Bowen | Was niemand von uns weiß - Burlington University | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 383 Seiten

Reihe: LYX.digital

Bowen Was niemand von uns weiß - Burlington University


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7363-1715-4
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 383 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-7363-1715-4
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Er ist der Einzige, der sein Geheimnis kennt ...

Kieran Shipley hat viele Geheimnisse. Niemand weiß, dass er eigentlich viel lieber an der Burlington University studieren will, statt auf der Familienfarm zu arbeiten, und dass er auf Männer steht - bis auf Roderick Waites. Das Letzte, was er daher gebrauchen kann, ist, dass Roderick plötzlich wieder in sein Leben tritt. Als dieser eine Bleibe sucht, bietet ihm Kieran wider besseres Wissen das freie Zimmer in seiner Wohnung an. Auch wenn er den sehnsuchtsvollen Blicken seines neuen Mitbewohners nur schwer widerstehen kann, ist Kieran klar, dass er Abstand halten muss. Sollte Roderick sein Geheimnis verraten, könnte er alles verlieren ...

'Mit diesem Roman hat Sarina Bowen einen Volltreffer gelandet! Kierans and Rodericks Geschichte ist eines meiner Jahreshighlights.' BIG GAY FICTION PODCAST

Band 3 der neuen New-Adult-Reihe von USA-TODAY-Bestseller-Autorin Sarina Bowen



Sarina Bowen ist die USA-TODAY-Bestseller-Autorin der gefeierten THE-IVY-YEARS-Reihe. Sie hat Wirtschaftswissenschaften in Yale studiert und lebt nun mit ihrer Familie in Hanover, New Hampshire.

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1


Roderick

Manchmal nervt Erwachsensein einfach nur.

Das sind meine Gedanken, als ich meinen klapprigen VW Käfer die Kieseinfahrt meiner Eltern entlangsteuere. Ich habe einen Großteil des letzten Jahrzehnts nicht hier verbracht und mache mich auf alle Eventualitäten gefasst. In der Zwischenzeit könnte alles Mögliche passiert sein. Sie könnten weggezogen sein. (Wobei das unwahrscheinlich ist.) Sie könnten sich haben scheiden lassen. (Auch schwer vorstellbar.)

Durchaus denkbar, dass einer gestorben ist oder auch beide.

Ich habe keine Ahnung, was ich empfinden werde, falls Letzteres eingetreten ist. Meine Eltern und ich sind nicht im Guten auseinandergegangen, um es milde auszudrücken. Aber Menschen können sich ändern.

Das tun jedoch nicht alle.

Auf den ersten Blick sieht das Grundstück meiner Eltern völlig unverändert aus. Das kleine eingeschossige Haus hat noch immer eine billige Fassadenverkleidung aus PVC, und der ockergelbe Farbton ist genauso, wie ich ihn in Erinnerung habe.

Die großen Kiefern wurden im unteren Bereich sorgsam von toten Ästen befreit, was für das Fortleben meines Vaters spricht, der immer gern seine Kettensäge angeworfen hat, um für Ordnung zu sorgen. Außerdem ist Dads alter Sitzrasenmäher in der Garage zu sehen.

Er lebt also noch. Unsinnigerweise überkommt mich kurz Erleichterung. Der Mann wird mir wahrscheinlich die Tür vor der Nase zuschlagen, wenn er sieht, wer da zu Besuch gekommen ist. Das hier wird übel ausgehen. Da bin ich mir schon zu neunundneunzig Prozent sicher.

Trotzdem muss ich sie um Hilfe bitten. Nachdem ich das Benzingeld für die Fahrt von Nashville hierher ausgegeben habe, kann ich weniger als vierhundert Dollar mein Eigen nennen. Und keinen Job. Wenn sie mich abweisen, schlafe ich heute Nacht wieder in meinem Auto.

Das wird mich nicht umbringen, aber ideal ist es nicht.

Ich halte vor der Garage, steige aus und hätte den Wagen beinahe abgeschlossen, so sehr bin ich daran gewöhnt, in Nashville zu parken. Ich wohne seit acht Jahren nicht mehr unter diesen großen Kiefern.

Damals konnte ich es nicht erwarten, von hier wegzukommen. Ich hatte meine Gründe, und zwar so manche triftige. Außerdem hasste ich die Bäume und die kurvenreichen Landstraßen genauso sehr wie die Einstellung meiner Eltern.

Bis heute hasse ich, was meine Eltern alles zu meinem Teenager-Ich gesagt haben. Aber Vermont macht auf mich einen besseren Eindruck als in früheren Zeiten. Ich bin reif dafür, irgendwo zu leben, wo kein Smog und Verkehr herrschen. Ich vermisse den Geruch von Holzfeuer in der Abendluft und den Anblick der hinter den Green Mountains versinkenden Sonne.

Vielleicht ist es seltsam, Heimweh nach einem Ort zu haben, der mir nicht gutgetan hat. Aber mir ist danach, Vermont eine zweite Chance zu geben. Ich hoffe, es gibt mir genauso eine zweite Chance. Und gleich werde ich herausfinden, ob tausendeinhundert Meilen weit zu fahren, eine gute Idee war oder einfach nur dämlich.

Schon als ich mich dem Haus nähere, geht die Eingangstür auf. Mein Dad bleibt hinter der Fliegengittertür stehen, die Fernbedienung für den Fernseher in der Hand, und starrt mich an, als hätte er einen Geist gesehen.

»Hallo«, sage ich vorsichtig.

»Roddy«, flüstert er. Er macht keine Anstalten, die Fliegengittertür zu öffnen, ich allerdings auch nicht. Vielleicht brauchen wir beide einen Augenblick, um den beiderseitigen Schock zu überwinden.

Er sieht älter aus. Erschrocken registriere ich das viele Grau in seinen Haaren und die neuen Fältchen um seine Augen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auch nicht mehr wie der dürre Achtzehnjährige aussehe, der ich einmal war. Folglich starrt er mich ebenso an und versucht, das zu verdauen.

»Du bist zurück?«, fragt er noch immer verdattert.

»Na ja …« Ich stoße ein leises, nervöses Lachen aus. »Bis jetzt habe ich in Nashville gelebt. Und gestern bin ich in mein Auto gestiegen und einfach so hergefahren. Ich habe zwei volle Tage gebraucht.«

Ich werde ihm nicht erzählen, warum ich Nashville verlassen habe. Er wird nicht hören wollen, wie schrecklich meine Beziehung geendet hat. Er wird überhaupt nichts von meiner Beziehung hören wollen, verdammt.

»Also«, fahre ich fort, »ich freue mich, wieder in Vermont zu sein. Allerdings fange ich quasi noch mal ganz von vorn an. Und da habe ich mich gefragt, ob …«

»Ralph?«, ertönt die Stimme meiner Mutter von irgendwo innerhalb des kleinen Hauses.

Mir bleibt kaum Zeit, mich darauf einzustellen, da erscheint sie schon hinter ihm. Sie trocknet sich die Hände an einem Geschirrtuch ab, ihre Haare sind zu einem lockeren Knoten geschlungen.

Mir zieht sich vor lauter Vertrautheit ein wenig das Herz zusammen, ehe ich mich dagegen wappnen kann.

»Roderick«, flüstert sie und macht große Augen. »Oh, Schatz. Was ist passiert?«

»Tja, nicht viel«, stammele ich. »Ich musste bloß raus aus Nashville und brauche einen Neuanfang. Da dachte ich mir, den könnte ich hier machen.«

»Hier?« Sie wringt das Geschirrtuch in ihren Händen, ein Leuchten in den Augen.

»Vielleicht«, sage ich, damit es nicht so klingt, als hätte ich gar keine andere Wahl. Aber wenn ich über die Türschwelle trete und bei ihnen unterkomme, dann nur, wenn ich auch willkommen bin. Ich werde mich nicht mit ihrer Verachtung abfinden. Da wäre es besser, im Auto zu schlafen.

»Du willst hier unterkommen«, stellt mein Vater klar. Er hat immer noch die Fernbedienung in der Hand. Und er hat immer noch nicht die Fliegengittertür aufgemacht.

Das ist kein gutes Zeichen.

»Nur für ein Weilchen«, sage ich. »Bis ich einen Job und eine eigene Wohnung gefunden habe. Ich bin Bäcker.«

»Du … was?«, fragt meine Mutter. »Kuchen und so?«

»Hauptsächlich Brot. Ich war auf der Kochschule. Ich bin aufs Brotbacken spezialisiert.«

Mein Vater sieht mich aus zusammengekniffenen Augen an, und das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass es nicht klappen wird. »Kochschule«, wiederholt er. Ablehnung klingt in seiner Stimme mit. Backen ist kein Beruf für einen echten Mann. Ich hätte genauso gut sagen können, ich wäre Balletttänzer oder träte in einer Dragshow auf. Meines Vaters Ansichten darüber, was ein Mann mit seinem Leben anfangen sollte, stammen geradewegs aus den Fünfzigern.

»Keine Gitarre mehr?«, fragt meine Mutter. Sie hofft, ich hätte meine Phase als queerer kleiner Musiknerd, den mein Vater nicht ertragen konnte, hinter mir gelassen. Sie versucht, ihn umzustimmen.

»Keine Gitarre«, bestätige ich, obwohl es mich ein bisschen fertigmacht zu suggerieren, ich hätte mich Dads Vorstellungen irgendwie angepasst und genug von der Musik. In Wahrheit habe ich meine Gitarre aus Versehen in Nashville zurückgelassen.

Von Musikern allerdings habe ich genug. Aber das ist eine andere, lange Geschichte.

»Wenn du bleibst …« Mein Vater presst die Lippen zusammen. »Dies ist unser Haus, unsere Regeln.«

Ich schlucke schwer. »Ich bin ein toller Gast. Ich koche sogar. Und putze.«

Meine Mutter jauchzt glücklich auf und greift zum Riegel der Fliegengittertür. Sie schiebt meinen Vater sogar leicht mit dem Ellbogen beiseite.

Er rührt sich jedoch nicht. Er starrt mich immer noch an, als wäre ich ein Rätsel, das er zu lösen versucht. »Aber du bist nicht … Du wirst nicht …« Er stockt.

»Was werde ich nicht?«, frage ich, wobei ich bereits weiß, worauf es hinausläuft.

Dad kriegt die abstoßenden Worte nicht mal raus. »Hast du eine Freundin?«, fragt er.

Feigling. Ich schüttele den Kopf. »Ich habe niemanden. Deswegen stehe ich vor eurer Tür. Ich musste raus aus einer schlimmen Beziehung, mit nichts als Klamotten und einer Kiste Bücher. Aber ich stehe immer noch auf Männer, wenn es das ist, was du wissen willst. Ich bin immer noch schwul.«

Meine Mutter seufzt bestürzt auf. Und dadurch, wie sich die Miene meines Vaters verdunkelt, weiß ich, dass ich umsonst hergekommen bin.

»Du bist nicht zur Kirche gegangen«, sagt mein Vater, als wäre das eine logische Schlussfolgerung. Aber für ihn ist es das vermutlich.

»In letzter Zeit nicht«, gestehe ich. »Mein Leben ist ein Trümmerhaufen, Dad. Ich kann nirgendwohin. Ich bitte euch, für ein paar Wochen in meinem alten Zimmer wohnen zu dürfen, bis ich mich neu sortiert habe. Und ich würde selbstverständlich hier mit anpacken.«

Während wir einander anstarren, herrscht grausames Schweigen. Und dann schüttelt er langsam den Kopf. »Erst wenn du Gottes Vergebung suchst.«

Es ist echt erstaunlich, dass man mit achtzehn mitten in einem Wortgefecht aus dem Haus stürmen und dann acht Jahre später sofort am selben Punkt weitermachen kann. Wir stecken immer noch in derselben Unterredung fest, die wir mein gesamtes letztes Highschooljahr über geführt haben.

»Ich ehre den Herrn«, sage ich leise. »Aber ich werde nicht bei Ihm um Vergebung dafür bitten, was ich bin und wen ich liebe.«

Mein Vater sieht mich angeekelt an, als hätte ich gerade verkündet, ich wäre ein glühender Anbeter Satans. Er verschränkt die Arme vor der Brust. Die Pose ist unmissverständlich. Geh. Du bist nicht länger mein Sohn.

Botschaft angekommen. Ich spüre den alten Schmerz in mir aufflackern, doch darauf folgt schnell Erschöpfung. Meine Wut wird gedämpft durch die zwei Tage hinterm Steuer meines Autos und dadurch, dass ich...


Bowen, Sarina
Sarina Bowen ist die USA-TODAY-Bestseller-Autorin der gefeierten THE-IVY-YEARS-Reihe. Sie hat Wirtschaftswissenschaften in Yale studiert und lebt nun mit ihrer Familie in Hanover, New Hampshire.

Sarina Bowen ist die USA-TODAY-Bestseller-Autorin der gefeierten THE-IVY-YEARS-Reihe. Sie hat Wirtschaftswissenschaften in Yale studiert und lebt nun mit ihrer Familie in Hanover, New Hampshire.



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