E-Book, Deutsch
Reihe: dp Verlag
Bowen Tödliche Melodie
2. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98778-142-1
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ein unterhaltsamer Wales-Krimi mit skurrilen Figuren
E-Book, Deutsch
Reihe: dp Verlag
ISBN: 978-3-98778-142-1
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der neunte Fall von Constable Evans vor der idyllischen Kulisse Wales
Nur noch zwei Wochen, dann darf Evan seine Bronwen endlich heiraten. Doch die einst so unkomplizierte Beziehung steht vor einer schweren Probe und das angespannte Verhältnis zwischen Evans Mutter und seiner Verlobten macht die Sache nicht besser. Dann trifft Evan auch noch auf einen Wanderer, der berichtet, seine Freundin auf der Wandertour verloren zu haben. Sofort wird ein Trupp zusammengestellt und die Suche nach dem Mädchen aufgenommen – leider ergebnislos. Als Evan mysteriöse Botschaften erreichen, deren Lösung ihn zu dem Mädchen führen soll, nimmt der Fall eine neue Wendung an, die Evan und seiner Verlobten zum Verhängnis werden könnte …
Dies ist eine überarbeitete Neuauflage des bereits erschienenen Titels Tödliche Melodie.
Weitere Titel dieser Reihe
(ISBN: 9783986379452)
(ISBN: 9783986376963)
(ISBN: 9783986377151)
(ISBN: 9783986377250)
(ISBN: 9783986377410)
(ISBN: 9783987781209)
(ISBN: 9783987781490)
(ISBN: 9783987781360)
(ISBN: 9783987781353)
Erste Leser:innenstimmen
„Eine Krimi-Reihe mit Suchtpotential!“
„Für den Winter genau das richtige Buch zum Einkuscheln und Mitfiebern.“
„Wieder ein mitreißender Fall. Auch Evan Evans Privatleben kommt nicht zu kurz. Die Autorin beherrscht die perfekte Mischung.“
„Wohlfühlkrimi mit toller Atmosphäre und sympathischen Protagonisten.“
Rhys Bowen wurde in Bath, England, geboren, studierte an der London University, heiratete in eine Familie mit historischen königlichen Verbindungen und verbringt nun ihre Zeit im Norden von Californien und Arizona. Zunächst schrieb sie Kinderbücher, doch auf einer Reise in ihre malerische walisische Heimat fand sie die Inspiration für ihre Constable-Evans-Krimis. Diese Kriminalgeschichten sind mittlerweile Kult und wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Er wusste, dass er nicht Klavier spielen sollte, doch er konnte nicht anders. Sein letzter Arzt im Krankenhaus hatte ihm nahegelegt, dass es in diesem Gemütszustand nicht weise war, und die alte Kuh von nebenan hatte klargemacht, dass sie den Krach nach neun Uhr nicht hören wollte. Doch es rief nach ihm, zog ihn zu sich, so unausweichlich als wäre er ein Fisch am Haken. Er musste das kühle Elfenbein unter seinen Fingern spüren und den Raum mit Musik erfüllen, um die Finsternis zu verdrängen.
Er öffnete die Tür und tastete nach dem Lichtschalter. Der Flügel nahm beinahe das gesamte Wohnzimmer ein. Es war ein prachtvolles Instrument und verdiente es, einen ganzen Raum nur für sich zu haben. Es aufzugeben war unvorstellbar. Was machte es da schon aus, dass das andere Zimmer im Erdgeschoss vollgestopft war - es war ja nicht so, als würde er Besuch empfangen.
Er wühlte in der Klavierbank herum und holte das erste Notenbuch heraus, das seine Finger zu fassen bekamen. Chopin, . Die technisch herausforderndsten Stücke seiner Notensammlung. Er schlug das Buch an einer zufälligen Stelle auf und spielte. Er kannte das Stück gut und spielte es mühelos vom Blatt. Die Klänge von Sehnsucht und Leidenschaft hingen noch in der Luft, nachdem er die Etüde bereits beendet hatte. Dann blätterte er um und zuckte zusammen, als er sah, was er vor sich hatte. Die Nocturne in Fis-Dur, geschrieben von einem Virtuosen, der sein eigenes Talent zur Schau stellen wollte. Er ging das Stück trotzdem an. Durch den langsamen Teil konnte er sich hindurchmogeln, indem er mit falschem Fingersatz spielte. Jetzt zwang er seine Finger zum Gehorsam und sie flogen über die Tasten, bis sich eine Lücke auftat, wo sein Ringfinger sein sollte. Ein falscher Ton erklang. Er schmetterte den Klavierdeckel zu und brach in Tränen aus.
„War das alles, Evan ?“ Charlie Hopkins setzte die Kiste auf dem Plattenweg vor der Tür des Cottages ab und richtete sich wieder auf. Er hatte eine Hand auf seine Brust gelegt und atmete schwer. Es musste einiges geschehen, damit Charlie Hopkins außer Puste kam, selbst mit seinen zweiundsiebzig Jahren, aber an einem heißen Nachmittag zum zehnten Mal den Berghang zu erklimmen, war zu viel.
„Ich glaube, das war’s, Charlie“, sagte Evan Evans, der ebenfalls schwer atmete, obwohl er nur halb so alt wie Charlie und gut in Form war. „Ich kann Ihnen gar nicht genug für Ihre Hilfe danken. Mir war nicht ganz klar, was für ein anstrengender Marsch das werden würde.“
„Was soll man sonst erwarten, wenn man sich dafür entscheidet, fast oben am verdammten Gipfel zu wohnen?“, wollte Charlie wissen. Er holte ein großes Taschentuch heraus und wischte sich über die Stirn.
Evan lächelte. „Bronwen wollte eine Umzugsfirma engagieren.“
Charlie schnaubte. „Mit einem Umzugswagen kommt man hier nie im Leben hoch. Ich wüsste gerne, welche Umzugsfirma sie gefunden hätte, um die Möbel so wie wir hier heraufzutragen. Da hätten Sie es eher mit einem Streik zu tun bekommen.“
„Das habe ich ihr auch gesagt“, sagte Evan. Er hob mit einem Grunzen eine Kiste an und stieß mit dem Fuß die Haustür auf. Charlie folgte ihm mit der zweiten Kiste.
„Wo soll ich das hier hinstellen?“, fragte er. Sein Blick wanderte durch das kleine Wohnzimmer, in dem sich bereits Möbel und Kisten stapelten.
„Irgendwo auf den Boden, vielen Dank“, sagte Evan und stellte seine eigene Kiste zu einigen anderen. „Wie kann eine einzige Frau so viele Dinge besitzen?“
„Das gehört alles ihr?“
„Ja. Sie muss diese Woche aus dem Schulhaus ausziehen.“
Charlie Hopkins sog Luft zwischen seinen Zähnen hindurch. „Ah, dann ist es also wahr. Man wird die Schule schließen.“
„So ist es. Man hat Bron eine Stelle in der neuen Grundschule an der Straße nach Caernarfon angeboten. Fünfhundert Schüler werden auf diese Schule gehen. Ein ganz modernes Glasgebäude. Ich schätze, für die Kinder aus dem Dorf wird das ein Schock.“
„Ich verstehe nicht, warum sie alles ändern mussten“, sagte Charlie. „Diese Schule war gut genug für mich und für meine Jungs.“
„Ich bin mir sicher, dass mit einer Lehrerin wie Bronwen alles gut lief“, sagte Evan. „Aber ich kann verstehen, dass sie einer schlauen Zehnjährigen und einem langsamen Sechsjährigen nicht die individuelle Aufmerksamkeit schenken kann, die sie verdient hätten.“
Charlie nickte. „Vielleicht haben Sie recht. Der Unterricht ist heute anders. Als ich zur Schule ging, haben wir noch für jeden Fehler im Diktat Stockschläge auf die Finger bekommen.“
Evan lachte. „Dann ist Ihre Rechtschreibung bestimmt tadellos.“
„Ist sie auch.“ Charlie lächelte und entblößte mehrere Lücken in seinen Zahnreihen. „Dann hat Ihre Bronwen ja Glück, dass sie heiraten und zusammen hier einziehen. Sonst müsste sie auf Wohnungssuche gehen.“
„Bei Ihnen klingt das so, als würde sie mich nur heiraten, weil sie das Schulhaus verliert.“
Charlie kicherte. „Nein, ich schätze, sie hätte es schlechter treffen können. Dann geben Sie auch das Cottage auf, das Sie von Mrs. Howells gemietet haben?“
„Erst nach der Hochzeit. Bronwen findet es nicht richtig, dass ich schon mit ihr hier einziehe. Besonders, weil meine Mutter zu Besuch kommen wird. Sie ist in diesen Dingen recht altmodisch.“
Charlie grinste erneut. „Richtig so. Keine Techtelmechtel. Die Hochzeit wird eine große Feier, oder? Ich hörte, Sie lassen sich nicht in der Kapelle trauen.“ Er folgte Evan in die leichte Nachmittagsbrise hinaus, die vom Ozean heraufwehte.
Evan wuchtete eine weitere Kiste mit Küchenutensilien hoch und schwankte damit zurück ins Cottage. „Bron und ich wollten es, aber ihre Mutter hat den Aufstand geprobt. Sie müssen wissen, dass sie als Mitglied der Church of Wales aufgezogen wurde, wie alle vornehmen Leute. Ihre Mutter konnte die Vorstellung nicht ertragen, dass ihre Tochter in einer nichtanglikanischen Kapelle heiratet.“ Er stieg auf einen Küchenstuhl und kämpfte darum, das Gleichgewicht zu behalten. „Wenn es nach mir ginge, würde ich mit ihr durchbrennen und in einem Standesamt heiraten, aber Hochzeiten scheinen für Frauen eine große Sache zu sein. Und Bronwen hat beim letzten Mal schon keine anständige Hochzeit gehabt.“
„Sie war schon mal verheiratet? Das wusste ich nicht.“
„Na ja, sie hat es nicht gerade an die große Glocke gehängt, was? Sie heiratete gleich nachdem sie die Universität abgeschlossen hatte.“
„Moment mal – wie könnt ihr dann in einer Kirche heiraten?“
„Weil ihre erste Ehe annulliert wurde. Ihr Ehemann war ... nicht besonders zufriedenstellend.“ Er spürte, dass er rot wurde.
Charlie grinste angesichts seines Unbehagens. „Dieses Mal wird sie in der Hinsicht wohl keine Beschwerden haben.“
Evan wandte den Blick ab. „Wir werden sehen“, sagte er. „Aber auf jeden Fall will sie dieses Mal eine richtige Hochzeit mit allem Drum und Dran.“
„Das wollen die meisten Frauen.“
„Evan schüttelte den Kopf. „Das war mir nicht bewusst. Plötzlich finde ich mich in Diskussionen um Sträuße und Champagnermarken wieder. Wie hoch soll die mehrstöckige Torte werden, wie groß das Festzelt?“
„! Sagen Sie bloß, dass Sie ein Festzelt haben werden.“ Charlie wirkte beeindruckt.
„Auf dem Rasen neben der Kirche. Ihre Eltern bestehen darauf, die Kosten zu übernehmen, und machen eine große Sache daraus. Mittlerweile wünschte ich, wir hätten im kleinen Rahmen geheiratet und ihnen erst im Nachhinein davon erzählt.“
„Willkommen in der wundervollen Welt der Schwiegereltern, Junge. Das ist erst der Anfang.“
„Zum Glück wohnen sie weit weg.“ Evan sah mit einem Grinsen auf. „Und meine Mutter auch. Über ihren Besuch freue ich mich auch nicht besonders.“
„Wird sie bei Ihnen wohnen?“
„Ich habe ja nur ein einziges Bett. Deshalb bringe ich sie bei Mrs. Williams unter. Sie werden viel Spaß haben, sich über meine Fehler unterhalten und auf Walisisch plaudern. In Swansea hat sie nicht sehr viele Leute, mit denen sie Walisisch sprechen kann.“
„Stell sich das einer vor. Dann bin ich froh, hier oben zu leben.“ Er folgte Evan mit der letzten Kiste ins Cottage. „Wenn das alles war, mache ich mich besser wieder an den Abstieg, Evan . Meine Frau wird schon mit dem Abendessen auf mich warten, und sie kann es nicht leiden, wenn es kalt wird.“
„Natürlich. Dann machen Sie sich auf den Weg, Charlie, und noch mal vielen Dank für Ihre Hilfe. Allein hätte ich das nicht geschafft.“
„Wir wollen ja nicht, dass Sie vor der Hochzeit völlig geschlaucht sind, was?“ Charlie stieß ihm seinen Ellenbogen in die Seite und lachte keuchend. Dann trat er aus dem Cottage, blinzelte in das helle Sonnenlicht, stand einen Moment lang da und genoss mit einem zufriedenen Seufzen die Aussicht. Es war einer dieser perfekten Sommertage, die in diesem Teil von Wales so selten sind. Der Himmel war eine klare, blaue Glaskuppel über der Berglandschaft mit leuchtend violettem Heidekraut, glitzernden Bächen und tiefen Tälern. Das Dorf Llanfair aalte sich unter ihnen in der Nachmittagssonne und sah mit seiner Reihe weiß getünchter Cottages wie ein Puppendorf aus. Möwen zogen über ihnen ihre Kreise und Schafe blökten auf den Hochweiden. Die Luft war erfüllt vom Geruch des blühenden Heidekrautes und einem Hauch von Meeresduft.
„Wenn man so darüber nachdenkt“, sagte Charlie langsam, „kann man verstehen, warum Sie hier wohnen wollen. Diesen Ausblick könnte man selbst für eine...




