Böhm | Ein weiter Weg nach Heidelberg | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 148 Seiten

Böhm Ein weiter Weg nach Heidelberg

Wie ich einen Hirntumor überwand und mich zurück ins Leben kämpfte
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-6816-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie ich einen Hirntumor überwand und mich zurück ins Leben kämpfte

E-Book, Deutsch, 148 Seiten

ISBN: 978-3-7534-6816-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Michael Böhm, 42, glücklich verheiratet und stolzer Vater von drei Söhnen, steht mitten im Leben als ihn die Diagnose "Hirntumor" aus der Bahn wirft. Nach schwierigen Monaten der Abwägung entscheidet er sich für eine risikoreiche Operation. Mit starkem Willen, begleitet von Rückschlägen und der Liebe seiner Familie, begibt er sich auf einen steinigen Weg und folgt seinem großen Ziel - wieder da zu sein.

Michael Böhm, 42, glücklich verheiratet, stolzer Vater von drei Söhnen und Geschäftsführer einer aufstrebenden Firma, steht mitten im Leben, als ihn die Diagnose "Hirntumor" aus der Bahn wirft.
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2


Ein Jahr zuvor, 14. August 2017:
Diagnose nach MRT-Untersuchung


Die MRT-Untersuchung war für den späten Vormittag terminiert. Einige Tage zuvor hatte ich in einer Apotheke einen Kreatinintest machen lassen. Meine Werte seien »gut«, ich könne die MRT-Untersuchung durchführen lassen. Ich kannte die junge Apothekerin nicht, dennoch gab sie mir bei der Verabschiedung auffallend intensiv die Hand, sah mir eindringlich in die Augen und sagte: »Ich wünsche Ihnen alles Gute, Herr Böhm.« Mir wurde etwas flau im Magen, denn es wirkte fast so, als wertete die Apothekerin eine Kreatininwertbestimmung als kein gutes Omen. Ich schüttelte einmal mehr den Kopf über mich, denn ich realisierte, wie wenig ich mich eigentlich mit dem ganzen Thema beschäftigte. Nun gut, es waren nur noch ein paar Tage bis zur MRT-Untersuchung und dann würde sich ja ohnehin herausstellen, dass in meinem Kopf alles in Ordnung war.

Auf dem Fußweg in die radiologische Praxis hatte ich noch eine Telefonkonferenz mit zwei Geschäftspartnern. Ich verabschiedete mich aus dem Gespräch, als ich schon in der Praxis stand und nach einer kurzen Wartezeit an der Anmeldung aufgerufen wurde. Meine Gesprächspartner bekamen das mit. Ich sprach von einer Routineuntersuchung und legte auf.

Die Arzthelferin fand mich und meinen Termin sofort in ihrem System, wies mir den Weg zu dem Wartebereich und bat mich dort Platz zu nehmen. Ich beantwortete schnell noch eine E-Mail auf meinem Smartphone, als ich auch schon aufgerufen wurde. Ich landete in einer engen Umkleidekabine. Ein junger Arzt kam herein und fragte mich, ob ich bereit sei für das Kontrastmittel. Ich bejahte wie selbstverständlich, fragte dann aber noch, wofür denn dieses Kontrastmittel eigentlich notwendig sei. Er sah mich mit weit geöffneten Augen an und rang etwas um Fassung. »Hat Ihnen das noch niemand erklärt?« »Nein«, antwortete ich ruhig und ergänzte: »Ehrlich gesagt habe ich aber auch noch niemanden gefragt.« Er blickte mich kühl an und sagte: »Wir geben Ihnen das Kontrastmittel, damit wir Ihren Tumor besser erkennen können.« Sprachs und verließ die Kabine. Mir wurde leicht schwindelig, zog aber wie vereinbart meine Kleider bis auf die Unterhose aus. »Hat er das jetzt ernst gemeint?«, schoss es mir durch den Kopf. Blitzartig erinnerte ich mich daran, wie auffällig beiläufig meine HNO-Ärztin die Untersuchung ins Spiel gebracht hatte. Zugleich war mir, als spürte ich noch einmal den Händedruck der Apothekerin. »Ich wünsche Ihnen alles Gute, Herr Böhm.« Na, das konnte ich jetzt wohl gebrauchen.

Da ich weder Blut noch Spritzen oder Kanülen sehen kann, ohne dass mir schummrig wird, schaute ich demonstrativ an die Decke, bis ich nach etwa zehn Minuten des Wartens zur Untersuchung gebeten wurde. Es ging hinaus in den Vorraum, von wo aus bereits hinter einer Glasscheibe das riesige MRT-Gerät zu sehen war. Eine Arzthelferin nahm mich in Empfang, gab mir Ohrenstöpsel und eine Schutzbrille. »Es wird etwas laut darin«, bereitete sie mich vor. »Wir werden Sie auf die Pritsche legen, Ihren Kopf fixieren und dann in die Röhre schieben. Bitte bewegen Sie sich nicht, das ist ganz wichtig für die Genauigkeit der Bilder. Nach der Hälfte der Zeit kommen wir zu Ihnen und spritzen das Kontrastmittel.«

Gerade als es losgehen sollte, ertönte ein ohrenbetäubendes Warnsignal und die Arzthelferin kam etwas genervt in den Raum. »Was ist denn, Herr Böhm?« »Keine Ahnung«, blaffte ich zurück, »woher soll ich das denn wissen?« Ich hatte bei der Einweisung in das Gerät offensichtlich überhört, dass der schwarze Knopf in meiner rechten Hand der Notausschalter war und ihn kurzerhand unbewusst gedrückt. Bevor ich mich entschuldigen konnte, verließ die Arzthelferin den Raum und stellte das System an. Was folgte, waren 20 Minuten Höllenlärm. Ich konnte es nicht fassen: Die Menschheit fliegt zum Mond, bekommt es aber nicht auf die Reihe, in ein solches Gerät einen ordentlichen Schallschutz einzubauen. Ich zwang mich zur Ruhe und begann langsam bis 1.000 zu zählen. Wenn ich es langsam täte, müsste bei 1.000 diese Tortur zu Ende sein – so meine etwas verkrampfte Hochrechnung. Bei ungefähr 350 rief man mir zu, dass die Hälfte geschafft sei, und spritzte das Kontrastmittel. Ich muss es als Ansporn zum schnelleren Zählen verstanden haben, denn bis zur tatsächlichen Erlösung kam ich noch bis 840. Die Tür ging auf und meine Fixierung wurde gelöst. Ich blinzelte in den Raum und schüttelte mich. Überstanden. Zum Glück hatte ich mich vorher nicht über die Bedingungen einer MRT-Untersuchung kundig gemacht.

»Kommen Sie mit, Herr Böhm«, sagte die Arzthelferin sehr warm und freundlich. »Unser Arzt wird das Ergebnis mit Ihnen besprechen.« Ich machte mir erst gar nicht die Mühe, sie nach dem Ergebnis zu fragen. Sie würde mir ohnehin nichts sagen und die fünf Minuten konnte ich auch noch warten.

Ich saß mit dem Arzt an einem Monitor, auf dem meine MRT-Bilder bereits zu sehen waren. »Wir haben etwas gefunden«, klärte mich der Arzt auf. »Herr Böhm, Sie haben einen Hirntumor. Die gute Nachricht: Er ist höchstwahrscheinlich gutartig und es besteht keine Lebensgefahr. Und Sie wissen jetzt, warum Sie einen Tinnitus haben.«

Es brauchte einige Sekunden, bis das Gehörte in mein Bewusstsein gedrungen war. Einen Hirntumor? Mein Magen zog sich zusammen und mir wurde schwindelig. Ich dachte an Rike und unsere Söhne, ohne dabei einen konkreten Gedanken zu formulieren. »Bleib ruhig«, sagte ich mir. Ich wiederholte das Gehörte und fragte den Arzt, ob ich alles korrekt verstanden habe. Es waren ja noch nicht wirklich viele Informationen gewesen, dafür aber wesentliche. Der Arzt bestätigte mit einem verständnisvollen Nicken. Größe und Lage des Tumors ließen ziemlich eindeutig auf ein sogenanntes Akustikusneurinom schließen. Dies sei ein sehr seltener Tumor, aber immerhin in 99 Prozent der Fälle gutartig.

Das Problem bei dieser Art von Tumor sei seine Lage. Er wachse auf einem Nervenbündel, welches den Gehörgang mit dem Gehirn verbinde. In diesem Nervenbündel lägen neben dem Hörnerv auch der Nerv der jeweiligen Gesichtshälfte sowie die Verbindung zum Gleichgewichtsorgan. Eine Eigenschaft des Tumors sei es, vergleichsweise langsam zu wachsen. Es gebe Fälle, in denen Betroffene mehr als zehn Jahre lang mit einem solchen Tumor lebten.

Der Arzt sprach sehr ruhig und besonnen mit mir. Natürlich sei dies keine gute Nachricht, aber ich solle mich jetzt bitte nicht verrückt machen. Er empfahl mir, zunächst mit meiner Fachärztin zu reden und zusammen mit ihr die nächsten Schritte festzulegen. Ich hätte wirklich ausreichend Zeit, mir das weitere Vorgehen in Ruhe zu überlegen. Obwohl er mir gerade die wohl schockierendste Nachricht meines bisherigen Lebens überbracht hatte, bedankte ich mich bei ihm und verabschiedete mich. Ich war ihm dankbar dafür, dass er mir bei einer ersten Einordnung der Diagnose wirklich geholfen hatte. Als ich den Behandlungsbereich verließ, wartete im Flur bereits eine Praxishelferin auf mich, um mir eine mit meinem Namen beschriftete CD mit den MRT-Aufnahmen zu überreichen. Gut organisiert waren sie auch noch.

Ich verließ das Gebäude und stellte mich etwas verloren an den Straßenrand. Und jetzt? Hirntumor? Es war nicht zu fassen. Meine Gedanken schossen wild umher, ließen sich weder einfangen noch sortieren. Ich versuchte, Rike auf dem Mobiltelefon zu erreichen, ohne zu wissen, was und wie ich es ihr eigentlich sagen sollte. Ich erreichte sie nicht, auch nicht bei den folgenden gefühlt zwanzig Versuchen. Das war in den letzten zehn Jahren genau einmal vorgekommen: heute. So schlenderte ich verstört und ohne Ziel zum Rhein hinunter. Ich versuchte, mich zu sortieren und mir zurechtzulegen, wie ich es Rike mitteilen sollte. Die Nachricht würde sie erschüttern, daher war es wichtig, ihr Stärke und Zuversicht zu vermitteln. In diesen Momenten war es mir wichtiger, Rike nicht zu sehr zu verängstigen, als Klarheit über meine eigene Situation zu haben. Ich ging einige hundert Meter am Rhein entlang, als endlich mein Mobiltelefon klingelte. Rike rief zurück. Sie meldete sich fröhlich und entschuldigte sich dafür, dass sie das Klingeln nicht gehört habe. Ob denn alles in Ordnung sei, erkundigte sie sich und klang dabei nicht besorgt. »Ja…«, sagte ich, noch immer ohne zu wissen, wie der Satz weitergehen sollte. »Was ist los?«, fragte Rike, nun hörbar angespannt. Wir kennen uns einfach zu lange, um uns auch nur ansatzweise etwas vormachen zu können.

Ich versuchte, ihr das soeben Gehörte so ruhig und sachlich wie möglich zu erzählen, doch schon nach dem zweiten Satz brach sie in Tränen aus. Wir sprachen lange und am Ende des Gesprächs sagte sie den Satz, der mir unglaublich viel Kraft gab und der mich bis heute trägt: »Was immer passiert, ich werde an deiner Seite sein.«

Nach dem Gespräch fühlte ich mich richtiggehend erleichtert. Ich rief direkt im Anschluss in meiner HNO-Praxis an, berichtete von dem Befund und bat um einen Termin. An der einfühlsamen Reaktion der Sprechstundenhilfe und dem Zeitpunkt des angebotenen Termins konnte ich erkennen, dass ich offensichtlich keine Alltagsdiagnose erhalten hatte: Termin am nächsten Morgen, 8.00 Uhr. Wie ferngesteuert ging ich ins Büro, leitete die Projektbesprechung und tat den Rest des Tages so, als ob nichts gewesen sei.

Später beschrieb Rike mir ihren Eindruck von diesem Tag:



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