E-Book, Deutsch, Band 1, 311 Seiten
Reihe: Ivy-Years-Reihe
Bowen The Ivy Years – Bevor wir fallen
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7363-0473-4
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 311 Seiten
Reihe: Ivy-Years-Reihe
ISBN: 978-3-7363-0473-4
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Liebe kann dich heilen ... aber auch zerstören.
Wegen eines schweren Sportunfalls muss Corey Callahan das College im Rollstuhl beginnen. In ihrem Wohnheim trifft sie Adam Hartley, einen charismatischen Eishockeyspieler, der sich das Bein gebrochen hat und wegen seiner Krücken im benachbarten barrierefreien Zimmer untergebracht wurde. Ein Glücksfall, denn Adam behandelt sie als Einziger ganz normal. Corey entwickelt schnell Gefühle für Adam, die über enge Freundschaft weit hinausgehen - aber Adam hat eine wunderhübsche Freundin und gegen die hat Corey in ihrem Rollstuhl doch sowieso keine Chance ...
'Ich liebe Sarina Bowens Geschichten. Ich werde alles von ihr lesen!' Colleen Hoover, Spiegel-Bestseller-Autorin
Band 1 der Ivy-Years-Reihe von USA-Today-Bestseller-Autorin Sarina Bowen
Sarina Bowen ist die USA-Today-Bestsellerautorin der von Lesern und Bloggern gefeierten True-North-Reihe. Sie hat Wirtschaftswissenschaften in Yale studiert und lebt nun mit ihrer Familie in Hanover, New Hampshire.
Weitere Infos & Material
1
Wasserspeier und ein Barbecue
Corey
»Sieht doch vielversprechend aus«, sagte meine Mutter, als sie die mit Efeu überwucherte Fassade des Studentenwohnheims betrachtete. Ich hörte die großen Erwartungen, die in ihrem Tonfall mitschwangen. »Probier mal deinen Kartenschlüssel aus.«
Überall auf dem Campus hörte man die Ahs und Ohs der Eltern der Erstsemesterstudenten am Harkness College. Den Reiseführern konnte man entnehmen, dass drei der letzten sechs Präsidenten mindestens einen Abschluss an diesem dreihundert Jahre alten College gemacht hatten; und dass zweimal täglich Studenten der Carillon Guide die einhundertvierundvierzig Stufen des Beaumont-Towers hinaufstiegen, um den Campus mit einem Ständchen zu beglücken, das von den Glocken herrührte, von denen jede mindestens eine Tonne wog.
Allerdings interessierte sich meine Mutter leider weder aus historischen noch aus architektonischen Gründen für das Wohnheim. Es war die Rampe für Rollstuhlfahrer, die es ihr angetan hatte.
Ich rollte vorwärts und hielt meine glänzende neue Harkness-ID vor den Kartenleser. Dann drückte ich die blaue Taste mit dem Rollstuhl darauf und hielt die Luft an, bis die schön gewölbte Tür langsam aufschwang. Nach allem, was ich im vergangenen Jahr durchgemacht hatte, konnte ich kaum glauben, dass dies hier tatsächlich geschah. Ich war drin.
Nachdem ich die Rampe hoch und in das schmale Gebäude gerollt war, zählte ich zwei Schlafräume – einen links, einen rechts des Ganges – mit breiten Türen, die von den barrierefreien Zimmern dahinter kündeten. Vor mir sah ich eine Treppe mit einem hübschen Geländer aus Eiche. Wie die meisten Wohnheime am Harkness College hatte auch dieses keinen Aufzug. Einem der oberen Räume würde ich mit meinem Rollstuhl also gewiss keinen Besuch abstatten.
»Der Boden ist absolut ebenerdig«, stellte meine Mutter beifällig fest. »Als man uns mitgeteilt hat, dass das Gebäude acht Jahre alt ist, hatte ich da meine Zweifel.«
Und das war noch vorsichtig ausgedrückt.
Der Umstand, dass meine Eltern mich förmlich angefleht hatten, nicht hierherzukommen, war nur das Tüpfelchen auf dem i der bitteren Ironie, die mich verfolgte. Während andere Eltern in solchen Momenten praktisch Konfetti über ihren Nachwuchs regnen ließen, hatten meine pro Kopf zwei Herzattacken erlitten, weil ihre Kleine sich für ein College entschieden hatte, das mehr als tausend Kilometer von zu Hause entfernt lag, was bedeutete, dass sie nicht alle halbe Stunde nach ihr sehen konnten.
Gott sei Dank.
Nach dem Unfall hatten sie mich auf Knien angefleht, noch ein Jahr zu warten. Aber wer hatte schon Lust, ein Jahr herumzuhängen und keinen anderen Zeitvertreib zu haben als zusätzliche Stunden Physiotherapie. Als ich auf den sprichwörtlichen Tisch schlug, um endlich mit dem College beginnen zu können, änderten meine Eltern ihre Taktik und versuchten, mich dazu zu überreden, lieber in Wisconsin zu bleiben und dort eine Uni zu besuchen. Anschließend musste ich mir jede Menge besorgter Vorträge zu den Themen »Warum ausgerechnet Connecticut?« und »Du musst niemandem etwas beweisen!« anhören.
Doch ich wollte es so. Ich wollte die Chance, dieselbe Eliteuniversität zu besuchen wie mein Bruder. Ich wollte die Unabhängigkeit, ich wollte einen Tapetenwechsel, und vor allem wollte ich mir den Geschmack des vergangenen Jahres aus dem Mund spülen.
In diesem Moment öffnete sich die Tür links von mir und ein hübsches Mädchen mit dunklen Locken streckte den Kopf heraus.
»Corey!«, rief sie mit einem Strahlen im Gesicht. »Ich bin Dana!«
Als ich die Nachricht, mit wem ich zusammenwohnen würde, aus unserem Briefkasten in Wisconsin gefischt hatte, hatte ich nicht recht gewusst, was ich von Dana halten sollte. Doch in den vergangenen Monaten hatten wir einige E-Mails hin- und hergeschrieben, und ich hatte sie ein wenig besser kennengelernt.
Sie stammte aus Kalifornien, hatte aber eine Highschool in Tokio besucht, weil ihr Vater dort seit Jahren geschäftlich zu tun hatte. Über meine körperlichen Macken wusste sie Bescheid. Ich hatte ihr erklärt, dass ich in meinem rechten Fuß und meinem ganzen linken Bein kein Gefühl mehr hatte. Und ich hatte sie vorgewarnt, dass ich die meiste Zeit im Rollstuhl saß. Auch wenn ich mit unförmigen Beinschienen und auf Unterarmstützen manchmal eine armselige Imitation des aufrechten Gangs hinlegte. Außerdem hatte ich mich bei ihr dafür entschuldigt, dass man ihr mit mir eine äußerst seltsame Mitbewohnerin zugewiesen hatte und dass sie für den Rest des Erstsemesters mit »der Behinderten« in einem anderen Wohnheim als die anderen Studenten leben musste.
Nachdem Dana mir sofort geantwortet hatte, dass mache ihr nichts aus, begann mir eine kleine Hoffnungsfee auf meiner Schulter aufmunternd ins Ohr zu flüstern. Das kleine gefiederte Ding schwirrte wochenlang um mich herum und hauchte seine Ermutigungen. Als ich Dana nun zum ersten Mal in Fleisch und Blut vor mir stehen sah, schlug die Hoffnungsfee auf meiner Schulter begeistert ein Rad.
Ich breitete die Arme aus und schloss den Rollstuhl in meine Geste mit ein. »Wie hast du mich erkannt?«
Ihre Augen funkelten, bevor sie genau richtig reagierte: »Facebook, du Dussel!« Dann riss sie die Tür auf, und ich rollte hinein.
»Unser Zimmer ist sagenhaft!«, rief Dana schon zum dritten Mal. »Wir haben mindestens doppelt so viel Platz wie alle anderen. Das ist super für Partys.«
Gut, dass ich mit Dana eine Mitbewohnerin hatte, für die das Bierglas immer halb voll war.
Unser Zimmer war wirklich schön. Direkt hinter der Tür lag etwas, das Harkness-Studenten einen »Gemeinschaftsraum« nannten, was für den Rest der Welt aber einfach ein Wohnzimmer war. Daran grenzten zwei Schlafzimmer, die beide groß genug waren, um darin mit einem Rollstuhl manövrieren zu können. Was die Möbel anbetraf, so verfügte jede von uns über einen Schreibtisch und – überraschenderweise – ein Doppelbett.
»Ich habe Laken für ein schmales Bett mitgebracht«, sagte ich irritiert.
»Ich auch«, lachte Dana. »Vielleicht haben barrierefreie Zimmer immer Doppelbetten. Egal, dann müssen wir eben shoppen gehen – wie schrecklich!« Ihre Augen blitzten.
In dem Moment kam, unter der Last einer meiner Koffer schnaufend, meine Mutter ins Zimmer. »Shoppen? Wozu?«
»Bettwäsche«, antwortete ich. »Wir haben Doppelbetten.«
Sie klatschte in die Hände. »Dann bringen wir euch Mädels zu Target, bevor wir zurückfahren.«
Ich wäre meine Eltern lieber gerne schnell wieder losgeworden, doch Dana stimmte begeistert zu.
»Aber ich schau mich erst noch mal um. Vielleicht brauchst du ja noch mehr Sachen«, sagte meine Mutter und marschierte in unser Badezimmer.
Das Bad war geräumig und hatte eine barrierefreie Dusche.
»Perfekt«, rief sie. »Lass uns schon mal ein paar Sachen von dir einräumen und sehen, wo du deine Katheter trocknen kannst.«
»Mutter!«, zischte ich. Ich hatte wirklich keine Lust, gleich als erstes meine abgefahrenen Rituale vor meiner Mitbewohnerin zu erörtern.
»Wenn wir zu Target fahren«, ließ sich Dana aus dem Gemeinschaftsraum vernehmen, »sollten wir uns auch nach Teppichen umsehen. Hier drin hallt es.«
Meine Mutter kam aus dem Bad gelaufen, um mich noch tiefer zu demütigen. »Oh, solange Corey noch laufen übt, ist ihr ein Teppich bloß im Weg. Sie könnte stolpern. Aber sagt doch mal, wo Frank euren Fernseher aufhängen soll«, fügte sie hinzu, während sie sich im Kreis drehte.
Ich nahm die Gelegenheit wahr, das Thema zu wechseln. »Mein Vater hat einen Flachbildfernseher und einen Kabelvertrag für uns besorgt«, erklärte ich Dana. »Das heißt, falls du nichts dagegen hast, es steht ja nicht jeder auf Fernsehen.«
Dana wog nachdenklich den Kopf hin und her. »Ich bin auch nicht so der Fernsehjunkie …« Ihre Augen blitzen. »Aber vielleicht versammeln sich ja gewisse, äh, Leute in unserem Zimmer, um hier Sport zu gucken.«
Meine Mutter lachte. »Was für Leute?«
»Habt ihr unseren Nachbarn noch nicht gesehen? Er ist im dritten Studienjahr.« Meine neue Mitbewohnerin blickte vielsagend Richtung Gang.
»Gegenüber?«, fragte ich. »In dem zweiten barrierefreien Schlafraum?« Nicht gerade der erste Ort, an dem ich nach einem heißen Typen suchen würde.
Sie nickte. »Wart’s ab. Du wirst schon sehen.«
Unsere Einkaufstour dauerte viel länger, als ich gehofft hatte. Meine Mutter bestand mit dem Hinweis, dass die speziellen Betten unsere Schuld seien, darauf, für Danas neue Laken zu bezahlen.
Sie entschied sich für eine Daunendecke mit einer riesigen toten Blume in der Mitte. Ich nahm Punkte.
»Sehr fröhlich«, kommentierte Mom anerkennend.
Meine Mutter hatte immer schon auf fröhlich gestanden. Aber nach den Monaten, die wir hinter uns hatten, klammerte sie sich an den Begriff wie an einen Rettungsring.
»Und jetzt die passenden Kopfkissen, meine Damen. Und …«, sie bog in den nächsten Gang ein, »für jede ein Extrakissen. Sonst sehen die Betten nicht richtig aus.«
»Sie muss das nicht tun«, flüsterte Dana mir zu.
»Lass sie«, gab ich zurück und bedeutete ihr, sich zu mir herunterzubeugen, damit ich etwas Vertrauliches hinzufügen konnte. »Kuck mal nach Teppichen. Wenn du was Gutes entdeckst, kommen wir ein andermal noch mal her.«
Sie sah mich...




