E-Book, Deutsch, Band 2219, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Borsch Perry Rhodan 2219: Rorkhete
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-2218-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Der Sternenozean"
E-Book, Deutsch, Band 2219, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2218-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
FRANK BORSCH Seit über einem Dutzend Jahren gehört Frank Borsch zu dem Kreativ-Team, das die größte Science-Fiction-Serie der Welt publiziert: Sowohl als Redakteur wie auch als Autor war und ist er für PERRY RHODAN tätig. Bereits 1998 gab der Autor sein Debüt in der PERRY RHODAN-Schwesterserie ATLAN, von Februar 2001 bis November 2007 verstärkte er als Redakteur das PERRY RHODAN-Team in Rastatt. Seit März 2004 gehört er dem festen Autorenstamm von PERRY RHODAN an. Der Serie ist Frank Borsch bereits seit seiner Kindheit verbunden: Im Alter von zehn Jahren entdeckte er PERRY RHODAN bei einer Bekannten seiner Mutter. 1977 stieg er als regelmäßiger Leser in die vierte Romanauflage ein und ließ sich für die nächsten zehn Jahre von den Weiten des Kosmos verzaubern. Dabei begeisterte er sich im besonderen für die Romane des PERRY RHODAN-Autors William Voltz, vor allem wegen seiner vielschichtigen Charaktere. Es dauerte nicht lange, bis die Begeisterung des Teenagers auf andere Science Fiction übergriff. Auch heute noch schätzt er Autoren wie Alfred Bester, Philip K. Dick und Ursula LeGuin. Den 1966 in Pforzheim geborenen Frank Borsch verschlug es nach seinem Zivildienst für zehn Monate in den Nahen Osten und nach Asien. Er studierte bis 1996 Englisch und Geschichte in Freiburg, wo er heute auch lebt. In dieser Zeit arbeitete er in verschiedenen Bereichen: als Wäschereifahrer, Paketpacker am Fließband und Pflegehelfer. Zudem wirkte er an der Erstellung eines Umwelthandbuchs für Osteuropa mit und war Webmaster an der Universität. Der Höhepunkt seines Studiums war sicherlich sein Aufenthalt in Belfast, wo er von 1991 bis 1992 irische Kinder in Deutsch unterrichtete. 'Das größte Abenteuer waren nicht irgendwelche Terroristen oder Bomben, sondern die irischen WG-Genossen', fasst er diese Zeit zusammen. Im Dezember 1996 nahm er an einem der von PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick geleiteten Science-Fiction-Seminare der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel teil - mit unerwarteten Folgen. Wolfgang Jeschke, Fricks Co-Dozent und Cheflektor des Heyne-Verlags im Bereich Science Fiction, engagierte Borsch vom Fleck weg als Übersetzer. Für Borsch war es der Startschuss ins Abenteuer Selbständigkeit. Für Heyne übersetzte er ein knappes Dutzend Romane, für Marvel Deutschland zahlreiche Comics. Die verbleibende Zeit nutzte er für das Schreiben von Romanen und Kurzgeschichten sowie jahrelang als Journalist mit Spezialgebiet Internet. Sein Interesse an der Science Fiction ist in dieser Zeit nie erlahmt - im Gegenteil: 'Wir leben ja schon längst in einer Science-Fiction-Welt. Es merkt nur kaum einer.' In den Jahren 2006 bis 2008 erschien im Heyne-Verlag seine Trilogie 'Alien Earth' - ein Porträt unserer Welt in fünfzig Jahren. 'Alien Earth' wurde für den renommierten Kurd-Lasswitz-Preis nominiert, das Theaterhaus Jena inszenierte den ersten Teil der Trilogie als Theaterstück. Nachdem er den Jubiläumsband 2500 verfasst hat, widmet Frank Borsch sich wieder verstärkt der PERRY RHODAN-Serie. Daneben bleibt sogar noch Zeit für andere Projekte wie das Schreibcamp, eine Autorenwerkstatt, die er zusammen mit seinem Kollegen Michael Marcus Thurner gegründet hat.
Autoren/Hrsg.
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1.
Du suchst das Meer.
Immer wieder verharrst du und lauschst in den Wald, der das Crythumo und das angrenzende Landefeld umgibt. Das Rascheln der Blätter, die der Abendwind aufwühlt, erinnert dich an das Rauschen der Wellen. Die Luft hat einen würzigen, salzigen Geruch.
Du weißt, dass der Geruch von der Küste herübergetragen wird, und er erfüllt dich mit einer tiefen Sehnsucht.
Manchmal, in den langen Jahren deiner einsamen Wanderungen über Baikhal Cain und andere Welten hast du dir vorgestellt, wie es wäre, wenn du dein Trike auf das Meer lenken und immer weiter hinausfahren würdest, der Sonne entgegen. Die Triebwerke hätten dich über dem Wasser gehalten. Ob das Trike auch den Wellen die Stirn hätte bieten können? Du hast nie den Mut besessen, es auszuprobieren. Oder war deine Verzweiflung noch nicht groß genug gewesen?
Du marschierst nach Südwesten, dem Meer entgegen. Dein Verstand sagt dir, dass es ein sinnloses Unterfangen ist. Dein Trike ist auf Baikhal Cain zurückgeblieben. Du müsstest die halbe Nacht marschieren, um an die Küste zu gelangen. Der Wald ist dicht, erlaubt nur ein mühsames Vorankommen.
Doch dir ist gleich, was dein Verstand dir zuflüstert. Es war nicht die Vernunft, die dich in den Wald getrieben hat.
Wieder horchst du in den Wald. Die Dunkelheit senkt sich über das dichte Gewirr von Bäumen und Sträuchern. Eine unheimlich anmutende Stille ist eingezogen. Es ist die Stille des Übergangs: Die tagaktiven Bewohner des Waldes haben sich in ihre Verstecke und Baue zurückgezogen, die nachtaktiven trauen sich noch nicht aus den ihren heraus.
Der Wald gehört dir. Du ...
Ein Knacken.
Du wendest den Kopf in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen ist, liest die Orteranzeige deines Helms ab. Nichts. Nur eine reife Frucht, die von einem Baum gefallen ist.
Du bist erleichtert. Du willst allein sein. Du kannst keine neugierigen Zuschauer brauchen. Sie würden dich nur mit ihren Fragen quälen.
Dessen, wenigstens dessen, bist du dir sicher. Die Fremden, die von jenseits des Sternenozeans gekommen sind, sind sehr neugierig. Perry Rhodan und Atlan sind besondere Wesen, auch wenn sie die Prüfung, deren du sie unterzogen hast, nicht bestanden haben.
Rhodan und Atlan, sie würden niemals aufgeben. Ihr Wissensdurst ist grenzenlos. Du bewunderst sie dafür. Und fürchtest sie, auch wenn du die Furcht vor dir selbst zu verbergen suchst. Was, wenn ihnen gelingt, woran du gescheitert bist? Woran dein Vater, dessen Vater und alle Väter vor ihnen gescheitert sind?
Was wird dann aus dir, Rorkhete? Ist dann der Moment für dich gekommen, auf das Meer hinauszufahren und dich in die aufgehende Sonne zu stürzen?
Du schüttelst den Gedanken ab. Rhodan und Atlan besitzen einen unbeugsamen Willen, aber im Wald sind sie tapsig und unbeholfen. Sie könnten dir niemals unbemerkt folgen. Nicht so wie Zephyda, die Motana. Sie kann sich sogar in diesem für sie fremden Wald sehr gut bewegen.
Zephyda könnte in diesem Augenblick neben dir stehen, ohne dass du sie bemerken würdest, doch sie ist mit Rhodan und den übrigen Motana im Schiff geblieben, um passendes Werkzeug zu finden. Gelingt es ihnen nicht, bevor der Morgen graut, werden die Motana, die die SHALAVDRA mit der Kraft ihres Geistes hierher befördert haben, sterben. Die Schlüsselkammer, die die Sklavenringe zurücksetzt, ist defekt. Ein Zufall wahrscheinlich, aber auch eine Sicherheitsvorkehrung Raphid-Kybb-Karters, des ehemaligen Gouverneurs von Baikhal Cain, ist denkbar. Ihr könnt Karter nicht mehr befragen. Er ist tot.
Du setzt deinen Weg fort.
Bald keuchst du vor Anstrengung. Das Unterholz ist dicht. Deine Bewegungen sind automatisch, wie die einer Maschine. Du zwingst deine Gedanken weg von Perry Rhodan und Atlan und Zephyda und den übrigen Motana, unterdrückst den Neid, der in dir aufsteigt – sie sind nicht einsam –, und konzentrierst dich auf die Signale, die dein Helm auffängt.
Sie sind kaum wahrnehmbar. Es gleicht einem Wunder, dass du sie überhaupt empfangen kannst. Sie müssen stark sein wie nie zuvor.
Du gelangst an eine Lichtung und siehst hinauf zu den Sternen. Die Nacht ist klar, Ash Irthumo besitzt keinen Mond, der die Sterne mit seinem Lichtschein überdecken würde. Die Gesamtheit des Sternenozeans breitet sich vor dir aus. Du streckst die Hand aus, als könntest du nach ihm greifen. Deine Finger finden den geflügelten Helm, setzen ihn neben dir auf dem Laub ab.
Als Nächstes legst du die Weste ab. Die Kälte schneidet durch dein dünnes Hemd. Du nimmst sie kaum wahr. Deine Aufmerksamkeit gilt anderen Dingen.
Was jetzt folgt, tust du, ohne den Blick vom Himmel abzuwenden. Dein Vater hat dich die Bewegungen gelehrt, noch bevor du sprechen konntest. Deine Finger betätigen die versteckten Öffnungsmechanismen in den Rippen deiner Jacke. Ein Dutzend Mal wiederholt sich der Vorgang, dann hast du alle Teile des Gestänges beisammen. Du setzt es zusammen – jedes Teil hat seinen Platz, markiert durch Einkerbungen im Metall – und setzt den Helm auf die Spitze des Gebildes.
Das Veedum ist komplett.
Ein rosafarbener Schimmer dringt unter dem Helm hervor, stärker, als du ihn je beobachtet hast. Der Schimmer pulsiert, blendet dich den einen Moment, um im nächsten nahezu zu verlöschen.
Es ist das Netz von Shoz, der Welt deiner Ahnen, das das Licht pulsieren lässt. Dein Helm streckt seine Fühler nach dem Netz aus, versucht sich einzuklinken. Die Kühle des Abends ist vergessen. Schweiß treibt dir aus allen Poren, legt sich als feuchtwarmer Film auf deine Haut. Dampf steigt aus dem Kragen deines Hemds auf, den Sternen entgegen.
Shoz ist in der Nähe. Deine Heimat muss sich im selben System wie Ash Irthumo befinden!
Heimat? Du hast Shoz noch nie betreten, kennst den Planeten nur aus den Erzählungen deiner Eltern – und manchmal weißt du selbst nicht mehr, wie viel von dem, an das du dich erinnerst, dir tatsächlich erzählt wurde und wie viel deine Phantasie in den Jahren deiner Wanderschaft dazuerfunden hat.
Plötzlich zitterst du. Deine Heimat ist zum Greifen nahe. Aber wird sie sich, solltest du sie betreten, mit der Welt deiner Träume messen können?
Du setzt den Helm wieder auf. Als du das Veedum abbaust, fallen dir immer wieder Teile des Gestänges aus den nervösen Fingern.
Du musst zum Crythumo. In der gefallenen Festung der Kybb-Cranar findest du vielleicht Informationen zum Ash-System, über seine Welten – und darüber, ob eine davon sich in letzter Zeit Ash Irthumo auffallend genähert hat. Diese Welt muss Shoz sein.
Später, viel später, als die ersten Lichter der Siedlung vor dir aus dem Dunkel treten, fällt dir auf, dass du keinen Gedanken mehr an das Meer verschwendet hast.
Es kann warten. Du hast eine neue Sehnsucht gefunden.
*
18 Motana hatten sich in dem Lagerraum der SHALAVDRA eingefunden.
18 übermüdete, ausgezehrte Gestalten, die sich nur mit Mühe aufrecht halten konnten.
18 Überlebende aus einer Gruppe von mehreren Tausenden, die von den Kybb-Cranar auf Baikhal Cain zusammengetrieben worden waren. Was Zephyda sah, waren die mit Glück Gesegneten, trotz der Furcht, die in ihren Augen flackerte und die selbst jetzt, da der oberste Peiniger sein Leben gelassen hatte, nur zögerlich Anstalten machte, zu erlöschen.
Die Überlebenden hatten sich in einer Schlange vor Atlan aufgestellt, der ein Werkzeug in der Hand hielt, das auf den ersten Blick einem Strahler ähnelte. Doch nicht den Tod sollte es versprühen, sondern das Leben. Es enthielt den Öffnungskode für die Krin Varidh, die Giftkragen, mit deren Hilfe die Kybb-Cranar die Motana versklavten.
Nur, niemand wusste, welchen Kode das Werkzeug, das sie im Quartier ihres toten Peinigers gefunden hatten, ausstrahlen würde. Es konnte ebenso der Befehl zu einer tödlichen Injektion sein.
»Wer will den Anfang machen?«, fragte Atlan. Seine Stimme war ruhig wie stets. Zephyda hatte in den letzten Wochen, in denen sie fast jede Minute mit Atlan verbracht hatte, niemals gehört, wie er die Stimme unnötig angehoben hätte.
»Ich!«, antwortete eine Frauenstimme. Sie gehörte Aicha, einer schmächtigen Motana, die kaum die Halbwüchsigkeit hinter sich gelassen hatte. Aicha, hatte Zephyda erfahren, war eine Epha-Motana. Sie hatte das Schiff kraft ihres Geistes von Baikhal Cain nach Ash Irthumo gesteuert.
Ohne Aicha besäßen sie kein Schiff, wären sie auf dieser Welt gestrandet. Sie alle waren ihr zu Dank verpflichtet. Eigentlich.
»Gut«, sagte Atlan. Er hielt den Lauf des Kodegebers gegen den Krin Varidh und drückte das Sensorfeld. Einen Moment lang flammte Licht auf, legte sich wie eine elektrische Entladung um den Sklavenring. Aichas Augen verdrehten sich. Dann öffnete sich der Verschluss. Der Krin Varidh polterte auf den Metallboden.
Die wartenden Motana stimmten einen Jubelgesang an. Aicha sah Atlan an, als wollte sie ihm um den Hals fallen.
Genug!
Mit drei kurzen Schritten war Zephyda bei Atlan und küsste ihn. Lange.
Als die ehemalige Wegweiserin wieder von ihm abließ, holte Atlan tief Luft und fragte: »Und wie habe ich das verdient?«
»Ach, nur so.« Sie nahm Aichas Arm. »Komm, du wolltest mir doch die Epha-Matrix erklären?«
Zephyda zog die junge Motana aus dem Laderaum. Verblüffte Blicke folgten ihr – insbesondere von Aichas Bruder Gorlin –, aber das kümmerte Zephyda nicht.
Wahrscheinlich sah sie Gespenster. Wahrscheinlich himmelte Aicha Atlan lediglich mit der Unschuld an, die eine Halbwüchsige ihrem Retter entgegenbringen musste....




