E-Book, Deutsch, Band 2585, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Borsch Perry Rhodan 2585: Der Tanz der Vatrox
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8453-2584-2
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Stardust"
E-Book, Deutsch, Band 2585, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2584-2
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
FRANK BORSCH Seit über einem Dutzend Jahren gehört Frank Borsch zu dem Kreativ-Team, das die größte Science-Fiction-Serie der Welt publiziert: Sowohl als Redakteur wie auch als Autor war und ist er für PERRY RHODAN tätig. Bereits 1998 gab der Autor sein Debüt in der PERRY RHODAN-Schwesterserie ATLAN, von Februar 2001 bis November 2007 verstärkte er als Redakteur das PERRY RHODAN-Team in Rastatt. Seit März 2004 gehört er dem festen Autorenstamm von PERRY RHODAN an. Der Serie ist Frank Borsch bereits seit seiner Kindheit verbunden: Im Alter von zehn Jahren entdeckte er PERRY RHODAN bei einer Bekannten seiner Mutter. 1977 stieg er als regelmäßiger Leser in die vierte Romanauflage ein und ließ sich für die nächsten zehn Jahre von den Weiten des Kosmos verzaubern. Dabei begeisterte er sich im besonderen für die Romane des PERRY RHODAN-Autors William Voltz, vor allem wegen seiner vielschichtigen Charaktere. Es dauerte nicht lange, bis die Begeisterung des Teenagers auf andere Science Fiction übergriff. Auch heute noch schätzt er Autoren wie Alfred Bester, Philip K. Dick und Ursula LeGuin. Den 1966 in Pforzheim geborenen Frank Borsch verschlug es nach seinem Zivildienst für zehn Monate in den Nahen Osten und nach Asien. Er studierte bis 1996 Englisch und Geschichte in Freiburg, wo er heute auch lebt. In dieser Zeit arbeitete er in verschiedenen Bereichen: als Wäschereifahrer, Paketpacker am Fließband und Pflegehelfer. Zudem wirkte er an der Erstellung eines Umwelthandbuchs für Osteuropa mit und war Webmaster an der Universität. Der Höhepunkt seines Studiums war sicherlich sein Aufenthalt in Belfast, wo er von 1991 bis 1992 irische Kinder in Deutsch unterrichtete. 'Das größte Abenteuer waren nicht irgendwelche Terroristen oder Bomben, sondern die irischen WG-Genossen', fasst er diese Zeit zusammen. Im Dezember 1996 nahm er an einem der von PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick geleiteten Science-Fiction-Seminare der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel teil - mit unerwarteten Folgen. Wolfgang Jeschke, Fricks Co-Dozent und Cheflektor des Heyne-Verlags im Bereich Science Fiction, engagierte Borsch vom Fleck weg als Übersetzer. Für Borsch war es der Startschuss ins Abenteuer Selbständigkeit. Für Heyne übersetzte er ein knappes Dutzend Romane, für Marvel Deutschland zahlreiche Comics. Die verbleibende Zeit nutzte er für das Schreiben von Romanen und Kurzgeschichten sowie jahrelang als Journalist mit Spezialgebiet Internet. Sein Interesse an der Science Fiction ist in dieser Zeit nie erlahmt - im Gegenteil: 'Wir leben ja schon längst in einer Science-Fiction-Welt. Es merkt nur kaum einer.' In den Jahren 2006 bis 2008 erschien im Heyne-Verlag seine Trilogie 'Alien Earth' - ein Porträt unserer Welt in fünfzig Jahren. 'Alien Earth' wurde für den renommierten Kurd-Lasswitz-Preis nominiert, das Theaterhaus Jena inszenierte den ersten Teil der Trilogie als Theaterstück. Nachdem er den Jubiläumsband 2500 verfasst hat, widmet Frank Borsch sich wieder verstärkt der PERRY RHODAN-Serie. Daneben bleibt sogar noch Zeit für andere Projekte wie das Schreibcamp, eine Autorenwerkstatt, die er zusammen mit seinem Kollegen Michael Marcus Thurner gegründet hat.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
Galaxis Bra-Nok-Zo,
9,79 Millionen Jahre zuvor
»Was ist los, Lough? Was soll ich hier unten?«
Der Sand Voidurs knirschte unter Frequenzanwärter Vastrears Sohlen, als er aus der Schleuse des Schlachtlichts trat.
»Ich will dir etwas zeigen«, antwortete die Ordonnanz.
»Hier?« Vastrear drehte sich langsam auf dem Absatz. Das Landefeld des Raumhafens war eben, der Beton schimmerte grünlich im Licht der Sonne. Die Fläche war verlassen. »Ich sehe nicht, was es hier zu sehen geben könnte. Und selbst wenn, wieso holst du mich aus der Zentrale? Wozu gibt es Kameras?«
»Du würdest den Bildern nicht trauen.«
»Du hast es nicht versucht. Außerdem ist dein Bericht überfällig.«
»Den werde ich dir auf der Fahrt geben.« Die Ordonnanz klopfte mit der flachen Hand gegen den Rumpf des Bodenfahrzeugs, an das sie sich lehnte. Lässig. Beinahe herausfordernd. Und unpassend zu seiner Erscheinung.
»Schrumpf-Vatrox« hatten die Frequenzanwärter auf der Akademie sie abfällig genannt. Die Ordonnanzen sahen aus, als hätte man einen Vatrox genommen, ihn ausgetrocknet, bis der letzte Tropfen Wasser aus ihm geschwunden und er auf die Größe eines Kleinkinds geschrumpft war. Anschließend schien man ihn in ein Säurebecken gelegt zu haben, das ihn zwar wieder wässerte, aber dafür die Farbe seines Körpers ausgeblichen hatte, bis sie beinahe durchsichtig wurde.
Es war ein Scherz gewesen, ein Ausdruck des Unbehagens der jungen Vatrox mit den Begleitern, die man ihnen zugeteilt hatte, doch nicht so weit von der Wahrheit entfernt, wie man hätte vermuten sollen.
»Wohin fahren wir?«, fragte Vastrear.
»Das wirst du auf der Fahrt sehen.«
Eine unmögliche Antwort. Er, Frequenzanwärter Vastrear, war der Herr. Lough, die Ordonnanz, war sein Diener. Auch wenn dem Jungspund Vastrear die Erfahrung fehlte, wie Lough nicht müde wurde zu betonen.
Darauf kannst du lange warten!, wollte der Vatrox versetzen, aber seine Induktivzelle hielt ihn zurück.
Steig ein!, riet ihm der Freund, der in seinen Gedanken wohnte und ihn niemals im Stich ließ. Etwas stimmt hier nicht. Und Lough hat die Erfahrung, die dir noch fehlt.
Aber er ist anmaßend!, protestierte Vastrear. Er missachtet mich!
Ja. Aber das wird nicht von Dauer sein. Du wirst Gelegenheit bekommen, ihn in seine Schranken zu weisen.
Vastrear gab sich einen Ruck, überwand seinen Trotz. »In Ordnung. Fahren wir.«
Der Vatrox stieg ein. Das Fahrzeug war ein einfacher Bodengleiter. Zivilversion. Keine Bewaffnung, und sein Prallschirm hielt nur festen Objekten stand. Voidular-Strahler würden ihn durchschlagen.
Die Ordonnanz schien es nicht zu kümmern.
Vastrear beschloss, dass es ihn ebenfalls nicht kümmerte.
Lough fuhr an. Das Fahrzeug glitt über das Landefeld, der Stadt der Voidular entgegen, die sich am Horizont abzeichnete. In ihrer Spur stieg eine Schleppe aufgewirbelten Staubs in den Himmel, was auch dem begriffsstutzigsten Voidular ihre Annäherung unmissverständlich mitteilen würde.
Wäre Vastrear in einem der Simulations-Manöver auf der Akademie derart fahrlässig vorgegangen, man hätte ihn ausgeschlossen.
»Dein Bericht?«, verlangte Vastrear.
»Das Voidur-System ist in unserer Hand. Die Flotte der Voidular ist vor unserem Verband geflohen, ohne sich zu widersetzen. Wir haben keine Verluste.«
»Gut.« Und Vastrear bereits bekannt. Wieso also diese Fahrt? Ihre Aufgabe war doch erledigt. Das hieß: beinahe. »Wo ist ihr Anführer? Fahren wir zu ihm?«
»Nicht direkt.«
»Was soll das heißen? Wie …«
»Sieh dich um!«
Vastrear tat, wie die Ordonnanz ihm befahl, und ärgerte sich gleichzeitig darüber. Wer gab hier die Befehle?
Sie hatten ungefähr den halben Weg zur Stadt zurückgelegt. Ihre Silhouette war wenig beeindruckend, eine Ansammlung niedriger Kuppeln. Das Landefeld selbst war leer. Bis auf die KAPHSURN, das Flaggschiff des Verbands, der Vastrears erstes Kommando darstellte, und einen Voidular-Raumer, der einsam auf dem Beton verrottete. Er war ein Wrack, ein ausgeschlachtetes Gerippe.
Das war alles. Auf einem Landefeld, ausgelegt für Hunderte von Schiffen.
»Die Führung der Voidular hat sich abgesetzt?«, riet Vastrear.
»Möglich«, antwortete Lough, ohne den Frequenzanwärter anzusehen. »Wahrscheinlich. Es scheint eine Konstante des Universums zu sein, dass sich die Oberen als Erste aus dem Staub machen, wenn ein Schiff sinkt.«
»Und wenn! Die Anführer der Voidular haben sich mit ihrer Flucht selbst diskreditiert. Wir finden neue Anführer und verhandeln mit ihnen. Sie werden einsichtig sein.«
»Das übliche Verfahren.«
»Ja. Was soll daran falsch sein?«
»Es geht hier nicht.«
»Wieso?«
»Das eben will ich dir zeigen.«
Der Gleiter ließ das Landefeld hinter sich, drang in die Ausläufer der Voidular-Stadt ein. Die Kuppeln erwiesen sich aus der Nähe als Ansammlungen von Hügeln. Lehm, vermutete Vastrear. Mit Wasser vermengter Sand, in diesem merkwürdig fahlen, aber doch starken grünen Sonnenschein gebacken und zusammengefügt.
Über die Hügel verteilt waren Löcher. Ihre Anordnung folgte keinem offensichtlichen Prinzip, keiner Planung. Gemeinsam hatten sie nur ihren geringen Umfang. Lough hätte wohl in eines kriechen können. Was sich selbst anging, hatte Vastrear Zweifel. Die Löcher – Fenster? Zugänge? Oder beides in einem? – lagen teilweise in beträchtlicher Höhe. Vastrear konnte weder Treppen noch Leitern noch andere Vorrichtungen erkennen, die dazu gedient hätten, die Öffnungen zu erreichen.
Antigravvorichtungen? Möglich, aber unwahrscheinlich. Den Voidular war ein gewisser Stand der Technik nicht abzustreiten, aber er ließ sich in keiner Weise mit dem der Frequenz-Monarchie messen.
Die Lösung mochte ganz einfach sein: Die Voidular mussten aus eigener Kraft an die Öffnungen gelangen. Es wäre Vastrear ein Leichtes gewesen, seine Vermutung zu überprüfen, wenn er endlich einen Voidular zu Gesicht bekäme … aber das geschah nicht. Die Stadt war ebenso verlassen wie das Landefeld.
»Sie haben sich verkrochen«, stellte der Vatrox fest.
»So ist es«, bestätigte Lough.
»Dann holen wir sie eben aus ihren Löchern.«
»Das haben wir bereits versucht. Die Voidular bringen sich um, sobald sie einen Darturka sehen. Wie, können wir bislang nicht sagen, aber wir vermuten, dass sie ihr Leben willentlich beenden können.«
»Wozu sollte das gut sein?«
Lough gab keine Antwort. Die Ordonnanz steuerte den Gleiter tiefer in die Hügel-Stadt. Nirgends war eine Bewegung auszumachen.
Vastrear dachte nach. Was jetzt? Voidular gehörte ihnen. Sie konnten damit anstellen, was sie wollten. Nur: Deshalb waren sie nicht hier. Sie waren weder als Eroberer noch als Zerstörer gekommen. Sie hatten kein Interesse an Voidur selbst, die Frequenz-Monarchie brauchte die Voidular. Was aber, wenn ein Volk sich dem Kontakt verwehrte?
Lough hielt auf einem großen Platz an. Mehrere miteinander verbundene Hügel säumten seinen Rand; die größten, die Vastrear bisher gesehen hatte. Ein Verwaltungszentrum, vielleicht sogar der Regierungssitz. Er würde ebenso verlassen sein wie der Rest der Stadt.
Lass dich nicht beirren!, meldete sich Vastrears Gedankenfreund. Du musst die Voidular eben zu ihrem Glück zwingen!
Wie das, wenn ich nicht einmal einen einzigen zu Augen bekomme?
Nur weil wir die Voidular nicht sehen, heißt das nicht, dass sie uns nicht sehen.
Und?
Zwing sie aus ihren Verstecken. Stell ihnen ein Ultimatum. Gib ihnen einen Tag, sich zu zeigen. Weigern sie sich, vernichte den äußersten Planeten des Systems. Weigern sie sich weiter, den zweitäußersten … und so weiter.
Aber … aber das wäre Mord!
Dazu wird es nicht kommen. Die Voidular werden nachgeben, du wirst sehen.
Und wenn nicht?
Wirst du tun, was du tun musst. Andere Völker werden genau registrieren, was geschieht. Sie werden einsichtiger sein als die Voidular. Auf lange Sicht wirst du damit unzählige Leben retten.
Vastrear vertraute seinem Gedankenfreund. Sein Urteil war so sicher wie das Loughs, aber die Induktivzelle war nie anmaßend zu ihm wie die Ordonnanz. Ja, ein Ultimatum war die Lösung. Die einzige Lösung. Er durfte sich nicht von kleinlichen moralischen Erwägungen in seiner Entscheidungsfreiheit einschränken lassen. Die Flotte setzte große Erwartungen in ihn, Vastrear. Er durfte sie nicht enttäuschen.
»Lough?«
»Ja?«
»Wir stellen den Voidular ein Ultimatum. Sie haben einen Tag, sich zu zeigen, dann …«
Eine Stimme unterbrach ihn. »Ich glaube, das wird nicht nötig sein.«
Sie gehörte nicht der Ordonnanz.
Vastrear fuhr herum und sah zum ersten Mal Equarma Inalter.
*
Sie war eine Vatrox.
Sie leuchtete.
Die Frau trug einen Overall. Er lag eng an wie eine zweite Haut. Und er war durchsichtig wie die Haut der Ordonnanz. Doch die Haut der Frau war tiefschwarz.
Sie glänzte.
Über die Haut zogen sich Muster. Die Wirbel leuchteten sanft, wie die fernen Sterneninseln, die Vastrear manchmal vom Observatorium der KAPHSURN aus betrachtete und sich ausmalte, welche wundersamen Lebewesen sie wohl bevölkern mochten.
»Wer bist du?« Lough brüllte es.
Mit einem Satz war er zwischen Vastrear und der Frau, versperrte ihr den Weg zu...




