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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 10

Reihe: Ein Fall für Constable Evans-Reihe

Bowen Mord ohne Ende

Ein unterhaltsamer Wales-Krimi mit skurrilen Figuren
2. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98778-135-3
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein unterhaltsamer Wales-Krimi mit skurrilen Figuren

E-Book, Deutsch, Band 10

Reihe: Ein Fall für Constable Evans-Reihe

ISBN: 978-3-98778-135-3
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der fesselnde Abschluss der Cosy Crime-Reihe rund um Constable Evans

Constable Evan Evans und seine Ehefrau Bronwen leben sich als frisch Vermählte endlich in ihrem kleinen Häuschen oberhalb des Dorfes Llanfair ein. Als die sechzehnjährige Pakistanerin Jamila mit ihrer Familie in das walisische Dörfchen zieht, freundet sich Bronwen direkt mit ihr an. Doch dann verschwindet das Mädchen plötzlich und jede Spur führt ins Leere … Hat der Fall etwas mit dem Toten zu tun, dessen Mord Evan gerade versucht aufzuklären? Und wird der Constable es schaffen, das Mädchen rechtzeitig zu finden?

Dies ist eine überarbeitete Neuauflage des bereits erschienenen Titels Mord ohne Ende.

Alle Bände dieser Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden.

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Erste Leser:innenstimmen
„Ein kurzweiliger Cosy Crime für vergnügliche Lesestunden!“
„Durch die vielen Wendungen wird die Spannung stets hochgehalten.“
„Eine spannende Lektüre gewürzt durch die Eigentümlichkeiten der walisischen Charaktere.“
„Mal wieder konnte ich mich mit Constable Evans mitten ins Geschehen stürzen!“
„Ein interessanter Krimi, der sich gut liest und bei dem man auch selbst miträtseln kann.“



Rhys Bowen wurde in Bath, England, geboren, studierte an der London University, heiratete in eine Familie mit historischen königlichen Verbindungen und verbringt nun ihre Zeit im Norden von Californien und Arizona. Zunächst schrieb sie Kinderbücher, doch auf einer Reise in ihre malerische walisische Heimat fand sie die Inspiration für ihre Constable-Evans-Krimis. Diese Kriminalgeschichten sind mittlerweile Kult und wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.
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Kapitel 1


Der Briefträger bemerkte es als Erster. Während er Llanfairs einzige Straße hinunterraste, sein Motorrad kaum unter Kontrolle, blickte er auf die kleine Ladenzeile zu seiner Linken. Das Dorf hatte drei Läden und eine Tankstelle vorzuweisen. Der erste Laden in der Reihe war eine Metzgerei: G. EVANS, GUGGYD, das walisische Wort für „Metzgerei“ prangte in großen Lettern an der Front; etwas kleiner stand auf Englisch daneben: LIEFERANT FEINSTEN FLEISCHES. Es folgte R. EVANS, MILCH UND MILCHERZEUGNISSE. Die beiden Ladenbesitzer waren den Einheimischen als Fleischer-Evans und Milchmann-Evans bekannt. Nur der letzte Laden in der Reihe verhinderte das Evans-Monopol: T. HARRIS, GEMISCHTWAREN UND POSTNEBENSTELLE. Aber T. Harris war schon lange tot und seine Witwe hatte es schließlich doch aufgegeben, mit dem nahen Supermarkt zu konkurrieren und war zu ihrem Sohn in die Nähe von London gezogen. Wie sie sich nur dazu hatte entschließen können, ihre letzten Jahre unter Fremden zu verbringen, war im Dorf ein Thema für hitzige Debatten gewesen.

So hatte der Laden am Ende der Reihe schon seit einer Weile leer gestanden. Der Briefträger, ein weiterer Evans, der entsprechend Briefträger-Evans genannt wurde, war auch nicht von der Modernisierung verschont geblieben, die in Nordwales um sich griff. Er trug seine Briefe jetzt mit einem Motorrad aus, wodurch er die Dörfer Llanfair und Nant Peris sowie die abgelegenen Bauernhöfe erreichen konnte. Er war jetzt schon seit mindestens einem Jahr mit dem Motorrad unterwegs, war aber der Beherrschung dieser Maschine noch keinen Schritt näher gekommen. Er hatte die gleichen schreckgeweiteten Augen wie die Fußgänger, die ihm ausweichen mussten. In diesem Augenblick sprang auch jemand zur Seite, weil Briefträger-Evans auf seine jüngste Entdeckung starrte, dabei die Kontrolle verlor und beinahe auf dem Bürgersteig landete. Es war Mrs. Powell-Jones, die Frau des Pastors.

„Idiot! Dummkopf!“, schrie Mrs. Powell-Jones, während sie versuchte, nach dem Sprung ihre Würde zurückzuerlangen. „Ich werde Sie beim Postmeister melden! Sie bringen eines Tages noch jemanden um.“

Doch Briefträger-Evans war längst an ihr vorbei und außer Hörweite. Schließlich bekam er sein Motorrad wieder unter Kontrolle, hielt an, holte einen Brief aus seinem Postsack und schritt auf die Tür eines weiß getünchten Cottages auf der anderen Straßenseite zu. Doch anstatt den Brief durch den Briefschlitz zu schieben, klopfte er an die Tür und wartete, bis man ihm öffnete.

„Ein Brief für Sie, Mrs. Williams“, sagte er. „Von ihrer Enkelin ... die, die in London studiert. Der Pullover, den Sie ihr gestrickt haben, ist sehr gut angekommen. Genauso wie Ihr bara brith.“

Die rundliche, ältere Frau lächelte freundlich. „Vielen Dank, Mr. Evans. Aber Sie werden eines Tages noch Ärger bekommen, weil Sie die Briefe andere Leute lesen. Irgendwann lesen Sie etwas, das Ihnen nicht gut tun wird.“

„Ich tue doch niemandem was“, murmelte der Mann verlegen.

„Das weiß ich doch. Dann los, fahren Sie schon, sonst kommen Sie zu spät in der Poststelle an und bekommen Ärger mit dem neuen Postmeister.“

Briefträger-Evans wandte sich zum Gehen, dann schluckte er schwer, was seinen hervorstechenden Adamsapfel auf und ab hüpfen ließ. „Irgendjemand zieht in den alten Gemischtwarenladen ein“, stieß er hervor. „Ich habe es gerade gesehen.“

„Nein! Escob Annwyl! Sind Sie sicher, dass es nicht bloß der Makler war?“

„Nein, es zieht wirklich jemand ein. Ich habe gesehen, dass getischlert und der Laden hergerichtet wurde.“

„Nein, sowas. Ich frage mich, wer den Laden nach all der Zeit übernehmen will. Ich hoffe, dass sie dort nicht irgendein heidnisches Geschäft eröffnen. In Blaenau Ffestiniog hat man eine der Kapellen in ein Wettbüro umgewandelt. Und erinnern Sie sich noch an diese Französin, die eine Kapelle zu einem Restaurant umgebaut hat? Es wundert mich nicht, dass der Herr den Laden niedergebrannt hat.“

„Ein Café wäre nicht schlecht“, sagte Briefträger-Evans. „Besonders, wenn sie dort Fish-and-Chips servierten. Bis auf den Pub können wir im Dorf nirgends essen gehen.“

„Anständige, gottesfürchtige Menschen sollten in den eigenen vier Wänden essen“, sagte Mrs. Williams und verschränkte die Arme vor ihrem üppigen Busen. „Ich halte nichts davon, in Restaurants ausgefallenen Fraß zu essen. Das ist nicht gesund. Es heißt, dass Übergewicht eine echte Epidemie ist, und ich glaube, das kommt davon, dass zu viel auswärts gegessen wird.“ Da man Mrs. Williams nicht gerade als dünn bezeichnen konnte, hätte jeder andere bei dieser Aussage grinsen müssen, aber Briefträger-Evans nickte ernst.

Mrs. Williams lehnte sich aus ihrer Haustür und blickte die Straße hinauf. Ein Transporter parkte vor der Ladenreihe. Sie nickte.

„Ich mache heute vielleicht eine Vanillesoße“, sagte sie nachdenklich. „Ich gehe schnell zu Milchmann-Evans und hole mir zur Sicherheit noch eine Flasche.“

Mit diesen Worten schlüpfte sie in ihren Mantel, hängte sich ihren Korb über den Arm und lief die Straße hinauf. Sie war noch nicht weit gekommen, als sie Mair Hopkins begegnete, die sich auf einen ähnlichen Ausflug begeben hatte.

„Ich habe Charlie auf Diät gesetzt“, berichtete Mair, „deshalb könnte ich noch etwas Hüttenkäse gebrauchen.“

Sie liefen schweigend weiter, bis sie die Ladenreihe erreichten. Sie kannten beide die wahre Intention der anderen, waren aber beide zu höflich, um etwas dazu zu sagen. Die drei Läden lagen etwas zurückgesetzt an einem breiten Stück des Bürgersteigs. Hammerschläge drangen aus dem ehemaligen Gemischtwarenladen. Mair Hopkins’ Gesichtsausdruck erhellte sich.

„Dann ist es also wahr. Der dritte Laden hat neue Pächter. Gott sei Dank. Ich habe es satt, immer mit dem Bus runter nach Llanberis zu fahren, oder Charlie im Transporter loszuschicken, wenn mir etwas fehlt.“

„Wir können uns nicht sicher sein, dass es ein neuer Gemischtwarenladen wird“, sagte Mrs. Williams. „Ich bete nur, dass es kein Wettbüro wird, wie die alte Kapelle in Blaenau.“

„Ein Schönheitssalon wäre nicht schlecht“, sagte Mair. „Charlie sagte mir, dass ich häufiger mein Haar machen solle.“

„Also ich fände es schön, wenn der Postschalter wieder aufmachen würde. Sie sollten mal die Schlange bei der Post in Llanberis sehen, wenn ich dort meine Rente abhole.“
„Ich weiß. Es ist einfach schrecklich.“ Mair Hopkins schüttelte den Kopf.

Die beiden Frauen wollten gerade die Straße überqueren, um zu den Läden zu gelangen, als Mrs. Powell-Jones wie aus dem Nichts auftauchte und mit wehender, erbsengrüner Strickjacke auf sie zugestürmt kam.

„Haben Sie es schon gesehen?“, fragte sie. „Da sind neue Leute im Laden. Ich bin hineingegangen, um sie im Dorf willkommen zu heißen und sie für den Sonntag in die Kapelle einzuladen, wie man es von einer Pfarrersfrau erwartet, aber sie werden es nicht glauben ...“

„Was?“ Die beiden Frauen beugten sich vor.

„Heiden. Fremde.“ Mrs. Powell-Jones spuckte diese Worte beinahe aus.

„Sie meinen, noch mehr Engländer?“, fragte Mrs. Williams. „Anglikanische Kirche, statt Kapelle?“

„Schlimmer“, flüsterte Mrs. Powell-Jones. „Sehen Sie selbst.“

Ein Mann war gerade aus dem Laden gekommen. Er öffnete die hintere Tür des Transporters und holte ein langes Brett heraus. „Ist das die richtige Größe, Daddy?“, rief er.

„Nein, das andere, das dickere“, rief eine andere Stimme zurück und ein älterer Mann kam zu ihm auf die Straße.

Escob Annwyl“, murmelte Mrs. Williams und legte sich eine Hand aufs Herz. Die Männer hatten dunkle Haut und der jüngere trug Bart, ein langes, weißes, fließendes Hemd und Leggings.

An diesem Abend fuhr Detective Constable Evans gerade von der Arbeit nach Hause, als er Licht bemerkte, das in dem ehemals leerstehenden Geschäft brannte. Obwohl er nicht mehr der Dorfpolizist war, der in Llanfair den Frieden wahren sollte, gewann seine Neugier. Er parkte den Wagen und öffnete die Ladentür. Zwei dunkelhäutige Männer beugten sich über ein Stück Papier. Am Boden lagen Hobelspäne und Sägemehl schwebte in der Luft.

„Guten Abend“, sagte Evan. „Sie renovieren hier?“

Die beiden Männer blickten beim Klang der Stimme auf.

„Genau“, sagte der ältere.

„Wir versuchen, hier alles schnell fertig zu machen“, sagte der jüngere mit einem Dialekt, der eher auf Yorkshire als auf den Nahen Osten schließen ließ. „Deshalb schlage ich vor, dass Sie uns in Ruhe lassen.“

„Ich gehe nur meiner Arbeit nach, Sir“, sagte Evan freundlich. „Ich bin Polizist und lebe hier im Dorf, also wollte ich natürlich sicher gehen, dass nicht irgendjemand mutwillig ein leerstehendes Gebäude beschädigt.“

„Ein Polizist?“ Der jüngere Mann sah ihn noch immer verächtlich an. „Kann sich die Polizei in Nordwales nicht mal Uniformen leisten?“

„Ich bin Zivilfahnder“, sagte Evan.

„Dann ist es eigentlich nicht Ihre Aufgabe, nach uns zu sehen, oder? Sie sind bloß neugierig, so wie all die anderen auch. Den ganzen Tag lang steckt immer wieder jemand aus irgendeinem Grund seine Nase zur Tür herein.“

„Es reicht, Rashid“, sagte der ältere Mann. Er wischte sich die Hände an der Schürze ab, die er über seiner Alltagskleidung trug und streckte Evan eine Hand entgegen, während er auf ihn zukam. „Sehr erfreut, Officer. Ich bin Azeem Khan. Ich habe diesen Laden gerade gekauft.“

„Sehr erfreut, Mr. Khan. Willkommen in Llanfair.“ Evan schüttelte...



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