E-Book, Deutsch, 392 Seiten
Reihe: LYX.digital
Bowen The Brooklyn Years - Was von uns bleibt
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7363-1245-6
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 392 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-7363-1245-6
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sie zu küssen fühlte sich an, wie endlich nach Hause zu kommen ...
Leo Trevi will nur zwei Dinge im Leben: endlich über seine große Liebe Georgia hinwegkommen und nach dem College ein erfolgreicher NHL-Spieler werden. Doch bereits am ersten Tag bei den Brooklyn Bruisers, seinem neuen Eishockeyverein, scheint beides gewaltig schiefzugehen! Der Coach will ihn nicht in seinem Team haben, und die Pressesprecherin ist niemand anderes als Georgia Worthington - seine Ex-Freundin, die sein Herz auch nach all den Jahren noch fest im Griff hat ...
'Romantisch und so großartig! Niemand schreibt so gute Eishockey-Romance wie Sarina Bowen!' Elle Kennedy
Band 1 der Sports-Romance-Reihe THE BROOKLYN YEARS von USA-TODAY-Bestseller-Autorin Sarina Bowen
Sarina Bowen ist die USA-TODAY-Bestseller-Autorin der von Lesern und Bloggern gefeierten The-Ivy-Years-Reihe. Sie hat Wirtschaftswissenschaften in Yale studiert und lebt nun mit ihrer Familie in Hanover, New Hampshire. Weitere Informationen unter: www.sarinabowen.com
Weitere Infos & Material
1
Freitag, 29. Januar
31 Tage vor dem Ende der NHL-Transferperiode
Brooklyn, New York
Schlagzeile des Tages:
Stellen die Brooklyn Bruisers endlich einen neuen Coach vor?
Pressekonferenz für 10 Uhr anberaumt
– New York Post
High Heels vertragen sich nicht besonders gut mit Kopfsteinpflaster. Auf ihrem Weg zur Arbeit durch den Teil Brooklyns, den man Dumbo nennt, ließ Georgia Worthington sich deshalb Zeit.
Zum Glück war ihr Büro nur noch einen Block entfernt. Ihr Job verlangte nicht oft nach einem Kostüm und hohen Schuhen, aber heute musste sie wirklich Respekt einflößend wirken. Und das war gar nicht so einfach, wenn man gerade einmal eins sechzig groß war und alle Spieler und Trainer der Brooklyn Bruisers einen ein bis zwei Köpfe überragten. Die zusätzlichen Zentimeter ihrer Schuhe würde sie heute gut gebrauchen können. Mit der Pressekonferenz, die sie anberaumt hatte, würde sie dem Team schon beweisen, dass es nicht nötig war, einen neuen Pressechef einzustellen, nachdem ihr Vorgesetzter vor zwei Monaten gekündigt hatte.
Jeder Tag mit Georgia am Steuer der Presseabteilung des Eishockeyteams war ein Sieg. Sie brauchte nur noch ein kleines bisschen mehr Zeit, um zu demonstrieren, dass sie diesen Job auch allein hinbekäme.
Genau wie noch ein kleines bisschen mehr Übung in diesen Schuhen. In Tennisschuhen war Georgia praktisch unbezwingbar. Sie konnte einen Ball mit einer Geschwindigkeit von hundertzwanzig Stundenkilometern über den Tennisplatz schlagen. Sie konnte für einen kurzen Ball zum Netz hechten, zurückspielen und sich anschließend in jede erdenkliche Richtung wenden. Aber in ihren einzigen Pradas mit sieben Zentimeter hohen Absätzen über die Water Street zu stöckeln – das war eine Herausforderung.
Es war ein sonniger Wintermorgen, und vom East River wehte eine steife Brise herüber, dabei war Brooklyn um diese Tageszeit besonders hübsch, wenn das schräg einfallende Sonnenlicht den Backsteinfassaden einen rosigen Anstrich verlieh und sich in all den altertümlichen Fenstern spiegelte. Sie bog (vorsichtig!) in die Gold Street ein und beschleunigte ihre Schritte in Richtung Büro. Die Pförtner der Gebäude, an denen sie vorbeikam, waren mit ihrer täglichen Morgenroutine beschäftigt – den Bürgersteig zu kehren und jeden Dreck, der sich möglicherweise in der Nacht dort angesammelt hatte, mit dem Wasserschlauch wegzuspritzen. Das war mehr oder weniger genau das, was sie selbst in den letzten paar Jahren getan hatte: Sie hatte sich stets der Morgensonne zugewandt und alle düsteren Gedanken aus ihrem Kopf verbannt.
In zwei Stunden würde sie eine Pressekonferenz leiten, in der der Besitzer des Neuzugangs in der NHL endlich seinen neuen Cheftrainer vorstellen würde. Sie hatte die Veranstaltung allein geplant, und sie musste fehlerfrei über die Bühne gehen.
Von dieser Ankündigung hing für alle eine Menge ab. Das Team brauchte die Publicity. Vor nicht einmal zwei Jahren hatte Georgias Boss das Team aus Long Island gekauft und nach Brooklyn umgesiedelt. Es war ein riskantes Manöver, und nicht wenige Sportexperten unkten bereits, dass es schiefgehen würde.
Und als stünde für Georgia nicht schon genug auf dem Spiel, war der neue Coach auch noch zufällig ihr Vater. Nach zwanzig Jahren als Trainer von Collegeteams und einer kurzen Zeit als Co-Defensivcoach bei den Rangers hatte er nun zugestimmt, den riskantesten NHL-Posten des Landes zu übernehmen.
Dass der eigene Vater ihr nun bei der Arbeit den Rang ablief, war für Georgia nicht gerade die Erfüllung eines Traums, aber sie stand ihrem Vater seit jeher nahe und wusste, dass es ein großer Schritt für ihn war. Sie würde einfach das Beste aus der Situation machen müssen.
Und überhaupt – er war ein guter Trainer, und sie wollte doch, dass ihre Jungs gewannen. Nein, sie mussten gewinnen. Schon jetzt war der Chor der Stimmen, die sie als Versager abschreiben wollten, zu laut. Es hieß, in der Umgebung gebe es schon zu viele Eishockeymannschaften. Es hieß, der Internetmilliardär, der das Team gekauft hatte, wisse nicht, was er tue. Und nun war es Georgias Aufgabe, all diesen ungefragten Meinungsäußerungen mit einer professionellen Außendarstellung zu begegnen.
Die Kritiker irrten sich sowieso. Erstens konnte es nie genug Eishockeymannschaften geben. Und zweitens hatte sie den Eindruck, dass der junge Besitzer ganz genau wusste, was er tat.
Sie stieg die Stufen zum Hauptsitz der Mannschaft empor und zog an dem Türknauf aus Messing. Georgia schämte sich nicht dafür, dass sie das Gebäude mit der gleichen Begeisterung liebte wie andere einen neuen Liebhaber. Sie mochte das Gefühl der schweren Holztür unter ihrer Hand, mochte den goldenen Schimmer der Holzböden im Inneren. Wie viele andere Gebäude in der Gegend war es um die Jahrhundertwende eine Fabrik gewesen. Der Besitzer des Teams – der Internetmilliardär Nate Kattenberger – hatte es in einem völlig heruntergekommenen Zustand erworben und jedes Detail liebevoll restaurieren lassen. Jedes Mal, wenn sie die Eingangshalle mit ihren freigelegten Backsteinmauern und den alten Karbidlampen betrat, empfand sie Freude.
Gleich hinter dem Eingang hing ein großer Bildschirm an der Wand, der Ausschnitte vom Sieg der Jungs in Toronto zeigte. Damals, als Georgia gerade erst angefangen hatte, als Assistentin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu arbeiten, hatte sie dieses Filmchen selbst zusammengeschnitten. Es bereitete ihr eine heimliche Freude, dass jeder Besucher im Hauptsitz als Allererstes ihr Werk zu sehen bekam.
Die Stelle bei den Bruisers war ihr erster Job nach dem College. Sie hatte ihn bekommen, kurz nachdem Nate Kattenberger das Team übernommen hatte. Er hatte beinahe die komplette Belegschaft gefeuert und ganz neu angefangen. Für die langjährigen Beschäftigten war das natürlich schlecht, aber für eine zweiundzwanzigjährige Collegeabsolventin war es ein Glücksfall. In den Anfangstagen hatte sie alles gemacht – vom Kaffeekochen, ans Telefon gehen bis hin zum Organisieren von Fototerminen.
Nate nannte sie noch heute Angestellte Nummer drei. Man musste Nate kennen, um zu verstehen, dass ein solcher Spitzname die höchste Form der Anerkennung war. In der Internetbranche galt es als Statussymbol, zu den ersten Mitarbeitern einer Firma zu gehören.
Georgia war es egal, ob sie Angestellte Nummer drei oder dreihundertdreiunddreißig war. Aber sie wollte unbedingt diesen Top-Posten im Pressebereich.
Als der Pressechef vor acht Wochen gekündigt hatte, um mit seinem Freund nach Kalifornien zu ziehen, hatte Georgia kommissarisch seine Stelle übernommen. Und bislang war der Geschäftsführer, Angestellter Nummer zwei, viel zu sehr damit beschäftigt, vor dem Ende der Transferperiode Spieler einzukaufen, um sich nach einem erfahreneren Ersatz für die PR-Abteilung umzusehen.
Mit vierundzwanzig Jahren war sie nun also (zumindest vorübergehend) die Pressechefin einer NHL-Mannschaft.
Kneif mich, dachte sie, während ihre Absätze wichtig über den glänzenden Fußboden klackerten. Von der Lobby aus führte der linke Korridor in Richtung der Krafträume und der brandneuen Trainingseisfläche, die Kattenberger hatte bauen lassen. Aber Georgia ging in die andere Richtung, zum Bürotrakt auf der rechten Seite. Die Flügeltür, die sie durchschreiten musste, bestand aus welligem alten Butzenglas und verlieh dem Korridor den Anschein einer Unterwasserwelt – zumindest bis sie sie jetzt öffnete.
Das Erste, was sie hinter der Tür hörte, war die Stimme ihres Vaters. Und er brüllte.
Oh, oh.
Später, als sie die Ereignisse des Tages im Kopf noch einmal durchging, erkannte sie, dass die Dinge ab diesem Augenblick anfingen schiefzulaufen. Dabei war es noch nicht einmal neun Uhr.
»Was mache ich überhaupt hier?«, dröhnte ihr Vater. »Sie haben gesagt, ich hätte bei den Verträgen ein Mitspracherecht. Aber ich bin noch keine zehn verdammten Minuten im Gebäude und muss feststellen, dass Sie einen Spieler verpflichtet haben, den ich nicht will?«
»Tatsächlich«, setzte eine andere Stimme an. Diese Stimme kannte Georgia auch. Sie gehörte Nate, dem zweiunddreißigjährigen Besitzer des Teams. Der Selfmade-Milliardär hatte vor elf Jahren von seinem Zimmer im Studentenwohnheim aus eine Suchmaschine entwickelt, die mittlerweile auf achthundert Millionen Mobilgeräten installiert war. Nate begann eine Menge Sätze mit dem Wort »Tatsächlich«.
»Tatsächlich«, wiederholte er, »haben wir diesen Spieler einen Tag, bevor Sie das Gebäude betreten haben, verpflichtet, und das ist unser absolutes Vorrecht. Lesen Sie Ihren Vertrag durch.«
»Ich sollte mir den Vertrag nicht durchlesen müssen«, dröhnte ihr Dad. »Ich habe meine ganze Karriere aufs Spiel gesetzt, um ein Team zu trainieren, von dem alle annehmen, dass es versagen wird. Sie haben gesagt: Vertrauen Sie mir, Karl. Ich brauche Sie, Karl. Und dann ziehen Sie so eine Scheiße ab?«
»Streng genommen …«
»›Streng genommen‹ ist was für Weicheier. Sie haben da gerade eine ziemlich unehrliche Scheiße abgezogen, und ein echter Mann würde das wenigstens zugeben.«
Oh je, bitte nicht. Auf ihren hohen Absätzen schlitterte sie auf Mr Kattenbergers Büro zu, in der Hoffnung, diese Auseinandersetzung beenden zu können. Die Männlichkeit des Besitzers infrage zu stellen,...




