Bolton | Dunkle Gebete - Lacey Flint 1 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 512 Seiten

Reihe: Sharon Bolton

Bolton Dunkle Gebete - Lacey Flint 1

Thriller
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-06929-2
Verlag: Manhattan
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, Band 1, 512 Seiten

Reihe: Sharon Bolton

ISBN: 978-3-641-06929-2
Verlag: Manhattan
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Opfer sind unschuldige Frauen. Der Killer ist ein Phantom. Und die Ermittlerin hat mehr als nur ein Geheimnis.

DC Lacey Flint ist eine junge Londoner Ermittlerin mit undurchsichtiger Vergangenheit und einem morbiden Interesse an Serienkillern. Mit einem echten Mord hatte sie bisher allerdings nie zu tun – bis jetzt, da eine aus zahlreichen Stichwunden blutende Frau an der Tür von Laceys Wagen lehnt und in ihren Armen stirbt. Lacey wird zunächst nur als Zeugin vernommen, doch bald wird klar, dass sie in dem Fall eine ganz besondere Rolle spielt: Ein blutiger Bekennerbrief ist unmissverständlich an sie adressiert. Unversehens findet sich Lacey im Mittelpunkt einer Mordserie, die in einem besonderen Zusammenhang mit ihr selbst stehen muss. Doch wie findet man einen Killer, der sich einen nie gefassten Serienmörder zum Vorbild genommen hat?

Sharon Bolton, geboren im englischen Lancashire, hat eine Schauspielausbildung absolviert und Theaterwissenschaft studiert. Ihr Debütroman »Todesopfer« machte sie über Nacht zum Star unter den britischen Spannungsautor*innen. Seitdem wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Dagger in the Library für ihr Gesamtwerk. Sharon Bolton lebt mit ihrer Familie in Oxford.
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3

»Okay«, sagte DI Tulloch. »Schön langsam, und erzählen Sie weiter.«

Ich ging los. Meine Füße knisterten bei jedem Schritt auf dem Gehsteig. Tulloch hatte einen einzigen Blick auf mich geworfen und darauf bestanden, dass man mir einen Schutzoverall und Überschuhe brachte. Ich würde mich erkälten, hatte sie behauptet, trotz des warmen Abends, und ich würde viel weniger Aufmerksamkeit erregen, wenn die Blutflecke nicht zu sehen wären. Außerdem trug ich Latexhandschuhe.

»Ich war im dritten Stock«, sagte ich. »Wohnung 37. Ich bin die Treppe da runtergekommen und dann nach rechts gegangen.«

»Was haben Sie da oben gemacht?«

»Mit einer Zeugin geredet.« Ich hielt inne und verbesserte mich. »Mit einer potenziellen Zeugin. Ich komme jetzt schon seit ein paar Wochen jeden Freitagabend her. Das ist die einzige Zeit, zu der ich ziemlich sicher sein kann, dass ich ihre Mutter nicht antreffe. Ich versuche, sie dazu zu bringen, in einer Strafsache auszusagen, und ihre Mutter hält nicht viel davon.«

»Hatten Sie Erfolg?«, erkundigte sich Tulloch.

Ich schüttelte den Kopf. »Nein«, gestand ich.

Wir erreichten das Ende des Fußwegs und konnten den Parkplatz wieder sehen. Die Streifenpolizisten versuchten, die Leute zu überreden, nach Hause zu gehen, und hatten nicht viel Glück damit.

»Heute Abend läuft wohl nicht viel im Fernsehen«, bemerkte Tulloch halblaut. »Was für eine Strafsache?«

»Gruppenvergewaltigung«, antwortete ich und wusste genau, dass ich wahrscheinlich mit Schwierigkeiten rechnen konnte. Für Sexualdelikte war ich nicht zuständig, und vorhin war ich in eigener Sache unterwegs gewesen. Vor ein paar Jahren hatte die Londoner Polizei eine Anzahl Spezialteams gegründet, die als Sapphire Units bekannt waren und sich mit sexuellen Übergriffen aller Art befassten. Für genau so etwas war ich in den Polizeidienst eingetreten, und ich wartete darauf, dass in einem der Teams ein Platz frei wurde. In der Zwischenzeit ermittelte ich auf eigene Faust. Ich konnte nicht anders.

»War der Fußweg leer, als Sie aus dem Treppenhaus gekommen sind?«, wollte Tulloch wissen.

»Ich glaube schon«, sagte ich, obwohl ich in Wahrheit nicht sicher war. Ich hatte mich über die Antwort geärgert, die ich von meiner potenziellen Zeugin Rona bekommen hatte, und hatte über meine nächsten Schritte nachgedacht, darüber, ob es überhaupt nächste Schritte für mich gab. Ich hatte nicht allzu genau darauf geachtet, was um mich herum geschah.

»Als Sie auf den Parkplatz gekommen sind, was haben Sie da gesehen? Wie viele Menschen?« Langsam rekapitulierten wir, wie ich das letzte Mal hier entlanggegangen war. Tulloch feuerte alle paar Sekunden Fragen auf mich ab. Ich ärgerte mich über mich selbst, weil ich vorhin nicht besser aufgepasst hatte, und bemühte mich nach Kräften. Meiner Meinung nach war niemand da gewesen. Musik war zu hören gewesen, irgendein lauter Rap, den ich nicht kannte. Ein Hubschrauber war über mich hinweggeflogen, tiefer als gewöhnlich, denn ich hatte zu ihm hinaufgeschaut. Ich war mir sicher, dass ich die blonde Frau vor heute Abend noch nie gesehen hatte. Einen Augenblick lang war irgendetwas an ihr gewesen, irgendetwas, das mich stutzig machte, doch nein, es war weg.

»Hier habe ich mich umgedreht«, sagte ich, während ich kehrtmachte. »Hinter mir war ein lautes Geräusch.«

Mein Blick begegnete dem von Tulloch, und ich wusste, was sie dachte. Wahrscheinlich hatte ich den Überfall ganz knapp verpasst. Um Bruchteile von Sekunden.

»Wann haben Sie sie gesehen?«, fragte sie mich.

»Ich war noch ein bisschen näher dran«, antwortete ich. »Ich habe beim Gehen in meiner Tasche gekramt, ich dachte, ich hätte vielleicht meinen Autoschlüssel oben vergessen. Dann habe ich hochgeschaut und sie gesehen.«

Wir kamen zu der Stelle, wo es passiert war. Eine weiß gekleidete Gestalt fotografierte die Blutspritzer auf meinem Wagen.

»Weiter«, drängte Tulloch.

»Zuerst habe ich das Blut gar nicht gesehen«, berichtete ich. »Ich dachte, sie wäre stehen geblieben, um nach dem Weg zu fragen. Dass sie vielleicht gedacht hat, im Auto würde jemand sitzen.«

»Erzählen Sie mir, wie sie aussah. Beschreiben Sie sie.«

»Groß«, fing ich an. Mir war nicht ganz klar, wohin das hier führte. Sie hatte die Frau doch gerade selbst gesehen.

Sie seufzte. »Sie sind ein Detective, Flint. Wie groß?«

»Einsachtzig«, tippte ich. »Größer als wir beide. Und schlank.«

Ihre Augenbrauen klommen in die Höhe.

»Größe vierzig«, sagte ich rasch. »Von hinten habe ich sie für jung gehalten, wahrscheinlich weil sie schlank war und gut angezogen, aber als ich ihr Gesicht gesehen habe, hat sie älter gewirkt, als ich erwartet hätte.«

»Weiter.«

»Sie sah gut aus.« Wenn Tulloch endlose Details wollte, die konnte sie haben: »Sie war gut angezogen. Ihre Sachen sahen teuer aus. Schlicht, aber gute Qualität. Ihr Haar war von einem Profi gefärbt worden; so eine Farbe gibt’s nicht im Drogeriemarkt, und es war kein Ansatz zu sehen. Sie hatte gute Haut und gute Zähne, aber auch ein paar Fältchen um die Augen, und das Kinn war nicht mehr ganz straff.«

»Sie würden also sagen …«

»Ich würde sagen, gut erhaltene Mitte vierzig.«

»Ja, ich auch.« Überall um uns herum herrschte Bewegung, doch Tulloch wandte den Blick nicht von meinem Gesicht ab. Wir hätten ganz allein auf dem Parkplatz sein können.

»Hatte sie Papiere dabei?«, fragte ich. »Wissen wir, wer sie ist?«

»In der Handtasche war nichts«, ließ sich eine Männerstimme vernehmen. Ich drehte mich um. Tullochs Begleiter war zu uns gestoßen. Er schob die Sonnenbrille über die Stirn empor. Um das rechte Auge herum hatte er Narben, die noch recht frisch aussahen. »Kein Ausweis, keine Autoschlüssel, ein bisschen Bargeld und ein paar Make-up-Sachen«, fuhr er fort. »Ein Rätsel, wie sie hierhergekommen ist. Bis zur U-Bahn ist es ein ganzes Stück, und sie scheint mir nicht gerade der Typ zu sein, der Bus fährt.«

Tulloch betrachtete die großen Wohnblöcke, die den Platz säumten.

»Ihre Autoschlüssel könnten natürlich geklaut worden sein, zusammen mit ihrem Wagen. So eine Frau fährt bestimmt was Hübsches«, meinte der Mann. Er hatte einen ganz leichten Südlondoner Akzent.

»Sie hatte Diamantstecker in den Ohren«, wandte ich ein. »Das war kein Raubüberfall.«

Er sah mich an. Seine Augen waren blau, fast türkisblau. Das mit der Narbe drumherum war blutunterlaufen. »Könnte vorgetäuscht gewesen sein«, entgegnete er.

»Wenn ich jemandem die Kehle durchschneide und ihm den Bauch aufschlitze, um ihn auszurauben, dann würde ich doch sämtlichen sichtbaren Schmuck mitgehen lassen, Sie etwa nicht?«, erwiderte ich. »Und sie hatte auch eine hübsche Armbanduhr. Ich konnte das Metallband fühlen, als die Frau gestorben ist. Es hat mir in die Hand gedrückt.«

Das gefiel ihm nicht, das merkte ich. Er hob die Hand, um sein verletztes Auge zu reiben, und sah mich stirnrunzelnd an.

»Flint, das ist DI Joesbury«, sagte Tulloch. »Hat nichts mit den Ermittlungen zu tun. Er ist heute Abend nur mitgekommen, weil er sich langweilt. Das ist DC Flint. Lacey, glaube ich, richtig?«

»Da fällt mir ein«, bemerkte Joesbury, der die gegenseitige Vorstellung kaum zur Kenntnis genommen hatte, »die in Lewisham wollen wissen, wann du sie aufs Revier bringst.«

Tulloch betrachtete noch immer die Gebäude um uns herum. »Ich verstehe das nicht, Mark«, sagte sie. »Hier sind überall Wohnungen, und so spät ist es doch gar nicht. Dutzende von Leuten hätten sehen können, was passiert ist. Wieso bringt man hier jemanden um?«

Irgendwo in der Nähe konnte ich einen Hund bellen hören.

»Na ja, sie war bestimmt nicht zufällig hier«, erwiderte Joesbury. »Diese Frau gehört nach Knightsbridge, nicht nach Kennington. Dank DC Flints Kenntnissen in Sachen Schmuck wissen wir, dass ein Raubüberfall anscheinend unwahrscheinlich ist, allerdings müssen wir erst noch ihr Auto finden.«

»Die Kids hier würden wegen eines Autos niemanden umbringen«, sagte ich. Beide drehten sich zu mir um. »Oh, klauen würden sie es, gar keine Frage, aber die würden sich einfach den Schlüssel schnappen und der Frau einen kräftigen Schubs geben. Sie bräuchten ihr doch nicht …«

»Den Hals so tief aufschlitzen, dass die Luftröhre glatt durchtrennt wird?«, beendete Joesbury den Satz. »Ihr den Bauch vom Brustbein bis runter zum Schambein aufreißen? Nein, da haben Sie recht, DC Flint, das sieht wirklich nach Overkill aus.«

Okay, ich empfing definitiv keine guten Schwingungen von diesem Kerl. Ich trat einen Schritt zurück, dann noch einen. Aus irgendeinem Grund, wahrscheinlich wegen des Schocks, hatte ich viel mehr geredet, als ich es normalerweise tun würde. Vielleicht musste ich mal eine Weile still sein. Mich zurückhalten.

»Und wie?«, fragte Tulloch.

»Bitte?« Joesbury hatte zugesehen, wie ich zurückgewichen war.

»Sie stand noch auf den Beinen, als DC Flint sie gesehen hat«, erklärte Tulloch. »Sie war noch am Leben, obwohl sie grauenhafte Verletzungen hatte. Das heißt, sie ist nur Sekunden zuvor überfallen worden. Wahrscheinlich sogar, als Flint hier herumgelaufen ist und in ihrer Handtasche nach ihren Schlüsseln gekramt hat. Wie hat der...


Bolton, Sharon
Sharon Bolton, geboren im englischen Lancashire, hat eine Schauspielausbildung absolviert und Theaterwissenschaft studiert. Ihr Debütroman »Todesopfer« machte sie über Nacht zum Star unter den britischen Spannungsautor*innen. Seitdem wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Dagger in the Library für ihr Gesamtwerk. Sharon Bolton lebt mit ihrer Familie in Oxford.



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