E-Book, Deutsch, Band 14
Reihe: Molly Murphy ermittelt-Reihe
Bowen Mord und süße Träume
2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98637-809-7
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 14
Reihe: Molly Murphy ermittelt-Reihe
ISBN: 978-3-98637-809-7
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Molly Murphy begibt sich in die Welt der Träume – und in höchste Gefahr
Die Cosy Crime-Reihe geht spannend weiter!
Molly Murphy und ihr Sohn Liam werden in einen schrecklichen U-Bahn-Unfall verwickelt, der zum Glück glimpflich für sie ausgeht. Doch kurz darauf bekommt ihr Ehemann, der NYPD Captain Daniel Sullivan eine Nachricht von dem phantomhaften Serienmörder, dem er schon seit längerem auf der Spur ist. Hat er es nun auch auf seine Familie abgesehen? Obwohl Daniel Molly verbietet, sich in Gefahr zu bringen und in den Fall einzumischen, ist ihr detektivischer Ehrgeiz geweckt. Vielleicht können die seltsamen Träume, die Molly seit einiger Zeit plagen, und die neu aufgekommene Traumanalyse der Schlüssel zu der Lösung der Mordfälle sein …
Jeder Band der Reihe ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig voneinander gelesen werden.
Dies ist eine überarbeitete Neuauflage des bereits erschienenen Titels Unglück auf der Ninth Avenue.
Erste Leser:innenstimmen
„Auch nach zahlreichen Bänden bin ich noch rundum begeistert von Molly und ihrem britischen Charme!“
„Einfach die perfekte Cosy Krimi-Reihe für gemütliche Stunden auf dem Sofa.“
„Rhys Bowen übertrifft sich mit jedem neuen Cosy Crime selbst!“
„Die Ermittlungen zu verfolgen und mitzurätseln hat sehr viel Spaß gemacht.“
Rhys Bowen wurde in Bath, England, geboren, studierte an der London University, heiratete in eine Familie mit historischen königlichen Verbindungen und verbringt nun ihre Zeit im Norden von Californien und Arizona. Zunächst schrieb sie Kinderbücher, doch auf einer Reise in ihre malerische walisische Heimat fand sie die Inspiration für ihre Constable-Evans-Krimis. Diese Kriminalgeschichten sind mittlerweile Kult und wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.
Weitere Infos & Material
Eins
New York City, 10. September, 1905
„Mach die Augen nicht auf, bis ich es dir sage.“ Er hielt mich mit einer Hand am Unterarm, während er mich halb hebend, halb ziehend aus dem Hansom-Taxi beförderte. Falls es dem Kutscher seltsam vorgekommen war, eine Frau mit Augenbinde zu befördern, hatte er es sich nicht anmerken lassen.
„Die Augen aufmachen?“, rief ich. „Heilige Mutter Gottes, Daniel, wie sollte ich die Augen aufmachen? Ich kann durch dieses verflixte Ding nichts sehen.“
Ich hörte ihn kichern, während er mich vorwärts lenkte und ich vorsichtig die Füße auf die Pflastersteine setzte. Und plötzlich wusste ich, wo ich war. Vertraute Gerüche wehten mir entgegen – frisch gebackenes Brot aus der französischen Bäckerei gleich um die Ecke in der Greenwich Avenue, die rosafarbene Kletterrose, die neben der Haustür der alten Mrs. Konigsberg wuchs. Und ich vernahm auch vertraute Geräusche – das entfernte Rattern und Klappern der Karren auf dem Jefferson Market, den geschäftigen Verkehr auf der 6th Avenue, den speziellen Widerhall unserer Schritte von den hohen Backsteingebäuden in unserer kleinen Seitengasse.
„Wir sind da, oder? Du hast mich nach Hause gebracht.“ Ich brachte die Worte kaum heraus.
Ich war im Patchin Place, an den Ort zurückgekehrt, der mein Zuhause gewesen war, bis er von einem Feuer zerstört wurde, weil eine Gang eine Bombe durch unser Fenster geworfen hatte. Seit meiner Rückkehr aus Paris vor einigen Wochen hatte ich bei meiner Schwiegermutter gewohnt und mein Haus ganz bewusst nicht aufgesucht, da ich die Überreste meines alten Lebens nicht sehen wollte. Ich hatte nicht in der verzweifelten Vorstellung versinken wollen, dass es nie wieder unversehrt sein würde. Ich war mir selbst jetzt nicht sicher, ob ich es sehen wollte, doch Daniel musste einen guten Grund haben, um mich hierher zu bringen.
Ich hatte seine Aufregung gespürt, als er Mrs. Heffernan gebeten hatte, auf unser Kind aufzupassen, und zu mir sagte, dass er mich für eine Weile entführen wollte, um mir etwas zu zeigen. Dann hatte er darauf bestanden, mir die Augen zu verbinden, weil er mir nicht zutrauen könne, keinen verstohlenen Blick zu riskieren, und nicht wolle, dass ich mir die Überraschung verdürbe. Ich hatte mir in die Droschke helfen lassen und war über die Maßen ratlos und neugierig gewesen, was diese Überraschung wohl sein mochte. Daniel hielt mich jetzt an der Taille und ich griff nach seinem Ärmel, um mich zu beruhigen. Es musste etwas Gutes sein, sagte ich mir. Daniel war der anständigste Mann, den ich je kennengelernt hatte. Und er liebte mich. Er würde niemals absichtlich etwas tun, was mir Kummer bereitete.
„Noch vier Schritte“, sagte Daniel und führte mich vorwärts. „Und jetzt bleib stehen. Nicht bewegen.“
Er ließ meine Taille los und ich hörte, dass er sich von mir entfernte. Ich war noch nie der geduldigste Mensch gewesen und es verlangte mir einiges ab, mir nicht die Augenbinde vom Kopf zu reißen.
Die Zeit schien stillzustehen. Ich hörte die Tauben gurren, die auf dem Dach gegenüber lebten. Das Hupen eines Automobils. In der Ferne weinte ein Kind. Dann war er wieder neben mir. Ich spürte seinen warmen Atem an meiner Wange.
„Bereit?“, flüsterte er.
Dann löste er das Taschentuch über meinen Augen. Ich stand blinzelnd im hellen Sonnenlicht und blickte auf eine frisch gestrichene, grüne Tür. Es war mein Haus, so wie ich es in Erinnerung hatte – neue Fenster mit leuchtend weißen Rahmen. Nur geschwärzte Backsteine, die selbst mit endlosem Schrubben nicht gereinigt werden konnten, zeugten noch davon, dass das Haus vor Kurzem nichts als ein Haufen Asche gewesen war.
„Oh, Daniel“, keuchte ich. „Es sieht wieder so aus, wie es war.“
„Nicht ganz“, sagte er. „Aber es ist ein Anfang.“ Er legte mir eine Hand auf die Schulter und schob mich sanft vorwärts. „Los. Mach die Tür auf.“
Ich trat vor. Ich packte den Türknauf und die Tür schwang auf. Der Geruch frischer Farbe empfing mich, als ich vorsichtig einen Schritt in den Flur setzte. Frisch in weiß gestrichene Treppenstufen erhoben sich zu meiner Linken. Direkt voraus lag meine Küche, mit einem neuen Kiefernholztisch, ganz wie der alte, und einem funkelnden Fliesenboden. Im Flur lag neues Linoleum und zu meiner Rechten stand die Tür zum Wohnzimmer halb offen.
„Geh nur rein“, sagte Daniel, als er hinter mich trat.
Ich betrat das Wohnzimmer. Das Erste, was mir ins Auge fiel, war ein neues Sofa, fast wie das, das wir verloren hatten. Als Nächstes fiel mir ein Sessel am Kamin auf und als ich mich im Zimmer umsah, erschreckte ich mich beinahe zu Tode. Hinter der Tür standen zwei Menschen, die ich erkannte – meine lieben Freundinnen und Nachbarinnen Elena Goldfarb und Augusta Walcott, so eigenwillig und extravagant wie eh und je. Sie strahlten mich erwartungsvoll an.
„Sid! Gus!“, kreischte ich vergnügt, als ich mich in ihre Arme warf. „Ich wusste nicht einmal, dass ihr wieder in New York seid.“ Ich versuchte, die Worte herauszubekommen, während ich beinahe in ihren Umarmungen erstickte. „Ich hatte keine Ahnung. Ich dachte, ihr hättet vor, in Wien zu bleiben, um bei Professor Freud zu studieren.“
„Ah, nun ja, wir haben entschieden, dass wir von Wien genug haben“, sagte Sid und warf Gus einen Blick zu. „Und wir sind mit Professor Freud an einen Scheideweg geraten. Gus konnte seiner Interpretation von Träumen nicht zustimmen.“
„Er beharrte darauf, dass jede Symbolik in unseren Träumen mit Sex zusammenhängt“, sagte Gus. „Völliger Unsinn, und das habe ich ihm auch gesagt. Der Widerspruch einer Frau gefiel ihm nicht, das kann ich dir sagen. Besonders von einer ausländischen Frau, daher fanden wir es besser, schnell den Rückzug anzutreten.“
„Wann seid ihr zurückgekommen?“, fragte ich. „Warum habt ihr euch nicht gemeldet?“
„Wir sind vor ein paar Tagen zurückgekehrt“, sagte Sid und wischte sich eine Freudenträne weg. „Aber Daniel wollte, dass wir Teil der Überraschung sind. Er bat uns, dich nicht zu kontaktieren, ehe das Haus fertig ist. Tatsächlich haben wir ihm sogar beim letzten Schliff geholfen.“
Ich betrachtete den eleganten Beistelltisch mit weißer Tischdecke und Blumenvase, die Uhr auf dem Kaminsims und daneben entdeckte ich sogar einen Porzellanhund, wie der, den wir vorher besessen hatten.
„Es ist nicht ganz so, wie es war“, sagte Daniel, als er sich uns anschloss, „aber wir haben unser Bestes getan, um alles so aussehen zu lassen, wie du es kennst. Ich habe dir die Sachen überlassen, die eine weibliche Hand brauchen – die Vorhänge, die Bettbezüge und solche Dinge.“
Bevor ich ein Kind zur Welt gebracht hatte, hatte ich mir selten zugestanden, zu weinen. Jetzt kullerten mir die Tränen über die Wangen und ich warf die Arme um seinen Hals. „Du hast das alles getan, ohne einen Ton zu sagen, und während du so sehr mit deiner Arbeit beschäftigt warst. Du bist ein großartiger Mann, Daniel Sullivan.“
Daniel warf Sid und Gus ein verlegenes Lächeln zu. „Ich hatte ziemlich viel Hilfe von Leuten aus dem Polizeihauptquartier. Und von deinen Freundinnen hier. Alle waren sehr zuvorkommend.“
„Dann hattest du keine Ahnung, dass das Haus beinahe wieder aufgebaut ist?“, fragte Gus.
Ich schüttelte den Kopf. „Immer wenn ich Daniel danach fragte, deutete er an, dass es langsam voranginge und ich geduldig sein müsse.“
„Ich hatte Glück, dass sie im Juli mitten in einer Hitzewelle zurückkam und gerne gleich zu meiner Mutter aufs Land gefahren ist“, sagte Daniel. „Wenn sie hier bei mir in der Wohnung gelebt hätte, wäre es deutlich schwerer gewesen, all das zu schaffen, ohne etwas preiszugeben.“
„Ich bin wirklich überwältigt“, sagte ich. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.“
„Molly Murphy ist tatsächlich mal sprachlos“, sagte Sid trocken und stieß Gus an. „Wir hätten nicht geglaubt, dass wir diesen Tag noch erleben würde, oder?“
„Komm, schau dir den Rest des Hauses an“, sagte Daniel „Ich sollte nicht so lange von der Arbeit fernbleiben.“
„Und ich sollte Liam nicht zu lange bei Mrs. Heffernan lassen“, sagte ich. „Sie ist ein wenig zu alt, um sich um einen so lebhaften Burschen zu kümmern.“
„Wer ist Mrs. Heffernan?“, fragte Sid.
„Die Hausmeisterin in dem Gebäude in der West 61st Street, wo Daniel im Moment wohnt“, sagte ich. „Ich war draußen in Westchester bei Daniels Mutter, habe aber entschieden, dass es für uns an der Zeit ist, in die Stadt zurückzukehren, damit ich mich wieder um meinen Ehemann kümmern kann. Nicht dass das in dieser winzigen Wohnung ohne echte Kochmöglichkeiten leicht geworden wäre.“ Ich wandte mich Daniel zu. „Können wir denn wirklich schon wieder in unser Haus einziehen?“
Er führte mich aus dem vorderen Wohnzimmer und öffnete die Tür zum hinteren. „Wie ich schon sagte“, er wandte sich für die Antwort zu mir um, „fehlt noch der letzte Schliff, den nur du erledigen kannst. Wir brauchen Bettzeug und Vorhänge und Küchengeräte. Ich habe keine Ahnung, was Frauen zum Kochen brauchen – abgesehen von einem Herd. Den haben wir. Und ein paar Töpfe und Pfannen.“
Ich ließ das hintere Wohnzimmer auf mich wirken: Esstisch und Stühle aus Mahagoni, eine stabile Anrichte und in der Ecke stand ein Schreibtisch, der Daniels früherem Tisch ähnelte. Die Fenster boten einen Blick auf unseren kleinen Garten, der jetzt verwildert, überwuchert und voller Bauschutt war. Da gab es noch viel zu tun. Dann ging ich durch zur Küche – ein neuer Tisch, neue Regale mit einigen Töpfen und Pfannen darin, und darunter...




