Bodmer | Mit dem Computer per 'DU'. | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 148 Seiten

Bodmer Mit dem Computer per 'DU'.

Erstaunliche, amüsante und erlebte 'Geschichten' der informatik von 1959-2004
2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7543-8267-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Erstaunliche, amüsante und erlebte 'Geschichten' der informatik von 1959-2004

E-Book, Deutsch, 148 Seiten

ISBN: 978-3-7543-8267-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Computer und die Telekommunikation haben die Welt grundlegend verändert. Erst heute beginnt man zu realisieren, welch eine riesige Wandlung stattgefunden hat. Dieses Buch will dazu beitragen, die Entwicklung der Informatik auch für den Laien verständlich zu beschreiben. Der Autor war selber dabei. Von mechanischen Rechnern über die Lochkarte zum Röhrenrechner und dann zum Supercomputer. Vom Fernschreiber zum Internet. Von zweiadrigen Kupferdraht zum Gigabit Glasfasernetz. Vom Funker-Rekrut zum Hardware-Techniker. Vom Betriebssystem- Programmer zum Netzwerk-Spezialisten. Vom Lehrling zum Marketing Manager Die detaillierten technischen Beschreibungen werden aufgelockert durch erstaunliche, amüsante und erlebte 'Stories'. Die beim Schreiben unwiderstehlich aufkommenden Assoziationen verleiten den Autor zu persönlichen Schlüssen, Sprüchen, Fantasien, pseudo- philosophischen Ideen und Provokationen Aber er kehrt bald wieder zurück in die Realität der IT-Welt. Zu seinem Freund: dem Computer. Den er auch sehr oft zum Teufel gewünscht hatte. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sagt er jetzt seinen 'Kumpels: "Goodbye, wir hatten eine wundervolle Zeit!". "

Geb. 1939 in Zürich. Volksschule, Berufslehre als Kleinfeinmechaniker. Übermittlungsgerätemechaniker bei der Fliegerübermitlungs-Truppe. Versuchsmechaniker bei LM. Ericcson in Stockholm. Programmierer und Verkäufer bei Burrough in Zürich. Service-Techniker bei BULL in Paris und in der Schweiz. Ausbildung zum Wartungs-Techniker für die CDC 6600 in Minneapolis und mit Seymour Cray in Chippewa Falls. Einsatz im CERN in Genf, TH Aachen. ETH Zürich, usw. Betriebssystem Programmierer in Sunnyvale und in verschieden Städten in Europa. System-Analyst für PR1ME, Software Support Manager, Marketing Manager für die Telekommunikation. Telematiker für eine sehr wichtige schweizerische Finanzinstitution in Zürich. Seit 2004 in Pension Freier Schriftsteller: Gedichte, Aufsätze, Essays. Amateur Schauspieler Publiziert: : 'The Other Computer History.'
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1. Vom Feilen des Eisenklotzes zum 'mechanischen' Programmieren.


'Eigentlich' wollte er FEAM erlernen. Ein in den späten Fünfzigerjahren sehr begehrter Beruf. Heute würde man sagen: Top modern und 'in'. Also ein Beruf mit grosser Zukunft.

FEAM steht für: Feinmechanik und Elektro-Apparate Monteur.

Wohlverstanden: Mechanik und 'Elektro'. Nicht Elektronik. Von der war erst sehr vage die Rede. Auch die Wissenschaft war noch ein grosses Stück davon entfernt.

Geschweige dann von elektronischer Datenübermittlung. Zum Steuern eines ferngelenkten Spielzeugautos brauchte es damals beinahe eine Funklizenz und eine Prüfung im Morsen.

Ist Morsen nicht das Erste so etwas wie 'halb-digitales' Übermittlungs-System überhaupt? Die Rauchzeichen der Indianer und der alten Eidgenossen waren analog...

Es wurde nichts aus dem FEAM. Er hatte, wie bis jetzt schon so oft in seinem noch kurzen Leben, wieder einmal kein Glück. Die Lehrstellen waren sehr rar. Und die stärker als er waren, hatten die ergattert. Ein wenig 'Helligkeit' kam doch noch. Eine Firma, die FEAM ausbildetet, bot ihm eine Lehrstelle als Kleinmechaniker an.

Mit der Option die theoretische Ausbildung der FEAMs absolvieren zu können. Oder besser: Zu dürfen.

Was nichts anderes als ein leeres Versprechen war, um die unpopuläre Lehrstelle doch noch zu besetzten. Also würgte er sich durch diese ihm äusserst unbeliebte Tortur. Wochenlanges Feilen an einem Eisenklotz. Die Masse auf den Hundertsteln von einem Millimeter genau. Die Fläche topfeben wie geschliffen. Und der Eisenklotz war äusserst hart. Als er es dann schweiss- und nerven treibend geschafft hat, 'haute' der Lehrmeister mit einem spitzen Hammer eine riesige Kerbe rein. Und die Sisyphusarbeit begann von Neuem.

Das einzig Positive in der vierjährigen Lehrzeit war dies:

Ein Arbeitskollege, zwei Lehrjahre älter als er, macht einmal die Bemerkung, dass er nie im Beruf bleiben wird. Er gehe zu einer der jetzt immer stärker aufkommenden Firmen, die elektronische Rechenmaschinen bauen. Computer war zu dieser Zeit noch ein sehr vager Begriff.

Ein Begriff waren aber Namen wie Burrougs, Honeywell und noch andere. Selbstverständlich auch die grösste und die 'führende' von allen: IBM.

Die Aussage seines Kollegen blieb tief in ihm sitzen. Es war ein Fingerzeig einer höheren Macht. An die er 'eigentlich' nicht glaubt.

Ist es 'nur' eine Illusion?

Zitat: "Ohne Illusionen wird das Leben zum Existieren". (Mark Twain)

Doch es war definitiv ein Tipp, der sein Leben massgebend beeinflussten sollte.

Die Wirklichkeit sah dann viel düsterer aus. Zum Beispiel die Rekrutenschule. Als Übermittlungsgerätemechaniker bei den Fliegertruppen. Die betreuten die antiken Siemens Fernschreiber Baujahr 1939 mit einer Datenrate von sage und schreibe 50 Baud (Bits pro Sekunde. 'Baud' ist ein Begriff abgeleitet von Jean Maurice-Émile Baudot). Die Datenausgabe wurde auf einen 8 Millimeter breiten und 10 Meter langen Papierstreifen gedruckt.

Oder in schmalen Lochstreifen gelocht. Um wieder eingelesen zu werden. Oder um verbrannt zu werden, damit ja keine militärischen Geheimnisse in falsche Hände gelangen könnten.

Das Betriebspersonal, im Militärjargon der BP2 (Betriebspersonal 2), schnitten die bedruckten Papierstreifen zusammen und klebten sie auf ein normales Blatt Papier. Das wurde dann als Telegramm an den Adressaten, den diensthabenden Offizier, streng vertraulich übergeben. Die UEMGTMs (Übermittlungsgerätemechaniker) schrieben dann spasseshalber in der Freizeit Liebesbriefe an die jeweilige Freundin auf die eben besagten Papierstreifen und schickten denen die Papierröllchen.

Dann musste er sich mit laut klapperigen mechanischen Chiffriergeräten in schusssicheren schweren Eisenkisten herumschlagen.

Und als Telefonsoldat kilometerweise Drähte an Dachhaken aufhängen. Dann in der 150 kg schweren halbwegs mobilen Telefonzentrale mit über hundert Stöpseln die Verbindungen durchschalten. Zum Spass wird dann ab und zu der Kompanie Kommandant mit dem Irrenhaus verbunden.

Und musste sich selbstverständlich auch durch die üblichen soldatischen Disziplinen wie Wachordonnanz, Gewehrgriff und Stechschritt würgen. Dazu auch noch Gewaltmärsche in Nagelschuhen, im Jargon 'Zahnradsandalen', auf harten Strassen und steinigen Wegen. Er fasste noch den hölzernen Karabiner 48.

Ein sehr genaues Schiesseisen. Wenn man es richtig bedienen konnte. Er konnte es nur sehr schlecht. Dafür spürte er den gewaltigen Rückstoss nach jedem Schuss. Das ergab eine geschwollene Schulter und ein wundes Schlüsselbein. Eine Qual diese RS. Ein gelebter Albtraum. Von deren Zeit er bis ins jetzige höhere Alter hinein 'alpträumt'...

Doch, wie alles, die RS ging vorüber. Zurück in die Wirklichkeit.

Wegen der lausigen Lehrabschlussprüfung war an eine Stelle in der Schweiz nicht zu denken. Und er wollte ja 'eigentlich' sehr gerne ins Ausland. Doch wohin? Als eine der wenigen Möglichkeiten bot sich Schweden an. Einigermassen auf demselben Lohnniveau wie die Schweiz. Also erkundigte er sich an bei der schwedischen Botschaft in Bern über die Möglichkeit in Schweden zu arbeiten. Und erhielt auch prompt eine Arbeitsbewilligung als sogenannter 'Staginär' und auch eine Stelle bei der Firma L. M.

Ericcson in Stockholm. Die bauten ja alles Mögliche an Elektrogeräte, Telefone, etc. Und natürlich das lukrativste: Waffensysteme.

Die erste Zeit in Schweden war sehr hart. Nicht so sehr die Arbeit.

Diese war noch mehr oder weniger machbar. Aber das Klima!

Besonders der Winter mit meteorololgisch bewiesenen 1.5 Stunden Sonnenschein im ganzen Januar in der Stadt. Auch die Ernährung war alles anderes als ein Vergnügen. Tiefe Depression war angesagt und traf auch voll ein.

Seine Arbeit bestand im Wesentlichen im Reinigen von Chassis für geheime Peilgeräte in Flugzeugen. Diese waren aus Magnesium, damit sie bei einem Absturz sofort verbrennen, um keine Geheimnisse preiszugeben.

Es war Arbeit im Akkord. Eher gemütlich, denn die ausgezeichnet organisierten schwedischen Gewerkschaften waren sehr gut im Verhandeln von Arbeitsbedingungen. Dafür musste er beim selbst kärglichsten Lohn denen beitreten.

Doch dann gab es ein Lichtblick. Noch lange nicht der so sehr erwartete Frühling, aber in der Form eines neuen Jobs. Die Firma Burrough AB in der Innenstadt von Stockholm suchte Servicetechniker für ihre mechanischen Rechenmaschinen. Techniker ist bei Weitem übertrieben. Es war reine feine handwerkliche Justier- und Montagearbeit. An recht komplizierten mechanischen Tischrechner.

Die sind sehr langsam und sehr teuer. Mit dutzenden von winzigen Draht-Federn, Zahnrädchen, kleinsten gebogen Bügeln, fein gedrehte Stiften und so weiter. Das Ding hiess: Then-Keys. Weil es zehn Tasten hatte, um die Operanden einzugeben. Die dann laut ratternd zusammengezählt wurde. Es waren nur Additionen möglich. Doch diese recht primitive Rechenmaschine verkaufte sich gut. Mangels etwas besseren auf dem Markt.

Wenigstens war das Arbeiten an denen nie langweilig und oft eine echte Herausforderung. Solche liebt er doch. Manchmal war er aber überfordert. Sein Lieblingsspruch war dann: Kann man dies nicht einfacher machen! (Auf Schwedisch: Ska man det inte jöra enklare).

Der Herbst nahte. Einen zweiten Tortur-Winter in Schweden wollte er nicht wieder durchmachen.

Er hat es bis zum Hals hinaus: Belegte Brötchen (Smörgos), Blutwurst mit Rosinen, rote gezuckerte Würstchen (grillard Korv), nicht gerade sehr erbaulich riechender Weihnachts-Fisch, schwaches Bier (Fatöl) und dem sehr starken Kartoffelschnaps.

Den man zudem besonders bevor den Feiertagen nur nach langem Warten und nur im staatlichen Geschäft (Statlic Bolaget) kaufen konnte.

Also zurück in die Heimat. Ohne Geld. Denn da war eine weitere Illusion den Bach hinuntergelaufen. Irgendjemand hat ihm gesagt, dass er die Beiträge, die er für die Altersvorsorge in Schweden bezahlte, bei der Ausreise zurückerstattet bekomme. Dem war aber nicht so. Erst später in der Heimat wurde ihm dann gerade einmal ganze 127 Kronen und 50 Öre überwiesen

Also zurück nach Zürich per Autostopp und Brot und Wasser.

Zuhause war gar nicht so willkommen. Dann suche nach Arbeit. Mit den, gelinde gesagt, nicht unbedingt besten Zeugnissen.

Doch für einmal hatte er ein kleines Quäntchen Glück. Wenigstens anscheinend. Die Firma Burrough, wieder die, suchte Programmieren für ihre Buchhaltungsautomaten. So stand es im Inserat.

Er bekam den Job dann auch. Wäre sehr interessant gewesen Programme zu machen für diese mechanischen Ungeheuer. Zehn Kilo schwer. Wie eine riesige Schreibmaschine mit über hundert Tasten.

Programme machen, wohlverstanden. Nicht etwa schreiben. Die Befehle für die Steuerung der Abläufe geschah mittels kleinen Eisenplättchen, die auf einem 50 Zentimeter langen Rahmen, der sich unterhalb des hin und her sich bewegenden Wagen oben an der Maschine befand und aneinander gereiht wurden. Unten an den Plättchen gab es so zehn 5x5 Millimeter grosse quadratische Scheibchen. Je nach Befehl des auszuführenden Programmes wurden die dann mit einer Zange...



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