Boner | Romy und Johanna | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 274 Seiten

Reihe: Romy und Johanna

Boner Romy und Johanna

Unverhofft
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-347-66093-9
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Unverhofft

E-Book, Deutsch, Band 1, 274 Seiten

Reihe: Romy und Johanna

ISBN: 978-3-347-66093-9
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Johanna gilt als einsamer Wolf. Sie lässt niemanden an sich heran, denn so kann sie jedenfalls nicht verletzt werden. Ihr Plan hat bis jetzt auch ganz gut funktioniert. Doch als sie der mysteriösen Neuen begegnet, weiß sie, dass sie, dass Mädchen unbedingt näher kennenlernen möchte. Dieser Wunsch ist für Johanna gleichzeitig ein Fluch und ein Segen. Wird sie es schaffen, ihrem Herzen zu folgen und diesen Schritt zu gehen?

Chiara Boner wurde in Lübeck geboren. Nach ihrer Schullaufbahn absolvierte sie erfolgreich die Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin. In ihrer Freizeit widmet sie sich ihrer Leidenschaft dem Schreiben, ihrem Hund und Fußball. Auf ihr Debütroman "Mutig ins Glück" folgt nun aus einer anderen beginnenden Reihe ihr zweites Buch " Romy und Johanna- Unverhofft".
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1. Kapitel

Ich schloss mein Fahrrad ab und stieg die Stufen zur Schule hoch. Normalerweise fuhr ich gemeinsam mit meiner besten Freundin, aber die Glückliche hatte erst zur Zweiten. Wir gingen zwar in dieselbe Klasse, aber wir hatten unterschiedliche Fremdsprachen gewählt. Während ich mich damals für Spanisch entschied, wählte sie Französisch.

Während ich so in meinen Gedanken versunken war, hatte Jesko es sich neben mir auf dem Boden des Schulflures gemütlich gemacht. Jesko war seit Kindergartentagen mein bester Freund und dass wir in einer Klasse waren, hielten wir für eine glückliche Schicksalsfügung. Erst als er mir auf meine Schulter tippte, schreckte ich hoch und blickte direkt in seine blauen Augen. Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Seine Haare waren ordentlich zur Seite gekämmt, sein Hemd trug er mit einem T-Shirt darunter offen, dazu eine enganliegende schwarze Hose. Seine Füße steckten in schwarzen Chucks. Wir waren unzertrennlich und somit war er auch immer dabei, wenn ich mit Laura unterwegs war, zumindest in der Schulzeit. Außerhalb trafen wir uns auch oft, aber eher, um eine Runde Sport zu machen.

Egal ob Laufen gehen, Kraftübungen oder nur Radfahren: Er war der ideale Trainingspartner. Und ich wusste nur zu gut, was ich an ihm hatte.

„Hey, du warst ja ganz woanders. Worüber hast du denn diesmal nachgedacht? Davon abgesehen, dass ich noch nicht ganz begreifen kann, dass du wirklich denken kannst.“

„Danke. Heute mal wieder ganz freundlich unterwegs?“

„Immer doch, das müsstest du doch wissen. Nett sein liegt in meiner Natur, im Gegensatz zu dir, Jojo.“

Jojo war mein Spitzname. Mein voller Name war Johanna, doch ich bevorzugte lieber die Abkürzung.

„Da scheint ja jemand richtig gut geschlafen zu haben. Gibt es irgendetwas, was ich wissen sollte?“

„Nein, eigentlich nicht. Mein Leben ist genauso langweilig wie vorher. Wo ist eigentlich Laura?“

„Sie hat erst zur Zweiten. Das wirst du wohl nie auf dem Schirm haben.“

„Da könntest du Recht haben.“

Ich ließ meinen Blick über meine Mitschüler schweifen, die sich inzwischen vor dem Klassenraum angesammelt hatten. Die meisten hörten nach diesem Jahr zum Glück auf, sodass ich nur mit den wenigsten noch etwas zu tun haben würde und ich müsste lügen, wenn ich sagte, dass ich sie vermissen würde.

„Und freust du dich schon, wenn alle weg sind?“, fragte ich, obwohl ich die Antwort nur zu gut kannte.

„Oh ja. Ich mag diese Klasse nun wirklich nicht, aber wir müssen noch ein paar Monate aushalten, bis die Hälfte weg ist.“

Ich winkte ab und erwiderte: „So schlimm ist es auch wieder nicht. Viele sind ein bisschen oberflächlich, aber man muss sie nur zu nehmen wissen, es sei denn, du willst dich mit denen unterhalten, das wird nichts werden, so wenig, wie die meisten hier im Kopf haben.“

„Sagt die Richtige“, antwortete Jesko grinsend.

„Womit habe ich das heute nur verdient?“

„Ich baue dich doch gerne auf und Laura ist leider nicht da, um das zu übernehmen. Apropos Laura, ich würde auch am liebsten noch weiterschlafen.“

„Das können Sie gerne in den Ferien machen, aber erst einmal wollen wir mit Spanisch loslegen, oder haben Sie da etwas gegen?“, meinte unser Lehrer mit einem Augenzwinkern.

„Solange wir keinen Test schreiben, bin ich dabei.“

Ich musste mir ein Lachen verkneifen. Im Gegensatz zu unserer Klassenlehrerin war unser Spanischlehrer eine Art Vertrauensperson für uns. Er hatte immer ein offenes Ohr für uns und nahm sich alle Zeit der Welt, um uns zuzuhören, wenn wir etwas auf der Seele hatten. Jesko hatte immer eine freche Antwort parat, nur war er im Gegensatz zu Laura nicht unverschämt, sondern witzig.

Ich nahm meinen Rucksack vom Boden und erhob mich, um meinem Lehrer in die Klasse zu folgen.

Aber auch in der Stunde waren meine Gedanken ganz woanders. Mein Bruder würde am Freitag zu Besuch kommen und uns endlich seine neue Freundin vorstellen. Seitdem er ausgezogen war, sahen wir uns so gut wie gar nicht. Und ich war wirklich auf seine Freundin gespannt, bei ihm wusste man nie, mit welchem Typus er ankommen würde.

Jesko stupste mich mit seinem Ellenbogen an. „Kommst du?“

Verwirrt schaute ich auf und musste feststellen, dass ich die Einzige in der Klasse war. Der Rest war schon gegangen, ebenfalls mein Lehrer. Oh, wie peinlich. Ich hatte absolut nichts mitbekommen, weder vom Unterricht noch von seinem Ende. Schnell packte ich meine Sachen zusammen und folgte Jesko aus dem Raum. Als nächstes hatten wir Physik, das konnte heiter werden. Wenn es ein Fach gab, in dem ich noch schlechter war als in Mathe, dann war das Physik. Darin war ich wirklich mit Abstand die Schlechteste aus der Klasse. Mein Physiklehrer, gleichzeitig auch mein Mathelehrer, war dementsprechend kein sonderlich großer Fan von mir. Das war aber auch kaum verwunderlich.

Jesko und ich setzten uns in die letzte Reihe unseres Klassenraums zu Laura, die uns schon erwartete. Da der Physikraum immer besetzt war, hatten wir immer im Klassenraum Unterricht. Laura umarmte mich und seufzte theatralisch.

„Ich dachte schon, ihr kommt nicht mehr, dann hätte ich die Stunden mit unserer Klassenlehrerin allein überstehen müssen.“

„Wir haben sie doch heute nur einmal?“, wandte Jesko ein.

„Physik fällt aus, habt ihr nicht auf den Plan geschaut? Wir haben unsere Klassenlehrerin dafür.“

„Oh Gott, soll das erst einmal jemand überleben“, murmelte ich.

„Das wird schwer, aber jetzt seid ihr zumindest da.“

„Wir lassen dich doch nicht im Stich, außerdem wird es ohne uns nur halb so lustig“, meldete sich Jesko mal wieder zu Wort.

Die Klasse wurde still und alle Blicke wanderten nach vorne. Irritiert tat ich es meiner Klasse gleich und musste feststellen, dass unsere Klassenlehrerin schon da war. Man übersah sie fast, so klein wie sie war. Sie trug zwar immer hochhackige Schuhe, aber dadurch wurde sie auch nicht unbedingt größer. Sie maß vielleicht gerade mal die eins sechzig mitsamt Schuhen und Dutt.

„Schön, dass ihr erholt aus euren Ferien zurückgekommen seid“, begrüßte sie uns.

„Als wenn wir eine Wahl gehabt hätten“, erwiderte Laura. Ich verdrehte die Augen und versuchte Laura weitestgehend auszublenden. In der ersten Stunde nach den Ferien wollte ich nicht schon aus der Klasse verwiesen werden. Jesko tat es mir gleich und versuchte sich auf unsere Lehrerin zu konzentrieren. Doch als Laura die Stimme unserer Klassenlehrerin nachäffte, musste ich einfach lachen. Sofort tauchte die besagte Lehrerin auf und musterte uns mit zusammengekniffenen Augen.

„Was gibt es hier zu lachen? Ist euch mein Unterricht zu langweilig?“

„Ach, nichts. Alles gut, Sie können gerne weitermachen“, antwortete ich und setzte ein ernstes Gesicht auf.

„Seid gefälligst leise. Ich habe echt die Schnauze voll davon.“

„Wird gemacht, Captain“, erwiderte Laura.

„Raus mit euch beiden. Ich lass das nicht länger mit mir machen.“

„Na danke“, raunte ich Laura zu. Und mal wieder saßen wir auf dem Flur. Langsam war das nichts Neues mehr und doch hatte ich einen Neustart gewollt, ohne das hier. Aber dafür war es einfach ein zu schlechter Ort, neben Laura zu sitzen. Ich mochte mich selbst nicht dafür, dass ich immer mitgezogen wurde, denn ich allein hätte mich niemals getraut, das Wort zu erheben, aber ernst bleiben lag mir leider nicht so und das musste ich schnell ändern. So konnte es nicht weitergehen.

„Was war das denn eben?“, fragte ich meine beste Freundin und warf ihr einen vorwurfsvollen Blick zu.

„Ist mir nun mal so eingefallen, du kennst mich doch. Ich habe immer einen guten Spruch auf Lager.“

„Auch wenn wir hier draußen wahrscheinlich nicht so viel verpassen werden von ihrem Unterricht, wäre ich trotzdem gerne drinnen geblieben. Ich habe keine Lust, immer rauszufliegen.“

„Was ist denn mit dir los? Seit wann bist du so eine Spielverderberin?“

„Du übertreibst es einfach, okay? Du kannst meinetwegen gerne weiterhin rausfliegen, aber lass mich da raus.“

„Das ist doch nicht meine Schuld, wenn du lachen musst.“

„Und wer legt es darauf an, dass ich lache?“

„Okay, vielleicht hast du Recht, tut mir leid. Ich höre auf.“

Ich schaute auf meine Uhr, wir waren seit etwas mehr als zehn Minuten draußen und konnten eigentlich schon wieder in die Klasse gehen. Rausgeschmissen zu werden bedeutete bei ihr nicht, die ganze Stunde draußen zu verbringen, sondern nur so lange, bis man sich wieder im Griff hatte. Laura blieb dennoch des Öfteren die ganze Stunde draußen, um die Stunde zu schwänzen. Unsere Lehrerin hatte damit kein Problem, dann gab es für sie einen Störfaktor weniger in der Klasse. Dass...



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