Boos / Jonas / Brandstätter | Zivilcourage trainieren! | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 368 Seiten

Boos / Jonas / Brandstätter Zivilcourage trainieren!

Theorie und Praxis
1. Auflage 2007
ISBN: 978-3-8409-1826-1
Verlag: Hogrefe Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Theorie und Praxis

E-Book, Deutsch, 368 Seiten

ISBN: 978-3-8409-1826-1
Verlag: Hogrefe Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Zivilcourage ist eine heute vielfach geforderte Tugend. Eine aktiv gelebte Zivilcourage ist in der Gesellschaft jedoch oft noch Mangelware. Dieses Defizit kann mittels Zivilcouragetrainings angegangen werden. Im vorliegenden Band werden vier Trainings zur Förderung der Zivilcourage für Kinder, Jugendliche und Erwachsene vorgestellt. Die für die Durchführung notwendigen Arbeitsmaterialien sind im Band abgedruckt.

Das Buch informiert zudem über die Ursachen und Hintergründe von Gewalt und Diskriminierung in verschiedenen gesellschaftlichen Feldern. Aktuelle Anwendungsbereiche von Zivilcourage, z.B. Rechtsradikalismus, Mobbing oder Bullying, werden aufgezeigt. Detailliert wird anschließend die Durchführung der vier Trainingsprogramme beschrieben. Abgerundet wird der Band durch die Bereitstellung umfassender Materialien zu den einzelnen Programmen und eine Sammlung von Institutionen und Organisationen, die im Bereich von Zivilcourage tätig sind.

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Weitere Infos & Material


1;Inhaltsverzeichnis;6
2;I Zivilcourage trainieren!;8
2.1;1 Warum ein Buch mit einer Dokumentation verschiedener Zivilcourage-Trainings?;10
2.2;2 Was ist Zivilcourage?;12
2.3;3 Was sind die Bedingungen und Grenzen von Zivilcourage?;13
2.4;4 Ist Zivilcourage trainierbar?;14
2.5;5 Aufbau des Buches;15
2.6;6 Beschreibung der Trainings;16
2.7;7 Auswahl der Trainings;16
2.8;8 Wer nimmt an Zivilcourage-Trainings teil?;17
2.9;9 Dank der Herausgeber;19
2.10;10 Literatur;20
3;II Zum Begriff Zivilcourage;22
3.1;1 Zivilcourage besitzt einen staatsbürgerlich- menschenrechtlichen Bezug;24
3.2;2 Courage – Mut als Tugend;24
3.3;3 Die Bedeutung von Zivil;26
3.4;4 Zur moralischen Fundierung von Zivilgesell schaften;28
3.5;5 Zivilcourage;30
3.6;6 Literatur;32
4;III Vorurteile, Diskriminierung und Rechtsextremismus – Phänomene, Ursachen und Hintergründe;34
4.1;1 Die vielen Gesichter der Feindseligkeit im Spiegel von Befragungen;36
4.2;2 Erscheinungsformen der Abwertung und Ausgrenzung: Vorurteile, Diskriminierungen und Rechtsextremismus – wissenschaftlich betrachtet;41
4.3;3 Ursachen der Abwertung und Ausgrenzung;45
4.4;4 Erklärungsansätze für Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit;46
4.5;5 Spezifische Ursachen rechtsextremer Orientierungen;50
4.6;6 Resümee oder Was tun?;53
4.7;7 Literatur;55
5;IV Mobbing und Whistleblowing in Organisationen;60
5.1;1 Zur Definition und Abgrenzung von Mobbing;62
5.2;2 Zur Prävalenz von Mobbing;65
5.3;3 Ursachen von Mobbing;68
5.4;4 Individuelle Handlungsmöglichkeiten bei Mobbing;71
5.5;5 Mobbing und Whistleblowing;74
5.6;6 Mobbing, Whistleblowing und Zivilcourage;76
5.7;7 Literatur;78
6;V Bullying/Mobbing in der Schule: Ein Überblick über neuere Erkenntnisse zu Formen, Ursachen, Konsequenzen und Interventionen bei sozialer Aggression;84
6.1;1 Einleitung;86
6.2;2 Definition und Operationalisierung von Bullying/Mobbing durch Peers;87
6.3;3 Auftretenshäufigkeit von Bullying;88
6.4;4 Deskriptive Aspekte von Bullying: Unterschiedliche Formen, Geschlechts- und Alterseffekte;89
6.5;5 Merkmale der Opfer;91
6.6;6 Täter und Täterinnen;96
6.7;7 Die Mitschüler und Mitschülerinnen;98
6.8;8 Die Situation/die Umgebung;98
6.9;9 Konsequenzen von Bullying;99
6.10;10 Interventionen;99
6.11;11 Literatur;103
7;VI „aufgschaut“ Ein Projekt zur Förderung von Selbstbehauptung und Zivilcourage in der Grundschule;107
7.1;1 Kurzbeschreibung des Projektes „aufgschaut“;110
7.2;2 Methode;111
7.3;3 Konzeption als Multiplikatorentraining;111
7.4;4 Theoretische Fundierung der Hauptziele von „aufgschaut“;112
7.5;5 Die Themenbereiche, Leitsätze und Ziele von „aufgschaut“;114
7.6;6 Evaluationsstudien zum „aufgschaut“-Programm;118
7.7;7 Diskussion über die Zielgruppe des Programms;120
7.8;8 Vermittlung demokratischer und humanistischer Werte in der Grundschule;121
7.9;9 Praxisteil: Einige Bespielübungen aus dem „aufgschaut“-Programm;122
7.10;10 Literatur;135
8;VII „zammgrauft“ Ein Training von Anti-Gewalt bis Zivilcourage für Kinder und Jugendliche;137
8.1;1 Hintergrund und Kurzbeschreibung des „zammgrauft“-Trainings;140
8.2;2 Ziele des „zammgrauft“-Trainings;142
8.3;3 Hinweise zur Vorbereitung des „zammgrauft“-Trainings;143
8.4;4 Hinweise zur Durchführung des „zammgrauft“- Trainings;146
8.5;5 Aufbau und Ablauf des Anti-Gewalt- und Zivilcouragetrainings „zammgrauft“;150
8.6;6 Inhalt und Ablauf – 1. Tag;153
8.7;7 Inhalt und Ablauf – 2. Tag;167
8.8;8 Variationsmöglichkeiten des „zammgrauft“- Trainings;177
8.9;9 Hinweise zur weiteren Vertiefung der Themenbereiche Hilfeverhalten und Zivilcourage;185
8.10;10 Hinweise zur Nachbereitung des „zammgrauft“- Trainings;188
8.11;11 Besonderheiten und Evaluation des Projekts „zammgrauft“;189
8.12;12 Pilotphase der Evaluation der Ausbildung der Multiplikatoren;192
8.13;13 Ergebnisse der Evaluation in der Pilotphase der „zammgrauft“-Multiplikatorentrainings;195
8.14;14 Exemplarische Empfehlungen und Modi. kationen am Multiplikatorentraining;196
8.15;15 Evaluation der Modifikationen des Multiplikatorentrainings;197
8.16;16 Evaluation der Effekte des „zammgrauft“-Trainings bei Schülern und Jugendlichen;199
8.17;17 Evaluation der bayernweiten Multiplikatoren- Ausbildung;199
8.18;18 Ausblick;200
8.19;19 Literatur;202
9;VIII „Göttinger Zivilcourage-Impulstraining“;206
9.1;1 Entstehung und Ziele des Trainings;208
9.2;2 Adressaten des Trainings: Die potenziellen ZuschauerInnen von Gewalt und Bedrohung;209
9.3;3 Theoretische Grundlagen des Trainings;210
9.4;4 Inhalte des Göttinger Zivilcourage-Impulstrainings;214
9.5;5 Elemente des Trainings;220
9.6;6 Durchführung des Trainings;257
9.7;7 Wirkungen des Trainings – Evaluationsergebnisse;259
9.8;8 Literatur;261
10;IX „Kleine Schritte statt Heldentaten“ Ein Training zur Förderung von Zivilcourage gegen Fremdenfeindlichkeit;263
10.1;1 Einführung in das Kapitel;266
10.2;2 Theoretische Grundlagen des Zivilcourage- Trainings gegen Fremdenfeindlichkeit;267
10.3;3 Überblick über die Module und den Ablauf des Trainings;275
10.4;4 Anleitungen für die einzelnen Trainingsmodule;282
10.5;5 Empirische Evaluation des Zivilcourage-Trainings gegen Fremdenfeindlichkeit;318
10.6;6 Literatur;322
11;Anhang;324
11.1;Links zum Thema Zivilcourage;324
11.2;Anhang mit Materialien zum „Göttinger Zivilcourage-Impulstraining“ (Kapitel VIII);338
11.3;Ablauf (1);339
11.4;Ablauf (2);340
11.5;Ablauf (3);341
11.6;Ablauf (4);342
11.7;Ablauf (5);343
11.8;Göttinger Zivilcourage-Impulstraining;344
12;Anhang mit Materialien zu „Kleine Schritte statt Heldentaten“ (Kapitel IX);356
13;Mehr eBooks bei www.ciando.com;0


( S. 109)

Das im vorliegenden Beitrag vorgestellte Projekt steht in direktem Zusammenhang mit dem Projekt „zammgrauft", das in dem Beitrag von Frey al. in diesem Buch beschrieben wird. „zammgrauft" ist ein Gewaltpräventionsprogramm der Münchner Polizei für Jugendliche im Alter von ca. 12 bis 16 Jahren und wird seit Jahren erfolgreich in Schulen, Jugendeinrichtungen u.ä. umgesetzt.

Nach dieser positiven Entwicklung lag es nahe, ein ähnliches Programm auch für Grundschüler1 zu entwickeln. In Fortführung von „zammgrauft" erhielt es den ebenfalls bayerischen Namen „aufgschaut". Das langfristig angelegte und gut umsetzbare Programm fördert Grundschüler in Selbstbehauptung und Zivilcourage.

Es handelt sich dabei um ein Kooperationsprojekt zwischen dem Kommissariat 314 für Verhaltensprävention und Opferschutz vom Polizeipräsidium München und dem Lehrstuhl für Sozialpsychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die schon zuvor beschriebene gute Zusammenarbeit zwischen Polizeipräsidium und Universität wurde hierbei weiter intensiviert, insofern als bereits bei der Entwicklung des Programms eine Psychologin als wissenschaftliche Kraft mitarbeitete (Erstautorin dieses Beitrags).

Der vorliegende Beitrag beinhaltet die Beschreibung des Programms, die theoretische Herleitung der Programmziele und eine abschließende Diskussion. Erste empirische Erfahrungen und einige Beispielübungen geben darüber hinaus eine Vorstellung von dem Projekt „aufgschaut".

Eine effektive und früh ansetzende Gewaltprävention hat mehrere Ziele:

• Sensibilisierung der Kinder für Gewaltsituationen.

• Sensibilisierung der Kinder für Opfer von Gewaltsituationen.

• Stärkung der Persönlichkeit.

• Aufzeigen von sinnvollen Handlungsmöglichkeiten in Gewaltsituationen.

Das „aufgschaut"-Programm berücksichtigt dabei direkte Formen der Gewalt (physische und verbale Gewalt) sowie indirekte Formen der Gewalt (psychische bzw. soziale Gewalt, wie z. B. Ausgrenzung, Gerüchte verbreiten). Außerdem geht es um Mobbing, d.h. wiederholte Aggressionen gegenüber demselben Opfer. Darüber hinaus beschäftigt sich das Programm mit der sexuellen Gewalt, die sowohl im sozialen Nahbereich als auch in der Öffentlichkeit für Mädchen und Jungen eine Bedrohung darstellt.

Durch die Schulung der Aufmerksamkeit für Gewaltsituationen und Gewaltopfer wird auch die persönliche Verantwortung in solchen Situationen gefördert: Die Kinder lernen nicht nur, sich selbst angemessen zu behaupten, sondern sie lernen auch, sich verantwortlich für Konfl iktlösungen und für andere Menschen zu fühlen, z. B. indem sie sich für einen gemobbten Mitschüler einsetzen.

2 Methode
Das Programm richtet sich an Kinder in der Grundschule und besteht aus Rollenspielen und Übungen, die der Erlebniswelt und den Erfahrungen der Kinder in Schule und Alltag entsprechen. Jedem Spiel schließt sich eine Refl exionsrunde an, in der das Spiel besprochen wird und die Ziele des Spiels von den Kindern elaboriert werden.

Ähnliche Situationen aus der Klasse bzw. dem persönlichen Erleben der Kinder können in die Diskussion einbezogen werden. Dabei wird großer Wert auf die Erarbeitung von Situationslösungen und das sich daran anschließende tatsächliche Einüben von möglichen Handlungsalternativen gelegt. Durch diese Vorgehensweise werden die Kinder sicherer in der richtigen Einschätzung von Gewaltsituationen und erarbeiten sich ein Repertoire an sinnvollen Handlungsmöglichkeiten.

3 Konzeption als Multiplikatorentraining
Programme und Trainings, die darauf zielen, Einstellungen und Verhalten präventiv und/oder intervenierend zu verändern, werden nachweislich in ihrer Wirksamkeit erhöht, wenn sie langfristig angelegt sind, auf verschiedenen Ebenen ansetzen und allgemeine soziale Unterstützung erfahren.



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