E-Book, Deutsch, 0 Seiten
Bonanno Star Trek - Classic: Die Sonde
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11742-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
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ISBN: 978-3-641-11742-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Romulanische Imperator ist tot, und damit stürzt das Empire ins Chaos. Auf einem kleinen Planeten in der neutralen Zone treffen sich Vertreter der Föderation und des Imperiums zu Friedensverhandlungen. Doch diese finden ein jähes Ende, als die Nachricht vom Wiedererscheinen jener mysteriösen Sonde eintrifft, die schon einmal beinahe die Erde zerstört hätte. Damals reiste die Enterprise-Crew "Zurück in die Gegenwart", um die Katastrophe abzuwenden. Jetzt sehen sich Captain Kirk, Mr. Spock und die restlichen Offiziere erneut der drohenden Gefahr gegenüber.
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Kapitel 1
Jim Kirk war froh, dass er allein nach Hause gekommen war, denn so hatte er die Chance, sich wieder bis über beide Ohren zu verlieben.
Er hatte die halbe Galaxis durchquert und innerhalb eines Jahres mehr unterschiedliche Städte gesehen, als die meisten Starfleet-Offiziere in ihrem ganzen Leben zu Gesicht bekamen – angefangen bei Metropolen, die groß genug waren, um den gesamten nordamerikanischen Kontinent zu bedecken, bis hin zu Dörfern, die so rustikal wirkten, als wären sie einer alten Schweizer Holzschnitzerei entsprungen. Und doch gab es keinen Ort, der San Francisco gleichkam.
Bereits an seinem ersten Tag an der Akademie hatte er sich entschieden, San Francisco als seine neue Heimat anzunehmen, damals, als er und Gary Mitchell die Hügel der alten Stadt hinauf- und hinabgelaufen waren. Und die Jahre, die er hier, mit einigen Unterbrechungen, seit dem Ende der ersten Fünf-Jahres-Mission der Enterprise verbracht hatte, hatten seine Gefühle für die Stadt und ihre Bewohner nur noch verstärkt. Das Presidio, Haight-Ashbury, der neue Ortsteil, der das Hauptquartier von Starfleet beherbergte – das alles zusammengenommen repräsentierte ein halbes Jahrtausend Geschichte und Kirk schätzte es, ein Teil davon zu sein. Früh am Morgen hatte er seine alte Wohnung aufgesucht, von der aus man die ganze Bucht überblicken konnte und war dabei an seine Zeit als Chef der Einsatzabteilung von Starfleet erinnert worden. Es kam ihm so vor, als gäbe es nur noch wenige Orte in der Stadt, die nicht irgendeine Erinnerung in ihm wachriefen, die nicht mit bestimmten Menschen oder vergangenen Ereignissen verbunden waren. Hätten Spock und McCoy seine Einladung angenommen, einige Zeit bei ihm zu verbringen, wären die letzten Tage wohl ganz anders verlaufen.
Genau aus diesem Grund bedeutete der Anblick des Golden Gate Parks an diesem, Kirks letzten Morgen auf der Erde, eine derartige Überraschung.
Überall wucherte und blühte es so üppig, dass es ihm vorkam, als spaziere er durch einen tropischen Regenwald. Rhododendron trieb über die sorgfältig angelegten Terrassen hinaus bis auf den Weg, Gras bedeckte die Schieferplatten des Pfades zu seinen Füßen und selbst die Bäume längs des Kennedy Drive schienen um mehrere Meter gewachsen zu sein – auch wenn Kirk klar war, dass dieser Eindruck lediglich seiner Einbildungskraft entsprang. Bei alledem handelte es sich um Nachwirkungen der monsunartigen Regenfälle, die die Sonde wenige Wochen zuvor ausgelöst hatte.
Wissenschaftler hatten erklärt, das stürmische Wachstum der Pflanzen überall auf dem Planeten würde noch für mehrere Jahre anhalten. Die Sonde hätte es tatsächlich beinahe geschafft, die Erde in eine neue Eiszeit zu stürzen. Weltweit gesehen waren viele der direkten Auswirkungen ihres Besuchs wieder zurückgegangen – die Dichte der Wolkendecke und die planetaren Durchschnittstemperaturen bewegten sich inzwischen wieder innerhalb der gewohnten Parameter –, doch der Nachhall der von der Sonde eingeleiteten Maßnahmen würde hier genau wie an vielen anderen Orten noch für lange Zeit spürbar sein.
Nun, dachte Kirk, sofern diese Nachwirkungen alle so aussahen, wäre das gar keine so üble Sache.
Ein plötzlicher Windstoß fuhr durch eine Schar von Seemöwen, die sich auf einem betonierten Stück Bodens um eine Brotkruste zankten. Selbst die Luft wirkte frischer, bemerkte Kirk, fast so, als hätten die Regenfälle den ganzen Planeten reingewaschen. Dieses Phänomen war ihm auch draußen in Yosemite aufgefallen – eine Ahnung von Erneuerung, die den gesamten Park umfasste, angefangen bei den alten Sequoia-Wäldern, die Spock unbedingt hatte untersuchen wollen, bis hin zum Gipfel des El Capitan. Kirk war froh, dass er die letzten Tage auf seiner Heimatwelt hatte verbringen können, doch zugleich spürte er auch, wie sich die alte Ruhelosigkeit wieder in ihm aufbaute.
Alles, was ich mir wünsche, ist ein schlankes Schiff und einen Stern, den ich ansteuern kann …
Und dieser Satz galt noch immer. Gestern Nachmittag hatte er Neuigkeiten von Starfleet Command gehört – ein neuer Sektor der Galaxis sollte erschlossen werden und man erwog, ihn und die Enterprise quasi als Speerspitze der Erforschung einzusetzen. Auf der Stelle hatte er einen Termin mit Admiral Cartwright vereinbart – und du solltest jetzt besser die Beine in die Hand nehmen, wenn du vorhast, rechtzeitig zu erscheinen, dachte Kirk mit einem Blick auf die Sonne, die schon hoch am Himmel stand –, um ihn davon zu überzeugen, dass sein Schiff die richtige Wahl für diese Aufgabe war.
Und es war tatsächlich sein Schiff – er hatte endlich seinen Frieden damit geschlossen. Die Enterprise-A hatte alles getan, was er ihr auf der letzten Mission abverlangt hatte – natürlich war sie nicht die alte Enterprise, doch andererseits (wie Dr. McCoy ihn stets zu erinnern pflegte) war er auch nicht mehr der alte Jim Kirk. Nichts war mehr so wie vor zwanzig Jahren, und er beklagte sich auch gar nicht darüber. Zwischen der Föderation und den Klingonen herrschte jetzt Waffenstillstand und selbst die Romulaner verhielten sich ruhig.
Plötzliches Kreischen und das Flattern von Flügeln rissen Kirk aus seinen Gedanken. Er schaute auf und musste feststellen, dass er mitten in das Festmahl der Möwen hineinspaziert war und dabei fast auf eines der Tiere getreten wäre.
Das kommt davon, wenn man mit seinen Gedanken im Wolkenkuckucksheim schwebt. Bleib lieber mit beiden Beinen auf der Erde und sieh zu, dass du Starfleet rechtzeitig erreichst.
Fröhlich (wenn auch falsch) pfeifend verließ James T. Kirk den Golden Gate Park und schlug die Richtung zur City von San Francisco ein.
Die aufgehende Sonne glitzerte auf der Oberfläche des Korallenmeers und versprühte ihr Licht im kristallklaren Wasser der großen Lagune zwischen dem Barrier-Riff und dem australischen Kontinent. Wäre Spock nicht gezwungen gewesen, schon in wenigen Stunden abzureisen, hätte er sich gewiss die Zeit genommen, dieses Gewässer zu erkunden, das von farbenprächtigem maritimen Leben erfüllt war wie kein anderes Gebiet in diesem Teil der Welt. Doch diesen Wunsch musste er auf ein andermal verschieben.
Heute, am Tag seiner Abreise, war der Vulkanier gekommen, um George und Gracie – die beiden Buckelwale, die die Enterprise aus dem zwanzigsten Jahrhundert durch die Zeit hierhergebracht hatte – in ihrem Heim im New Cetacean Institute zu beobachten, das draußen vor dem Großen Barrier-Riff lag. Von allen wissenschaftlichen Überlegungen einmal abgesehen, war Spock ganz einfach fasziniert von diesen außergewöhnlichen Kolossen, derengleichen es in den flachen, aufgewühlten Meeren Vulkans nicht gab.
Als er sich von der neuerbauten Plattform am Rand des Riffs ins Wasser gleiten ließ, sprang George mehrere hundert Meter weiter draußen hoch in die Luft und klatschte inmitten aufspritzender Fontänen wieder ins Meer zurück. Spock stieß sich von den unterhalb des Wasserspiegels angebrachten Tauchhilfen der Plattform ab und begann zu schwimmen. In der frühmorgendlichen Stille war nur das Geräusch zu vernehmen, mit dem seine Gliedmaßen das Wasser durchschnitten.
Und dann, plötzlich, erscholl der Walgesang. Er enthielt weder Kadenzen noch Melodien, die vulkanische oder menschliche Ohren als solche erkennen konnten und doch empfand Spock trotz aller logischer Einwände, die sein Verstand automatisch vorbrachte, die Klänge als Lied.
Eine Saga. Georges ›Stimme‹ ertönte klar und kräftig und man musste ihr einfach lauschen. Selbst Schwimmer, die sich am anderen Ende des Großen Barrier-Riffs, rund fünfzehnhundert Kilometer entfernt, aufhielten, hätten die Töne rein und unverzerrt vernommen. Doch es gab niemanden mehr, der ihn verstehen konnte, niemanden, dem er seine Saga, wenn es denn eine solche war, hätte mitteilen können.
Spock wusste, dass fünfhundert Jahre zuvor die Lieder Tausender und Abertausender von Buckelwalen die Ozeane der Erde erfüllt hatten. Bevor die Menschen anfingen, in großer Zahl die Meere zu befahren, oder genauer gesagt vor der Erfindung der Schiffsschraube, hatten die walartigen Lebensformen über ein außergewöhnliches Kommunikationsnetzwerk verfügt. Über Millennien hinweg war die See erfüllt von einem komplexen Klanggewebe, dessen zahllose Fäden den ganzen Planeten einhüllten, ein jeder davon eine niemals endende, sich ständig weiterentwickelnde Saga. Denn genau darum musste es sich gehandelt haben. Die Gesänge, jeder zwischen fünf und sechzig Minuten lang, wurden auswendig gelernt und von Tier zu Tier weitergegeben. Die alten Lieder wurden wiederholt, Jahr für Jahr neue hinzugefügt. Ein Wal konnte mit einem anderen über Entfernungen von bis zu zwanzigtausend Kilometern hinweg kommunizieren – also buchstäblich jeden beliebigen Punkt in den Ozeanen des Planeten erreichen.
Und dann war die ›Zivilisation‹ gekommen. Wie Spocks Studien gezeigt hatten, machte gegen Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts die zunehmende, durch dampfbetriebene Handels- und Kriegsschiffe verursachte Geräuschkulisse – deren Vibrationen im Bereich von zwanzig Hertz lagen, genau wie die Stimmen der riesigen Lebewesen – es den Walen unmöglich, ihre Lieder weiter als nur ein paar Kilometer zu verbreiten. Möglicherweise war darin auch der Grund für die massenhafte Strandung der Tiere im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts zu suchen. Sie waren desorientiert und nicht in der Lage, sich gegenseitig vor dem flachen Wasser zu warnen. Die Fäden des Gewebes zerrissen, der Klangteppich löste sich auf.
Und dann...




