Bona | Cuiraka, die zauberhafte Zwergin | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

Reihe: tredition GmbH

Bona Cuiraka, die zauberhafte Zwergin

Was Cuiraka nach ihrer Flucht aus dem Mittelalter in unserer Zeit erlebte
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-347-80581-1
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Was Cuiraka nach ihrer Flucht aus dem Mittelalter in unserer Zeit erlebte

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

Reihe: tredition GmbH

ISBN: 978-3-347-80581-1
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Cuiraka musste vor der Inquisition aus dem Mittelalter fliehen. Vollkommen auf sich gestellt, begegnen ihr in unserer Zeit ungeahnte Gefahren und Fallstricke. Aber auch ganz neue Freiheiten. Mit ihren besonderen Gaben, kann sie sich selbst und anderen aus der Klemme helfen. Alle Wesen, ob Mensch oder Tier, die mit Cuiraka in Liebe verbunden sind, verändern sich und damit die Welt.

Astrid Bona wurde 1966, als Tochter einer deutschen Mutter und eines ägyptischen Vaters, geboren. Sie besuchte die Schule in Bremen eher ungern. Danach kam eine Periode in der sie viel reiste und Naturerfahrungen sammelte. Im Alter von Mitte 30 machte sie einen Abschluss als Heilpraktikerin und danach als Heilerziehungspflegerin. Heute lebt sie als freischaffende Künstlerin mit ihrer Frau auf Rügen. Sie malt unter dem Künstlernamen Sedidja Bona, Sedi-Art.
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2

Sie feiern ein kleines Fest und lassen die Bombe platzen

Nun ging Resa zum Auto, geheimnisvoll lächelnd.

Als sie wiederkam, hatte sie mehrere Tüten mit orientalischen Leckereien dabei. Fallafel, Hommos. Oliven, Feta-Käse, Salat und Auberginenpaste. Und das alles mit dem leckersten dünnen Vollkornfladenbrot und einer Soße mit Sesam. Zum Nachtisch gab es Helwas. „Oh, wo hast du das denn her?“

„Aus Mannheim,“ lächelte Resa. Nun holte sie auch noch eine Flasche Wein und Saft für Martin.

Das wurde ein kleines Fest. Gesine spielte auf der Gitarre und sang, während Daniel trommelte und Resa auf der Querflöte spielte. Manchmal sangen sie alle und Cuiraka fühlte sich unbeschreiblich wohl.

Martin spielte währenddessen auf allen Vieren krabbelnd mit dem Kater Rudi, der total ausgelassen umher sprang und nach Martins Pullover haschte und sich auch in ihn verbiss, was Martin ungeheuer lustig fand und laut dazu lachte.

Nun hatten sie wenigstens einen Plan und alle Probleme wären bald beseitigt.

In einer Spielpause hörten sie plötzlich jemand ans Fenster klopfen. Es war Mara, die schon ganz beleidigt draußen stand: „Ich habe erst 10 Minuten an der Tür geklopft. Aber ihr hört ja nichts“, jammerte sie. „Ach je, wie schade. Na dann komm doch rein und feiere mit uns“, sagte Resa.

Sie bediente sich zuerst am Helwas und dann spielte sie mit Rudi und Martin auf dem Teppich.

Sie schmiss eine Kastanie zu Martin und er kickte sie, so gut er konnte, mit seinen nach innen gekrümmten Hand, „Spastik“, nannte man das, wieder zurück.

Rudi versuchte die Kastanie zu erwischen, was ihm ganz oft gelang. Dann spielte er sie durch das ganze Zimmer, bis sie unterm Sofa verschwand und Mara sie wieder herausholen musste.

So verging dieser Tag und es wurde Nacht. Mara wollte bei ihnen übernachten, aber Gesine bestand darauf, ihre Mutter anzurufen.

Die kam und holte sie ab. Eine kleine abgearbeitete Frau mit müde resignierten Augen.

So lebten sie eine Zeitlang in Frieden und Cuiraka lernte vieles über dieses neue Leben und diese neue Zeit.

Einen riesigen Schreck bekam sie einmal, als ihr bei einem ihrer nächtlichen Flüge ein Flugzeug begegnete. Sie geriet derartig in Panik, dass sie komplett die Kontrolle verlor. Glücklicherweise tat sie instinktiv genau das Richtige: sie machte einen Sturzflug bis auf Baumhöhe und das Flugzeug raste über sie hinweg.

Danach brauchte sie lange, um sich von dem Schreck zu erholen. Sie saß am Fuß eines Baumes und erzählte einem Uhu von dem Erlebnis. Der kannte dann Geschichten, seiner Ururahninnen, aus der Zeit, nachdem die ersten Flugzeuge durch die Luft flogen. „Inzwischen haben die meisten Vögel sich daran gewöhnt. Es gibt jedoch immer noch welche, die sehr Lärmempfindlich sind. So haben zum Beispiel die Fischreiher, alle Nistplätze in der Nähe von Zugstrecken aufgegeben, und geraten bei Flugzeuglärm immer noch in Panik“, schloss er.

Inzwischen war es Herbst geworden und die Blätter verfärbten sich, soweit sie nicht schon vorher braun geworden waren, denn die Bäume waren fast alle krank. Es erschien Cuiraka merkwürdig, dass das niemand zu interessieren schien. Wussten die Menschen denn nicht, dass Bäume und Leben fast das Gleiche war?

Trotzdem genoss sie die Zeit in dem kleinen Haus am See. Und eines Tages meinten Gesine und Resa, dass sie nun genug wisse, um ihr heimliches Leben zu beenden.

Sie kauften Cuiraka Jeans und einen Pullover, die sie anzog um etwas „normaler“ auszusehen, und fuhren mit ihr zur nächsten Polizeiwache. Daniel hatte Cuiraka ans Herz gelegt, möglichst ruhig und sachlich mit den Beamten zu sprechen, um die Gefahr, dass sie für verrückt erklärt würde, abzuwenden.

Cuiraka hatte Angst. Sie betete permanent zu ihrem Schutzgeist, dass alles gut gehen würde. Im Notfall konnte sie zwar immer wegfliegen, aber dann würde sie ihr neues Heim bei Resa, Gesine, Martin und Rudi verlieren, denn da würde man sie suchen.

Sie klopften an die Tür. „Herein“, rief eine mürrische Stimme. Ein gelangweilter Polizist saß am Schreibtisch. „Was gi…“, als er Cuiraka sah, blieb ihm das Wort im Mund stecken. „Äh, gibt’s?“, vervollständigte er den Satz. Er deutete auf einen Stuhl auf der anderen Seite des Tisches und andere Stühle an der Wand. Sie setzten sich ihm gegenüber.

Plötzlich war alle Langeweile aus seinem Gesicht gewichen. „Zuerst müssen Sie uns versprechen, nichts an die Presse weiter zu geben.“ Sagte Gesine.

„Worum geht’s?“, fragte er.

„Diese Frau wohnt seit einigen Wochen bei uns“, begann Gesine.

„Sie erschien eines Abends und wie wir inzwischen heraus gefunden haben, muss sie von ihrer Familie versteckt worden sein und hat ihr bisheriges Leben auf einem Grundstück, mit eingezäuntem Garten verbracht. Vielleicht wäre es möglich, ihre Identität herauszufinden.“

Der Polizist schaute sie erstaunt an. Dann bekam er plötzlich einen wütenden Gesichtsausdruck. Er schaute Cuiraka mit stechendem Blick an und fragte blitzschnell: „Könnte es nicht sein, dass sie mir hier eine Lüge auftischen? Sie sehen nicht deutsch aus. Könnte es eventuell sein, dass sie eine ganz normale illegale Ausländerin sind?“ ,während er aufstand und auf sie herab schaute.

„Nein, ich bin glaube ich keine Ausländerin.“ Sagte Cuiraka ruhig. (An Daniels Warnung denkend.) „Meine Mutter hatte gesagt, dass wir Deutsche sind. Sie sagte jedoch nie, an welchem Ort wir leben. Als mir die Flucht gelang, konnte ich mich an einer Tankstelle auf der leeren Ladefläche eines LKWs verstecken. Wir fuhren die ganze Nacht. An einer Kreuzung schlüpfte ich vom Wagen. Das war, wie ich später erfuhr, in Frankfurt am Main. Dort fragte mich einer ihrer Kollegen nach meinen Papieren. Weil ich keine vorweisen konnte, brachte er mich in die Psychiatrie. Das werden Sie sicher rekonstruieren können. Damals war alles sehr neu und fremd für mich, da ich nichts außer unserem Haus und Garten und meinen Eltern kannte.

Der Wald schien mir so schön ruhig. Deshalb belog ich die Ärztin und behauptete, ich sei vom Zirkus. Ich hatte daheim ein Bilderbuch davon. Da gab es auch kleine Leute. Die Ärztin glaubte mir und entließ mich. Daraufhin irrte ich tagelang im Wald umher.“

Der Polizist schaute inzwischen wieder freundlich. Schließlich sprach sie ohne Akzent. Also konnte sie keine Ausländerin sein. Ihm war die ganze Sache zu viel. Deshalb klammerte er sich jetzt nur noch an seine Beamtenpflicht und brachte alles ordentlich zu Protokoll.

„So stand sie eines Abends vor der Tür“, erzählte Gesine. „Wir dachten, dass sie vielleicht etwas Schreckliches erlebt hatte. Deshalb pflegten wir sie nur, denn sie war total ausgehungert und hatte eine Erkältung. Da sie Angst vor fremden Menschen hatte, beschlossen wir, dass sie sich erstmal erholen soll, bevor wir nach ihrer Identität forschen. Eines Tages erzählte sie uns, ihre Eltern hätten zu ihr gesagt, sie müsse sich verstecken, da sie missgebildet sei. Da dämmerte uns die Wahrheit, denn mit dem Thema haben wir ständig zu kämpfen, da wir einen behinderten Sohn haben. So nach und nach kam alles ans Licht. Nun gewöhnten wir sie erstmal an unsere Freunde. Inzwischen hat sie kaum noch Angst. Deshalb sind wir heute endlich gekommen. Sie muss übrigens aus reichem Hause kommen, denn das Kleid, das sie anhatte, ist beinahe unbezahlbar.“ Resa holte das grüne Kleid aus einer Tüte.

Der Polizist fotografierte es von allen Seiten. Dann gab er es ihr zurück. „Bewahren Sie es gut auf. Eventuell brauchen wir es als Beweisstück“, sagte er.

„So, nun zu Ihnen“, er schaute Cuiraka recht freundlich an. “Wissen Sie denn wenigstens Ihren Namen?“ „Ich heiße Anette Maier“, sagte Cuiraka. „Gut, dann hätten wir es für heute. Ich nehme noch Ihre Daten auf und dann melden wir uns wieder. Selbstverständlich sind Sie nicht verpflichtet, Frau Maier bei sich aufzunehmen. Ich kann sie auch zum sozialen Dienst bringen. Die kümmern sich dann um sie.“ Erschrocken schaute Cuiraka die beiden an. „Nein, nein. Das ist nicht nötig. Wissen Sie, wir sehen es als unsere Nächstenliebepflicht an, sie bei uns zu behalten. Gott hat sie vor unsere Tür geführt“, log Resa. Denn schließlich glaubte sie nicht an diesen Gott, aber wie sollte sie es dem Polizisten anders erklären? Und an eine göttliche Fügung glaubte sie schon. Abgesehen davon, dass es ausgesprochen angenehm war, mit Cuiraka zusammenzuleben.

„Ist das auch Ihr Wille, Frau Maier?“ Cuiraka nickte erleichtert.

„Ich sehe im Augenblick keinen Anlass, Ihre Entscheidungsfähigkeit in Frage zu stellen.

Auch wenn mir noch nicht klar ist, warum Sie aus der Psychiatrie entlassen worden...



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