Boom | Meine Reise um die Welt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Boom Meine Reise um die Welt

Ein Leben im Dienst von Glaube und Versöhnung
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7751-7178-6
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Leben im Dienst von Glaube und Versöhnung

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-7751-7178-6
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In den besetzten Niederlanden riskieren Corrie ten Boom und ihre Familie ihr Leben, um Juden zu verstecken. Doch wie wurden sie überhaupt zur ersten Adresse für Menschen in Not in Amsterdam? Wie sah Corries unbeschwerte Kindheit aus? Und woher schöpft eine Frau, der die Nazis alles genommen haben, die Kraft, mehrfach um den Globus zu reisen und von der Vergebung Gottes zu erzählen? Corrie ten Boom nimmt ihre Leser mit - in die heiteren Tage in ihrem Elternhaus genauso wie in die bewegten Reisejahre.

Corrie ten Boom (1892 bis 1983) hielt trotz schwerer Schicksalsschläge ihr Leben lang an ihrem christlichen Glauben fest und trug Gottes Botschaft von Liebe und Vergebung in die Welt hinaus. Während der Nazi-Besatzung versteckte Corrie ten Boom zusammen mit ihrer Schwester Betsie viele Juden in ihrem Haus und bewahrte sie so vor dem Holocaust. Doch die Gestapo kam ihnen durch einen Spitzel auf die Spur. Nach ihrer Verhaftung kamen Sie ins Konzentrationslager Ravensbrück und veranstalteten dort heimlich Bibelstunden und Andachten. Corrie überlebte als einzige ihrer Familie das KZ und gründete nach dem Krieg ein Haus für Kriegsgeschädigte und reiste als 'Vagabund für den Herrn', wie sie sich selbst nannte, durch die Welt. Sie predigte das Evangelium und gab mit ihrem eigenen Leben ein beeindruckendes Beispiel für die befreiende Kraft der Vergebung.
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II. Frühe Prägungen für ungeahnte Dienste


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Mutter und die Tanten


Wir besaßen wirklich kein großes Haus, aber es war ein Haus mit offenen Türen.

Ich glaube nicht, dass die vielen Gäste, die zu uns kamen, je gemerkt haben, wie schwierig es manchmal war, dies alles zu finanzieren. Viele einsame Menschen kamen – denn es gab Musik, Humor, manches interessante Gespräch und immer auch einen Platz an dem ovalen Esstisch. Manchmal allerdings, wenn zu viele unerwartete Gäste gerade zur Essenszeit kamen, musste die Suppe ein wenig mit Wasser verlängert werden. Niemand störte das.

Mutter freute sich über Gäste. Sie verstand sie immer auch als einen Segen. Nun besaß sie eine »Segensbüchse«, in der Geld für die Mission gesammelt wurde. Für jede Segnung wanderte ein Pfennig oder ein Groschen hinein. Wenn sie mit ausgebreiteten Armen die Besucher willkommen hieß, konnte sie die Büchse schon in der Hand halten: »Einen Pfennig in die Segensbüchse! Wie schön, dass du gekommen bist!«

Wenn ich bei meinen Reisen rund um die Erde von der Gastfreundschaft anderer Christen abhängig bin, dann denke ich oft, dass ich hier den Segen für die weit geöffneten Türen und Herzen unseres Hauses daheim empfange. Nur selten muss ich mich für die Nacht nach einem Hotelzimmer umsehen. Schon hier auf der Erde erlebe ich etwas von dem »Hause mit den vielen Wohnungen«.

»Lass dein Brot über das Wasser fahren, denn du wirst es finden nach langer Zeit«, sagt der Prediger Salomo.

Tante Jans verlor ihren Mann, als sie noch nicht einmal vierzig Jahre alt war. Sie hatten keine Kinder, und so war es nun selbstverständlich, dass sie nach dem Tode ihres Mannes in unser Haus übersiedelte. Da war bei uns allerlei umzubauen, aber nun wohnte sie in der ersten Etage über dem Geschäft. Hierher brachte sie ihren Schreibtisch und ihre Bibliothek, und es begann für sie die alleraktivste Zeit ihres Lebens. Sie hatte dichterische, schriftstellerische und organisatorische Gaben und war auch eine ungewöhnlich gute Rednerin. Sie begann eine Monatsschrift für Mädchen herauszugeben und schrieb Bücher mit einer klaren Evangeliumsverkündigung. Doch keines dieser Bücher wurde je über den Kreis ihrer Freunde hinaus bekannt – ich glaube, weil sie vielleicht etwas zu altmodisch und zu sentimental waren.

Der »Christliche Verein junger Mädchen« war damals in Holland nur wenig bekannt. So baute Tante Jans eine Klubarbeit mit jungen Frauen auf, wobei sie selbst die Treffen leitete. Später weitete sie die Arbeit über das ganze Land aus. Sie war eine tätige Seelsorgerin.

In Haarlem gab es auch eine Garnison. Tante Jans sah bei uns auf den Straßen die vielen Soldaten, und sie entschloss sich, für diese Männer ein Heim einzurichten. So lud sie eines Tages wohlhabende Leute der Stadt zu einer Versammlung ein und sprach zu ihnen bewegend über die Notwendigkeit eines Soldatenheims, sodass sie binnen kurzer Zeit alles erforderliche Geld beisammenhatte, um das Haus zu bauen. Zweimal in der Woche ging sie dann selbst dorthin, um Bibelstunden zu halten. Einsame junge Männer, die keine Freude daran hatten, auf der Straße herumzubummeln, lud sie auch in die Wohnung ein, sodass in jener Zeit wohl an jedem Abend Leute vom Militär in unserm Haus waren. Viele Soldaten fanden den Herrn Jesus.

Ein Sergeant unter ihnen war ein großer Musiker, und Tante Jans brachte ihn dazu, meiner Schwester Nollie und mir Musikunterricht zu geben. So lernten wir Harmonium spielen. Sobald ich dazu fähig war, Lieder zu spielen, musste ich bei den Bibelstunden mit den Soldaten dabei sein, um das Singen zu begleiten. Ich begann damit sehr jung, wohl zwölfjährig, und als ich in das Alter kam, in dem ein junges Mädchen in der Gegenwart von Männern zwar selbstbewusst, aber doch auch schüchtern ist, da war ich solchen Umgang schon so gewohnt, dass mir das keine Schwierigkeiten mehr machte.

Bevor ich spielen konnte, musste ich singen. Ich war noch sehr jung und erinnere mich an ein Lied, in dem es um das verlorene Schaf ging, das von dem guten Hirten gefunden wurde. Die letzte Zeile hieß: »Und jenes Schaf, das in die Irre ging, war ich.« Da nahm mich eines Abends nach dem Singen ein kräftiger Offizier auf den Schoß und fragte mich: »Du, wann bist du denn in die Irre gegangen?«

Ich musste ihm bekennen, dass ich mich nicht daran erinnern könne, verloren gewesen und durch den Hirten gefunden worden zu sein.

Tante Jans war eine fröhliche Geberin, aber sie hatte einen ausgesprochen altmodischen Geschmack. Als Pfarrerswitwe erhielt sie damals eine sehr knappe Pension, aber sie wurde durch verschiedene Stiftungen unterstützt. So geschah es, dass sie manchmal ganz unerwartet etwas Geld geschickt bekam, und wir mussten an ihrer Freude teilhaben. Sie kaufte dann für uns alle Kleider und Hüte. Nollie und Betsie, meine Schwestern, hatten ihren ausgeprägten eigenen Geschmack, und es war für Tante Jans schwierig, ihnen eine Freude zu machen. Ich aber war im Blick auf mein Äußeres gleichgültiger. So habe ich alles, was sie mir gab, gern angenommen und bekam schließlich die meisten Hüte und Kleider von ihr und sah entsprechend aus.

Ich erinnere mich, dass während des Ersten Weltkriegs viele Stiftungen ihre Zahlungen einstellten. Aber einmal bekam Tante Jans plötzlich fünfzig Gulden, und das war eine wirkliche Überraschung. Sie kaufte sofort für Mutter eine warme Wolldecke, für mich einen Mantel, für Tante Anna eine Bluse und für die ganze Familie Kuchen (der war damals auch sehr rar). Sie hat für dies alles aber mehr als siebzig Gulden verbraucht! War das unklug? Ich glaube, sie war der reichste Mensch, den ich je gesehen habe, denn sie verstand es zu schenken.

Mutters älteste Schwester Bet verlor eines Tages wegen ihres Alters ihre Stellung als Kinderschwester, und so kam auch sie zu uns.

Jetzt waren drei von Mutters Schwestern bei uns. Das kleine Haus war mit den drei Tanten und den vier Kindern voll besetzt. Deshalb hat Vater nun in der obersten Etage zwei große zu vier kleinen Zimmern umgebaut – später boten sie Unterschlupf für mehrere Juden.

Jede unserer drei Tanten hatte in Fragen der Erziehung ihre eigenen Vorstellungen, doch wir Kinder waren über die vielen verschiedenen Erzieher wenig glücklich. So haben Willem und Nollie oft dagegen rebelliert, und es ist Mutters großer Weisheit und ihrem Takt zu verdanken, dass sie das Schiff unserer zusammengedrängten Familie sicher durch alle Klippen einander widersprechender Ansichten steuerte.

Wenn es Mutter gesundheitlich zu schlecht ging, war Tante Anna unsere Zuflucht, und sie sorgte gut für uns. Sie war es dann auch, der ich eines Tages, als wir beide allein im Souterrain in unserer Küche standen, die noch immer unbeantwortete Frage stellte: »Woher kommen die kleinen Kinder?«

Sie erzählte mir, dass es für ein Baby, wenn es noch zu klein und zu schwach sei, um in der kalten Welt zu leben, einen Platz unterhalb des Herzens der Mutter gebe, wo es warm aufgehoben sei, bis es stark und groß genug wäre, um die Kälte in der großen Welt zu ertragen. Diese Antwort machte mir einen großen Eindruck. Ich musste über das alles, was ich da gehört hatte, nachdenken, und ich erinnere mich, dass ich dabei aus den Fenstern schaute, durch die man nur die Beine der vorübergehenden Menschen sah.

Einmal las ich in der Schule von einem jungen Mann, dessen Gesicht von der Ausschweifung gezeichnet war. Ich wagte nicht, den Lehrer zu fragen, was jenes fremde Wort Ausschweifung bedeutete. So meinte ich, dass mir Vater hier helfen sollte, und fragte ihn: »Vater, was ist Ausschweifung?«

Vater antwortete: »Erinnerst du dich an das, was ich dir einmal erzählt habe, nämlich was ich tun würde, wenn ich eine schwere Last zu tragen hätte? Ein Vater wird seine kleine Tochter nicht mit solch schwerer Last beladen. Ausschweifung ist eine Sache im Leben, die sehr schlimm ist, aber es ist nicht nötig, dass du dir als ein kleines Mädchen darüber Kummer machst.«

Ich war zufrieden und betrachtete diese Sache als eines von den Dingen im Leben, die ich noch nicht verstehen konnte und die noch in Vaters Händen bleiben mussten. Wie oft habe ich später in meinem Leben Probleme, die mich bedrängten, mit meinem himmlischen Vater besprochen, und auch er antwortete: »Das wirst du später erfahren.« Was bedeutet das für eine innere Ruhe, all die »Warum«, die »Ja-aber«, die »Wenn-nur« Gottes liebenden Vaterhänden überlassen zu können! Ich lernte es als Kind und bin dankbar dafür.

Nollie war die Kräftigste von uns drei Mädchen, eineinhalb Jahre älter als ich. Sie fühlte sich bereits als kleines Kind für mich verantwortlich. Sie hatte damals die Angewohnheit, wenn sie zum Beispiel Durst hatte und Wasser trank, auch mir eine Tasse voll zu bringen. So musste ich trinken, auch wenn ich nicht durstig war. Ich war sehr schüchtern, sie war es nicht, und so habe ich mich oft hinter ihr verkrochen.

Betsie dagegen war sieben Jahre älter; sie war schon zu erwachsen für das, was unsere Gedanken noch beschäftigte.

Einmal wurden Nollie und ich von einem Fahrradfahrer angefahren. Das passierte gerade vor unserem Haus. Wir waren beide mit Schmutz bedeckt und rannten erschrocken ins Wohnzimmer, wo sich Mutter und die Tanten aufhielten. Nollie schrie. Die Erwachsenen versuchten sie zu trösten, liebkosten sie und gaben ihr etwas zu trinken.

Ich schaute zu Nollie hin und überlegte, ob es nötig wäre, auch so zu schreien, und ob die Erwachsenen dann schneller zu mir kämen. Aber ich schrie nicht. Ich fühlte...


Boom, Corrie ten
Corrie ten Boom (1892 bis 1983) hielt trotz schwerer Schicksalsschläge ihr Leben lang an ihrem christlichen Glauben fest und trug Gottes Botschaft von Liebe und Vergebung in die Welt hinaus.

Während der Nazi-Besatzung versteckte Corrie ten Boom zusammen mit ihrer Schwester Betsie viele Juden in ihrem Haus und bewahrte sie so vor dem Holocaust. Doch die Gestapo kam ihnen durch einen Spitzel auf die Spur. Nach ihrer Verhaftung kamen Sie ins Konzentrationslager Ravensbrück und veranstalteten dort heimlich Bibelstunden und Andachten. Corrie überlebte als einzige ihrer Familie das KZ und gründete nach dem Krieg ein Haus für Kriegsgeschädigte und reiste als 'Vagabund für den Herrn", wie sie sich selbst nannte, durch die Welt. Sie predigte das Evangelium und gab mit ihrem eigenen Leben ein beeindruckendes Beispiel für die befreiende Kraft der Vergebung.

Corrie ten Boom (1892 bis 1983) hielt trotz schwerer Schicksalsschläge ihr Leben lang an ihrem christlichen Glauben fest und trug Gottes Botschaft von Liebe und Vergebung in die Welt hinaus.

Während der Nazi-Besatzung versteckte Corrie ten Boom zusammen mit ihrer Schwester Betsie viele Juden in ihrem Haus und bewahrte sie so vor dem Holocaust. Doch die Gestapo kam ihnen durch einen Spitzel auf die Spur. Nach ihrer Verhaftung kamen Sie ins Konzentrationslager Ravensbrück und veranstalteten dort heimlich Bibelstunden und Andachten. Corrie überlebte als einzige ihrer Familie das KZ und gründete nach dem Krieg ein Haus für Kriegsgeschädigte und reiste als 'Vagabund für den Herrn", wie sie sich selbst nannte, durch die Welt. Sie predigte das Evangelium und gab mit ihrem eigenen Leben ein beeindruckendes Beispiel für die befreiende Kraft der Vergebung.



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