Bowen | Die letzte Muse | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 13

Reihe: Molly Murphy ermittelt-Reihe

Bowen Die letzte Muse


2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98637-824-0
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 13

Reihe: Molly Murphy ermittelt-Reihe

ISBN: 978-3-98637-824-0
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ihr neuster Fall führt Privatdetektivin Molly Murphy nach Paris zwischen Schönheit und Hass
Der spannende Band aus der Cosy Crime-Reihe von NYT Bestseller-Autorin Rhys Bowen

Molly Murphys Glück ist mit ihrem Mann, dem NYPD Captain Daniel und ihrem Sohn Liam perfekt, doch die Idylle wird erschüttert, als eine New Yorker Gang das Haus der kleinen Familie niederbrennt. Daniel will seine Liebsten in Sicherheit wissen und schickt Molly und Liam zu Mollys Künstlerfreundinnen Sid und Gus nach Paris. Trotz allem freut Molly sich auf die Reise, doch vor Ort fehlt von ihren Freundinnen jede Spur. Auf der Suche nach ihnen taucht Molly in die Pariser Künstlerszene ein … und stolpert direkt in ihren nächsten Mordfall. Hat der tote Maler etwas mit Mollys verschwundenen Freundinnen zu tun?

Dies ist eine überarbeitete Neuauflage des bereits erschienenen Titels Mord unter Künstlern.

Erste Leser:innenstimmen
„Hat meine Vorfreude auf die dritte Staffel mit Molly verstärkt!“
„Immer noch meine liebste historische Cosy Krimi-Reihe!“
„Einfach die sympathischste Detektivin mit dem charmantesten Humor.“
„Auch in Paris lauern spannende Kriminalfälle – sehr unterhaltsam.“



Rhys Bowen wurde in Bath, England, geboren, studierte an der London University, heiratete in eine Familie mit historischen königlichen Verbindungen und verbringt nun ihre Zeit im Norden von Californien und Arizona. Zunächst schrieb sie Kinderbücher, doch auf einer Reise in ihre malerische walisische Heimat fand sie die Inspiration für ihre Constable-Evans-Krimis. Diese Kriminalgeschichten sind mittlerweile Kult und wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.
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Zwei


Als wir zum Patchin Place zurückkehrten, hatten die Wolken beinahe die Sonne verschlungen. Die holprige Fahrt über das Kopfsteinpflaster weckte Liam und seine lauten Schreie ließen mich wissen, dass er erwartete, bald wieder gefüttert zu werden. Ich spürte, wie meine Brüste darauf reagierten. Bei mir gab es kein neumodisches Füttern mit der Flasche, auch wenn meine Schwiegermutter mir gesagt hatte, dass es hygienischer sei und dass Damen mit Format ihre Säuglinge nie stillten. Ich hatte meine Entscheidung keinen Augenblick bereut, aber die ersten kleinen, scharfen Zähne ließen mich darüber nachdenken, ob es vielleicht eine gute Idee war, abzustillen.

„Ich bin zu Hause, Aggie“, rief ich und hielt im Flur inne, um Hut und Mantel auszuziehen.

Ihr erschöpftes, kleines Gesicht erschien aus der Küche. „Die Wäsche hängt draußen, Mrs. Sullivan, aber wer kann sagen, wie lange?“

„Wie gewöhnlich hattest du recht mit dem Wetter“, sagte ich. „Die Regenwolken ziehen bereits auf.“

„Vielleicht war mir deswegen den ganzen Morgen über so kalt“, sagte sie. „Könnte sein, dass ein heftiger Sturm kommt.“ Liam unterbrach diese Unterhaltung mit weiterem Schreien. Aggie wollte ihn aus dem Kinderwagen heben, aber ich hielt sie davon ab.

„Es ist in Ordnung. Er hat Hunger. Ich bringe ihn rauf ins Kinderzimmer.“

Liam streckte seine Hände nach mir aus, weil er hochgehoben werden wollte. Mir fiel auf, wie schwer er war, als ich ihn mir auf die Hüfte setzte. „Ich werde deine Rationen reduzieren, mein Junge“, sagte ich. „Du wirst zu groß.“

„Sagen Sie sowas nicht, Mrs. Sullivan“, sagte Aggie. „Wir haben in meinem Zuhause nie genug zu essen bekommen. Sie wissen nicht, wie das ist.“

„Nein, das weiß ich nicht“, sagte ich und sah sie voller Mitleid an. „Es ist beinahe Mittagszeit. Wärm etwas von dem Eintopf auf. Ich habe ein gutes Kotelett für Captain Sullivans Abendessen gekauft, falls er heute Abend rechtzeitig zum Essen nach Hause kommt.“

„Oh, das erinnert mich an etwas“, sagte Aggie. Ich hielt auf halbem Weg nach oben auf der Treppe inne und drehte mich zu ihr um. „Ein Mann war heute Morgen hier und fragte nach Captain Sullivan.“

„Was für ein Mann? Ein Polizist?“

„Oh, ich glaube nicht.“ Sie kaute auf ihrer Lippe. „Ein südländischer Typ. Ausländer.“

„Was wollte er?“

„Er fragte lediglich, wann Captain Sullivan voraussichtlich zu Hause sein würde. Ich sagte ihm, dass ich das nicht sagen könne, und dass Captain Sullivan keine regelmäßigen Arbeitszeiten habe. Dass wir ihn in letzter Zeit kaum zu sehen bekommen hätten. Dann fragte er nach Ihnen und ich sagte, Sie seien bald zurück.“

„Hast du gefragt, ob du eine Nachricht aufnehmen kannst?“, fragte ich.

„Habe ich. Und er sagte, er müsse die Nachricht Ihnen und dem Captain persönlich überbringen, also würde er zurückkommen, wenn Sie beide zu Hause wären.“

„Wie seltsam“, sagte ich. „Ausländer? Ich wüsste nicht, wer das sein soll.“

„Mir gefiel sein Anblick nicht“, sagte Aggie. „Er hatte verschlagene Augen.“

Ich lächelte. „Du glaubst, alle Ausländer haben verschlagene Augen. Vielleicht kennt Daniel ihn.“

Ich lief weiter die Treppe rauf. Ich fütterte Liam und legte ihn für sein nachmittägliches Nickerchen hin. Der Regen setzte gegen drei Uhr ein und wir beeilten uns, die Wäsche von der Leine hereinzuholen. Der Rest des Tages verlief ohne Zwischenfall. Ich las bei einer Tasse Tee am Nachmittag noch einmal Sids Brief und teilte die interessanten Passagen mit Aggie. Sie war gebührend beeindruckt. „Man stelle sich vor, um die halbe Welt zu reisen und dann zufällig einem lange verschollenen Cousin zu begegnen“, sagte sie. „Und ein gutaussehender noch dazu. Vielleicht verlieben sie sich und heiraten.“

„Ich glaube kaum, dass das passieren wird“, sagte ich und lächelte über ihre Naivität. Sid und Gus lebten als Paar direkt gegenüber, auf der anderen Straßenseite, andererseits hatte ich die Wahrheit über ihre Beziehung auch nicht gleich erkannt, als ich sie kennengelernt hatte. Solche Dinge waren auch außerhalb meines Erfahrungshorizonts gewesen.

Die Dunkelheit brach früh herein und der Wind heulte im Schornstein. Ich bereitete unser Abendessen vor und legte Daniels Kotelett zum Grillen bereit, in der Hoffnung, dass er vielleicht dieses eine Mal zum Abendessen zu Hause sein würde. Dann, um etwa halb sieben, wurden meine Gebete erhört. Die Haustür öffnete sich, ein Schwall kalter Luft schlug uns durch den Flur entgegen, Daniel kam mit vom Wind geröteten Wangen herein und rieb die Hände aneinander.

„Es ist wie im Winter da draußen“, sagte er. „Zum Glück hat der Regen nachgelassen. Ich dachte, ich würde auf dem Weg nach Hause durchweichen.“ Er sah sich in der Küche um. „Wo ist mein Lieblingssohn?“

„Aggie bringt ihn gerade ins Bett“, sagte ich.

„Gut. Ich hatte gehofft, ihn ausnahmsweise einmal wach zu erwischen.“ Er wickelte seinen Schal ab, ließ ihn auf einen Stuhl fallen und stieg die Treppe hinauf. Ich hörte seine laute Stimme und das erfreute Kreischen eines Säuglings und lächelte vor mich hin, während ich sein Kotelett auf den Ofen stellte. Als er wieder auftauchte, war sein Abendessen fertig.

„Was für ein herrlicher Anblick“, sagte er, als ich den Teller vor ihm abstellte. „Es fühlt sich an, als wäre es die erste anständige Mahlzeit seit Wochen.“

„Du warst nie zum Essen zu Hause“, sagte ich.

Er nickte mit vollem Mund. „Es war eine anstrengende Zeit“, sagte er schließlich.

„Schwieriger Fall?“

„Mehr ein Krieg als ein Fall“, sagte er. „Der Commissioner hat entschieden, dass die Zeit gekommen sei, Stellung gegen die italienische Gang zu beziehen, die die Lower East Side terrorisiert.“

„Du meinst die Cosa Nostra?“

„So nennen sie sich, ja. Und wir dachten, die Eastmans wären übel. Die Eastmans sind nichts im Vergleich zu diesen neuen Jungs. Schutzgeld, Erpressung – all das übliche Zeug –, aber zuwege gebracht mit unglaublicher Gewalt und Unbarmherzigkeit. Jeder, der sie verrät, wird mit von Ohr zu Ohr aufgeschlitzter Kehle aufgefunden. Und sie zögern nicht, Rache zu üben an allen, die ihnen im Weg stehen.“

„Wie hast du vor, sie aufzuhalten?“

Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht, ob wir das überhaupt können. Wir können sie bremsen, aber neue italienische Immigranten strömen pausenlos in die Stadt, also bekommen sie ununterbrochen neue, willige Mitglieder. Aber der Commissioner sagt, wir müssen ihnen ein Ende setzen, ehe sie zu mächtig werden, also müssen wir es versuchen. Gerade haben wir ihr hohes Tier hinter Gittern und ich glaube, wir haben genug gegen ihn in der Hand für eine Verurteilung, trotz des Mangels an Zeugen, die gewillt sind, gegen ihn auszusagen. Wir werden sehen, ob er es schafft, sich aus der Sache herauszuwinden.“

Dann aß er weiter.

„Ich habe heute zwei Briefe bekommen“, sagte ich und versuchte, das Thema auf fröhlichere Dinge zu lenken. „Einen von deiner Mutter – du errätst nie, was sie vorhat.“

„Sie hat einen neuen Weg gefunden, Marmelade zu kochen, oder sie hat wieder Leute zum Kaffee eingeladen?“ Er sah grinsend auf.

„Nein, sie ist unterwegs auf einer Reise gen Westen, mit ihrer Freundin Letitia Blackstone. Sie besuchen Letitias Tochter – die, deren Ehemann eine Brücke über den Mississippi baut.“

„Guter Gott“, sagte Daniel. „Mutter auf einer Reise nach Westen? Ich glaubte, eine Reise von Westchester in die Stadt zählte für sie bereits als lange Reise. Ich hoffe, ihre Gesundheit ist dem gewachsen.“

„Sie ist so stark wie ein Ochse, Daniel. Und es wird ihr guttun. Sie nimmt Bridie mit, um Gesellschaft zu haben.“

„Erstaunlich.“ Daniel aß weiter. „Ich schätze, es ist zu spät, um sie umzustimmen?“

„Warum sie aufhalten? Reisen erweitert den geistigen Horizont. Man braucht Abenteuer.“

„Ich schätze, du hast recht.“

„Und der andere Brief war von Sid.“ Ich hielt ihn hoch. „Sie haben eine wundervolle Zeit in Paris. Sid hat einen lange verschollenen Cousin gefunden und angefangen, Gedichte zu schreiben. Gus wurde Reynold Bryce vorgestellt–“

Daniel grinste. „Ich hätte nicht gedacht, dass Gus in einem Stil malt, den er zu würdigen wüsste. Hat er nicht all diese Porträts dieses engelsgleichen Kinds gemalt, von denen in der Hälfte aller Kinderzimmer in Amerika Kopien hängen?“

„Er hat sich weiterentwickelt und ist Impressionist geworden, habe ich gehört.“

„Aber Gus ist sicher keine Impressionistin.“ Daniel kicherte. „Ich bin mir nicht sicher, wie man ihre Malerei beschreiben sollte. Schlecht, würde ich sagen, aber ich schätze, du würdest ihr zur Seite springen.“

„Es ist nicht mein Fall“, sagte ich, während Loyalität und Ehrlichkeit miteinander rangen, „aber ich bin keine qualifizierte Kunstkritikerin. Ich glaube nicht, dass wir moderne Kunst gänzlich zu würdigen wissen, wie etwa die Bilder, die Gus malt.“

Daniel schnaubte, hob sein Glas und trank einen großen Schluck Bier. „Nun, gut für sie. Wenigstens haben sie Spaß und halten sich von Dummheiten mit dieser verdammten Suffragetten-Bewegung fern.“

„Sid wollte wissen, ob Polizisten je frei bekommen, um zu reisen“, sagte ich. „Sie und Gus wollen, dass wir uns ihnen anschließen.“

„Nach Paris reisen? Mit dem Gehalt eines Polizisten?“ Daniel lachte. „Diese Frauen haben keine Ahnung, wie es ist, in der echten Welt zu leben.“

Ich entschied, nicht hinzuzufügen, dass Gus...



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