Wandern auf La Palma
Wohl kein Flecken der Erde besitzt auf so kleiner Grundfläche (708 km²) so viele verschiedene Landschaften und Vegetationszonen. Vom Meeresspiegel reichen sie bis hinauf in hochalpine Regionen von mehr als 2.400 m. Die Caldera de Taburiente im Zentrum bildet einen Ring mit knapp einem Dutzend über 2.000 m hohen Gipfeln. Auf der Cumbre Vieja liegen mehr als 120 Vulkane in einer Linie, einige ragen mehr als 1.800 m in die Höhe. Zudem sind über 40 % der Inseloberfläche von Wäldern bedeckt. La Palma ist damit nicht nur die Isla verde - die grüne Insel der Kanaren -, sie wird auch von den Bewohnern der anderen Kanarischen Inseln neidlos als Isla bonita, die hübsche Insel, anerkannt. Ihrer botanischen Vielfalt wegen hat die UNESCO die gesamte Insel zum Weltbiosphärenreservat erklärt.
Diese Natur schafft unendlich viele und vielfältige Wandermöglichkeiten: ausgedehnte Bergtouren mit alpinem Charakter ebenso wie Waldspaziergänge. Bereits rund 1.000 km Wanderwege, meist auf alten Verbindungen - Caminos Reales genannt -, sind angelegt und markiert. Auch wenn die Badetemperaturen das ganze Jahr über angenehm sind, La Palma ist durch und durch eine Wanderinsel, an deren Ruf weitergearbeitet wird.
Zur Gliederung dieses Wanderführers
Genau genommen ist die ganze Insel ein einziges Wandergebiet. Gerade wegen ihrer Größe und Überschaubarkeit gliedert sich dieser Wanderführer in drei thematische Gruppen: Zuerst die einzelnen Rundwanderungen, die schneckenförmig vom Zentrum der Insel (Caldera de Taburiente) aus angeordnet sind. Die zweite Gruppe bilden die Streckenwanderungen auf dem Inselrundweg Camino Real de la Costa (GR 130). Und im dritten Teil sind die Streckenwanderungen des Kammwegs Ruta El Bastón (GR 131) zusammengefasst.
Die Rundwanderungen
Über ganz La Palma gleichmäßig verteilt, decken die Rundwanderungen die besonders attraktiven und beliebten Regionen ab und bieten damit die Möglichkeit, in den unterschiedlichen Landschaften zu wandern. Der Nationalpark Caldera de Taburiente ist das Herzstück La Palmas. Mit 28 km Umfang und bis zu 2.426 m hohen Gipfeln zählt dieser Gebirgskessel zu den größten der Welt. Die eindrucksvolle Landschaft aus Felsformationen im Wechsel mit Pinienwäldern, Wasserfällen und Quellen steht unter besonderem Naturschutz (? Touren 1 und 17). Aufstiege über die äußeren Hänge verschaffen Einblicke in den Kessel (? Touren 2, 10, 15 und 16). Die Cumbre Vieja ist ein Höhenzug aus 120 Vulkanen, der den Südteil der Insel bildet (? Touren 3 bis 9). Zu den eindrucksvollsten gehören die jungen Vulkane San Antonio und Teneguía an der Südspitze (? Tour 6). Hier riecht es noch nach Schwefel, und wer mag, kann sich in den heißen Spalten des erst 1971 ausgebrochenen Teneguía die Finger wärmen. Die besten Standorte für die jeweiligen Wanderungen. Eine vergleichbare Vegetation zu den Lorbeerurwäldern, Laurisilva (? Touren 8, 9, 11 und 12), hat sich nur an wenigen Orten der Welt erhalten können. In höheren Lagen folgen die Fayal-Brezal-Wälder (? Touren 3 und 8). Die Pinienwälder, El Pinar genannt, ziehen sich rund um die Insel. Wegen ihrer Brandbeständigkeit ist die Kanarische Kiefer der wichtigste Baum der Kanaren. Durch diese Pinienwälder führen, zumindest streckenweise, neun Rundwanderungen (? Touren 1 bis 5, 7 und 15 bis 17). Zwischen Dezember und Mai ist es in der gleichnamigen Region El Pinar an den Westhängen der Caldera besonders zauberhaft (? Touren 15 und 16). Erst blühen die Obstbäume, ab Ende Dezember bis Mitte Februar die Mandelbäume und danach die Wildblumen auf Wiesen und an Wegrändern. Nach dem ersten Herbstregen werden Pilzkenner fündig. Die Weinfelder sind nie aufgegeben worden und werden vorzugsweise am Wochenende bewirtschaftet. Im Nordwesten zwischen Steilküste und wilden Schluchten, den sogenannten Barrancos, finden sich Wohnhöhlen und Kultstätten der Ureinwohner (? Tour 13), aber auch romantische Dörfer und zahlreiche Drachenbäume, die Dragos. Sie gelten als die spektakulärsten unter den typisch kanarischen Pflanzen. Eine Rundwanderung führt bis ans Meer zur sogenannten Schmugglerbucht (? Tour 14). Die Fernwanderwege
Auf den alten Verbindungswegen, den Caminos Reales, einmal um ganz La Palma wandern, das ist ein besonderes Erlebnis. Nicht weniger spannend ist es, entlang der Grate von der Caldera de Taburiente über die Cumbre Nueva und die Cumbre Vieja zu gehen. Wer Lust auf ganz sportliche Ferien hat, entdeckt die beiden Fernwanderwege, den Camino Real de la Costa (GR 130) und die Ruta El Bastón (GR 131), auf einer Trekkingtour. Fast jede Etappe ist aber auch als Tageswanderung mit An- und Rückfahrt vom/zum Urlaubsstandort geeignet.
Der Inselrundweg Camino Real de la Costa (GR 130) folgt der Küstenlinie über ca. 160 km und startet in Los Llanos de Aridane (? Tour 18). Er bewegt sich dabei auf Höhen zwischen 0 m und 960 m - hat häufig einen großen Abstand zur Küste - und durchzieht damit fast alle Klima- und Vegetationszonen La Palmas: junge Vulkanflüsse im Südwesten (? Touren 18 und 19), Dörfer und Städte im Südosten (? Touren 20 und 21) und Nordosten (? Touren 22 und 23), die steile Schluchtenlandschaft im Norden mit den Drachenbäumen (? Touren 24 bis 27) sowie Pinienwälder und Dörfer im Nordwesten (? Touren 28 bis 30). Die alten Verbindungswege, die Caminos Reales, verbanden seit alters her die Orte und Dörfer. Jede Etappe (? Touren 18 bis 30) führt deshalb auch durch Dörfer und Städte, vorbei an Wiesen und Terrassenfeldern, an Ziegenherden und Weinreben. Ältere (weiß) und neue Schilder (rot) weisen den Weg
So manches Mal wurde ein Camino Real den neuen Erfordernissen angepasst, für Fahrzeuge verbreitert und mit Asphalt überzogen. Aus diesem Grund wird die Etappe Santa Cruz - Puntallana ausgelassen und für den offiziellen Abschnitt Los Sauces - Barlovento eine attraktivere Alternative beschrieben (? Tour 23). Diese beiden Teile des GR 130 führen über viele Kilometer auf viel befahrenen Landstraßen. Die hier im Buch beschriebene Gesamtkilometerzahl beträgt etwa 150 km. Gefährliche Streckenabschnitte stecken in keiner Etappe. Die Wege und Pfade sind meist in gutem Zustand, allerdings können manche Abschnitte im Frühjahr zugewachsen und nach den Winterregenfällen ausgespült sein. Sie müssen unterwegs (wie auf jeder Wanderung) schauen, wohin Sie treten, und die allgemeinen Wanderhinweise beachten. Besonders Schwindel erregende Passagen sind nicht zu bewältigen, auch besondere Trittsicherheit ist selten erforderlich, wohl aber häufig eine gute Kondition. Sobald Sie sich für Etappenziele entschieden haben, sollten Sie eine Unterkunft reservieren, denn nichts ist deprimierender, als nach anstrengender Wanderung keine...