Braesi / Benedict | Magdeburger Mords- und Spukgeschichten | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 264 Seiten

Braesi / Benedict Magdeburger Mords- und Spukgeschichten


2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7543-6798-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 264 Seiten

ISBN: 978-3-7543-6798-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Es hat vielleicht etwas länger gedauert, als wir es geplant hatten, aber die Recherchen erwiesen sich als sehr umfangreich. Schließlich wollten wir uns in unserem 2. Buch nicht nur auf Kriminalfälle in und um Magdeburg konzentrieren. Dieses Mal wird es auch noch gruselig. Wenn "Das Ding aus dem Eis" mit der "Schwarzen Äbtissin" "Nachts im Naturkundemuseum" um die Wette spukt und das "Biss zum Morgenrot", dann beweist das zweierlei. Erstens, der Magdeburger Mörder Club hat wieder zugeschlagen und zweitens, auch die Untoten schrecken nicht vor Verbrechen zurück. Das Grauen ist längst in Magdeburg angekommen und darum: Fuck you Corona!

Geboren 1960 und aufgewachsen in Magdeburg. Sie hat eine Ausbildung als Heimerzieherin und war u.a. in der Erwachsenenbildung sowie als Kabarettistin tätig. Mit dem Schreiben begann sie 2015 als Selfpublisherin. Ihre Bücher stellt sie gern persönlich auf Lesungen vor.
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Fuck you Corona – Teil 1


Sylvie Braesi

Still und leer lag die Straße vor ihnen. Hinzu kam, dass kaum eine Menschenseele unterwegs war. Die Sonne schien und die ersten Frühblüher hatten keck ihren Winterschlaf beendet.

„Das könnte ein richtig schöner Sonntag sein“, startete POM Rademacher den x-ten Versuch, seine Partnerin POM Grabovski aufzuheitern. Ohne Erfolg.

„Ist es aber nicht“, knurrte sie zurück.

Leider hatte sie Recht. Es war Montag, der 31. März und es war Lockdown. Rademacher war aber keiner von denen, die so schnell aufgaben. Er begann ungeachtet von Grabovskis schlechter Laune die Vorteile des Lockdowns aufzuzählen.

„Mensch Ellen, guck mal. Es könnte viel schlimmer sein. Montagmorgen und die typischen verstopften Straßen in der City. Zahlreiche Meldungen von Einbrüchen, die am Wochenende verübt und heute erst bemerkt wurden. Oder die Entlassungen aus den Ausnüchterungszellen. Das alles ist uns heute erspart geblieben. Stattdessen sind die Straßen leergefegt und wir haben einen schönen Einsatz am Hundertwasserhaus, wo wir die Einhaltung der Abstands- und Verhaltensregeln überwachen sollen. Gleich macht der Italiener auf und wir kriegen unseren Coffee-to-go direkt zum Streifenwagen gebracht. Also, mir gefällt`s.“

Grabovski brauchte einen Moment, um Rademachers Ansprache zu verdauen. Ihr Partner schien das alles immer noch für ein Spiel zu halten, unglaublich. Und was das Schlimmste war, eigentlich war sie im Team sonst das Sonnenscheinchen und er der Miesepeter. Doch zurzeit hatten sie die Rollen getauscht.

Grabovski wollte nicht schon wieder eine Diskussion vom Zaun brechen. Davon hatte es in der letzten Woche schon genug gegeben. Beide waren schließlich zu dem Entschluss gekommen, über Corona und alles, was damit zusammenhing, nicht mehr zu reden. Sie waren einer Meinung, nicht einer Meinung zu sein und das musste für die Arbeit reichen.

Als Grabovski Angelo mit den beiden Kaffeebechern herauskommen sah, wuchs ihr Unwohlsein weiter. Sie wusste nämlich, was nun kommen würde und es missfiel ihr.

Rademacher und Angelo führten, wie schon an einigen Tagen zuvor, eine italienische Seifenoper auf. Das hieß, sie stritten lautstark und mit übertriebenen Gesten um die Bezahlung des Kaffees. Keinen interessierte, dass sie dabei stets dem gleichen Drehbuch folgten und auch das Ende von vornherein feststand. Sie machten sich einfach einen Spaß daraus.

R: „Was kriegst du?“

A: „Nixa! Issa umsonst!“

R: „Nein, das können wir nicht annehmen, also wie viel?“

A: „Ische sagen doch, issa umsonst, für disch und deine übsche Partnerin.“

R: „Angelo? Das geht nicht.“

A: „Klaro gehe das, mein Freund!“

R: „Wir sind von der Polizei und dürfen nichts annehmen. Das wäre Bestechung.“

A: „Nixa Bestechung! Angelo nix Mafia, Angelo Freund und Polizei passen auf Freund auf. Basta!“

An der Stelle reichte Angelo seinem Freund stets die Kaffeebecher, drehte sich um und verließ die Bühne nach links. Rademacher schickte noch ein sehr italienisch klingendes „Angelo, prego!“, hinterher. Worauf der Angesprochene jedes Mal sehr theatralisch die Arme nach oben riss.

Heute gab es eine kleine Änderung im Drehbuch. Angelo wandte sich noch mal um und warf Grabovski ein inniges „Bella Donna!“ und einen Luftkuss zu.

Es war so peinlich.

Grinsend schob Rademacher den Kaffee rüber. Ein wirklich verführerischer Duft entstieg dem Becher und natürlich griff sie zu. Etwas so Gutes durfte man doch nicht vergeuden. Außerdem hatte sie heute Morgen keinen Kaffee mehr trinken können.

Der morgendliche Stress im Hause Grabovski war seit dem Beginn des Lockdowns eine feste Größe geworden. Ellen und ihr Mann arbeiteten in systemrelevanten Berufen: er bei der Städtischen Abfallentsorgung und sie bei der Polizei.

Der Jüngste, Fabian, war in der 3. Klasse und durfte in die Notbetreuung. Die Älteste, Nele, ging in die 8. Klasse, das hieß Homeschooling.

Jeden Morgen gab es dasselbe Gezeter. Fabian wollte nicht in den Hort und Nele wollte nicht aufstehen. Notbetreuung sei Scheiße und Homeschooling noch viel Es war ein täglicher Wettstreit, wer von beiden schlimmer dran war und das meiste davon bekam Grabovski ab, denn ihr Mann fing schon um 5 Uhr zu arbeiten an.

Es endete in der Regel damit, dass Grabovski ein Machtwort sprach, Fabian heulte, Nele die Tür zu ihrem Zimmer zuknallte und für den Kaffee keine Zeit mehr blieb.

So war es auch heute Morgen gewesen und deshalb duftete der frische Kaffee von Angelo besonders verlockend. Grabovski nahm einen Schluck und hätte sich beinahe den Mund verbrannt. Rademacher schien dagegen einen weniger empfindlichen Gaumen zu haben. Grabovski stellte ihren Becher lieber noch einmal in den Getränkehalter und im selben Augenblick plärrte die Funksprechanlage los.

Die beiden Beamten sahen sich fassungslos an. Hatten sie richtig gehört? Banküberfall? Schon wieder? Das war dann heute der dritte Notruf mit diesem Hintergrund. Unfassbar!

Die ersten beiden Male hatte der Alarm sie beide nicht betroffen, dieses Mal war das anders. Sie waren am dichtesten dran und damit auch am dransten.

Es dauerte keine 10 Sekunden und der Streifenwagen legte einen Alarmstart hin, wie er im Buche stand. Davon wurde eigentlich abgeraten, vor allem wenn der Wagen auf dem Gehweg geparkt war. Aber heute waren ja keine Leute unterwegs und es bestand nur ein sehr geringes Risiko auf Verluste.

Grabovski fuhr und Rademacher fragte vorsichtshalber noch mal nach. Die Bestätigung kam postwendend und die Information, dass weitere Einsatzkräfte unterwegs waren. Grabovski und Rademacher sollten zunächst mal sichern und abwarten.

„Dürfen wir wenigstens hinterherwinken, wenn die Bankräuber abfahren?“, fragte Rademacher verärgert. Für die Bemerkung erntete er von seiner Partnerin einen finsteren Blick und die Bemerkung: „Wir sind nur zu zweit und wissen nicht, mit wie vielen Bankräubern wir es zu tun haben. Also, ich habe nicht vor, Sheriff zu spielen.“

„Ich doch auch nicht“, beruhigte Rademacher sie.

Da der Verkehr auf den Straßen fast zum Erliegen gekommen war, konnten sie auf Blaulicht und Sirenen verzichten und kamen trotzdem schnell vorwärts. Und ihr Nahen blieb dadurch auch unbemerkt.

Grabovski brachte den Wagen in einiger Entfernung zum Stehen und meldete ihre Ankunft der Zentrale. Dann stiegen beide aus. Die Hand auf dem Holster und viel Adrenalin im Blut näherten sie sich der Bank bis auf 50 Meter. Das war nicht nah genug, um etwas sehen zu können.

Wo nur die Verstärkung blieb?

Plötzlich öffnete sich die Automatiktür der Bank und zwei Hände mit einem Kopf dazwischen schoben sich langsam nach draußen. Kopf und Hände gehörten offensichtlich zu einem Mann, der seine restlichen Körperteile vorsichtshalber im Inneren beließ. Seine Vorsicht war nicht ganz unberechtigt.

Die beiden Polizisten zogen ihre Waffen, richteten sie auf den Kopf und brüllten nicht ganz unisono: „Polizei! Kommen Sie mit erhobenen Händen heraus!“

Das klang nicht sehr freundlich und verwirrend war es auch, denn seine Hände waren ja schon oben. Der Mann erstarrte augenblicklich und rief den Beamten etwas zu, das im Gebrüll weiterer polizeilicher Anweisungen unterging.

Weitere Sekunden vergingen mit gegenseitigen Zurufen und ohne nennenswerte physische Veränderungen.

Grabovski fasste schließlich einen Entschluss. Als erstes brüllte sie, so wie sie es schon am Morgen zuhause getan hatte, so laut, dass auch zwei kreischende Kinder keine Chance gehabt hätten: „Ruhe, verdammt noch mal!“

Der Kopf und sein Rest erstarrten zur Salzsäule und sogar Rademacher zog anerkennend die Augenbrauen nach oben.

Ihre nächste Ansage galt dem Kopf, klang aber schon wesentlich ruhiger. „Kommen sie langsam nach draußen. Behalten sie die Hände oben.“

Der Kopf gehorchte, wenn auch ungern, das war nicht zu übersehen.

„Wer sind Sie?“

„Ich bin Peter Klusmann. Ich bin der Bankfilialleiter“, kam es etwas kläglich zurück. Grabovski, die eigentlich kein Sheriff sein wollte, ging mit ausgerichteter Waffe auf Klusmann zu. Nachdem sie am Jackett einen Firmenausweis mit Bild und Namen entdeckt und gelesen hatte, durfte er endlich die Hände runternehmen.

„Uns wurde ein Banküberfall gemeldet.“

Klusmann zog entschuldigend die Schultern nach oben.

„Also, das tut mir wirklich leid. Wir haben gerade gemeldet, dass es nur ein Missverständnis war. Hat man Ihnen das nicht mitgeteilt?“

Nein, hatte man noch nicht. Aber das erklärte zumindest, wieso keine Verstärkung gekommen war.

„Wir haben alles unter Kontrolle. Es war nur ein dummer Jungenstreich. Unser Securitymann hat den Übeltäter schon überwältigt. Sie können ihn gern mitnehmen.“ Klusmann lief wieder in die Bank zurück und die beiden Beamten schickten sich an, ihm zu...



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