E-Book, Deutsch, Band 1, 426 Seiten
Reihe: Golden City
Böhme Ice into Flames
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-7390-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 426 Seiten
Reihe: Golden City
ISBN: 978-3-6957-7390-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Anna Böhme ist 1997 in Hamburg geboren und studierte Germanistik. Das Schreiben ist schon immer ihre große Leidenschaft. Mit ICE INTO FLAMES feiert sie nun ihr Debüt. Wenn sie nicht gerade in Romance-Büchern versunken ist, findet man sie mit ihrer Band auf der Bühne oder an den schönsten Orten dieser Welt, denn sie liebt das Reisen. Auf Social Media ist Anna auch sehr aktiv und berichtet über ihre Romane sowie ihren Alltag als Autorin (@annaslovestories).
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1
EMILY
»Emily, kommst du bitte einmal in mein Büro?«
Ich löse mich von den Excel-Tabellen auf meinem Bildschirm und schreite in das Nebenzimmer, in dem mein Boss Daniel bereits auf mich wartet. Sofort bemerke ich seinen überforderten Gesichtsausdruck. Wenn er noch Haare auf dem Kopf hätte, würde er sich jetzt sicher verzweifelt mit den Fingern durch eben diese fahren.
»Was kann ich für dich tun?«, frage ich, als ich vor seinem Schreibtisch ankomme.
»Irgendwas ist in meinem Kalender durcheinandergekommen, ich habe heute Nachmittag zwei Termine um sechzehn Uhr eingetragen. Und du weißt, wie wichtig das Meeting mit Mister West nachher ist. Das kann ich unmöglich verschieben.«
»Dann werden wir wohl den anderen Termin verschieben müssen«, stelle ich fest, als läge das auf der Hand.
Na ja, es auf der Hand. Daniel ist manchmal einfach nur…Daniel. Nicht, dass ich meinen Boss nicht mag, im Gegenteil – er ist oftmals nur sehr verpeilt und schwer von Begriff. Was es mir, seiner Assistentin, nicht gerade leichter macht in meinem Job.
»Kannst du…?«, beginnt er, doch ich schneide ihm direkt das Wort ab.
»Ich werde einen neuen Zeitslot für den anderen Termin suchen«, sage ich bestimmt und checke schnell mein Handy, das ich in der Hand halte, »wie ich sehe, ist es eh ein internes Gespräch, das sollte also kein Problem sein.«
Daniel lächelt mir dankbar zu. Es ist wirklich kein Hexenwerk, aber wenn ich ihm damit sein Leben erleichtern kann, ist mein Soll doch erfüllt.
Ich gehe zu meinem Arbeitsplatz zurück und widme mich direkt Daniels Kalender. In Nullkommanix habe ich auch schon Ordnung in das angebliche Terminchaos gebracht und stürze mich wieder in meine Excel-Tabellen. Nicht, dass diese Aufgabe sonderlich interessanter oder anspruchsvoller wäre, aber ich will mich auch nicht beschweren. Schließlich weiß ich, dass dieser Job nicht für die Ewigkeit ist. Ein, vielleicht zwei Jahre noch – dann würde ich genug Geld gespart haben, um mir meinen Traum zu erfüllen.
Mein eigener Laden.
Mit meinen eigenen Möbeln.
Ich muss nur noch ein bisschen durchhalten. Und so schlimm ist dieser Job nun auch wieder nicht. Ich habe geregelte Arbeitszeiten, komme gut mit meinem Boss und meinen Kollegen zurecht und die Bezahlung ist auch nicht schlecht. Außerdem bin ich bei einem der größten Konzerne des Landes beschäftigt, Hart Technologies. Das Unternehmen stellt Geräte wie Smartphones und Laptops her, unter Einsatz von modernen und höchst innovativen Technologien. Als Assistentin des Marketingleiters bin ich zwar nur eine kleine Nummer hier, aber das ist mir auch ganz recht so. Ich laufe gerne unter dem Radar. Zumal ich eh nicht vorhabe, lange zu bleiben.
»Em, hast du es schon gehört?« Max, mein Kollege, reißt mich aus meinen Gedanken.
»Was gehört?«, hake ich verwirrt nach.
Er kommt auf seinem Bürostuhl zu mir rüber gerollt und flüstert mir zu: »Mister Hart sucht scheinbar eine neue Assistentin, denn die jetzige hat – oh Wunder – mal wieder gekündigt.«
Max’ Stimme klingt ganz aufgeregt. Dabei fühle ich mich im Marketing-Team eigentlich ziemlich wohl und habe nicht vor, meinen Platz hier gegen den im obersten Stockwerk auszutauschen. Zumal unser CEO seine Assistentinnen öfter wechselt als ich meine BHs.
Max scheint meine Skepsis zu bemerken, denn er fährt fort: »Stell dir mal vor, du, die Assistentin des CEO. Ich bin mir sicher, du würdest es rocken und endlich mal Aufgaben bekommen, die dich etwas mehr fordern. Mal ganz abgesehen von der netten Gehaltserhöhung.«
Er wackelt vielsagend mit den Augenbrauen und ich muss anfangen zu lachen. Seine Euphorie ist dann irgendwie doch ansteckend. Zumindest ein bisschen. Außerdem finde ich es einfach süß, wie er mich unterstützt.
Max arbeitet schon seit knapp fünf Jahren bei Hart Technologies und reißt sich den Arsch auf für dieses Unternehmen. Er kümmert sich um die Werbekampagnen und ist ein richtig kreativer Kopf. Und auch wenn wir Letzteres gemeinsam haben, unterscheiden wir uns doch in einer Sache: Das hier ist sein Traumjob. Was mich natürlich für ihn freut.
Als ich vor etwas über einem Jahr hier angefangen habe, hat er mich nämlich mit offenen Armen empfangen und seitdem sind wir immer mehr zusammengerückt. Aus Kollegen wurden Freunde und nun möchte ich unsere Mittagspausen, in denen wir uns über den Tratsch und Klatsch aus dem Büro austauschen, oder die gemeinsamen Drinks nach Feierabend nicht mehr missen. Bei einem unserer ersten Afterworks bin ich dann auch direkt herausgeplatzt, dass dieser Job eigentlich nur Mittel zum Zweck ist. Weil ich nach meinem abgebrochenen Studium Geld brauchte. In erster Linie zum Überleben, in zweiter Linie, um einen ordentlichen Betrag zur Seite zu legen. Denn ich hatte einen Plan B. Wobei, wenn es nach meinem Herzen ging, war der Laden eigentlich schon immer Plan A gewesen, ich konnte es mir nur nicht früh genug eingestehen. Schließlich wollte ich meine Eltern nicht enttäuschen, indem ich entschied, nicht an die Universität zu gehen. Und mir selbst wollte ich auch etwas beweisen. Beides stellte sich im Nachhinein als ziemlich unsinnig heraus, aber manchmal braucht es ein paar Umwege.
Max ist auf jeden Fall mein größter Supporter, was meinen Plan A, B oder was auch immer angeht. Deswegen kam sein Hinweis, dass Mister Hart eine neue Assistentin sucht, auch nicht von ungefähr. Mit Sicherheit würde ich mit diesem Job einen Haufen mehr Geld verdienen und meinem Traum so ein gutes Stückchen näherkommen. Aber mal abgesehen davon, dass es keine offizielle Stellenanzeige gibt, weiß ich auch nicht, was mich erwarten würde, und vielmehr, ob es mir gefällt. Dass eine Assistentin nach der anderen kündigt, hat ganz bestimmt seinen Grund.
»Ich weiß nicht, Max. Lass uns erstmal abwarten, die letzten Male wurde die Stelle nie intern ausgeschrieben, es wurde immer direkt Ersatz organisiert, wo auch immer der herkam«, werfe ich ein.
»Du kannst dich initiativ bewerben. Frag doch mal in der Personalabteilung nach.«
Sein Engagement in allen Ehren, aber ich schaue ihn nur mit hochgezogenen Augenbrauen an und mit einem Blick, der sagen soll:
»Überleg es dir«, sagt er mit seinem typischen Grinsen und rollt an seinen Schreibtisch mir gegenüber zurück.
Ich schüttele mit dem Kopf, muss dabei aber auch lächeln. Max’ Ideen sind häufig ziemlich verrückt und er fällt sofort mit der Tür ins Haus. Meine Taktik ist da eher Abwarten und schauen, was der morgige Tag bringen würde. Wenn wirklich die Möglichkeit besteht, sich auf die Stelle zu bewerben, würde ich es mir vielleicht wirklich noch einmal überlegen.
Deswegen erwidere ich auch eine Minute später: »Versprochen.«
***
Der restliche Tag vergeht wie im Flug und ich verliere mich in den Zahlen meiner Excel-Tabellen. Gegen siebzehn Uhr mache ich mich auf den Weg zu den Fahrstühlen und drücke den Knopf fürs Erdgeschoss. Zeit für Feierabend.
Meine Wohnung ist etwa eine halbe Stunde mit der Bahn vom Büro entfernt, so dass ich meine Kopfhörer bereits in meiner Jackentasche parat lege, um auf dem Heimweg mein Hörbuch weiterhören zu können. Als der Lift auf meiner Etage hält und sich die Türen öffnen, lache ich fast laut auf, kann mich aber in letzter Sekunde noch stoppen.
Vor mir steht Sebastian Hart, CEO von Hart Technologies. In einem dunkelblauen Anzug – maßgeschneidert, wie ich vermute – und mit dem Handy am Ohr. Ich glaube, er hat noch nicht einmal mitbekommen, dass der Fahrtstuhl gehalten hat, so vertieft ist er in sein Telefonat. Zumindest würdigt er mich keines Blickes.
Unwillkürlich muss ich an Max’ Vorschlag von vorhin denken. Es kommt mir jetzt irgendwie noch absurder vor.
Ich bin Sebastian Hart im vergangenen Jahr zwar erst höchstens dreimal begegnet, und das auch nur immer sehr kurz auf dem Flur, ohne dass er groß Notiz von mir genommen hätte, aber irgendwas sagt mir, dass das Arbeiten mit ihm nicht einfach sein würde. Vielleicht ist es seine Ausstrahlung. So abgeklärt, schon fast eisig. Er verzieht nie auch nur eine Miene. Und ich bezweifle, dass das an zu viel Botox liegt. Das hat der Mann nun wirklich nicht nötig.
Eventuell, ganz eventuell checke ich ihn beim Betreten des Fahrtstuhls kurz ab. Das dunkle, leicht lockige Haar steht ihm nach dem Arbeitstag hier und da wirr vom Kopf ab und selbst der gestresste Zug um seine Augen und seinen Mund kann die Schönheit seines Gesichts nicht entstellen. Die scharfen Wangenknochen, die kantige Kinnpartie und diese strahlend blauen Augen. Der Teil halsabwärts steht dem in nichts nach. Auch wenn sein Körper von dem Anzug bedeckt ist, kann man sehen, wie gut er gebaut ist. Breite Schultern, fast zweit Meter groß…
Das Schließen der Türen reißt mich aus meiner Trance. Eilig wende ich den Blick ab. Dabei ist der Fahrstuhl...




