E-Book, Deutsch, 98 Seiten
Reihe: Fischer Klassik Plus
Böldl / Vollmer / Zernack Die Saga vom Hochlandkampf
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-10-401673-3
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Isländersagas
E-Book, Deutsch, 98 Seiten
Reihe: Fischer Klassik Plus
ISBN: 978-3-10-401673-3
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Klaus Böldl, geboren 1964 in Passau, debütierte 1997 mit dem Roman ?Studie in Kristallbildung?. Seither erschienen die Erzählung ?Südlich von Abisko?, das poetische Reisebuch ?Die fernen Inseln?, sein Buch über Passau ?Drei Flüsse? und die Romane ?Der nächtliche Lehrer? und ?Der Atem der Vögel?. Für sein literarisches Werk wurde Klaus Böldl mit dem Tukan-Preis, dem Brüder-Grimm-Preis, dem Hermann-Hesse-Literaturpreis sowie dem Friedrich-Hebbel-Preis ausgezeichnet. Er lehrt mittelalterliche skandinavische Literatur an der Universität Kiel. Literaturpreise: Friedrich-Hebbel-Preis 2013 Andreas Vollmer war Lektor für Isländisch an der Humboldt-Universität zu Berlin und übersetzt isländische Literatur. In der Mediävistik beschäftigen ihn Fragen der Überlieferung und Edition von mittelalterlichen Texten. Julia Zernack ist Professorin für Skandinavistik an der Johann Wolfgang Goethe- Universität in Frankfurt. Ihre Forschungsinteressen gelten unter anderem der mittelalterlichen Literatur Skandinaviens und Islands sowie ihrem Nachleben in der Neuzeit. Andreas Vollmer war Lektor für Isländisch an der Humboldt-Universität zu Berlin und übersetzt isländische Literatur. In der Mediävistik beschäftigen ihn Fragen der Überlieferung und Edition von mittelalterlichen Texten. Julia Zernack ist Professorin für Skandinavistik an der Johann Wolfgang Goethe- Universität in Frankfurt. Ihre Forschungsinteressen gelten unter anderem der mittelalterlichen Literatur Skandinaviens und Islands sowie ihrem Nachleben in der Neuzeit.
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Die Saga vom Hochlandkampf
16 Barði stellt seine Männer zusammen, um seinen Bruder Hall zu rächen
Barði und seine Brüder hatten in diesem Sommer viel Arbeit, kamen aber gut voran, da sie besser besetzt waren als sonst. Etwa sieben Wochen vor Ende des Sommers reitet Barði zu seinem Ziehvater Þórarinn nach Lækjamót. Sie redeten oft lange miteinander, und die Leute wussten nicht genau, was sie besprachen.
»Nun werden sich die Leute an einem Ort treffen, der Þingeyr heißt, das liegt zwischen Hóp und Húnavatn«, sagt Þórarinn. »Bislang habe ich dafür gesorgt, dass die Versammlung nicht hier stattfand. Reite nun dorthin und stell deine Freunde auf die Probe, denn ich glaube, dass nach so langer Zeit sehr viele Männer dort sein werden. Bestimmt wird Halldór, dein Ziehbruder, dort sein. Bitte ihn um Unterstützung, wenn du vorhaben solltest, den Bezirk zu verlassen, um deinen Bruder zu rächen.«
Ein Hof heißt Bakki, er liegt in der Nähe vom Húnavatn. Dort wohnte eine Frau, die Þórdís hieß und Gefn genannt wurde, sie war Witwe. Ein Mann bewirtschaftete ihren Hof, er hieß Odd und war sehr tüchtig. Er war weder wohlhabend noch stammte er aus einer angesehenen Familie, dennoch war er weithin bekannt.
»Bitte ihn, mit dir zu kommen, darüber wird er selbst entscheiden«, sagt Þórarinn.
Es gibt da eine Gegend mit Namen Kólgumýrar, wo viele Höfe liegen, einer heißt Meðalheim. Dort wohnte der Mann, der Þorgísl hieß und ein Vetter von Gefnar-Odd war; ein kräftiger Mann und guter Skalde, der vermögend und angesehen war.
»Fordere ihn auf mitzukommen.«
Ein Hof heißt Búrfell, er liegt zwischen Svínavatn und Blanda, das ist draußen hinter den Pässen. Dort wohnte der vorsichtige Eirík mit dem Beinamen Viðsjá. Er war ein Dichter und nicht unbedeutend.
»Bitte ihn, dich zu begleiten.«
Im Langadal liegt der Hof Auðólfsstaðir. Dort wohnte ein Mann, der Auðólf hieß; er ist ein tüchtiger Kerl und sehr angesehen. Sein Bruder heißt Þorvald, er wird vorher nicht erwähnt. Er wohnte in dem Tal, das Sléttadal heißt und oberhalb vom Svínavatn liegt. Es gibt dort zwei Höfe, die so heißen. Er war der weitaus stärkste Mann im Nordland.
»Bitte ihn nicht mit auf deine Reise, er hat einen schlechten Charakter.«
Ein Hof heißt Svínavatn, und dort wohnte ein Mann, der Sumarliði hieß und Gjallandi, der Schreier, genannt wird. Er ist wohlhabend und genoss großes Ansehen. Sein Enkel wohnte dort mit ihm und hieß Þorljót Gjallandafóstri, ein mutiger Mann.
»Bitte ihn, sich dir anzuschließen.«
Eyjólf hieß ein Mann, der auf Ásmundargnúp wohnte; das liegt zwischen Vatn und Víðidal.
»Geh zu ihm und bitte ihn, mit dir zu reiten, er ist ein Freund. Ich denke«, sagt er, »dass es niemandem weiter auffällt, wenn du das während der Versammlung machst und sie jeweils darauf ansprichst. Sag ihnen, dass sie so lange nicht in deiner Schuld stehen, bevor du nicht am Samstag, fünf Wochen vor Winterbeginn, auf dem Hof jedes Einzelnen erscheinst. Nimm niemanden mit, der dazu nicht bereit ist, auf so jemanden wäre kein Verlass.
Nimm lieber diese Männer aus dem Bezirk mit, da sie untereinander verwandt und wohlhabend sind, was auch für ihre Verwandten gilt. Sie sind die Tapfersten von allen, die hier im Víðidal und in der gesamten Gegend wohnen, und je enger wir mit ihnen befreundet sind, umso treuer werden sie euch beistehen.
Es kommt darauf an, tapfere und entschlossene Männer bei sich zu haben statt unerfahrener Taugenichtse, die auf nichts zurückgreifen können, wenn es Schwierigkeiten gibt. Die Leute von deinem Hof und deine Nachbarn, die alle mit dir verwandt oder verschwägert sind, sind bereit, sich mit dir auf die Fahrt zu begeben. Eyjólf, dein Schwager von Borg, ist ein kühner und mutiger Kerl.«
In Vesturhóp heißt ein Hof Þernumýr; dort wohnen zwei Brüder; der eine heißt Þórodd, der andere Þorgísl, beide sind Söhne von Hermund und der Verwandtschaft nach Barðis Vettern. Sie besitzen ein großes Vermögen, sind gute Kämpfer und immer zum Angriff bereit.
»Sie werden mit dir kommen.«
Barði und seine Brüder sind nun entschlossen, zu dritt zu reiten. Zusätzlich werden noch zwei Brüder genannt, die mit Barði dort auf dem Hof leben, der eine heißt Ólaf und der andere Dag, sie sind die Söhne von Barðis Tante und bei Guðmund aufgewachsen.
»Auch sie werden mit dabei sein.«
Schließlich sind noch zwei Männer zu erwähnen: Der eine heißt Grís, er wird Koll-Grís genannt und ist auf Ásbjarnarnes aufgewachsen. Er ist handwerklich sehr geschickt, ist der Bewirtschafter des Hofes und ihnen seit jeher gut gesonnen. Der andere heißt Þórð und wird Melrakki, der Fuchs, genannt. Er war der Ziehsohn von Þuríð und Guðmund, die ihn, weil er so arm war, als kleines Kind bei sich aufgenommen und aufgezogen hatten. Er ist jetzt erwachsen und sehr tüchtig, und die Leute sagen, dass ihm alles gelinge, ob mit Worten oder Taten, und seine Zieheltern liebten ihn sehr, vielleicht mehr, als er es verdient hätte.
»Er wird bestimmt mit dir reiten und dafür sein Zuhause verlassen.«
Nun sind die Männer genannt, die mit Barði ziehen sollen. Nachdem sie das alles besprochen haben, trennen sie sich.
17 Halldór bittet seinen Ziehbruder Barði um Unterstützung
Am Tag des Herrn reitet Barði nach Lækjamót und von dort aus weiter zu dem Treffen. Als er dort eintrifft, hat sich eine große Menschenmenge versammelt, und es geht dort vergnüglich zu; die Leute waren zum Reden aufgelegt, denn es war schon lange keine Versammlung mehr abgehalten worden. Deswegen fiel niemandem auf, welche Parteien sich unterhielten und was besprochen wurde.
Da begannen die Ziehbrüder Halldór und Barði eine Unterhaltung miteinander: Barði fragt, ob Halldór im Herbst nicht mit ihm eine andere Gegend aufsuchen wolle.
Halldór sagt, dass »es sicher nicht mannhaft ist, nicht mitzukommen, jetzt bin ich endlich für die Reise gerüstet, die ich schon zweimal in Angriff genommen habe. Aber mir scheint – wenn es denn so kommt, wie ich es vermute –, dass es besser ist, dir meine Unterstützung erst dann anzubieten, wenn du sie dringender benötigst. Hier sind viele, die sich sogar besser für das eignen, was du vorhast – wenn ich dein Vorhaben richtig einschätze.«
Barði gibt ihm zu verstehen, dass es so ist, wie er sagt, dass er aber nicht weniger sein Freund sei, wenn er nicht mitkomme.
»Um eine Sache möchte ich dich jedoch bitten«, sagt Halldór. »Diesen Sommer hatte ich eine Auseinandersetzung mit einem Mann namens Þórarinn. Ich bin auf ihn losgegangen und habe ihn verletzt. Er selbst ist nicht von großer Bedeutung, aber die Männer, deren Thingmann er ist und die seine Forderungen vertreten, sind Leute von großem Ansehen. Ich will Eilíf und Höskuld den Vergleich nicht verweigern, daher bitte ich dich, die Sache für mich zu begleichen. Ich bringe das nicht über mich, denn ich habe ihnen doch schon mal eine Vergeltung ausgeschlagen.«
Barði sucht Höskuld und Eilíf sofort auf und übernimmt Halldórs Angelegenheit. Sie vereinbaren zur Schlichtung ein Treffen auf Klif, dem Hof von Þórarinn, vier Wochen vor Beginn des Winters.
Daraufhin fragt Barði Gefnar-Odd, ob er wohl mit ihm in den Süden zum Borgarfjord kommen würde.
Odd antwortet darauf unverzüglich, »hättest du mich bereits vor einem oder zwei Wintern gefragt, wäre ich auch schon zu dieser Fahrt bereit gewesen.«
Nun geht Barði zu Þorgísl, Odds Vetter, und fragt ihn dasselbe.
Er antwortet: »Die Leute werden sagen, dass deine Anfrage nicht unerwartet kommt, und ich bin dabei, wenn du das möchtest.«
Da trifft er Arngrím, Auðólfs Ziehsohn, und fragt ihn, ob er mit ihm kommen wolle.
Er antwortet: »Ich werde bereit sein, wenn du bereit bist.«
Genauso sprach er mit jedem, der zuvor genannt wurde, und sie sagten alle bereitwillig zu.
Da sprach Barði: »Ihr habt mir anständig auf meine Bitte geantwortet. Ich werde also am Samstag fünf Wochen vor Beginn des Winters zu euch kommen, und sollte ich dann nicht erscheinen, seid ihr nicht verpflichtet, mit mir zu ziehen.«
Nun reiten alle von der Versammlung nach Hause.
Barði trifft sich mit seinem Ziehvater Þórarinn und erzählt ihm, was Halldór und er besprochen haben. Þórarinn nimmt es gut auf und sagt, dass diese Fahrt gelingen werde, auch wenn Halldór nicht mitkomme. »Er wird dir später noch sehr nützlich sein. Von dieser Fahrt habe ich erst vor kurzem zu sprechen begonnen, da ich wollte, dass man in der Gegend des Borgarfjords möglichst spät davon erfährt.«
18 Þórð soll vierzig Heuladungen einfahren, den Leithammel holen und den Ochsen schlachten
Nun vergeht die Zeit bis zum Freitag der sechsten Woche vor Winterbeginn, und am Nachmittag haben Barðis Knechte einen Großteil der Heuernte eingebracht. Barði und seine Brüder waren draußen, als die Arbeiter nach Hause kamen, und begrüßten sie freundlich. Sie hatten ihre Werkzeuge bei sich, und Þórð Melrakki zieht seinen Sensenstiel hinter sich her.
Barði sprach: »Zieht der Fuchs jetzt seine Rute hinter sich her?«
»So ist es«, antwortet Þórð, »ich ziehe meinen Schwanz hinter mir her und halte ihn nur wenig hoch, wenn überhaupt. Ich sehe es kommen, dass du deine Rute ganz schön lange hinter dir herziehst, bis du endlich deinen Bruder Hall rächst.«
Barði strafte ihn mit keinem Wort. Dann gingen die Männer zu Tisch. Die Brüder essen hastig und stehen gleich wieder auf....




