E-Book, Deutsch, Band 87, 400 Seiten
Reihe: Historical Gold Extra
Boyle Verführt von dem falschen Lord?
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-6531-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Historischer Liebesroman
E-Book, Deutsch, Band 87, 400 Seiten
Reihe: Historical Gold Extra
ISBN: 978-3-7337-6531-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Tragen Sie Rot, damit ich Sie erkenne!' Daphnes Herz klopft zum Zerspringen, als sie die Worte liest. Seit sie auf die Heiratsanzeige eines Mr. Dishforth geantwortet hat, schreiben sie sich zunehmend zärtlich. Und auf dem heutigen Ball wird sie ihn endlich kennenlernen. Als ein attraktiver Fremder sie auffordert, ist Daphne sicher: Er ist ihr geheimnisvoller Briefeschreiber! Ein Märchen scheint wahr zu werden - bis Daphne schockiert den Namen ihres Tanzpartners erfährt: Henry Seldon! Seit Jahrhunderten tobt eine Fehde zwischen Daphnes Vorfahren und der skandalösen Seldon-Familie. Wo ist Mr. Dishforth, um sie vor dem zügellosen Lord zu retten?
Bereits für ihren ersten historischen Roman erhielt Elizabeth Boyle den RITA Award für das beste Debüt. Auszeichnungen und Bestseller-Nominierungen für weitere siebzehn Romane folgten. Inzwischen hat Elizabeth Boyle ihren Job als Rechtsanwaltsfachangestellte aufgegeben, um hauptberuflich zu schreiben. Die New-York-Times-Bestsellerautorin, die in ihrer Freizeit gern gärtnert, strickt, liest, reist und Rezepte sammelt, wohnt mit ihrer Familie in Seattle.
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PROLOG
Höchst vernünftiger Gentleman mit eigenem Vermögen sucht vernünftige Dame aus gutem Hause zum Briefwechsel sowie – gegebenenfalls, nach reiflicher Überlegung – nachfolgender Eheschließung.
Anzeige im Morning Chronicle
Zu Beginn der Saison 1810
Nein, nein und nochmals nein!“, zeterte Lord Henry Seldon, als der Butler einen weiteren Postkorb ins Morgenzimmer brachte. „Nicht noch mehr von diesen unseligen Briefen! Verbrennen Sie sie, Benley! Hinfort, gehen Sie mir damit aus den Augen!“
Lady Henrietta Juniper, seine Zwillingsschwester und ehedem Lady Henrietta Seldon, sah von ihrem Teegedeck auf und mühte sich, ein Lachen zu unterdrücken, auch wenn es gar zu komisch war, wie Benley dort unschlüssig in der Tür stand und unter einem großen Weidenkorb wankte, der überquoll von offensichtlich unerwünschten Botschaften. „Stellen Sie ihn neben den anderen und hören Sie nicht auf Seine Lordschaft, Benley. Er ist heute früh ein wenig verstimmt.“
Ein wenig verstimmt? Er kochte vor Wut, hätte Henry gern erwidert, doch er richtete seinen Zorn lieber auf das eigentliche Objekt seines Ärgernisses. „Das wirst du mir mit dem Leben bezahlen, Preston.“
Preston, der nicht nur Henrys und Henriettas Neffe war, sondern auch der Duke of Preston und somit das Familienoberhaupt, duckte sich am Ende des Tisches hinter seine Zeitung und gab sich arglos.
Oh, wäre er es nur gewesen, aber von arglos konnte keine Rede sein. Gegenwärtig war er Henry mehr Fluch als Segen. Nicht nur hatte Preston sich mit seinem verwerflichen Tun, binnen weniger Wochen sage und schreibe fünf junge Damen ruiniert zu haben, auf die schwarze Liste der guten Gesellschaft katapultiert, nein, mittlerweile war sein Makel auch auf Henry und Hen abgefärbt, die auf einmal in kaum noch einem Hause empfangen wurden.
Als wären sie der Komplizenschaft schuldig.
„Du kannst Preston nicht umbringen“, schritt Henrietta ein. Sie tupfte sich die Lippen mit ihrer Serviette ab und legte sie neben ihren Teller. „Wie würde das denn aussehen? Du bist sein Erbe. Das wäre schlechter Stil.“
„Jawohl, schlechter Stil, da hast du es, Onkel“, sagte Preston über seine Zeitung hinweg. Er nannte Henry nur dann „Onkel“, wenn er ihn auf die Palme bringen wollte, betrug der Altersunterschied zwischen ihnen doch gerade mal sechs Monate – Prestons Großvater hatte die Zwillinge in unziemlich fortgeschrittenem Alter, quasi als einen Nachsatz, dem Familienstammbaum hinzugefügt.
Und so kam es, dass Henry der Onkel von Londons wohl berüchtigtstem Wüstling war.
Wenn Preston jetzt hier den anständigen Neffen geben wollte, würde Henry es ihm mit gleicher Münze vergelten. „Schlechter Stil war, was du und dein Freund, dieser Nichtsnutz von Roxley, euch mit dieser albernen Anzeige im Morning Chronicle geleistet habt.“
Wer hätte gedacht, dass eine einzige kleine Anzeige, ein Scherz von zwei Trunkenbolden, eine solche Flut von Antworten nach sich ziehen würde?
Henry fand sich förmlich begraben unter Briefen heiratswilliger Damen.
„Du solltest mir dankbar sein“, bemerkte Preston. „Jetzt kannst du dir eine Braut aussuchen, ohne jemals einen Fuß ins Almack’s setzen zu müssen.“
„Dir dankbar sein? Ich will überhaupt nicht heiraten“, erwiderte Henry. „Das überlasse ich dir – du bist der Erbe. Warum suchst du dir nicht eine dieser schreibwütigen Miezen aus?“
Preston schaute mit einem seltsamen Funkeln in den Augen auf. „Vielleicht habe ich sie ja schon gefunden? Meine Mieze, meine Tabby …“
„Oh nein, nicht das schon wieder“, seufzte Henry. „Soll das heißen, dass du diese Pfarrerstochter allen Ernstes heiraten willst, mit der du da herumtändelst?“
Ehe Preston etwas erwidern konnte, mischte Hen sich ein: „Du kannst dich glücklich schätzen, Henry, dass Preston sich seinen unseligen Scherz nicht in der Times erlaubt hat.“ Ein Lächeln spielte um ihre Lippen, als sie noch einen Schluck Tee nahm und sich zufrieden zurücklehnte. „Wenn ich ehrlich sein soll, fand ich Prestons Anzeige recht fad.“
„Fad?“, beschwerte sich Preston, schlug die Zeitung zu und musterte seine Tante. „Ich bin nie fad.“
„Dann eben harmlos“, lenkte sie ein. „Ich hätte nie gedacht, dass überhaupt jemand auf solchen Unsinn reagiert, geschweige denn einen Mann heiraten will, der sich selbst als ‚vernünftig‘ beschreibt.“ Sie schaute zu Benley hinüber, der den zweiten Postkorb neben dem ersten abstellte, der schon früher angekommen war. „Herrje, wie viele einsame Herzen gibt es denn in London?“
„Das wären jetzt knapp über zweihundert, Mylady“, erwiderte Benley und beäugte misstrauisch die gesammelten Werke, von denen ein betörendes Potpourri aus Rosenwasser und Veilchenduft aufstieg. „Mylord“, wandte er sich an Lord Henry, „Lady Tafts Lakai lässt fragen, wann Sie das ausstehende Porto zu begleichen gedenken. Ihre Ladyschaft ist recht ungehalten, eine nicht unbeträchtliche Summe aus eigener Tasche zahlen zu müssen – wie es aussieht, hat die Zeitung nun auch entlegenere Landstriche erreicht.“
Hen riss die Augen auf. „Die Briefe treffen in deinem Haus ein?“
„Ja, das tun sie“, erwiderte Henry.
„Natürlich tun sie das. So betrunken, dass ich diese Adresse hier angegeben hätte, war ich dann doch nicht“, warf Preston ein. „Man stelle sich nur den Lärm vor, die Belästigungen.“ Schaudernd wandte er sich wieder seiner Zeitung zu.
„Was nun auch der Grund für Lady Tafts Verdruss ist“, sagte Henry. „Als sie mein Haus für die Saison mieten wollte, habe ich ihr versichert, es sei eine der ruhigsten Adressen der ganzen Stadt.“
Besagtes Haus, gelegen am überaus respektablen und einstmals tatsächlich ruhigen Cumberland Place, war eine geräumige und repräsentative Stadtresidenz, die Henry von seiner Mutter geerbt, jedoch nie bezogen hatte. Wozu auch, wo er doch mit Preston und Hen – so diese sich gerade ohne Angetrauten befand –, sehr komfortabel im offiziellen Londoner Stadthaus der Seldons an der Harley Street lebte, gleich um die Ecke vom Cavendish Square. Bei solch einer guten Adresse und allen Vorzügen, die ein herzoglicher Haushalt zu bieten hatte, sah Henry wenig Sinn darin, einen eigenen Hausstand zu gründen.
Zumal er für sein nicht minder gut gelegenes Haus in Mayfair eine stattliche Miete einstreichen konnte – zumindest bislang. Er bedachte seinen Neffen mit strafendem Blick, aber Preston war zu sehr in seine Zeitung vertieft, um es auch nur zu bemerken. Wahrscheinlich war er auf der Suche nach dem neuesten Klatsch und Tratsch über – na, wen wohl? – sich selbst natürlich.
Konnte man es Lady Taft verdenken, dass sie damit drohte, das Mietverhältnis aufzulösen, wenn ständig die Türglocke ging, weil schon wieder einer dieser vermaledeiten Briefe eingetrudelt war?
Allesamt adressiert an den höchst vernünftigen Gentleman.
Dabei fühlte er sich im Augenblick alles andere als vernünftig.
Henry stieß seinen Stuhl vom Tisch zurück und stand auf. Raschen Schrittes durchmaß er den Raum, schnappte sich den ersten der beiden Körbe und marschierte damit zum Kamin.
„Du lieber Himmel!“, rief Hen und sprang auf. „Was hast du denn vor?“
Selbst Preston ließ die Zeitung sinken und verfolgte das Geschehen.
„Wonach sieht es denn aus?“, fragte Henry und blieb vor dem Kamin stehen. „Verbrennen werde ich sie, allesamt.“
Hen schoss durchs Zimmer, in ihrer Trauerkleidung wie ein schwarzer Pfeil, und entwand ihm den Korb. „Aber nein, das darfst du nicht.“
Henry versuchte, ihn zurückzubekommen, aber vergebens, er hätte es sich denken können. Nicht umsonst galt Hen als vermutlich die sturste aller Seldons, die je gelebt hatten. Sie drehte sich so, dass der Korb außerhalb seiner Reichweite war, und funkelte ihn an.
„Die Damen haben sich beim Verfassen dieser Briefe alle erdenkliche Mühe gegeben und erwarten eine Antwort. Du kannst die Briefe nicht einfach aus einer Laune heraus verbrennen“, sagte sie. „Das gehört sich nicht. Du musst sie beantworten. Und zwar alle.“
Voller Hoffnung, dass der von den Ergüssen der einsamen Herzen aufsteigende betäubende Duft nach eau florale seine Schwester überwältigen würde, schenkte Henry ihren Worten kaum Beachtung. Sein ganzes Trachten ging dahin, sich die Briefe zu schnappen, kaum dass Hen bewusstlos zu Boden ging – und sie hoffentlich dem Feuer zu überantworten, ehe sie wieder zur Besinnung kam.
Doch nicht einmal die beseligende Vorstellung, die Folgen von Prestons sogenanntem Scherz auf den Kohlen verglühen zu sehen, konnte ihn nicht über die Bedeutung von Hens Worten hinwegtäuschen.
Sie wollte, dass er diese leidigen Briefe beantwortete.
Henry lauschte den Worten noch einmal nach. Sie beantworten? Jeden einzelnen Brief?
Preston schien sich über diese Aussicht köstlich zu amüsieren. „Aber ja, Henry, dem kann ich nur beipflichten“, sagte der Duke. „Du willst doch nicht so viele Damen enttäuschen, oder? Das wäre ganz und gar nicht vernünftig.“
Henry ignorierte Preston und hielt den Blick auf seine Schwester gerichtet. „Du erwartest doch nicht allen Ernstes von mir, dass ich all diesen Frauen schreibe?“
„Aber natürlich! Jedes dieser armen Geschöpfe wartet doch nur auf deine Antwort. Wahrscheinlich stehen sie jetzt gerade,...




