Kinder, Kinder
Kinder beherrschen den Münzmarkt
Machen wir uns doch nichts vor. Die einzige Gruppe, die der nationalen Münzknappheit beikommen kann, sind unsere Kinder.
Ich habe keine Ahnung, wie man sie dazu bringen kann, ihre Sparstrümpfe auszuleeren, Matratzen umzustülpen und kleine Keramikschweinchen zu schlachten, aber es muss auf jeden Fall bald geschehen.
Es handelt sich um einen schleichenden Prozess, aber die Wirtschaft unseres Landes ruht inzwischen auf einer Gruppe verschwörerischer kleiner Banditen, die sich mit Hinaustragen von Müll, Rasenmähen, Babysitting, Teller leer essen, Milch hereinholen, Schneeschaufeln, Einlösen von Milchzähnen und guten Noten ein Vermögen verdient haben.
Zur Steigerung ihrer unabhängigen Bonität hat nicht zuletzt die Ausgabe des Taschengeldes am Freitagabend beigetragen. Wie viel kann das schon ausmachen, werden Sie fragen.
Wir teilten fünfzehn Cents die Woche zu, bis wir in unserer Straße mit der »Geizurkunde« ausgezeichnet wurden. Eine Abordnung informierte uns, dass unsere Kinder in einem chinesischen Reisfeld mehr Geld verdienen könnten. Die Abordnung wies darauf hin, dass wir drei Zeitungen abonnierten, zwei Autos besaßen und eine Außenantenne für unseren Fernseher hatten, unsere Kinder aber am unteren Existenzminimum hielten. Um zu vermeiden, dass wir CARE-Pakete aus Europa erhielten, beschlossen wir, das Taschengeld zu erhöhen. Die Kinder scheffelten fortan einen Vierteldollar pro Woche.
Aber damit hörte der Geldfluss nicht auf. Im Alter zwischen vier und neun ziehen sich die Kinder zum ersten Mal in den Ruhestand zurück. Sie leben ausschließlich von ihren Milchzähnen. Sie spucken sie aus wie Popcorn, wenn sie von finanziellen Nöten geplagt werden, und bevor man noch die Augen aufschlagen kann, flüstert eine kleine Stimme: »Mama, kannst du der Zahnfee vielleicht auf einen halben Dollar rausgeben?«, dann streckt sich eine kleine Hand in der Dunkelheit aus, schnappt die Münze, versteckt sie unter dem Kissen und schnarcht ein bisschen, damit man sich nicht ganz dumm vorkommt.
Der Münzberg wächst und wächst, und unsere kleinen Frühkapitalisten und Abfallbeseitiger lachen sich ins Fäustchen und werden reich. Jeder Erwachsene schüttelt über soviel Finanzgenie den Kopf.
»Mama, du weißt wohl nicht, dass du mit meinem Taschengeld schon vier Wochen im Rückstand bist. Allein die Zinsen, die ein vierwöchiger Kredit einbringt, außerdem habe ich dadurch die Ausschüttung von der Bank verpasst, und das wiederum ...«
(Ach, sei still!) Und das von einem Sohn, der noch nicht einmal das kleine Einmaleins beherrscht.
An dieser Stelle eine Warnung an alle Eltern, die töricht genug sind, sich auf ein Darlehen von ihrem Kind einzulassen. Kinder sind weniger diskret in ihren geschäftlichen Angelegenheiten als Erwachsene. Sie bringen es fertig, beim Abendessen im Kreis von Gästen mit dem Rechenschieber und der Frage aufzutauchen: »Daddy, wann krieg’ ich die vierzig Dollar wieder, die du aus meinem Schreibtisch genommen hast, um die letzte Rate fürs Auto zu bezahlen? «
Ihre Münzen sprudeln aus den unmöglichsten Quellen. Eine ziemlich erfolgreiche Quelle hat unser Jüngster entdeckt, der kurz vor dem Schlafengehen auftaucht. Frisch gebadet und mit rosigen Wänglein tritt er in seinem Pyjama und mit einer kleinen Blechtasse (nichts übertreiben) vor Gäste und Großeltern hin und leiert mit lächelndem Mund hervor: »Weihnachten ist nicht mehr fern ... gebt in den Topf reichlich und gern.«
Dann rasselt er mit seiner Blechtasse, die Gäste lachen (aber etwas gezwungen) und lassen eine Münze in die Tasse fallen. Im August fing er damit an, im Dezember staubte er ganz groß ab, und aufgehört hat er mit dieser Masche noch immer nicht.
Ich könnte ein endloses Lied davon singen, wie Kinder Münzen horten. Das Problem ist, es ihnen wieder abzugewöhnen. Kinder argumentieren folgendermaßen: Papiergeld ist gut und schön. Man kann Flugzeuge daraus basteln, man kann es an Wände und Fenster kleben, man kann es anmalen oder als Lesezeichen benutzen. Aber eine Schublade voller Münzen! Die ist noch besser als eine eigene Flasche Ketchup!
Mein Sohn, der Präsident
Im letzten Jahrzehnt reduzierte sich die Anzahl der kleinen Jungen, die nach dem Präsidentenamt der Vereinigten Staaten streben, ganz beträchtlich.
Ich erinnere mich an die Zeit, als jeder zweite kleine Junge hoffnungsvoll auf den Namen Franklin Delano Roosevelt Schmaltz oder William Howard Taft Feeney getauft und von der Wiege an darauf getrimmt wurde, später einmal das Weiße Haus zu übernehmen.
Aber das gehört der Vergangenheit an. Heute wollen Jungen keine historischen Reden auf braune Papiertüten mehr schreiben. Vielmehr wollen sie Geheimnachrichten auf ihre Augäpfel schreiben und 007-Spione werden. Es gelüstet sie nicht mehr nach Pferden und General Lees Degen. Sie sind auf ihre Big-Jim-Puppen versessen.
Sie wollen nicht einmal mehr General werden, wie der, der einen halben Dollar über den Potomac wirft. Sie stehen vielmehr am Ufer und erklären ihm, dass der halbe Dollar viereinhalb Prozent Zinsen bringen würde, wenn man ihn auf die Bank brächte.
Es lassen sich vermutlich eine Reihe guter Gründe für das nachlassende Interesse an der Präsidentschaft anführen. Die Präsidentschaft ist kein Honigschlecken. Der finanzielle Aufwand für einen Wahlkampf ist nicht zu verachten ... der persönliche Aufwand nach der Wahl ist grenzenlos. Aber hat das eine ehrgeizige Mutter schon jemals abhalten können? Bestimmt nicht!
»Du wirst Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika«, sagte ich und nagelte meinen Sohn mit Blicken fest. »Und wir dürfen keine Zeit mehr vergeuden. Gib mir das alte Fotoalbum.«
»Aber Mama«, brummte er. »Ich hab’ heute Nachmittag ein Spiel.«
»Das hat L. B. Johnson auch gesagt, als seine Mutter ihn ... Also, ein paar von den Bildern werden ausgemustert. Du weißt doch, worauf sich die Zeitschriften stürzen, wenn ein Präsident nominiert wird. Sie graben alle alten Fotos aus, die sie kriegen können. Das da, auf dem du nackt auf dem Teppich sitzt, verbrennst du am besten gleich. Und das auch. Deine Hosen sind da viel zu zerbeult. Und wirf die alten Zeugnisse weg. Man muss das Schicksal ja nicht herausfordern. Also, wer ist dein Vorbild?«
»Michael Jackson.«
»Großer Gott! Sag lieber Thomas Jefferson. Er hat viel von sich gegeben, und du könntest ihn auf jeden Fall zwei Amtsperioden lang zitieren. Ach, und wegen deiner Handschrift ...!«
»Die ist doch nicht schlecht! «
»Das ist ja das Problem. Du wirst lernen müssen, unleserlich zu schreiben, sonst liest kein Mensch etwas von dir. Und wie steht’s mit Sport?«
»Ich mag Baseball.«
»Um Himmels willen, wo gibt’s denn einen Präsidenten, der Baseballfan ist? Außerdem wäre es ganz und gar unmöglich, auf dem Rasen des Weißen Hauses zu spielen. Du musst dir einen Sport aussuchen, den du im Rosengarten in Pasadena vor einem Dutzend Reportern vorführen kannst.«
»Aber Mama, das ist doch Quatsch.«
»Quatsch! Willst du etwa nicht hinter dem großen Schreibtisch sitzen, mit dem erhebenden Gefühl, dass die Augen der ganzen Welt auf dich gerichtet sind ... dass alles, was du sagst und tust, die Menschheit auf irgendeine Weise berührt? Dass deine Stärke ihre Stärke ist ... deine Schwäche ihre Schwäche ... deine Versprechen ... ihre Versprechen?« (Er richtete sich auf und fing an, die »Schlachthymne der Republik« zu singen.) »Und vergiss nicht, Junge, dass alles hier und heute in diesem Zimmer mit deiner Mama angefangen hat.«
Er warf mir einen kühlen Blick zu, den Kopf stolz hochgereckt! ... »Welcher Mama?«
»Ich will nicht zur Oma«
»Ich will nicht zur Oma.«
Wenn man diese Worte zum ersten Mal aus dem Mund des eigenen Kindes hört, glaubt man, die Erde müsse sich auftun und einen verschlingen. Genauso gut könnte man auf Gräbern tanzen, die Nationalflagge schänden oder selbstgebackenen Apfelkuchen verschmähen!
Wie kann sie es wagen, diese Frau abzulehnen, die, als sie noch zahnlos und kahlköpfig war, in ihr zerknittertes Gesicht blickte und stolz ausrief: »Ist sie nicht wunderschön!« Wie kann sie es wagen, diese Frau zurückzuweisen, die ihr erlaubte, mit schmutzigen Händen Plätzchen zu backen und mit klebrigen Fingern auf dem Klavier zu klimpern.
Wann war der Zauber gebrochen? Sie pflegte schon im Auto zu sitzen, wenn ihre Eltern noch die Mäntel ...