E-Book, Deutsch, 450 Seiten
Boogen Dreamwalker: Schattenfluch
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7583-5272-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 450 Seiten
ISBN: 978-3-7583-5272-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eileen Boogen, auch bekannt als der kreative Wirbelwind, ist eine lebensfrohe 27-Jährige mit einer Vorliebe für künstlerische und fantastische Ausschweifungen. Nach einer Ausbildung zur Grafikdesignerin brachte Eileen ihre Fähigkeiten in die Berufswelt und zauberte Farben, Formen und Texte auf den Bildschirm, die Ihre Kollegen sich oft fragen ließen, woher sie diesen ganzen Stoff eigentlich herzieht. Wenn Eileen nicht gerade ihre Grafikdesign-Fähigkeiten einsetzt oder Geschichten schreibt, findet man sie oft dabei, ihre kreativen Grenzen zu erweitern. Deshalb gibt sie auch ihren selbst erschaffenen Charakteren gern ein Gesicht und liebt das indivisuelle Charakterdesign. Mit einem frechen Grinsen auf den Lippen und einem schier endlosen Vorrat an Kreativität ist Eileen bereit, die literarische Welt mit ihrem einzigartigen, sarkastischen Humor und ihrer wilden Vorstellungskraft zu erobern.
Autoren/Hrsg.
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Sylas zieht die Kapuze tiefer ins Gesicht, während er durch die nebeligen Gassen Lafarias schleicht, die vom tief stehenden Vollmond in silbriges Licht getaucht werden. Es ist kalt und er ist früher als sonst unterwegs, denn heute fühlt es sich besonders schlimm an. Außerdem muss er sich auf seine Reise vorbereiten und darf in diesem Fall kein Risiko eingehen. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass er sich dieser Sache angeschlossen hat, obwohl er genau weiß, unter welchem Stern sein Schicksal aktuell steht. Aber kann er es wirklich verantworten, sie allein ziehen zu lassen?
Er setzt einen grimmigen Blick auf und schiebt die Hände tief in die Manteltaschen, bevor er im Schein des fahlen blauen Laternenlichtes auf die Themaan Akademie zuschreitet. Er kommt öfter hier her. In den letzten Jahren hat sich sein Zustand rasant verschlechtert und es wird Zeit, dass er eine Lösung für dieses lästige Problem findet. Leichter gesagt als getan.
Noch einmal sieht er verstohlen zu den Seiten der dunklen Straße bevor er diese überquert und die langen Steintreppen hinaufeilt, um sich vor dem großen Eisentor wiederzufinden. Dickes dunkelgrünes Gestrüpp rahmt die gut zwei Meter hohen Pfosten des Eingangs zum Hof der Akademie.
Die Wachen grunzen genervt, als sie die im Schatten verhüllte Gestalt auf sich zukommen sehen, doch als er den Kopf leicht anhebt und die beiden bulligen Männer einen Blick auf das unter der Kapuze verhüllte Gesicht erhaschen, nicken sie kurz und treten beiseite.
Gemächlich schieben sich die geschwungenen Torbögen quietschend zur Seite und noch einmal wirft Sylas einen Blick über die Schulter, bevor er die Kapuze wieder tiefer ins Gesicht zieht und sich zum Eingang der Akademie aufmacht. Er wartet nicht an der Rezeption, die gerade so oder so unbesetzt zu sein scheint, sondern zieht mit langen, zielsicheren Schritten an dessen Tresen vorbei. Er weiß, wo er hin muss.
Seine Schritte hallen im langen Flur wider, als er geradewegs auf den gläsernen kleinen Aufzug zueilt. Der Aufzug, der ihn direkt zu Fainas Büro führen wird. Faina, die Leiterin der Themaan Akademie und eines der furchteinflößendsten Wesen, die das Volk der Ehleseen bisher vorgebracht hat. Und bedauerlicherweise eine der wenigen fähigen Personen, die ihm bei seinem verdammten Problem helfen können.
Es ist zwar erst kurz vor drei Uhr morgens, aber er ist sich sicher die große Ehleseendame dort aufzufinden. Diese Frau besitzt kein Privatleben, und verbringt sämtliche Zeit außerhalb ihrer Pflichten als Vorsitzende des lafarianischen Rates und Leiterin der Akademie, in ihrem Büro. Mit ihren kleinen… Experimenten. Nach außen hin wirkt es, als wolle die weise Gelehrte sich lediglich die Zeit ein wenig vertreiben, mit ihren zu groß gewachsenen Schlingpflanzen und ihren ätherischen Gewebeproben, aber Sylas weiß es besser. Allerdings bringt ihm dieses Wissen nicht viel, denn wenn er Fainas Absichten – oder zumindest seine Vermutungen über ihre Absichten – an den Rat verraten würde, würde sie sein kleines Geheimnis ebenso verraten. Und das würde bedeuten, dass man ihn verstoßen würde. Wenn er Glück hätte.
Der kleine gläserne Aufzug hält im richtigen Stock und er tritt auf den Gang hinaus. Eilt mit gehetzten Schritten auf die riesige Tür zu, die zu besagtem Büro führt. Ohne zu klopfen, tritt er ein.
Faina sitzt mit einem dicken Wälzer vor der Nase an ihrem Schreibtisch. Ihr Daumen und Zeigefinger stützen ihren Kopf, und ihre starren blauen Augen mit den winzigen Pupillen huschen blitzschnell über die gedruckten Zeilen. Ihre blass bläuliche Haut schimmert im Kerzenlicht gespenstisch.
Die über zwei Meter zwanzig große Dame sieht beiläufig auf, ohne den Kopf dabei zu bewegen, und hebt eine geschwungene Braue. »Es überrascht mich nicht, dass du noch vor deiner Abreise hier auftauchst, Sylas.«
Er schnaubt abfällig und schiebt sich die Kapuze auf die Schultern, was den Blick auf sein silbrigweißes Haar freigibt.
»Wie praktisch«, murmelt er und sieht sich mäßig interessiert um. Seine Hände wandern beiläufig in die Hosentaschen, was die schweren Seiten seines schwarzen Wildledermantels zurückdrängt. »Dann sollten wir hier ja schnell fertig sein, wenn du bereits mit mir gerechnet hast, oder?«
Faina lächelt matt, doch die Geste erreicht ihre Augen nicht. Diese starren wie gewohnt weiter auf die Seiten des Buches, bevor sie sich schließlich gerade aufsetzt, und mit einer grazilen Handbewegung den dicken Wälzer schließt. Dann lässt sie sich langsam gegen die hohe Stuhllehne sinken und kreuzt die Arme.
Sylas nickt mit dem Kinn auf das Buch. »Was liest du da?«
Ihr Blick hascht kurz zu dem Band des Buches hinab, dann macht sie eine wegwerfende Geste. »Nicht der Rede wert.«
Natürlich. Wieder eines ihrer kleinen Geheimnisse. Nicht, dass Sylas sich je besonders dafür interessiert hätte.
»Na dann.« Er lässt seinen Blick wieder durch das Büro schweifen, mustert einen Moment die vielen mit Flüssigkeit gefüllten Behälter, in denen undefinierbare Gewebeproben schwimmen. Wer weiß, was da drin ist. Er unterdrückt einen Schauder, und sieht wieder zu der großen Ehleseenfrau. »Bringen wir es hinter uns. Ich habe zu tun.«
Faina wirft ihre langen, stahlgrauen Flechtzöpfe über ihre Schulter, und zögert einen Moment. Dann seufzt sie und erhebt sich langsam aus ihrem Stuhl. Sylas lässt sie nicht eine Sekunde aus den Augen, doch anstatt zu dem kleinen Schränkchen hinüberzugehen, in dem das Mittel liegt, was ihm die Schmerzen und die Unruhe nimmt, kommt sie geradewegs auf ihn zu.
Er kneift die Augen zusammen und mustert sie argwöhnisch. Seine Muskeln versteifen sich unweigerlich, und die Anspannung lässt die Häärchen in seinem Nacken sich aufstellen. Doch er wäre nicht Sylas Tanaan, wenn er nicht problemlos den unbeeindruckten Gesprächsteilnehmer vorspielen könnte.
»Dir ist bewusst«, säuselt Faina und beginnt ihn zu umrunden, »dass es nicht ewig so weiter gehen kann, oder?«
Sein Kiefer spannt sich an, und er bewegt den Kopf synchron zu ihren Bewegungen. »Es wird noch lange genug so weiter gehen. So lange, bis ich eine Lösung dafür habe.«
Die monotone Stimme der Frau lacht heiser auf. »Eine Lösung? Du glaubst noch immer, es gäbe eine Lösung für deinen Zustand? Eine Heilung?« Sie lacht erneut amüsiert und ihre Mundwinkel ziehen sich dabei unnatürlich weit zu den Wangenknochen hinauf. Weiße gerade Zähne kommen zum Vorschein.
Seine Hände ballen sich in seinen Hosentaschen, doch er atmet tief durch, versucht seine Gefühle unter Kontrolle zu bringen. »Können wir dann jetzt?«
Mit einem letzten spöttischen Blick lässt sie schließlich von ihm ab. Die cremefarbenen Leinengewänder wehen um ihre langen Beine, während sie bedächtig auf das silberne Schränkchen hinter ihrem Schreibtisch zugeht, und den Schließmechanismus öffnet. Ein kleiner, gläserner Ständer mit mehreren darin aufgereihten Ampullen steht darin.
Ihre langen, spinnenartigen Finger greifen nach einer, dann zögert sie. »Wie lange wirst du weg sein?«
Mit einem ungeduldigen Seufzen lässt er sich auf dem breiten Stuhl in einer Ecke des Raumes nieder. Seine Fingerkuppen tappen ungeduldig auf die stählernen Armlehnen. »Eine Weile.«
Die Ehleseenfrau scheint kurz zu überlegen, dann greift sie nach weiteren Flaschen. Mit einer Ampulle kommt sie ein paar Schritte auf Sylas zu, und mustert den Tekhaten. Er wirkt aufgekratzter als bei seinen sonstigen Behandlungen. Die Sehne an seinem Hals tritt deutlich durch die blasse Haut hervor, eine dünne Schweißschicht bedeckt seine Stirn, seine quecksilbrigen Augen huschen ungeduldig hin und her. Die senkrechten Pupillen verdünnen sich zu Nadelstreifen und weiten sich wieder, als würden sie pulsieren.
»Es wird schlimmer, habe ich recht?«
Er zögert. Dann schluckt er schwer. »Ja.«
Könnte Faina Mitleid empfinden, würde sie vermutlich jetzt welches spüren. Aber das Volk der Ehleseen ist nicht dafür vorgesehen, Emotionen zu empfinden. Zumindest nicht diese Art von zwischenmenschlichen Emotionen. Stattdessen seufzt sie nur leise und legt die kalten Metallringe um seine Handgelenke, die ihn auf dem Stuhl fixieren. Er schluckt abermals, als sie die Spritze mit der leuchtendblauen Flüssigkeit vor ihre Augen hebt und vorsichtig dagegen schnipst. »Bereit?«
Er schmunzelt sarkastisch. »Jag mir das Zeug endlich rein, ich habe keine Zeit für sowas, Fai–«
Der Schmerz des plötzlichen Einstichs in seine Hauptschlagader raubt ihm den Atem, und die Worte bleiben ihm in der Kehle stecken. Sein Kopf fliegt heftig gegen das Kopfteil des harten Stuhls, als sich die schimmernde Flüssigkeit wie Säure durch seinen Körper frisst, angetrieben durch den Druck seines...




