E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Bous Through a Dream
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-8301-9541-2
Verlag: Fischer, R. G.
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Leben wie ein Traum
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
ISBN: 978-3-8301-9541-2
Verlag: Fischer, R. G.
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
K. S. Bous, Jahrgang 1999, schrieb mit zwölf Jahren eine Fantasy-Reihe für ihre Mutter und entschied sich später für Liebesromane, um als leidenschaftliche und etwas dramatische Person eine schwierige Beziehung zu verarbeiten und am Liebesglück anderer teilzuhaben. Die noch unbearbeitete Version des vorliegenden Romans wurde auf einer Online-Plattform für einen Wettbewerb nominiert und stand lange Zeit in den Top Ten der Rangliste. Heute lebt die Autorin mit ihrem Verlobten, zwei Katzen und einem Hund in Nordrhein-Westfalen.
Autoren/Hrsg.
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JOHANN WOLFGANG VON GOETHE
Mein Wecker holte mich aus dem Schlaf. Seufzend stand ich auf und streckte mich. Ich hasste Montage. Besonders nach den Ferien.
Müde quälte ich mich ins Bad und stieg unter die Dusche, ehe ich mir die Zähne putzte und mich anzog. Ich entschied mich für eine rote Bluse, eine schwarze Jeans, einen schwarzen Schal und etwas Schmuck. Nachdem ich fertig war, schminkte ich mich dezent und ging in die Küche. Auf dem Tresen lag ein Zettel:
Ich seufzte leise und legte den Zettel weg. Danach nahm ich mir einen Apfel und zog meine Schuhe und eine Jacke an. Ich schnappte mir noch schnell meine Tasche und verließ schließlich das Haus. Ich ging zu meinem BMW, stieg ein und fuhr los. Eigentlich hätte mir ein kleines Auto gereicht, aber meine Mutter sagte, dass es unserem Ruf schaden würde. Ich hatte so gesehen etwas, dass ich weder brauchte noch wollte. Genau genommen wollte ich weder unser Geld, noch unseren Ruf oder diese falschen Leute um einen herum. Jedoch konnte ich es nicht ändern.
Mit einem komischen Gefühl im Bauch fuhr ich zur High School. Irgendwas war an diesem Morgen anders. Ich fühlte mich unwohl, so als ob mir etwas Schlimmes bevorstehen würde, jedoch wusste ich nicht, was. Ich konnte es einfach nicht einordnen, weswegen ich versuchte, es zu verdrängen.
Mit einem falschen Lächeln auf den Lippen parkte ich meinen Wagen auf dem Schulparkplatz und stieg aus. Vorher setzte ich noch meine Sonnenbrille auf. Ich spürte, wie mich alle ansahen oder auf mich zu kamen. Soviel zum Thema Ruf. Ich seufzte, verdrehte die Augen und ging weiter zu einer Gruppe von Mädchen. Jasmin, Marieh-Sophie, Joy und Kiara. Sie sind meine besten Freundinnen, abgesehen von Jasmin. Sie ist für mich wie eine Schwester. Wir sind zusammen groß geworden. Während ich alle begrüßte, lächelten sie mir zu. Doch irgendetwas verheimlichten sie vor mir.
Fragend zog ich meine Augenbrauen nach oben, doch ich bekam keine Antwort. Ihr Grinsen wurde bloß noch breiter, während sie ihre Blicke von mir abwandten, um sich gegenseitig anzusehen. Es schien mir beinahe wie eine Verschwörung. Besonders, weil sie nicht mit der Sprache rausrückten.
Ich atmete kurz tief ein, ehe ich meine Aufmerksamkeit auf Joy richtete, doch auch sie behielt dieses Mal die kleine Neuigkeit für sich und versuchte meinen Blicken auszuweichen.
»Ist alles okay? Ihr könnt es doch sonst kaum erwarten, mir alles zu sagen.«
Das Einzige, was ich als Antwort bekam, war ein im Chor gerufenes »Ja«. Verwirrt und etwas überfordert mit dem Schweigen der vier sah ich sie skeptisch an und zog eine Braue hoch.
«Kommt schon. Sagt es mir einfach«, flehte ich und musterte sie abwechselnd. Lag es an mir? Hatte ich etwas falsch gemacht oder etwas Falsches gesagt? Kiara biss sich auf die Lippe, während sie mich leicht anlächelte.
»Wir bekommen einen neuen Schüler. Ich glaube, er geht sogar in deine Kurse, Aria. Ich habe gehört, dass er verdammt gut aussehen soll.«
Ich verdrehte die Augen. So ein Theater um einen Jungen? Und ich dachte schon, es sei wegen mir gewesen. Für meine Freundinnen war es zwar wieder typisch, dass sie alle übertrieben und ich am Ende die war, die unter dem Ganzen litt, dennoch fand ich diese Nachricht nicht sonderlich spannend. Sie hätten es mir ruhig sagen können, schließlich war dieser geheimnisvolle Neue auch nur eine weitere Person auf dieser Schule. Ich meine, was sollte bitte so besonders an jemandem sein, nur weil er »neu« ist? Meines Erachtens nach handelte es sich hier lediglich um eine Person, welche aus irgendwelchen Gründen die Schule gewechselt hatte und nun vermutlich zu einem weiteren Problem werden würde.
»Was ist so toll an ihm?«, hakte ich deshalb nach, da ich dieses Theater nicht wirklich verstehen konnte. Jasmin lächelte mich daraufhin wissend an und entgegnete fest: »Dreh dich um, dann siehst du es.«
Noch bevor ich überhaupt die Chance dazu hatte, mich umzudrehen, zog Kiara mich an der Schulter herum, so dass ich den Neuen perfekt im Sichtfeld hatte. Ein Junge, der sich jetzt schon aufführte wie der König, lief durch die Masse und seltsamerweise machte ihm jeder Platz. Als wäre er schon ewig auf dieser Schule und nicht bloß seit ein paar Minuten. Einige Mädchen schmachteten ihm hinterher, was mich dazu brachte, genervt aufzuseufzen. Das fing ja schon mal gut an!
Als er an uns vorbei ging, musterte er uns. Am längsten lag sein durchdringender Blick auf Kiara. Es war beinahe so, als würden seine dunklen Augen durch einen durch sehen. Er lächelte ihr kurz mit einem Zwinkern zu und wandte sich dann ab. Während er weiterlief musterte ich ihn kurz, um mir ein Bild von ihm zu machen. Fest stand, dass er mir nicht sonderlich sympathisch war und vermutlich auch nie sein würde. Er hatte schwarze kurze Haare, die an den Seiten und hinten etwas kürzer waren. Ich schätzte ihn so auf die 1,80 Meter. Er trug ein graues T-Shirt, das seine Muskeln betonte, und darüber eine schwarze Strickjacke mit Kapuze. Seine Ärmel waren hochgezogen, so dass man ein Tattoo auf seinem linken Arm erkennen konnte.
Mein erstes Bild von ihm war nicht gerade positiv. Eher im Gegenteil. Für mich zählte er zu dem Teil der Bevölkerung, dem man lieber aus dem Weg gehen sollte.
Seufzend schüttelte ich meinen Kopf und drehte mich zu den anderen um, die ihm immer noch nachsahen. »Tief durchatmen«, ermahnte ich mich innerlich und schnippte vor ihren Gesichtern rum, bevor sie noch anfingen zu sabbern. Ihr Verhalten gab ihm bloß Bestätigung oder eine gewisse Genugtuung, was sein Ego stärken würde. Etwas verwirrt musterten mich vier Augenpaare, ehe Jasmin sich räusperte und versuchte, das Thema zu wechseln, um diese für sie peinliche Situation zu beenden.
»Was habt ihr jetzt?«
»Englisch und ihr?«
»Jasmin und ich haben Mathe. Wir sollten jetzt auch gehen«, murmelte Marieh-Sophie schnell und hakte sich bei Jasmin ein.
Kiara zuckte amüsiert mit den Schultern und sah sich um: »Wir sehen uns in der Mittagspause«, teilte sie Joy und mir mit, ehe sie aus meinem Sichtfeld im Schulgebäude verschwand. Gemeinsam mit Joy ging ich zum Klassenraum, nur um auf meinen Lieblingslehrer, Mr. Green, zu warten. Der Tag konnte für mich theoretisch gesehen nicht besser beginnen. Erst der Neue und dann noch Mr. Green. Es war ein Tag, an dem man besser zu Hause bleibt und in Ruhe ausschläft. Aber ich musste heute Morgen ja unbedingt aufstehen.
»Aria, Mr. Green kommt«. meinte Joy lächelnd und betrat mit mir und den anderen den Raum. Wir begrüßten ihn kurz und setzten uns schließlich. Wenigstens ein Gutes hatte dieser Tag und zwar die Aussicht, die man vom Fensterplatz aus auf die entfernten Häuser hatte. Lächelnd und in Gedanken vertieft wartete ich auf Joy. Als diese jedoch nicht zu mir kam, sah ich mich um und entdeckte sie neben Maddison. Diese sah mich kurz an und lächelte mir freundlich zu, ehe sie ihren Blick wieder abwandte. Ich tat es ihr gleich und richtete meinen Blick wieder aus dem Fenster.
»Willst du meinem Unterricht nicht folgen, Aria?«, ertönte eine gereizte Stimme direkt vor mir. Müde richtete ich meinen Blick auf und sah in die blau-grauen Augen meines Lehrers, die mich mahnend musterten.
»Entschuldigen Sie bitte«, murmelte ich, woraufhin er sich umdrehte und wieder nach vorne lief. Ich folgte ihm mit meinen Blick, ehe ich zur Tafel sah und versuchte, seinem langweiligen Unterricht aufmerksam zu folgen. Ein Morgen, der nicht hätte besser beginnen können. Jedoch lag ich da falsch. Ohne jegliche Vorwarnung durch ein Klopfen oder etwas dergleichen wurde die Tür geöffnet und der Neue trat ein. Endgültig frustriert ließ ich meinen Kopf auf die Tischplatte gleiten und atmete tief durch. Egal wo ich war, der Neue war ebenfalls dort. Seine Anwesenheit nervte mich und dass obwohl ich ihn gerade mal fünfzehn Minuten kannte. Er hatte diese gewisse Ausstrahlung, die einen dazu brachte, jemanden von Anfang an nicht zu mögen. Eventuell war es sein Erscheinungsbild und sein Auftreten. Seine Präsenz, die ausdrückte, dass er sich immer nahm, was er wollte. Sich verhielt, wie er wollte. Tat, was er wollte. Er war keine dieser Personen, die an seine Mitmenschen dachte. Alles was er tat, tat er womöglich bloß für sich und seine Arroganz.
Entgeistert über meine Feststellung richtete ich meinen Blick wieder auf, sah Mr. Green kurz an und malte schließlich mit dem Bleistift auf meinem Block herum. Dieser Neue würde meine Aufmerksamkeit sicher nicht bekommen. Die anderen hatten schon genug dafür gesorgt, dass er sich hier quasi wie zuhause...




