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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 230 Seiten
Bosse Öömrang - der etwas andere Inselkrimi mit Androiden
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-492-98784-4
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Amrum-Krimi
E-Book, Deutsch, 230 Seiten
ISBN: 978-3-492-98784-4
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mit 35 Jahren entschied sich Jan Bosse den Playstation Controller an den Nagel zu hängen und gegen seinen alten Schulfüller auszutauschen. Seitdem schreibt er sich vom Agententhriller bis zum Zombie Roman quer durch alle Genres und berichtet als @bosseschreibt auf Instagram über den aktuellen Stand seiner Autorenlaufbahn.
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Kapitel 1
Die Luft roch salzig mit einem Hauch von Seetang und in der abendlichen Sonne von Amrum standen zwei steife Gestalten an der Bushaltestelle des örtlichen Fähranlegers.
»Kann man das fassen? Diese verrückten Insulaner. Ich glaube, ich musste seit zehn Jahren nicht mehr auf ein Auto warten«, sagte Paul zu Daneel.
Daneel schaute Paul aus leeren Augen an. Er war bereits an das konstante Gezeter seines menschlichen Kollegen gewöhnt. Daneel hatte ein perfekt symmetrisches Gesicht, kurzes braunes Haar und trug ein blaues Sakko mit farblich passender Krawatte. Auf den ersten Blick konnte man nicht erkennen, dass es sich um einen Androiden handelte. Es war der Mangel an Fehlern, der einen erst bei genauem Hinsehen stutzig werden ließ.
Ganz im Gegenteil zu meinem Gesicht, dachte Paul. Das spitz zulaufende Kinn, die etwas zu nah zusammenstehenden Augen und seine leicht gebogene Nase umrahmten den kleinen Mund mit den – für seinen Geschmack – zu schmalen Lippen. Graue Strähnen durchzogen sein mittellanges braunes Haar. Seit Avas Tod waren es mehr geworden, viel mehr als für sein Alter eigentlich üblich. Niemand würde auch nur auf die Idee kommen, er hätte zu wenig Fehler für einen Menschen.
»Weißt du was?«, setzte Paul fort, »Ich denke, ich mag diesen Fall von Sekunde zu Sekunde weniger. Ich will zurück aufs Festland, zurück zu Avas Fall.«
Der Wind zerrte an Pauls langem braunem Mantel. Er hatte sich auf die frische Luft der Insel vorbereitet, doch hier am Hafen, direkt am Meer, bot ihm selbst der dicke Mantel nicht genügend Schutz. Die trostlose Fähre, mit der sie vom Festland übergesetzt waren, hatte inzwischen längst wieder abgelegt; die wenigen anderen Passagiere, die mit ihnen angereist waren, hatten sich gleich nach der Ankunft entfernt. Im Fährhaus zu ihrer Linken war es dunkel. Das Rauschen des Meeres wurde nur vom Kreischen einiger Möwen unterbrochen – die einzigen Geräusche um sie herum. Auf den Wegen am Strand waren keine Spaziergänger unterwegs.
Paul schaute auf die leere Straße dieser gottverlassenen Insel und hoffte, dass Magnus, ihr Ansprechpartner der örtlichen Polizei, endlich erscheinen würde. Er hatte versprochen, sie am Hafen abzuholen. Paul hatte ihm mitgeteilt, dass das nicht nötig sei, er würde stattdessen ein AutoCab zur Ferienwohnung nehmen. Aber Magnus hatte, zu Pauls Unmut, erwidert, dass es so etwas auf der Insel nicht gäbe. Keine automatisierten Taxis, keine Flugtaxis, nicht einmal einen fahrerlosen Bus hatte die Insel.
»Kannst du mir ein Update über den Fall geben? Was hat die Untersuchung des Tatorts ergeben?«, fragte Paul seinen Begleiter in der Hoffnung, die unnütze Wartezeit sinnvoll zu überbrücken.
»Ich habe mich schon mit der Kriminalakte verbunden, aber es sieht so aus, als gäbe es keine neuen Einträge, seit wir losgefahren sind«, antwortete Daneel.
»Was meinst du mit ›keine neuen Einträge‹?«, hakte Paul verwundert nach. »Hat die Ermittlung am Tatort nichts ergeben? Haben die Kollegen vor Ort nur geschlafen?«
»Zum Schlafverhalten der örtlichen Kollegen kann ich mich nicht äußern, aber ich kann sagen, dass seit der Aufnahme des Mordes in die elektronische Kriminalakte kein weiterer Eintrag hinzugekommen ist.«
Oh, diese Präzision! Zu Beginn ihrer Zusammenarbeit hatte die Kleinkariertheit seines neuen Kollegen Paul noch entsetzlich genervt. Daneel nahm die Dinge wörtlich. Er hatte keine andere Wahl. Inzwischen hatte Paul seine Genauigkeit schätzen gelernt. Sie half ihm dabei, nichts zu übersehen, auch nicht die kleinen Dinge. Wörter haben eine Bedeutung, und vor allem dann, wenn man in einem Mordfall ermittelt.
Immerhin besteht ein entscheidender Unterschied zwischen »wo waren Sie in den letzten zwei Wochen« und »wo waren Sie in der Nacht vom 6. auf den 7. August um 23.15 Uhr?«.
Während Paul noch über das Für und Wider kriminalpolizeilicher Präzision sinnierte, kam ein Auto auf den Vorplatz des Anlegers gefahren. Es war ein alter Volkswagen ID 3, der Lack am Spoiler schon leicht abgeplatzt. Eines dieser Autos, bei denen der Fahrer noch selbst lenken musste. Kein Wunder, dass Magnus so lange gebraucht hatte.
Der Wagen hielt mit quietschenden Bremsen direkt neben ihnen an der Bushaltestelle. Magnus stieg aus und kam ihnen mit schwankenden Schritten entgegen. Er hatte ein rundes Gesicht, die Nase saß leicht fehlplatziert ein wenig neben der Mitte, und die Augen lagen in unterschiedlicher Entfernung zur Stirn, leicht versetzt voneinander. Seine Uniform war zerknittert, und buschiges braunes Haar lugte unter der schräg sitzenden Polizeimütze hervor.
Er begrüßte Paul mit einem kräftigen Handschlag; obwohl er versuchte, dabei die Distanz zu wahren, kam Paul nicht umhin, den Geruch von Alkohol in seinem Atem zu erkennen.
»Moin«, sagte Magnus.
»Hast du getrunken?«, fragte Paul sichtlich irritiert.
»Ach, bluat en letj Biir, snaake wi ei faan«, sagte Magnus.
»Bitte, was?«, erwiderte Paul.
»’Tschuldigung, ’tschuldigung«, Magnus winkte ab.
»Das Fahren kann Daneel übernehmen«, schlug Paul vor. »So können wir uns über den Fall unterhalten und sparen Zeit.«
»Tidj?« sagte Magnus, »Diarfaan haa wi heer nooch!«
»Ich will ja nicht unhöflich sein, aber könnten wir bitte deutsch miteinander sprechen?« mahnte Paul ärgerlich an. Seine mangelhaften Friesisch-Kenntnisse ließen ihn nur die Hälfte verstehen.
»Ja«, kam die Antwort mit der tiefen Stimme von Magnus. Zumindest das konnte Paul verstehen.
Währenddessen hatte Daneel, unberührt von der Unterhaltung, bereits die Taschen im Kofferraum verstaut und sich selbst auf den Fahrersitz gesetzt.
»Er weiß, was er da macht«, sagte Paul als er den unglücklichen Ausdruck in Magnus’ Gesicht bemerkte.
»Unsere Unterkunft befindet sich in der Ortschaft Nebel in Nähe der Kirche. Kennst du die Ferienwohnung?«, fragte Paul, um das Eis ein wenig zu brechen.
»Ja«, kam die knappe Antwort.
»Oh, okay. Ist die Wohnung denn gut?«
»Ja.«
»Das freut mich zu hören.«
»Es ist laut Internet eine gemütliche kleine Wohnung mit hochwertiger Einrichtung«, sagte Daneel. »Ich habe bereits alle benötigten Lebensmittel in unsere vorübergehende Unterkunft liefern lassen.«
Paul war einmal mehr beeindruckt davon, wie praktisch es doch war, einen Androiden als Helfer zu haben.
»Dann lass uns einsteigen, und du kannst uns während der Fahrt über den Fall berichten«, schlug Paul vor.
Der schmutzige hellgraue Bezug der Sitze roch nach kaltem Rauch. Die Konzentration des Alkoholgehalts in der Luft war deutlich höher, als Paul es sich für ein Polizeiauto wünschen würde. Daneel hatte in weiser Voraussicht die Fenster des Wagens bereits heruntergefahren.
»Leg los!«, sagte Paul, als der Wagen vom Hafen aus durch Wittdün fuhr, den kleinen angrenzenden Ferienort.
»Vorgestern wurde in einer Ferienwohnung in der Nähe des Nebeler Waldes eine Leiche gefunden«, sagte Magnus, bemüht, nicht den Fokus zu verlieren.
»Ganz genau, deswegen sind wir ja hier«, entgegnete Paul. »Eine Nachbarin hatte Geräusche gehört, und als sie zur Ferienwohnung kam, war das Opfer bereits tot. Aber gibt es etwas Neues, dass du mir über den Fall erzählen kannst?«
»Nee«, sagte Magnus und schüttelte den Kopf.
»Du gehörst wohl nicht unbedingt zu den gesprächigen Zeitgenossen«, murmelte Paul sichtlich genervt. Er hoffte, dass Magnus’ Einsilbigkeit nicht stellvertretend für die der gesamten örtlichen Polizei war.
»Eigentlich sagen die Leute, ich rede zu viel«, sagte Magnus mit fragendem Blick.
»Welche Leute sagen denn so was?«, fragte Paul. »Wie dem auch sei, wer war das Opfer, was wissen wir über sie?«
»Äh«, sagte Magnus.
»Das Opfer hieß Lara Hansen, sie war 26 Jahre alt und hatte vor Kurzem ihr Journalismus-Studium abgeschlossen«, half Daneel aus.
»Daneel, kannst du kurz checken, ob es Bewegungen rund um den Tatzeitpunkt gab?«, fragte Paul.
»Ist schon erledigt«, antwortete Daneel. »Zur Tatzeit gab es keinerlei Fahrbewegungen oder Bewegungen von Handys rund um den Tatort.«
Paul brauchte einen kurzen Moment, um sich einen Reim darauf zu machen.
»Keine einzige?«, hakte er noch mal nach.
»Nein«, antwortete Daneel. »Bis auf das Handy von Nele Hufschmied.«
»Das ist die Frau, die die Leiche gefunden hat?«
»Genau«, sagte Daneel. »Ich denke, wir sollten mit ihr reden.«
»Und wer ist euer Hauptverdächtiger?«, fragte Paul seinen schweigsamen Amrumer Kollegen.
»Nun, ich denke, es müsste jemand vom Festland gewesen sein.«
»Wie kommst du zu dieser Vermutung?«
»Wir haben keine Morde auf Amrum, doch auf dem Festland ist das anders; da habe ich nur eins und eins zusammengezählt«, erwiderte Magnus.
Paul war nicht gerade beeindruckt von dieser Logik, aber er war sich sicher, dass er Magnus in seinem derzeitigem Zustand nicht von den Schwächen seiner Schlussfolgerung überzeugen konnte. Er wandte den Kopf ab und starrte aus dem Fenster. Die Häuser von Wittdün zogen an ihnen vorbei. Cafés und Geschäfte waren geschlossen. Handgemalte Schilder in den Fenstern und an den Türen versprachen einen baldigen Saisonstart, aber noch war alles dunkel. Wie konnten die Leute es hier nur aushalten?
»Hatte das Opfer einen Partner oder eine Partnerin?«, fragte Paul weiter in der Hoffnung, endlich auf einen Funken neuer Erkenntnisse zu stoßen. »Einen verstoßenen Urlaubsflirt?«
»Nee«, sagte Magnus, gesprächig wie eh und je.
»Ich würde vorschlagen, wir suchen morgen früh als Erstes den Tatort auf, vielleicht findet Daneel ja weitere Hinweise, die bei euren...




