E-Book, Deutsch, Band 2, 320 Seiten
Reihe: Seeräubermoses
Boie Seeräubermoses 2. Leinen los, Seeräubermoses
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-86274-109-0
Verlag: Verlag Friedrich Oetinger GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Piratenstarke, super spannende und unwiderstehlich lustige Schatzsuche für Kinder ab 6 Jahren zum Vor- und Selberlesen
E-Book, Deutsch, Band 2, 320 Seiten
Reihe: Seeräubermoses
ISBN: 978-3-86274-109-0
Verlag: Verlag Friedrich Oetinger GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kirsten Boie ist eine der renommiertesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Deutschen Jugendliteraturpreis und das Bundesverdienstkreuz.
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1. Kapitel
in dem Moses’ Zofe ordentlich Grundzum Seufzen hat
Es war eine wilde, stürmische Gewitternacht, als Moses zu den Seeräubern kam, aber als sie Prinzessin wurde, war es ein sonniger, warmer Sommertag, und das passt ja auch viel besser dazu.
Nun fragst du dich vielleicht, wie man so mitten im Leben plötzlich Prinzessin werden kann, schon gerade, wenn man vorher ein Seeräuberkind gewesen ist. Und vielleicht möchtest du den Trick dann ja gleich selbst nachmachen. Aber leider klappt das nicht bei jedem. Moses war nämlich in Wirklichkeit schon ihr ganzes Leben lang eine Prinzessin, sie hatte es nur nicht gewusst. Als sie noch ein winziger Säugling war, hatte Olle Holzbein mit seiner Seeräuberbande und seiner Seeräuberkogge »Süße Suse« das stolze Schiff überfallen, auf dem Moses mit ihren Eltern, dem König und der Königin, über die Meere gesegelt war; und bei der Gelegenheit hatte Olle seinem ältesten Vertrauten Hinnerk mit dem Hut befohlen, das brüllende Bündel über Bord zu schmeißen, weil Seeräuber mit einem Säugling meistens nicht so viel anfangen können.
Aber Hinnerk fand das keine gute Idee, er wollte schließlich in den Himmel kommen, wenn er mal tot war, und nicht in die Hölle, wo Kinder-ins-Wasser-Schmeißer ziemlich sicher landen würden, glaubte er, und darum hatte er Moses vorsichtshalber in eine hölzerne Waschbalje gelegt und mit einem wunderschön bestickten Tuch zugedeckt, bevor er sie behutsam über Bord ließ.
Und haargenau diese Waschbalje hatten noch in derselben Nacht Käptn Klaas Klappe und seine Männer aufgefischt, die waren Olle Holzbeins größte Feinde und Erzrivalen, und sie hatten Moses an Bord ihrer »Wüsten Walli« genommen und sie aufgezogen, als wäre sie ihr Kind, und hatten einen tüchtigen Schiffsjungen aus ihr gemacht, der Klampen belegen und die tollsten Seemannsknoten knüpfen und den Schiffsrumpf kalfatern und vor einem Sturm die Segel reffen konnte wie nichts. (Und wenn du jetzt nicht weißt, was das alles bedeutet, weil du ja vielleicht kein Seeräuberkind bist, dann kannst du es hinten im Buch nachlesen.) Und Moses wollte auch in ihrem ganzen Leben nichts anderes werden als genauso ein kühner Seeräuberhauptmann wie Käptn Klaas; und dass sie eigentlich eine kleine Dame war, störte sie dabei gar nicht.
Aber dann entdeckte sie auf abenteuerliche Weise zusammen mit ihrem Freund Dohlenhannes tief unter der Erde den Blutroten Blutrubin des Verderbens (und was es damit auf sich hat, das erzähle ich gleich noch), und in Stein gemeißelt stand an der Rückwand der Höhle, dass er einer schönen Prinzessin gehörte, die dereinst den Menschen ihres Landes Glück und Gerechtigkeit bringen würde. Darum brachten Moses und Hannes den Rubin natürlich aufs Schloss, damit die Prinzessin ihren Besitz auch bekäme, und dabei stellte sich heraus – kann man so was denn glauben? –, dass niemand anderes als Moses selbst diese wunderschöne Prinzessin Isadora Felicia Beata Bianca war und die lange vermisste Tochter der traurigen Königin und des traurigen Königs. Man stelle sich vor!
Und so hatte Moses plötzlich neue Eltern (vorher hatte sie ja schon ihr Leben lang Klaas Klappe und seine Seeräuber als Väter gehabt, und eigentlich hatten die ihr als Eltern auch genügt), und einen neuen Namen und ein ganz neues Leben hatte sie auch. Da musste sie erst mal lernen, was man als Prinzessin alles wissen muss; das war gar nicht so wenig, und manchmal vergaß sie es auch, wie du gleich merken wirst. Denn in genau dem Augenblick, in dem unsere Geschichte beginnt, versuchte Moses gerade, in ihrem Prinzessinnenzimmer ihrer Zofe das Fechten mit dem Säbel beizubringen.
»Teufel auch, verdammich!«, schrie Moses, und fluchen, das kannst du dir ja vorstellen, dürfen Prinzessinnen eigentlich auch nicht. Dazu holte sie mit dem Säbel aus, dass es in der Luft ein richtig lautes -Geräusch gab. »Beim Klabautermann! Jetzt hab ich dir schon wieder deinen Kopf abgeschlagen, Zofe, du musst aber mal besser aufpassen, wenn ich dein Schiff geentert habe!« Das Schiff war nämlich Moses’ großes Himmelbett mit dem golden bestickten Baldachin, da kauerte die Zofe mit angezogenen Beinen auf der Bettdecke und versteckte erschrocken den Kopf in ihren Armen. »So wird ja nie ein richtiger Seeräuber aus dir!«
»Muss denn ein Seeräuber aus ihr werden, mein Kind?«, fragte da eine freundliche Stimme, und dann steckte Moses’ Vater, der König, lächelnd seinen Kopf durch die Tür. »Genügt es denn nicht, wenn deine Zofe eine gute Zofe ist, meine liebe Tochter Isadora Felicia Beata Bianca?«
»Ich heiß doch Moses!«, sagte Moses und ließ ihren Säbel sinken. »Du hast gesagt, so darf ich weiter heißen! Und ich bring ihr doch nur bei, was sie können muss, wenn sie mal zur See fahren will!«
»Hm!«, sagte der König und nahm seine Tochter in den Arm, das hatte er ja viele Jahre lang nicht tun können. »Eigentlich fahren Zofen aber nicht so oft zur See, meine kleine Moses! Zofen bedienen Prinzessinnen und stauben ihnen die Kleider aus und kämmen ihnen die Locken und kleiden sie an …«
»Locken hab ich ja gar nicht!«, sagte Moses, und das war die heilige Wahrheit. Denn als sie noch bei den Seeräubern gelebt hatte, hatte Nadel-Mattes, der Segelmacher, ihr so ungefähr alle zwei Wochen die Haare mit dem Entermesser geschnitten, damit man sie für einen richtigen Schiffsjungen halten konnte, und darum sah Moses am Kopf leider noch immer nicht wie eine Prinzessin aus, nicht mal, wenn sie sich ihre Krone aufsetzte.
»Locken hin oder her, jedenfalls soll deine Zofe dir die Haare kämmen und dich ankleiden!«, sagte ihr Vater, der König, mit einem kleinen Seufzer. »Und mit dem Säbel muss sie nun wahrhaftig nicht kämpfen können!«
Da seufzte Moses auch. »Aber ankleiden kann ich mich ja allein, seit ich alt genug bin, um Schimpfwörter zu erfinden und Pflaumenkerne zu spucken!«, sagte sie. »Das hab ich doch schon mein ganzes Leben lang getan, Königspapa, du glaubst doch nicht, dass Käptn Klaas oder Nadel-Mattes oder Haken-Fiete oder Bruder Marten, der Smutje, die Zeit gehabt hätten für solchen Tüdelüt!« Das waren natürlich die Kerle auf der »Wüsten Walli« gewesen.
Der König sah sie nachdenklich an. »Ja, du bist ein tüchtiges Mädchen, Moses, meine Tochter!«, sagte er. »Und ein tüchtiger Schiffsjunge noch dazu! Aber nun musst du eben auch noch lernen, eine tüchtige Prinzessin zu werden. Das ist schließlich ein wenig anders als Seeräuber.«
Da nickte Moses ein kleines bisschen traurig, denn manchmal sehnte sie sich eben doch zurück nach der »Wüsten Walli« und dem wilden Seeräuberleben und ihren Seeräubervätern; aber dann fiel ihr wieder ein, was in der Höhle in Stein gemeißelt gestanden hatte, und da wusste sie, dass sie sich mit dem Prinzessinsein wirklich Mühe geben musste.
»Ja, wenn ich eine schöne Prinzessin sein will, die dereinst den Menschen ihres Landes Glück und Gerechtigkeit bringt, dann muss ich wohl auch alles lernen, was man als Prinzessin können muss«, sagte sie düster. »Glück und Gerechtigkeit bringen ist ja vielleicht auch nicht schlecht, vielleicht macht das genauso viel Spaß wie Schiffe entern, beim Klabautermann«, und sie guckte nachdenklich auf ihren Säbel. »Und sowieso kann ich es nicht ändern. Wenn ich nun mal Prinzessin sein muss, dann will ich auch Prinzessin sein«, und bei diesen Worten ließ sie den Säbel einfach auf den Boden fallen, wo er in dem wunderschönen Schlossfußboden aus verschiedenfarbigen Hölzern leider eine kleine Schramme hinterließ. »Na gut.«
Da nahm die Zofe erleichtert ihre Hände vom Kopf und stieg vorsichtig von Moses’ Bett, das nun nichts anderes mehr war als ein Prinzessinnenbett, und dann machte sie vor Moses einen tiefen Hofknicks. »Darf ich Euch vielleicht etwas bringen, kleine Hoheit?«, fragte sie, und ich bin sicher, sie rechnete noch immer damit, dass ihre Prinzessin vielleicht gleich wieder den Säbel zücken würde. »Etwas zu essen oder zu trinken vielleicht? Sagt mir nur, womit ich Euch dienen kann, und schon ist es geschehen.«
»Teufel auch, Zofe!«, rief Moses. »Du sollst doch nicht immerzu einen Knicks vor mir machen! Aber bringen kannst du mir gerne was, weil ich nämlich leider nicht weiß, wo hier in diesem riesigen Schloss die Seekisten mit dem Proviant versteckt sind, sonst würde ich sie mir ja selber holen!«
Die Zofe machte gleich noch mal einen Knicks, aber dann hörte sie verwirrt damit auf. Denn eigentlich hatte sie gelernt, dass eine gute Zofe vor ihrer Herrschaft immerzu einen Knicks nach dem anderen machen muss, aber jetzt hatte ihre Herrschaft ihr ja gerade gesagt, dass sie genau das nicht tun sollte, darum wusste sie plötzlich überhaupt nicht mehr, was nun richtig war.
»Schiffszwieback!«, sagte Moses sehnsüchtig, denn Schiffszwieback hatte es auf der »Wüsten Walli« ja so ungefähr jeden Tag gegeben, so war das damals in den wilden Seeräuberzeiten auf den Schiffen, darum war Moses einfach daran gewöhnt. »Und wenn es geht, mit richtig vielen Käfern und Krabbeltieren dazwischen, so gehört es sich! Jetzt bin ich schon so lange hier auf dem Schloss, und es hat noch nicht ein Mal Schiffszwieback gegeben!«
»Krabbeltiere?«, flüsterte die Zofe erschrocken, denn sie wusste ja nicht, dass die sich an Bord der Schiffe auf langen Überfahrten damals immer im Schiffszwieback getummelt hatten, irgendwas mussten sie schließlich auch essen.
Aber noch erschrockener als die Zofe war die Königin, die trat nämlich gerade in diesem Augenblick in ihrem wunderschönen Gewand und mit der Krone auf dem Kopf durch die Tür. »Wenn du solchen Hunger hast, meine geliebte Tochter, warum befiehlst du dann nicht dem Oberhofkoch, dir ein...




