schaut zu, wie die Sonne im Atlantik versinkt. Und da sah sie eines Tages vor ihrem geistigen Auge, wie ein Pinguin, ein Hammerhai, ein Orca, eine Tortuga Boba und ein Delfin in Richtung Piratenbucht schwammen.
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Autoren/Hrsg.


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Kapitel 1
Die Kaiserpinguine in der Antarktis


Ping sprang.

Mit laut klopfendem Herzen, aber entschlossen zusammengebissenem Schnabel stieß sich das Kaiserpinguin-Kind an der Eiskante ab. Einige Meter weiter unten funkelte das Wasser des Rossmeers in einem satten Blau, das in den Wellentälern geheimnisvoll vor sich hin dunkelte. An diesem Spätnachmittag Ende Januar im Jahr 2023 verließ Ping zum ersten Mal das sichere Schelfeis. Diese gigantische weiße Fläche war seine Heimat. Hier war es im Juli vergangenen Jahres aus dem Ei geschlüpft.

»Wetten, dass das schief geht«, grölte Koks weiter oben in sicherer Entfernung zum Startplatz an der Klippe.

»Haaaar, haaaar.«

Hinter ihm und den anderen jungen Pinguinen, die dem Großschnabel wie immer ergeben lauschten, lag die Kolonie der Kaiserpinguine. Tausende von ihnen bewegten sich wie schwarze Tupfen über das schier unendliche Weiß. Nur ganz hinten am Horizont fand das Auge Halt, denn dort ragten die felsigen Gipfel des Transantarktischen Gebirges aus dem ewigen Eis.

Die Lache von Koks war tierisch laut, tief und krächzend. Sie klang grässlich hässlich, und sein fetter Schädel verbreiterte sich bei seiner schadenfrohen Grinserei bis zu den Kopffedern, unter denen sich seine Ohren verbargen.

Ping hatte auf das fiese Gegröle von Koks noch nie eine passende Antwort gefunden. Was konnte man gegen diese Art einen niederzulachen, schon machen? Und jetzt hatte Ping sowieso andere Sorgen, denn es hatte abgehoben.

Koks Graf war der Macher im Kindergarten. Selbst ernannt. Wozu auch warten, bis ein anderer auf die Chef-Idee kam? Schließlich hatte er den größten Schnabel von allen und wusste, wie man die anderen an die Wand redete. Und wenn ihm jemand widersprach – was nicht oft geschah –, oder wenn es ihm zu blöd wurde – was oft und schnell geschah –, dann hackte er zu. Er war nämlich auch der Stärkste. Und der Schönste. Und der Klügste sowieso. Fand Koks zumindest. Deshalb drängelte er sich selbstverständlich – fast – immer nach vorn.

Vorn war das warme Innere des Kindergarten-Kringels in der Kolonie. Denn die Temperatur fiel im Winter, der in der Antarktis von April bis Oktober dauerte, an manchen Tagen auf Temperaturen um die minus 40 Grad Celsius und mehr. Obendrein tobten manchmal Stürme mit bis zu 200 Sachen über den Kontinent, der eigentlich eine riesengroße Eiswüste war. Dann konnten sich die Küken in ihrem flaumig-leichten Daunenkostüm nur warmhalten, indem sie einen Kreis bildeten und in einer Spirale ständig von außen nach innen trippelten.

Außen war die saukalte Todeszone. Innen war es schön kuschlig. Deshalb musste man ständig wechseln und in Bewegung bleiben.

Die Alten machten das auch so. Eigentlich machten das alle so. Bis auf Koks.

»Ich kann das ganze Gedrängel nur vom Zentrum aus checken«, behauptete er und blieb in der Mitte stehen wie ein Ofen in der guten Stube.

Nur wenn´s brenzlig wurde, überließ der listige Bestimmer gern mal den anderen den Vortritt. So wie jetzt beim ersten Sprung von der Klippe, den alle Jungschnäbel Ende Januar meistern mussten. Denn jetzt waren sie ein halbes Jahr alt.

Das Schelfeis im Rossmeer war seit Jahrtausenden nicht geschmolzen, deshalb hatten sich die Kaiserpinguine hier angesiedelt. Die feste, dicke Eisschicht war eine halbe Million Quadratkilometer groß und schwamm vor dem antarktischen Kontinent auf dem Wasser. Im Winter bildete sich auf dem davor gelegenen Meer eine zusätzliche geschlossene Eisdecke bis zum Horizont, die im Sommer wieder wegschmolz: das sogenannte Meereis.

Jetzt, Ende Januar, trieben nur noch ein paar Schollen vom Meereis im Wasser, denn es war Hochsommer in der Antarktis. Dazwischen schwammen Eisberge. Wenn die Temperaturen im Sommer auf über null Grad Celsius stiegen, brachen sie von der Schelfeisfläche ab. Deshalb waren die großen Eisberge im Rossmeer oben ziemlich flach.

In diese unheimliche Suppe aus dunklem Wasser und Eisklumpen aller Art mussten die jungen Pinguine jetzt eintauchen. Ausreden ließen die Alten nicht gelten, denn im Oktober hatten die Küken damit begonnen, ihre hellgrauen, fluffigen Baby-Overalls abzulegen. Das nannte sich Mauser. Und jetzt trugen alle einen todschicken, schwarz-weißen Frack. Das waren sozusagen Neopren-Anzüge, die Pinguine schwimm- und tauchfähig machten. Denn die neuen Federn waren wasserdicht, und die dicke Speckschicht, die sich die Jungen im Lauf der Zeit angefressen hatten, wärmte obendrein.

Jedenfalls hatten die Mamas und Papas jetzt den Schnabel voll von den nimmersatten Küken, um die sie sich bisher so liebevoll gekümmert hatten. »Sucht Euch Euer Futter gefälligst selbst«, schnauz-schnatterten die zahnlosen Pinguin-Eltern. »Den lieben langen Tag rein ins Meer, Fische und Krill fangen, raus aus dem Meer, die Pampe runterwürgen, vorverdauen, wieder raufwürgen und Euch in den Hals stecken – jetzt haben wir die Faxen dicke!«

Die Alten kannten keine Gnade. Auch dass im Wasser Feinde lauerten, war ihnen piepegal. Gefahr drohte von den gefährlichsten Wesen der Weltmeere, schwarz-weißen Orcas, die man auch Killerwale nannte. Und außerdem wohnten da unten die spitzzahnigen Bestien der Antarktis: Seeleoparden, die kleine und große Pinguine zum Fressen gernhatten.

»Es gibt einen Trick«, machten die Alten den ängstlichen Jungen Mut. »Eine oder einer von Euch muss als Erstes springen und die Biester ablenken. Dann können die anderen fröhlich und unbesorgt ins Wasser hüpfen.«

Das klang nach einem guten Plan, und die Jungen hatten auch oft zugeschaut, wie die Alten diesen Trick angewendet hatten. Nur: Wer wollte freiwillig der oder die Erste sein?

»Ich mach´s«, hatte Ping am Tag des Klippensprungs mit seinem feinen Stimmchen zum Erstaunen aller gezwitschert. Die Kindergarten-Pinguine klipp-klapperten aufgeregt mit den Schnäbeln und wackelten mit den Flügeln. Ping drängelte sich doch sonst nie vor? In erster Linie versuchte es doch immer, den ständigen Ärger mit Koks zu vermeiden. Oder überhaupt Ärger mit irgendjemandem.

»Ja, wenn das so ist, dann mal los!«, meinte der Checker, der in diesem Fall natürlich keine Einwände hatte. Er flüsterte den anderen lediglich hinter vorgehaltenem Flügel zu, dass das Ping-Ding ganz schön doof sei. Ganz ohne Gemeinheiten ging es bei ihm halt nicht. Und dann hielt er listig und bauernschlau seinen großen Schnabel.

Koks hatte Ping von Anfang an auf dem Kieker gehabt. Also vom ersten Tag an, als das Pinguin-Baby von seinem Vater in den Kindergarten gebracht worden war.

Zwar hatte Smo King – wie es sich bei Kaiserpinguins gehörte – das Ei zwei Monate lang unter seiner Brutfalte gewärmt, bis Ping schlüpfte.

Aber dann lief alles anders als bei allen anderen: Pings Mama mit dem schönen Namen Pen Gewyn kam nicht wie geplant von ihrer Reise im Meer zurück, um Smo beim Babysitten abzulösen. Wie es sich bei Kaiserpinguins eigentlich gehörte. Und niemand wusste, warum.

Und so steckte Smo sein Kleines kurzerhand in den Kindergarten. »Ich muss es hierlassen«, erklärte er den Aufpasser-Mamas und den bereits versammelten Küken. »Pen ist nicht erschienen, und ich habe einen Riesenkohldampf.«

Smo musste unbedingt eine Weile hinaus ins Meer, um Futter zu finden. Schließlich hatte er sich beim Brüten zwei Monate lang nicht vom Fleck gerührt und nichts gefressen. Jetzt wog der eigentlich sehr stattliche Pinguin-Mann nur noch halb so viel wie zuvor. Vor lauter Hunger vergaß er sogar, seinem Kind einen Namen zu geben. Pen und er hatten ursprünglich geplant, zusammen einen Namen auszusuchen, und zuvor wollten sie noch heiraten. Aber jetzt waren die ganzen schönen Pläne futsch.

»Mir ist klar, dass Du jetzt sehr tapfer sein musst«, sagte Smo und streichelte Ping liebevoll übers Köpfchen. »Ich finde es furchtbar, Dich allein zu lassen und werde immer an Dich denken. Aber ich muss jetzt was fressen und Deine Mum suchen. Ich bin höchstwahrscheinlich im Flügelumdrehen wieder zurück.“

Dann spickte Smo ins Meer, tauchte noch ab und zu zwischen den Eisschollen auf, winkte und verschwand.

Ping stand da und fragte sich, was wohl war. Aber es konnte sich nichts darunter vorstellen. Und es fragte sich außerdem, warum Pen nicht zurückgekommen war und Smo einfach wegschwamm. Ob sie es gar nicht lieb hatten? War es vielleicht seine Schuld, dass Mum nicht zurückwollte? Ratlos schaute Ping die anderen an, die sich ringsum drängelten. Vorneweg Koks der Checker.

»Wie heißt Du eigentlich?«, fragte er und kickte etwas Schnee in die Richtung von Ping.

»Weiß nicht …« Das Kleine von Smo und Pen zitterte. Vor Kälte und vor Kummer, dass sein Vater es allein gelassen hatte. Und auch, weil die anderen so viele waren und nicht besonders freundlich schauten.

»Das gibt´s doch nicht«, krächzte Koks. »Kein Papa, keine Mama und kein Name. Dann bist Du ja gar kein richtiger Pinguin. Du bist ja...



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