Bourne | Tagebuch der Apokalypse 2 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 448 Seiten

Reihe: Tagebuch der Apokalypse

Bourne Tagebuch der Apokalypse 2

Roman
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-641-10543-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 448 Seiten

Reihe: Tagebuch der Apokalypse

ISBN: 978-3-641-10543-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Kampf ums Überleben geht weiter

Die Welt ist verwüstet, die Toten haben die Herrschaft über den Globus übernommen. Dies ist das Tagebuch eines jungen Soldaten, der sich mit einer kleinen Gruppe Überlebender in der texanischen Wüste der neuen Geißel der Menschheit stellt. Von ihrem vermeintlich sicheren Bunker aus versuchen sie das zu retten, was von der Menschheit noch übrig ist. Doch wie lange können sie durchhalten, wenn die Apokalypse Tag für Tag aufs Neue über sie hereinbricht?

J. L. Bourne, geboren in Arkansas, arbeitet hauptberuflich als Offizier der US-Marine, aber widmet jede freie Minute dem Schreiben. Seine Romanserie Tagebuch der Apokalypse hat weltweit inzwischen Kultstatus erlangt. Im Heyne-Verlag sind die Bände 1 bis 4 erschienen.
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Am 21. fühlte ich mich langsam besser. Der Angriff der Banditen hatte mir wirklich zugesetzt. Ich stand auf, trank (im Zeitraum mehrerer Stunden) einige Liter Wasser und reckte mich ein bisschen. Dann erkundigte ich mich bei John, wie es an der Oberfläche aussah. Da er in dieser Hinsicht nicht sehr redselig war, folgte ich ihm in den Kontrollraum hinauf und überzeugte mich selbst. In der Nacht zuvor hatte er sich ins Dunkle hinausgeschlichen, von einer Kamera den Sack abgezogen und war zurückgekehrt. Es waren Untote in der Gegend, deswegen war er nicht scharf darauf, allzu lange im Freien zu sein.

Weitere Untote bevölkerten die Ecke, an der die Umzäunung beschädigt war. Die lebenden Leichen waren wie Wasser. Sie strömten immer dorthin, wo der Widerstand am geringsten war.

Meine schmerzhaften Brandverletzungen heilen inzwischen, aber allzu schlimm waren sie ja nun auch nicht. Ich hatte nur ein paar Blasen im Gesicht und anderswo.

Unser Sieg bei der letzten Begegnung mit den Plünderern war größtenteils auf Glück zurückzuführen. Angenommen, sie wären nicht mit einem Tankwagen übers Land gefahren? Dann wären wir jetzt vielleicht alle tot, denn gegen diese Überzahl hätten wir uns nicht wehren können. Nicht nur die Untoten waren uns zahlenmäßig überlegen, sondern auch jene, die uns den Tod wünschten. Ich fürchtete diese Leute fast ebenso wie die wandelnden Leichen. Zumindest theoretisch wären sie uns strategisch überlegen gewesen; sie hätten nur die Köpfe zusammenstecken und sich angemessene Schweinereien ausdenken müssen, um uns von diesem Landstrich zu vertreiben. Wir wissen nicht, wie viele von diesen Banden sonst noch existieren, aber ich bin mir sicher, dass wir im Gegensatz zu ihnen nur eine kleine Minderheit sind.

Kamera Nr. 3 zeigte mir verkohlte Leichen, die um die Wracks des Tanklasters und des Wohnmobils herumtorkelten.

Menschen, die ich getötet hatte.

In dieser Nacht gingen wir raus und machten sie kalt. Um Mündungsfeuer zu vermeiden, schlich ich mich im Dunkeln mit dem Nachtsichtgerät von hinten an sie ran, schaltete meine Waffe auf Einzelfeuer und verpasste ihnen eins in den Hinterkopf. Ich war so nahe an ihnen dran, dass ich jeden einzelnen Schädel fast mit dem Lauf berührte. Jedes Mal, wenn ich den Abzug betätigte, sah ich sie auf den Krach reagieren und sich in der Dunkelheit blind auf das Geräusch zu bewegen. Obwohl die meisten Untoten nichts mehr hatten, was Ohren ähnelte, konnten sie immer noch hören. Das Verfahren wiederholte ich siebzehnmal. Schließlich hatten sich alle zur Ruhe begeben.

Uns fiel auf, dass drei Fahrzeuge bei der kürzlich erfolgten nächtlichen Treibstoffexplosion nicht besonders stark beschädigt worden waren: ein Land Rover, ein Jeep und ein relativ neuer Ford Bronco. Die Fahrzeuge standen gut hundert Meter von der abgebrannten Wiese entfernt. John und ich gingen vorsichtig zu ihnen rüber. Eine nähere Untersuchung ergab, dass die beiden Vorderreifen des Jeeps geplatzt waren. Die Windschutzscheibe sah aus wie ein gewölbtes Spinnennetz.

Der Land Rover und der Ford standen etwa fünfzig Meter von ihm entfernt. Als ich mich dem Rover näherte, stellte ich fest, dass er in einem sehr guten Zustand war. Sein Inneres wurde nicht mehr von seinen früheren Besitzern bewohnt. Wie schön. Wir näherten uns der Tür. Ich öffnete sie und begutachtete eingehend das Innere des Fahrzeugs. Es roch nach Tannenzweigen, was vermutlich mit dem Bäumchen zu tun hatte, das am Rückspiegel hing. Wir stiegen ein, zogen die Türen vorsichtigerweise aber nur so weit zu, dass das Schloss gerade eben fasste. Ich drehte den Zündschlüssel. Der Motor sprang brüllend an. In einer Welt wie dieser hätte ich den Schlüssel vermutlich ebenfalls stecken lassen. Ich schaute mir den dünnen Plastikanhänger an und las: Nelms Land Rover, Texas.

Ich nehme an, die Banditen haben sich das Fahrzeug unmittelbar nach der ganzen Katastrophe in Nelms Autohandel unter den Nagel gerissen. Der Tank ist dreiviertel voll, der Tacho zeigt 4.500 km an. Der Wagen war noch nicht mal eingefahren. Ich legte den Gang ein und raste rückwärts auf die Geländeumzäunung zu. Als wir die von den Banditen mit Säcken verhüllten Kameras erreichten, stiegen wir aus. Wir wechselten uns beim Entfernen der Säcke ab, wobei der eine dem anderen Deckung gab.

Die Lücke in der Umzäunung war ungefähr so groß wie der Land Rover lang. Mir war nicht danach zumute, heute Abend Zäune zu flicken, also frischte ich meine Einparkkenntnisse auf, indem ich den Wagen in die Lücke manövrierte. Mir lag daran, unsere kaltblütigen Freunde daran zu hindern, hinter die Umzäunung zu gelangen.

John stieg an der Beifahrerseite aus. Ich kletterte über den Schaltknüppel hinweg und tat es ihm gleich. Ich drückte das Knöpfchen, warf die Tür ins Schloss und steckte den Schlüssel ein. Wozu das nützlich sein sollte? Ich lasse auch heute noch aus Prinzip keinen Wagenschlüssel stecken.

Ich bin vor ein paar Stunden wach geworden – nach einer erneut schmerzhaften, größtenteils schlaflosen Nacht. Meine Blasen platzen allmählich, was ganz schön wehtut. Ich habe ein paar Blasen an den Augen, dort, wo die Nomex-Klamotten meine Haut nicht geschützt haben. Die Beule am Hinterkopf schrumpft langsam, und seit kurzem juckt es mich beträchtlich mehr als nach dem kleinen Unfall mit dem Tanklaster. Das ist ein gutes Zeichen. Ich gesunde.

Das Internet habe ich aufgegeben. Dort tut sich absolut nichts mehr. Die Webseiten, auf denen ich früher zugange war, um zu sehen, wie die Lage anderswo aussieht, sind alle tot. Damit meine ich die Militärbasen in den vier Ecken der Vereinigten Staaten. Internet-Aktivitäten: keine. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass es keine Rolle mehr spielt, ob da draußen noch jemand ist, der sich ins Netz einloggt. Das Netz-Rückgrat ist gebrochen, und es sieht so aus, als hätten sich alle Typen aus der IT-Branche für die nächsten hundert Jahre zur Mittagspause abgemeldet.

Der Land Rover ist mit einem GPS-Navigationssystem ausgerüstet. Ich war draußen, um das Ding zu überprüfen, und es hat den Anschein, dass das GPS zur Positionsbestimmung nur drei Satelliten empfängt. Ich weiß nicht, wie lange die Satelliten noch in der Umlaufbahn bleiben, wenn die Bodenstationen, die sie steuern, nicht mehr existieren – und ohne die Vögel, die ihnen bisher die Aufnahmen geliefert haben. Wir nähern uns schnell der Eisenzeit. Ich wehre ständig ein geistiges Verlangen nach autodestruktivem Verhalten ab. Ich meine nicht die Gelenkaufschlitzmethode; vermutlich spüre ich lediglich das Verlangen, mehr Risiken einzugehen, weil ich es leid bin, in diesem Dilemma zu leben … Aber da es den anderen nicht anders ergeht, bleibe ich eben. Ich geh nur ein Weilchen mit John raus. Wir wollen versuchen, die umgefahrene Umzäunung zu flicken.

Wir haben den Zaun mit Schrott und Teilen repariert, die von den Trümmern des Banditenangriffs übrig geblieben sind. Wir haben uns auch den Ford Bronco gekrallt. Im Kofferraum lagen vier volle Spritkanister. Ich habe den Rover-Tank mit einem Kanister aufgefüllt; kann ja sein, dass wir ihn irgendwann brauchen. Ich weiß nicht, wieso ich nicht schon früher daran gedacht habe, aber im Verlauf der ganzen Angelegenheit hatte ich unser Flugzeug völlig vergessen. Es fiel mir erst wieder ein, als John mit dem Bronco kam. Wir sind dann zum Wäldchen gegangen, um zu sehen, ob sich jemand an der Kiste zu schaffen gemacht oder sie bei dem Brand vielleicht durch Funkenflug was abgekriegt hat. Sie sah so aus, wie wir sie zuletzt gesehen hatten. Das Laubwerk, mit dem ich sie getarnt hatte, war derart verschrumpelt und braun, dass sie sich erkennbar vom Rest der Vegetation unterschied. John und ich haben weitere Zweige gesammelt und die Tarnung etwas aufgefrischt, dann haben wir die Maschine wieder allein gelassen.

Die Untoten aus unserer Gegend haben sich zerstreut. Die Banditen haben viele von denen ausgeschaltet, weil sie sie über unser Grundstück gejagt haben. Die Kameras zeigen nur ein paar Nachzügler an der vorderen Sicherheitstür. Der Beknackte mit dem Stein wankt noch immer hier rum, wie schon vor mehr als einem Monat. Er schlägt gegen die Sicherheitstür und marschiert zum Rhythmus seiner eigenen Trommel. Das leere Raketensilo ist die reinste Sauerei. Wir haben nicht die geringste Lust, uns darum zu kümmern. Ich weiß nicht, was diese Dinger dazu treibt, nach dem Tod wieder aufzustehen und herumzulaufen, aber ich möchte auf keinen Fall da unten rumschlurfen und mich versehentlich an einem infizierten Kieferknochen verletzen. Hätte ich einen Betonmischer, würde ich das verdammte Loch zuschütten und einfach vergessen.

Wir leben noch, aber unser Szenario spiegelt das jener Menschen, die vor dem Weltuntergang in Krankenhäusern an Maschinen angeschlossen waren. Sie lebten mit geborgter Zeit und waren zum Untergang verurteilt. Uns geht es kein bisschen anders. Irgendwann wird der Mittelwert auch mich erwischen. Es ist nur eine Frage des Wann.

Ich hätte nichts dagegen, noch einen Tanklaster in die Hände zu bekommen (statt ihn in die Luft zu jagen). Dann hätten wir Treibstoff für Expeditionen, die wir vielleicht unternehmen müssen. Ich würde ihn in sicherem Abstand von uns abstellen, denn aus dem Fehler der Banditen habe ich etwas gelernt. Ein üppiges Spritlager wäre ein solches Risiko wert. Ich weiß nicht genau, wie viel so ein Tankwagen laden kann, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Spritmenge unsere beiden Fahrzeuge eine ganze Weile über versorgen könnte. Einen Tankwagen aufzutreiben dürfte kein Problem sein. Wir brauchen nur einen auf der Interstate aufzulesen, die ein paar Kilometer von hier nach Norden...


Bourne, J.L.
J. L. Bourne, geboren in Arkansas, arbeitet hauptberuflich als Offizier der US-Marine, aber widmet jede freie Minute dem Schreiben. Seine Romanserie Tagebuch der Apokalypse hat weltweit inzwischen Kultstatus erlangt. Im Heyne-Verlag sind die Bände 1 bis 4 erschienen.



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