E-Book, Deutsch, Band 2, 304 Seiten
Reihe: Boyfriend
Boyce My Hot Dutch Boyfriend (Boyfriend 2)
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8458-5642-1
Verlag: arsEdition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Verlieben war nicht der Plan – oder?
E-Book, Deutsch, Band 2, 304 Seiten
Reihe: Boyfriend
ISBN: 978-3-8458-5642-1
Verlag: arsEdition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Sommer in Amsterdam, Kunst, Humor und Herz sorgen für gute Laune.
Sage ist ehrgeizig, und sie weiß genau, was sie will. Ihr Ziel: ein Sommerpraktikum im Labor ihrer Mentorin Dr. Reese in Amsterdam, dann College, dann eine naturwissenschaftliche Karriere. Neben dem Praktikum soll Sage in Amsterdam als Aupair-Mädchen auf Dr. Reeses dreijährigen Sohn aufpassen. Aber sie hat nicht mit Dr. Reeses Teenager-Sohn gerechnet. Ryland ist ein Künstler, und er braucht dringend jemanden, der ihn auf Kurs bringt. Die beiden treffen eine Abmachung: Sage soll Ryland davon abhalten, jeden Tag mit einem anderen Mädchen auszugehen, und Ryland soll sich um seinen kleinen Bruder kümmern. Den ganzen Sommer zusammen zu verbringen ist der perfekte Weg, um die Ablenkungen auf ein Minimum zu reduzieren. Oder etwa nicht?
Eine humorvolle Friends-to-Lovers-Geschichte vor der Kulisse Amsterdams. Ideal für alle, die romantische Komödien lieben!
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Ich bin mit den Nerven am Ende, dabei bringt mich normalerweise so schnell nichts aus der Ruhe. Aber nach einem achtstündigen Nachtflug neben einem zahnenden Säugling bin ich völlig durch den Wind, als wir am Flughafen in Amsterdam landen. Vor lauter Schlafmangel vergesse ich beim Aussteigen meine Laptoptasche an Bord und muss noch mal zurückgehen, um sie zu holen. Danach suche ich verzweifelt eine Toilette. Immerhin habe ich jetzt den Weg zur Gepäckausgabe gefunden. Ich wippe nervös mit den Fußzehen und hole mein Handy heraus, obwohl ich erst vor zwei Minuten das letzte Mal nach der Uhrzeit gesehen habe. Dr. Reese, bei der ich die nächsten zwei Monate wohnen werde, wird bald da sein, um mich abzuholen, und ich würde wirklich gerne mein Gepäck in Empfang nehmen und mich auf der Toilette frisch machen. Gerade als das Gepäckband mit einem Ruck anspringt, bekomme ich eine SMS.
Wir warten in der Ankunftshalle.
Schnell antworte ich:
Ich komme, sobald ich mein Gepäck habe.
Neben mir unterhält sich ein junges Paar auf Niederländisch, aber ich verstehe kein Wort. Als klar war, dass ich diesen Sommer bei Dr. Reese als Kindermädchen arbeiten würde, habe ich die Sprache ein bisschen gelernt, aber ich hatte nur ein paar Wochen Zeit, und Sprachen sind nicht meine Stärke. Mein Gehirn kommt mit Naturwissenschaften viel besser zurecht.
Ich fahre mit der Hand rasch über meinen dunklen Pixie Cut und streiche dann meine Bluse glatt. Ich bin zerknittert, zerzaust und erschöpft, aber das wird Dr. Reese hoffentlich verstehen. Ich möchte sie nicht warten lassen, darum schnappe ich meinen grauen Koffer, sobald ich ihn erspähe, und eile durch den Ausgang in die Ankunftshalle.
Eine kleine Menschenmenge wartet auf die Passagiere, darunter ein Mann mit einem Blumenstrauß und eine Familie mit Smiley-Luftballons. Ich scanne die Menge und entdecke Dr. Reese auf der linken Seite. Sie sieht so schick und professionell aus, wie ich sie letzten Herbst im Labor kennengelernt habe. Kastanienbraunes Haar rahmt ihr Gesicht in einem eleganten Bob ein und ihr blauer Seidenschal ist gleichzeitig stilvoll und sommerlich. Die meisten Mütter, die ich kenne – meine Schwester eingeschlossen – können von Glück sagen, wenn sie ein sauberes Oberteil anhaben, aber Dr. Reese schafft es irgendwie, auch als berufstätige Mutter perfekt gestylt zu sein.
Ihr dreijähriger Sohn sitzt in einem Buggy und nuckelt an einem verschmierten Trinklernbecher. Zu meiner Verblüffung hat er hellrote Haare. Auf den soll ich jetzt also jeden Tag aufpassen? Ich beäuge ihn misstrauisch. Er beäugt mich ebenso.
»Dr. Reese, ich freue mich so, Sie wiederzusehen.« Ich weiß nicht genau, wie ich mich verhalten soll, darum strecke ich die Hand aus.
Sie lächelt und schüttelt mir die Hand. »Ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass du da bist.«
»Vielen Dank für die Einladung. Die Arbeit in Ihrem Labor war das Highlight meines Senior Years, darum ist es echt ein Traum, dass ich wieder mithelfen darf.«
Im letzten Herbst habe ich ein Auslandssemester in England verbracht und die Gelegenheit für ein Praktikum im Onkologielabor von Dr. Reese genutzt, die für ein Sabbatical an der University of London war. Die Arbeit mit ihr war das Beste an den vier Monaten, auch wenn meine Freunde mich deswegen für verrückt halten würden. Es war zeitintensiv und anstrengend, aber ich habe jede Sekunde genossen.
»Ich habe deinen Enthusiasmus im Labor sehr vermisst. Du hast meine Doktoranden und Doktorandinnen in den Schatten gestellt.« Sie zwinkert mir zu. »Dieser Sommer wird aber ganz anders. Ich hoffe, du bist bereit für die Herausforderung. Wenn du Forschungsarbeit für schwierig gehalten hast, dann warte mal ab, wie das ist, den ganzen Tag auf einen Dreijährigen aufzupassen!«
Sie lacht über ihren Witz, aber mein Magen zieht sich nervös zusammen. Ich bin bereit, so ziemlich alles zu tun, um mehr Erfahrung in ihrem Forschungslabor zu sammeln, aber es ist eine Untertreibung, wenn ich sage, dass mir Kinder nicht liegen.
Als wüsste ihr Sohn, was mir durch den Kopf geht, schleudert er genau in dem Moment seinen Becher mit ungeheurer Wucht, als wäre er ein NFL Quarterback, quer durch die Ankunftshalle. Der Becher fliegt am Burger King und dem Laden mit Holztulpen vorbei, dann trifft er einen alten Mann am Kopf.
Der Mann schreit auf, und Dr. Reese und ich wechseln einen entsetzten Blick. Eine Sekunde zu spät wird mir klar, dass ich hinlaufen und den Becher holen sollte. Könnte sein, dass ich nicht wirklich zum Babysitten geschaffen bin.
Ich renne hin und hebe den Becher auf. Er ist klebrig. Ekelhaft.
»Es tut mir entsetzlich leid. Er hat es nicht mit Absicht …« Ich deute auf den Kleinen.
Der Mann wirft mir einen wütenden Blick zu und wendet sich dann ab.
»Diederik, nicht werfen«, sagt Dr. Reese im Singsang-Ton, als ich zurückkomme. »Sage, darf ich vorstellen – das ist Diederik.« Ihr liebevolles, breites Lächeln unterscheidet sich von dem ernsten Gesicht der Wissenschaftlerin, mit der ich in London zusammengearbeitet habe.
Ich reiche dem Jungen den Trinkbecher zurück. »Äh … nett, dich kennenzulernen, Diederik.«
Er schleudert ihn sofort wieder weg.
Ich versuche, alles mitzubekommen, was Dr. Reese erzählt, während sie durch Amsterdam zu ihrer Wohnung im Jordaan-Viertel fährt. Menschen flanieren auf den Bürgersteigen, Radfahrer sausen vorbei, die Giebel schmaler Häuser ragen auf. Doch leider ist mein Gehirn vor lauter Schlafmangel nicht aufnahmefähig. Ich hatte vorgehabt, eine Tablette zu nehmen und im Flugzeug die Nacht durchzuschlafen – genau wie damals im Herbst –, doch in den letzten sechs Monaten musste ich lernen, dass es unmöglich ist zu schlafen, wenn ein Baby neben einem weint.
Denn ich habe zusammen mit meiner älteren Schwester Wren und ihrer einjährigen Tochter Maddie bei meiner Mutter gewohnt. Ursprünglich war ich davon ausgegangen, das Haus dieses Jahr für mich allein zu haben, da Wren ans College gehen wollte, doch Maddie hat Wrens Pläne über den Haufen geworfen. Dass ich hierhergekommen bin, bedeutet letztlich nur, dass ich ein Haus mit Kind gegen ein anderes eintausche, doch Diederik ist schon drei, darum wird er wenigstens nicht die ganze Nacht durchschreien wie ein Baby.
»Wie läuft es im Labor?«, frage ich, weil ich weiß, dass mich dieses Gesprächsthema wach halten wird.
Dr. Reese’ Miene erhellt sich. »Sehr gut. Nach meinem Sabbatical in England war es zuerst eine Umstellung, aber jetzt geht alles seinen Gang. Wir haben gerade eine wirklich aufregende Zusammenarbeit mit einem anderen Wissenschaftler begonnen, der die psychologischen Auswirkungen einer Krebsdiagnose auf Patienten und deren Familien erforscht.«
Ich muss die Tränen unterdrücken, denn ich weiß nur zu gut, wie eine solche Diagnose sich auf Familien auswirkt. Doch das sage ich Dr. Reese nicht. Ich spreche nicht gern über meine privaten Dinge, schon gar nicht mit meiner Chefin.
Sie wendet sich mir zu und zeigt dabei wieder das ernste Gesicht einer Wissenschaftlerin. »Sobald du dich häuslich eingerichtet hast, würde ich mich freuen, wenn du mir helfen könntest, ein paar Quellenangaben zusammenzustellen für eine Abhandlung, an der wir gerade arbeiten. Und ich würde gern einen Entwurf für den Text sehen, den wir auf unser Berlin-Poster drucken können. Außerdem würde ich gerne schnellstmöglich damit anfangen, dich in Datenabstraktion einzuweisen. Katina ist im Moment völlig ausgelastet, darum werde ich mich auf dich verlassen müssen.«
Ich nicke eifrig. »Ja, auf jeden Fall.«
Vorfreude erwacht in mir. Das ist der wirkliche Grund, aus dem ich dazu bereit war, im Sommer hier als Babysitterin zu arbeiten. Ende Juli findet in Berlin ein großer internationaler Onkologiekongress statt. Dr. Reese hält eine Rede und darf einige wissenschaftliche Poster ausstellen, darunter eines über die Forschungsarbeit, bei der ich letzten Herbst geholfen habe. Seitdem ich davon erfahren habe, bin ich total scharf darauf, sie auf den Kongress zu begleiten und das Poster zu präsentieren. Ich stelle mir das so ähnlich vor wie die Wissenschaftsmessen, an denen ich teilgenommen habe. Jeder Teilnehmer erstellt ein Poster, um seine Forschungsarbeit zu illustrieren, und erklärt sie dann den anderen Teilnehmern. Bis auf den kleinen Unterschied, dass ich von einigen der angesehensten Krebsforschern der Welt umgeben sein werde, und nicht von Kindern, die noch aufs Elterntaxi angewiesen sind. Etwas auf einem solchen Kongress zu präsentieren ist mehr, als die meisten Studenten nach vier Jahren College machen werden, geschweige denn bevor sie überhaupt ihr Studium begonnen haben. Diese Art von Erfahrung könnte meine Chancen erheblich verbessern, nach einem Bachelor-Abschluss in Biologie an der Johns Hopkins University an einer der besten medizinischen Fakultäten angenommen zu werden.
Doch das Problem mit dem Kongress war, dass ich ihn mir nicht leisten konnte. Mit meinem Nebenjob in der Bücherei verdiente ich nicht genug für den Flug und das Hotel in Berlin. Und meine Mum braucht jeden...




