Bowen | Mord bleibt in der Familie | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch

Reihe: Joffe by dp

Bowen Mord bleibt in der Familie


2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98637-820-2
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

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Reihe: Joffe by dp

ISBN: 978-3-98637-820-2
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Molly findet ein lang vermisstes Mädchen, doch ist sie wirklich die Tochter der reichen Familie?
Ein weihnachtlicher Cosy Crime in der Erfolgs-Reihe von NYT Bestseller-Autorin Rhys Bowen

Molly Murphy ist nach den jüngsten Ereignissen froh, einem idyllischen Weihnachtsfest entgegenzublicken. Eine Einladung zu einer wohlhabenden Familie am Hudson River soll die Feiertage perfekt machen. Doch in dem ehrwürdigen Herrenhaus ist die Stimmung wenig feierlich, denn eine Tragödie lastet seit Langem auf der Familie: Charlotte, die kleine Tochter der Gastgeber, verschwand vor zehn Jahren und wird seither vermisst. Molly kann den Schmerz der Mutter gut nachvollziehen und versucht, mehr über Charlottes Verschwinden zu erfahren. Doch mit ihren Fragen reißt sie alte Wunden auf und macht jemanden auf sich aufmerksam, der schon damals über Leichen ging …

Dies ist eine überarbeitete Neuauflage des bereits erschienenen Titels Entführung am Hudson River.

Alle Bände der Molly Murphy ermittelt-Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden.

Erste Leser:innenstimmen
„Diesmal wartet ein besonders mysteriöser Fall auf Molly – mein bisher liebster Teil!“
„ein Cosy Crime zum Versinken und Mitermitteln“
„Die Krimi-Reihe fühlt sich vertraut und gemütlich und dennoch spannend und fesselnd an!“
„Rhys Bowen erzählt humorvoll, charmant und mitreißend.“



Rhys Bowen wurde in Bath, England, geboren, studierte an der London University, heiratete in eine Familie mit historischen königlichen Verbindungen und verbringt nun ihre Zeit im Norden von Californien und Arizona. Zunächst schrieb sie Kinderbücher, doch auf einer Reise in ihre malerische walisische Heimat fand sie die Inspiration für ihre Constable-Evans-Krimis. Diese Kriminalgeschichten sind mittlerweile Kult und wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.
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Weitere Infos & Material


Eins


New York City, Dezember 1906

Es war ein Jahr voller Verluste gewesen. Voller Verluste und Unsicherheit. Voller Dunkelheit, die ich nicht abschütteln konnte. Daniels Stelle bei der New Yorker Polizei hing immer noch in der Schwebe, obwohl im Januar ein neuer Commissioner sein Amt antreten würde – ein Commissioner, den Tammany Hall hoffentlich weniger in der Tasche hatte. Daniel hatte die Unannehmlichkeiten eines korrupten Departments, das einen Grund zum Rauswurf zu finden versuchte, gemieden, indem er Aufträge von Mr. John Wilkie annahm, dem Kopf des US Secret Service. Der erste Auftrag hatte ihn nach San Francisco geführt und uns beinahe alles gekostet, was uns teuer war. Er war anschließend zu mehreren Anlässen nach Washington zitiert worden, hatte sich aber immer noch nicht entschieden, ob er eine dauerhafte Stellung dort annehmen sollte. Das lag vermutlich an mir. Denn er wusste, dass ich mir schreckliche Sorgen machte, wenn er fort war, und dass ich auf die Unterstützung meiner lieben Freundinnen in New York angewiesen war. Und offen gesagt brauchte ich diese Unterstützung im Augenblick dringend.

Sie müssen wissen, dass ich nicht ganz ich selbst war, nachdem wir aus San Francisco zurückkehrten. Ich hatte mir gesagt, dass alles gut war und ich wieder mit meinem alten Leben weitermachen könnte, aber es war nicht alles gut. Ich war sowohl körperlich als auch psychisch verletzt worden. Hatte am Rand des Wahnsinnes gestanden, um genau zu sein. Und das Ergebnis war, dass ich das Kind verloren hatte, von dem ich nicht gewusst hatte, dass ich es in mir trug. Eine Fehlgeburt nach drei Monaten, gerade, als ich mir gesagt hatte, dass alles gut werden würde. Der Arzt hatte es heruntergespielt: Ein großer Anteil Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt, hatte er zu mir gesagt. So stelle die Natur lediglich sicher, dass unvollkommene Kinder nicht das Licht der Welt erblickten. Aber ich sei im Grunde eine gesunde, junge Frau. Nichts halte mich davon ab, augenblicklich ein weiteres Kind zu bekommen. Er sprach davon, als ginge es nur darum, ein Kleid wegzuwerfen und sich ein neues auszusuchen. Aber ich betrauerte dieses Kind und ich war überwältigt von Schuldgefühlen. Ich war mir sicher, dass das Kind in Ordnung gewesen wäre, wenn ich nicht so impulsiv gewesen und meinem Ehemann nach San Francisco gefolgt wäre. Ich hätte es etwa zu dieser Zeit auf die Welt gebracht. Ein Weihnachtskind. Ich versuchte, mich daran zu gemahnen, dass ich vielleicht meinen Ehemann verloren hätte, wenn ich nicht nach San Francisco gegangen wäre, aber nichts, was ich sagen oder denken konnte, holte mich aus der Dunkelheit heraus, die mich zu verschlingen drohte.

Ich ging meiner Hausarbeit nach, kümmerte mich um meinen Sohn und meinen Ehemann und tat so, als genösse ich die Versuche meiner Freundinnen, mich aufzuheitern und zum Lachen zu bringen, aber in Wirklichkeit fühlte es sich an, als betrachtete ich die Welt durch einen schwarzen Schleier. Und gerade als ich spürte, keine weitere schlechte Nachricht vertragen zu können, kam sie dennoch. Im Oktober erhielten wir ein Telegramm, in dem stand, dass Daniels Mutter ins Krankenhaus gebracht worden war, mit einer Lungenentzündung. Sie war so krank, dass wir glaubten, wir würden sie verlieren. Ich muss gestehen, dass ich Mrs. Sullivan, wie ich sie immer noch nannte, nie sonderlich gemocht habe. Ich hatte immer das Gefühl gehabt, dass sie mich als Enttäuschung sah, weil sie gewollt hatte, dass ihr Sohn eine bessere Partie macht und in der Gesellschaft aufsteigt. Aber es tat mir weh zu sehen, wie verzweifelt Daniel bei dem Gedanken daran war, seine Mutter zu verlieren. Ich schätze, das Band zwischen Mutter und Sohn ist ein starkes.

Erstaunlicherweise stand sie das Schlimmste durch und ich nahm meinen Sohn Liam mit nach Westchester County hinauf und half der betagten Haushälterin Martha dabei, nach Daniels Mutter zu sehen, während sie sich erholte. Mein junges Mündel Bridie ließ ich bei meinen Nachbarinnen Sid und Gus, sodass sie weiter zur Schule gehen konnte. Sie erblühte zu einer selbstbewussten und gebildeten jungen Frau und ich wollte ihre Ausbildung nicht unterbrechen. Mich einer solchen Herausforderung zu stellen, war vermutlich eine gute Sache. Es lenkte meine Gedanken von meinem gegenwärtigen Zustand ab. Tatsächlich ertappte ich mich, als Weihnachten näher rückte, dabei, dass ich mich auf das Fest freute. Daniel würde aus Washington nach Hause zurückkehren, dann würde er Bridie nach Westchester heraufbringen, und sich uns anschließen. Ich stellte mir vor, wie wir in den nahegelegenen Wäldern einen großen Baum schlagen würden. Mrs. Sullivan wäre nicht in der Lage zu backen, aber sie könnte mir ihre Lieblingsrezepte beibringen. Und Liam war jetzt zwei Jahre alt und groß genug, um beim Schmücken des Hauses zu helfen. Tatsächlich waren wir bereits im Wald gewesen und hatten Pinienzapfen und Stechpalme gesammelt.

Dann, zwei Wochen vor den Feiertagen, erhielt Mrs. Sullivan einen Brief. Ihr Gesicht erhellte sich, als sie sah, von wem er war.

„Ach nein, es ist Florence Lind“, sagte sie und blickte zu mir herauf. „Wir waren in der Kindheit Busenfreundinnen. Wir sind seitdem in Kontakt geblieben, obwohl unsere Leben so unterschiedliche Wege genommen haben. Sie war ein eigensinniges junges Mädchen und wurde zu einer starken Frau. Sie hat nie geheiratet, aber sie wurde eine führende Stimme in der Suffragetten-Bewegung. Nicht dass ich das gutheißen würde, wohlgemerkt. Ich habe immer geglaubt, dass der Platz einer Frau zu Hause ist, und dass es an den Männern ist, das Land zu führen. Aber Florence brannte dafür. Bis ihre Lieblingsschwester tragisch ums Leben kam und zwei junge Töchter hinterließ. Florence hat sich augenblicklich von ihrer Sache abgewandt, um die Kinder ihrer Schwester großzuziehen.“

Sie hielt inne und ich konnte sehen, wie sie den Brief las. „Oh, wie nett“, rief sie. „Das ist aufmerksam von ihr.“

Sie hob wieder den Blick. „Es scheint, als sei es ihr in jüngerer Vergangenheit ebenfalls nicht gut ergangen, und sie hat eine ihrer Nichten aufgesucht, um bei ihr zu leben. Nicht weit von hier, wie es sich ergibt. Scarborough. Kennen Sie das? Es liegt am Hudson. Es gibt einige hübsche Anwesen in der Gegend.“ Sie nickte zufrieden. „Das Haus heißt anscheinend Greenbriars. Florence sagt, es sei überaus gemütlich. Ich erinnere mich, dass sie mir erzählte, dass ihre Nichte eine gute Partie gemacht hat. Cedric van Aiken, aus einer der alten holländischen Familien, wissen Sie? Wie auch immer, Florence ist jetzt bei ihnen eingezogen und schreibt Folgendes:

Ich habe von gemeinsamen Freunden erfahren, dass du ziemlich krank gewesen bist, liebe Mary. Meine süße Nichte Winnie hat mir gesagt, ich solle mich in ihrem Haus wie zu Hause fühlen und alle Freundinnen einladen, die ich möchte, also dachte ich mir, dich zu Weihnachten nach Greenbriars einzuladen. Es würde dir richtig guttun. Große, prasselnde Feuer, gutes Essen und wir zwei alte Damen können nach Herzenslust plaudern. Es wird sein wie in alten Zeiten, oder nicht? Bitte sag, dass du kommst. Und wenn ich es so offen sagen muss: Es wäre auch für mich eine Wohltat. Ich fühle mich immer noch ein wenig wie ein Fisch auf dem Trockenen, weit weg von meinem alten Leben, und würde eine alte Freundin herzlich willkommen heißen. Ich lasse dir eine Kutsche schicken, wann immer du zu kommen wünschst.

Deine liebe Freundin Florence.

Sie hatte ein aufgeregtes Lächeln im Gesicht, als sie den Brief zusammenfaltete. „Ist das nicht eine Überraschung? In meinem Alter zu einer eleganten Hausparty eingeladen zu werden. Ich frage mich, ob ich etwas Passendes anzuziehen habe. Und Sie werden in der Lage sein, in Ihr kleines Haus in der Stadt zurückzukehren. Ich weiß, dass Sie nur planten, Weihnachten hier zu verbringen, um eine alte Dame bei Laune zu halten, und jetzt können Sie mit Ihren Freundinnen zusammen sein und ein weiteres Mal fröhliche Feiertage verleben.“

„Wird es Ihnen gut genug gehen, um zu fahren?“, fragte ich. „Sie sind immer noch recht schwach, müssen Sie wissen.“

„Ich werde Ivy mitnehmen, um mir zu helfen“, sagte sie. „Du wirst dich gut um mich kümmern, nicht wahr, meine Liebe?“ Sie streckte eine Hand aus und tätschelte die Hand des jungen Mädchens, das gerade mit einer Tasse Kamillentee für ihre Herrin ins Zimmer gekommen war. Sie war ein dünnes, kleines Ding mit großen, dunklen Augen. Sie sah jünger aus, als sie war; sie musste um die dreizehn Jahre alt sein. Irgendwie verkörperte sie das Wort Straßenkind.

„Ja, Ma’am. Natürlich.“ Die Stimme des Mädchens war kaum mehr als ein Flüstern, und sie lächelte schüchtern.

„Sie macht sich gut, finden Sie nicht?“, fragte Daniels Mutter, als Ivy wieder das Zimmer verließ. Sie hatte Ivy kürzlich aus einem Waisenhaus in New York City zu sich geholt und das Mädchen wurde von Martha in allen Haushaltsdingen unterrichtet. Nach dem zu urteilen, was ich gesehen hatte, erwies sie sich als schnelle und begierige Lernerin. Aber da meine Schwiegermutter zuvor schon Bridie aufgenommen hatte, um sie für eine ähnliche häusliche Position auszubilden, nur um sie dann so liebzugewinnen, dass Bridie nie zu einem Dienstmädchen wurde, fragte ich mich, ob Ivy eine ähnliche Zukunft bevorstand.

„Und was werde ich in Greenbriars schon tun müssen, außer zu herumzusitzen und mich bedienen zu lassen?“, fuhr Daniels Mutter fort und lächelte immer noch. „Und es wird sehr erfrischend sein, die liebe Florence zu sehen.“

Ich konnte schwerlich sagen, dass ich mich ziemlich darauf gefreut hatte, Weihnachten bei ihr auf dem Land zu verbringen. Jetzt wäre ich wieder in meinem Haus im Patchin Place in...



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