Bogenberger | Chiemsee Blues - Hattinger und die kalte Hand | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 272 Seiten

Reihe: Ein Fall für Hattinger

Bogenberger Chiemsee Blues - Hattinger und die kalte Hand

Ein Fall für Hattinger, Band 1
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-86532-282-1
Verlag: PENDRAGON Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Fall für Hattinger, Band 1

E-Book, Deutsch, Band 1, 272 Seiten

Reihe: Ein Fall für Hattinger

ISBN: 978-3-86532-282-1
Verlag: PENDRAGON Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Hindrapiert wie ein Kunstobjekt. In einem Aussichtspavillon in Prien am Chiemsee wird eine Frauenhand gefunden. Und das ausgerechnet am Karfreitag!Hattinger ist sauer. Statt geruhsame Ostertage mit Freundin Mia und Tochter Lena zu verbringen und mal wieder die Seele ein bisschen baumeln zu lassen, muss der Kommissar ermitteln. In einem Fall, in dem sich immer mehr Abgründe auftun. Dunkel und kalt wie das Wasser auf dem Grund des Chiemsees. Der Osterfrieden im Chiemgau ist jedenfalls dahin. Die Angst geht um und der Preuße ergreift die Flucht - zu Beginn der Hochsaison!Da wird auch der Einheimische nervös. Obendrein bekommt Hattinger privaten Ärger, und überhaupt kriegen alle den Blues ...

Thomas Bogenberger wurde 1952 in Traunstein geboren. Nach einem abgeschlossenen Medizinstudium zog es ihn zurück auf die Bühne, wo er als 16-Jähriger seine Karriere als Musiker begann. Heute komponiert er Film-, Hörspiel- und Theatermusik und schreibt Krimis in seiner alten Heimat Prien am Chiemsee .
Bogenberger Chiemsee Blues - Hattinger und die kalte Hand jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


2


Die Hand lag auf einer Bank in dem kleinen hölzernen Aussichtspavillon oben auf dem Herrnberg in Prien, und sie deutete mit ausgestreckten Fingern Richtung See, auf das Schloss Herrenchiemsee, um genau zu sein.

Es handelte sich augenscheinlich um eine Frauenhand, sehr gepflegt, mit langen, feingliedrigen Fingern, sauber manikürten und dezent in transparent cremeweißem Farbton lackierten Fingernägeln, die weder zu lang noch zu kurz oder gar zu auffällig waren, keineswegs also diese Art von knallbonbonfarbenen Riesennägeln, die Hattinger gern als Nuttenschaufeln bezeichnete. Nein, das hier war eine richtig schöne, elegante Hand, die Haut blass, fein gemasert mit sehr dezenten Falten um die Knöchel und zwei helleren Abdrücken, offenbar von zwei Ringen an Mittel- und Ringfinger, die wohl entfernt worden waren. Die Hand einer Dame, dachte Hattinger. Eine linke übrigens. Nun fehlte nur noch der Rest vom Körper ...

Hattinger inspizierte die Hand genau, nachdem der Fotograf mit dem Ablichten fertig war, natürlich ohne sie anzufassen. Sie schien sehr sauber unterhalb des Handgelenks vom Arm getrennt worden zu sein, da hing nichts raus, und es war auch kaum Blut dran. Auch auf der Holzbank waren keine Blutflecken zu erkennen.

Er winkte seinem Assistenten Karl Wildmann, der schon vor ihm hier eingetroffen war und jetzt mit einem Mann in mittleren Jahren und einem vielleicht 10-jährigen Buben redete, die etwas abseits an der polizeilichen Absperrung standen und ziemlich bedröppelt dreinsahen. Wildmann, der seinem Namen aussehensmäßig so gar nicht entsprach – er wirkte eher schmächtig, blass, unscheinbar –, kam auf ihn zu.

„Warn des die zwoa, die die Hand gfundn ham?“, wollte Hattinger wissen.

„Ja. Vater und Sohn, machen hier Urlaub. Sie kommen aus dem Ruhrgebiet, aus Bottrop.“ Wildmann nahm seine randlose Brille ab und begann die Gläser zu polieren.

Hattinger ging zu den beiden hinüber und stellte sich vor. „Dann erzähln S’ doch amal ...!“

„Ja also, wir kommen schon seit Jahren hierher nach ’em Schiemsee, aber so was haben wir ...“

„Wer von Ihnen hat die Hand denn gfundn?“, unterbrach Hattinger den Vater. Allein bei der Verunstaltung des Chiemsees mit S-C-H drehte es ihm schon die Zehennägel auf...

„Also, wir sind nach dem Regen dann doch noch mal rausgegangen und hierhin gekommen, wir waren hier schon öfters, wir wohnen nämlich immer in ‘ner Ferienwohnung da unten bei Verwandten, und dann sacht mein Sohn noch, kuck ma Papa, da liegt ’ne Hand, er denkt natürlich, es is ’ne Plastikhand und hebt se hoch, und dann schreit er plötzlich wie am Spieß, wie er merkt, dass die echt is, weil se so schwer und schlapp is, und lässt se fallen und rennt wech und ich hinterher, und dann sind wer vorsichtich wieder hergekommen und ich hab gesacht, wir müssen jetz die Hand schön wieder so hinlegen, wie se vorher dagelegen hat, und dann hab ich se wieder so hingelegt, wie mein Sohn gesacht hat, dass se vorher dagelegen hat und dann hab ich 110 gerufen, hier von dem Handy, und ...“

„Danke.“

„... und dann ...“

„Des ham S’ guad gmacht, danke!“ Hattinger drehte auf dem Absatz um und flüchtete zu Wildmann. „Die ham uns ja dann alle Spuren versaut, oder?“

„Sieht ganz so aus, ja.“

„Habts sonst no irgendwas gfundn von der Leich?“

„Wir wissen ja noch gar nicht, ob es überhaupt eine Leiche gibt. Der Rest könnte ja noch am Leben sein, meine ich ... die Frau, oder der Transvestit, wenn’s ein sehr gepflegter war. Oder es könnte sich um eine Amputation ...“

Hattinger schaute seinen Assistenten leicht angewidert an. Aber Wildmann durchdachte die Dinge zumindest gründlich, das musste man ihm lassen.

„Ja ja, des wär natürlich theoretisch scho möglich, aber wer sollt denn a so an Schmarrn machn, und vor allem warum?“

„Vielleicht ein Dummer-Jungen-Streich? Jemand, der aus der Pathologie eine Hand klaut, oder aus dem OP? Hat es alles schon gegeben.“

„Schon, aber trotzdem sollt’ma erstmal vom Naheliegenden ausgehn. Also: Hand in die Pathologie ... halt, natürlich erst, wenn die Hunde da san und a Fährte aufgnommen ham. Wo bleiben die eigentlich?“

„Die sind schon unterwegs, müssten jeden Moment da sein.“

Hattinger schaute in die Runde. Am Rand der Absperrung standen schon mehrere Einsatzwagen der Priener Bereitschaftspolizei. Einige der Leute kannte er schon von früheren Einsätzen. Fünf Polizisten suchten bereits systematisch den Boden innerhalb der rot-weißen Bänder ab, während andere noch auf Anweisungen zu warten schienen.

„Guad, dann schick’ma de los, sobalds da san. Die Priener Kollegen sollen derweil die Anwohner befragn, ob s’ was gseng ham.“ Er deutete auf die Häuser an der Flanke zur Seestraße hin.

„Ewig konn de Hand ja net da glegn sei, oder? An am Ort, wo jeden Tag Touristen unterwegs san. Und wenn des nix ergibt, stell’ma den ganzen Herrnberg auf’n Kopf, wenn’s sei muass. Wia schaut’s denn mit Vermisstenmeldungen aus?“

„Da ist im Moment gar nichts dabei, was in Frage kommt. Jedenfalls nicht in Bayern.“

„Guad, dann lassen S’ auf jeden Fall no bundesweit nachfragn, und natürlich auch in Österreich, wär ja net des erste Mal ...“

Wildmann nickte. Er wusste schon aus eigener Erfahrung, dass der so genannte „Kleine Grenzverkehr“ auch nicht vor Toten Halt machte, obwohl er noch nicht sehr lange bei der Rosenheimer Kripo war.

„Hab ich schon veranlasst, Chef.“

Karl Wildmann war eigentlich der Einzige, der Hattinger Chef nannte. Er war eben noch neu im Team, er machte sich aber ganz gut, wie Hattinger fand, war intelligent, konnte eigenständig arbeiten. Wildmann kam ursprünglich aus Paderborn, war mit seinen Eltern aber schon als 10-Jähriger nach München gezogen, was den Vorteil hatte, dass er Bairisch zwar nicht sprach, aber zumindest verstand, so dass Hattinger Klartext mit ihm reden konnte, ohne dass Wildmann ständig nachfragen musste. Das war schon viel wert.

Hattinger selbst stammte aus Wasserburg. Er war in Wasserburg aufgewachsen, er war in Wasserburg zur Schule gegangen, und jetzt wohnte er auch endlich wieder in Wasserburg, seitdem er Chef der Rosenheimer Kripo geworden war.

Es wäre natürlich viel praktischer für ihn gewesen, auch in Rosenheim zu wohnen, dann hätte er viel weniger Fahrerei gehabt. Aber er mochte Rosenheim einfach nicht. Er hatte es noch nie gemocht, und er würde es auch in Zukunft nicht mögen, bloß weil er jetzt da die Mordkommission leitete. Dort arbeiten zu müssen war schon Strafe genug ...

Es wäre ihm schwer gefallen, das rational zu begründen, aber Rosenheim war für Hattinger so was wie das Schwarze Loch im Chiemgau. Und da half auch die ganze Kosmetik nicht, die man in den letzten Jahren drüber zu spachteln versucht hatte. Da halfen auch keine „Rosenheim Cops“ im Fernsehen. Die schon gleich gar nicht! Die paar ausgesuchten Fassaden konnten höchstens jemanden beeindrucken, der in seinem Leben noch nie in Rosenheim war! Und nicht umsonst spielte die Handlung eh meist irgendwo auf dem Land ...

Wasserburg dagegen ... Wasserburg – dazwischen lagen Welten. Wasserburg hatte auf dem kleinen Fingernagel mehr Charme und Flair und Anmut als Rosenheim auf allen Extremitäten zusammen. Man konnte zwar praktisch nirgendwo in der Innenstadt parken, ohne fünfmal im Jahr abgeschleppt zu werden, aber das war immer noch besser, als hinter dem Prollschuppen am Salzstadel zu verrotten oder sich mit den Schlägern in der Bahnhofstraße rumzuärgern. Bei dem Thema konnte Hattinger richtig in Fahrt kommen, und er hatte sich auch bei einigen Rosenheimern schon ziemlich unbeliebt gemacht, aber das war ihm auch egal.

Nein, auf Wasserburg ließ er nichts kommen. Und überhaupt, abgesehen von seinen Urlaubsreisen, die ihn so oft wie irgend möglich in die kanadische Wildnis zum Lachsfischen führten, hatte er auch gar keine große Lust mehr, den Chiemgau überhaupt noch zu verlassen. Wozu auch? Hier gab es alles, was man brauchte, Berge, Wälder, Seen – warum kämen denn sonst schließlich das ganze Jahr über die Horden von Touristen hierher? Wenn überhaupt, wäre das der einzige Grund gewesen, woanders hinzugehen ...

Wie war er jetzt überhaupt darauf gekommen? Hattinger ließ seinen Blick über den Herrnberg hinunter nach Prien, nach Süden hinüber zur Kampenwand und schließlich ostwärts zum Chiemsee wandern, wo er an der Herreninsel hängen blieb. Er wusste im Moment auch nicht so genau, was für ihn hier noch zu tun wäre.

„Hm ... guad ...“, sagte er zu Wildmann, der ihn schon erwartungsvoll ansah, „dann haken S’ halt in a Stund no amoi nach. I schätz, für uns kommen vor allem Frauen zwischen zwanzig und maximal fuchzig in Frage.“

Er ging noch einmal zu Fred Bamberger hinüber, dem Chef der Spurensicherung, dessen Leute immer noch mit dem Pavillon beschäftigt waren. Doch der winkte schon ab, als er ankam.

„Konnst vergessn, Hattinger. Außenrum gibt’s sowieso nur Baatz, in da Wiesn is ois aufgweicht vom Regn, auf’m Kiesweg gibt’s eh koane Spuren, und da herin ham de zwoa Ruhrpottler ois gründlich zertrampelt, oiso wenn überhaupt irgendwas dagwesn sei sollt, dann is des jetz unbrauchbar.“

Bamberger warf einen Blick auf die durchsichtigen Pastiktüten, in denen er seine Fundstücke gesammelt hatte.

„A paar Zigarettenkippn, a paar Plastikteile und die Hälftn von am Ü-Ei, und dann no des Anzeigenblattl da, von dem die Hälfte fehlt, des war’s, duat ma leid. Fingerabdrück schau ma natürlich no, was...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.